Adalgisel Grimo

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Adalgisel Grimo († nach 634) war Diakon und Angehöriger des austrasischen Adels. Geschichtlich bedeutsam ist er vor allem durch sein am 30. Dezember 634 verfasstes Testament,[1] die älteste bekannte frühmittelalterliche Urkunde zwischen Maas und Rhein, die wichtige Aufschlüsse über die Siedlungs-, Verfassungs-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte dieses Raumes gibt.

Adalgisel Grimo ist mit einem Doppelnamen benannt, wie er gelegentlich in frühmittelalterlichen Quellen auftaucht; „Grimo“ ist die Koseform einer größeren, mehrsilbigen Namensform.[2] Er wurde an der Bischofskirche von Verdun erzogen und ausgebildet. Er war Diakon unter Bischof Paulus von Verdun und gründete die Abtei Tholey. Er verfügte über einen umfangreichen Streubesitz zwischen Maas und Rhein, den er in seinem Testament unter anderem der Abtei St. Maximin bei Trier und dem Kloster von Longuyon vermachte.

Zu seinen Verwandtschaftsverhältnissen gibt es Hinweise in seinem Testament. Demnach war seine Schwester eine Diakonin mit dem Namen Ermengundis. Er erwähnt des Weiteren, dass seine Tante, deren Name nicht genannt wird, in der Kirche des Heiligen Georg von Amay bestattet liegt. Es handelt sich um Oda von Amay (auch: Chrodoara), deren leerer Sarkophag im Jahre 1977 bei archäologischen Ausgrabungen im Chor der romanischen Stiftskirche Saint-Georges in Amay gefunden wurde.[3][4] Oda war mit einem Herzog namens Bodogisel verheiratet, dem Angehörigen einer nordaquitanischen Adelssippe. Durch den Fund des Sarkophags konnten ältere Vermutungen über eine Zugehörigkeit des Adalgisel zu dieser Sippe bestätigt werden, deren Mitglieder an der Namensendung „-gisil“ zu erkennen sind.[5]

Das in lateinischer Sprache verfasste Testament des Adalgisel Grimo liegt in einer Abschrift aus dem 10. Jahrhundert vor und wird im Landeshauptarchiv Koblenz aufbewahrt.[6] Die maßgebliche Edition des Textes wurde im Jahre 1932 von Wilhelm Levison vorgelegt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Urkundenbuch zur Geschichte der mittelrheinischen Territorien I, Coblenz 1860, Nr. 6, S. 5–8.
  2. Herrmann 1975, S. 77.
  3. Jacques Willems: Le Sarcophage de Sancta Chrodoara en l'eglise collegiale Saint-Georges d´Amay. Amay 1978 (Cercle Archéologique Hesbaye-Condroz, 15).
  4. Jacques Stiennon, Le sarcopharge de Sancta Chrodoara à Saint-Georges d'Amay. Essai d'interprétation d'une découverte exceptionnelle. In: Comptes-rendus des séances de l'Académie des Inscriptions et Belles-Lettres, 123e année, N. 1, 1979, 10-31.[1]
  5. Herrmann 1975, S. 78.
  6. LHAKo Bestand 1 A, Nr. 1 Grimo Testament.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]