Adam Elias von Siebold

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Adam Elias von Siebold

Adam Elias von Siebold, auch Johann Elias Cosmas Adam Siebold (* 5. März 1775 in Würzburg; † 12. Juli 1828 in Berlin) war ein deutscher Gynäkologe, Geburtshelfer und Hochschullehrer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adam Elias von Siebold war der vierte und jüngste Sohn des Carl Caspar von Siebold (1736–1807), Professor für Anatomie, Chirurgie und Geburtshilfe an der Universität Würzburg. Im Gegensatz zu seinen Brüdern sollte er nach dem Willen seines Vaters eigentlich Kaufmann werden, kehrte aber dann nach einer halbjährigen Lehrzeit in einem Augsburger Handelshaus nach Würzburg zurück um ebenfalls Medizin zu studieren. Während seines 1792 begonnenen Studiums wurde er Mitglied im Constantistenorden.[1] Nach Studien in Würzburg, Jena und Göttingen wieder in Würzburg wurde er im Jahr 1798[2] zunächst zum Dr. med. promoviert, im selben Jahr habilitierte er sich dort auch und im Folgejahr 1799 wurde er zum Extraordinarius für das neue Fach „Geburtshilfe“ an der Universität Würzburg ernannt. Bei seinen Lehrern berief er sich besonders auf Johann Christian Stark (1753–1811) in Jena, Friedrich Benjamin Osiander (1759–1822) in Göttingen und später, als er selbst schon Extraordinarius war, auf Johann Lukas Boër (1751–1835) in Wien.

Im Jahr 1804 hatte er in Würzburg den Bau der ersten Gebäranstalt (die erste höhere „Bildungsanstalt für Aerzte als Accoucheurs“), eine Entbindungsklinik und Hebammenschule, zu leiten, die er im Sommersemester 1805 nach seiner Ernennung zum Ordinarius auch selbst in einem ehemaligen Epileptikerhaus in der Nähe des Juliusspitals in der Klinikstraße 6 (wo 1858 die Augenklinik von Robert von Welz entstand) eröffnete und führte.[3] (Die neue Entbindungsklinik löste eine am Inneren Graben 18 im ehemaligen Freihaus bis 1791 betriebene Einrichtung zur Aufnahme verunglückter Personen und insbesondere von Schwangeren mit plötzlich einsetzenden Wehen ab, wo Johann Georg Christoph von Siebold (der Sohn von Carl Caspar von Siebold) am 17. Dezember 1791 ein provisorisches Entbindungsinstitut eingerichtet wurde).[4] Nachdem er 1816 einem Ruf nach Berlin gefolgt war, eröffnete Siebold im Jahr 1817 an der Charité die neue Universitätsfrauenklinik und gliederte ihr jeweils eine Poliklinik für kranke Frauen und eine für Geburtshilfe an.

Siebold betätigte sich als Autor mehrerer Lehrbücher, entwickelte in Würzburg ein Übungsphantom für den praktischen Unterricht[5] in der Geburtshilfe[6] und war ab 1804 Herausgeber der medizinischen Fachzeitschrift Lucina. Eine Zeitschrift zur Vervollkommnung der Entbindungs-Kunst. Ihm wird das Zitat zugeschrieben: „Stille und Ruhe, Zeit und Geduld, Achtung der Natur und dem gebärenden Weibe, und der Kunst Achtung, wenn ihre Hülfe die Natur gebietet.“ Am 15. Mai 1804 wurde er zum Mitglied (Matrikel-Nr. 1025) der Leopoldina gewählt und erhielt dort den Beinamen „Cleophantus III“.

Er starb mit 53 Jahren an einem Magenleiden.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siebold heiratete 1800 Sophie Schaeffer (1779–1816) eine Tochter des Leibarztes Jacob von Schaeffer (1752–1826). Das Paar hatte 5 Söhne von denen 3 früh verstarben, sowie 5 Töchter von denen 2 früh starben:

⚭ Fanny Noeldechen (* 1804; † 26. Dezember 1854)
⚭ Antonie Noeldechen (* 2. September 1816; † 5. August 1896)
  • Sophia (1805–1837) ⚭ Hans Wichmann († vor 1847), Landwirt, Amtmann
  • Bertha (1807–1889) ⚭ Hans Wichmann
  • Louise (1814-nach 1876) ⚭ N.N. Meyer, Kaufmann in Stettin

Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er 1823 in Berlin Friederike Auguste Pauly (1806–1845), die Tochter des Oberamtmanns in Blankenburg Johann Friedrich Pauly. Das Paar hatte zwei Töchter von denen eine früh verstarb:

  • Marie (1828–1909) ⚭ Hermann August Berger (1821–1887), Gutsbesitzer und Oberamtmann

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1808: Ehrenmitglied der Physikalisch-medizinischen Gesellschaft zu Erlangen
  • 1809: Ehrenmitglied der Wetterauischen Gesellschaft für die gesamte Naturkunde in Hanau
  • 1816: Ernennung zum Königlich Preußischen General
  • 1818: Die Kaiserinmutter von Russland verleiht ihm einen Brillantring
  • 1819: Goldene Verdienstmedaille von Preußen
  • 1819: Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät der Universität Würzburg
  • 1819: Ritter des hannoverschen Guelphen-Ordens
  • 1820: Roter Adlerorden III. Klasse

Das Siebold-Gymnasium in Würzburg wurde zur Erinnerung an ihn und weitere bedeutende Mitglieder seiner Familie[7] (insbesondere seinen Neffen Philipp Franz von Siebold) so benannt.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ein Paar Worte an meine Zuhörer über einige Gegenstände der Geburtshilfe. Stahel, Würzburg 1799.
  • Ueber Zweck und Organisation der Klinik in einer Entbindungsanstalt. Ein Programm zur Eröffnung der klinischen Schule in der neuen Churfürstlichen Entbindungsanstalt an der Julius-Maximilians-Universität zu Würzburg. Bamberg/Würzburg 1806.
  • Annalen der clinischen Schule an der Entbindungsanstalt zu Würzburg. Erster Band. Leipzig 1806.
  • Handbuch zur Erkenntniß und Heilung der Frauenzimmerkrankheiten. Zweiter Band. Erster Abschnitt: Von den Krankheiten des reproduktiven Systems. Zweiter Abschnitt: Von den Krankheiten der Gebärenden. Barrentrapp, Frankfurt a. M.: 1. Aufl. 1815, 566 Seiten.
  • Ueber ein bequemes und einfaches Kissen zur Erleichterung der Geburt und Geburtshilfe. Berlin 1818.
  • Handbuch zur Erkenntniß und Heilung der Frauenzimmerkrankheiten. Erster Band. Erster Abschnitt: Physische Individualität des Weibes. Zweiter Abschnitt: Von der Bleichsucht, der Mutterwuth, der Hysterie und Unfruchtbarkeit. Dritter Abschnitt: Von den Krankheiten der Brüste. Vierter Abschnitt: Von den Krankheiten der Geburtstheile. Barrentrapp, Frankfurt a. M. 1821, 797 Seiten.
  • Lehrbuch der theoretisch-praktischen Entbindungskunde. 2 Bände, 1821–1824.
  • Ueber den Gebärmutterkrebs, dessen Entstehung und Vewrhütung. Berlin 1824.
  • Handbuch zur Erkenntniß und Heilung der Krankheiten der Wöchnerinnen. Frankfurt am Main 1826.
  • Ausführliche Beschreibungen der Heilquellen zu Kissingen und ihre Auswirkung besonders bei Frauenzimmerkrankheiten. 1828
  • Dr. J. G. C. Schäffers Biographie, Schade, Berlin 1824.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wikisource: Adam Elias von Siebold – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl Hoede: Burschen heraus. Zur Erinnerung an den Ursprung der alten Burschenherrlichkeit. Frankfurt am Main 1962, S. 55.
  2. mit Dissertatio inauguralis medico-obstetricia sistens diagnosis conceptionis et graviditatis sarpe dubiam.
  3. Adam Elias von Siebold: Über Zweck und Organisation der Klinik in einer Entbindungsanstalt. Ein Programm zur Eröffnung der klinischen Schule in der neuen Churfürstlichen Entbindungsanstalt an der Julius-Maximilians-Universität zu Würzburg. Bamberg/Würzburg 1806.
  4. Ute Felbor: Rassenbiologie und Vererbungswissenschaft in der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg 1937–1945. Königshausen & Neumann, Würzburg 1995 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Beiheft 3; zugleich Dissertation Würzburg 1995), ISBN 3-88479-932-0, S. 13–23.
  5. Adam Elias von Siebold: Über prakt. Unterricht in der Entbindungskunst nebst einer systematischen Uebersicht seiner prakt. Uebungen am Phantom. Grattenauer, Nürnberg 1803.
  6. Gerhard Ritter: Zur Entwicklung des geburtshilflichen Phantoms im 19. und 20. Jahrhundert. In: Medizinhistorisches Journal. Band 1, 1966, S. 224–232.
  7. Hans Körner: Die Würzburger Siebold. Eine Gelehrtenfamilie des 18. und 19. Jahrhunderts. Degener, Neustadt a.d. Aisch 1967 (= Quellen und Beiträge zur Geschichte der Universität Würzburg. Band 3).