Adam Opel AG Werk Bochum I

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Luftaufnahme 2014
Verwaltungsgebäude Werk I, Bochum

Das Adam Opel AG Werk Bochum I zählte zusammen mit den Opel-Werken II/III zum Produktionsstandort der Adam Opel AG in Bochum.

Das Werk I befindet sich auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Schachtanlage I der Zeche Dannenbaum in unmittelbarer Nähe der Stadtautobahn Bochumer Ring am Teilstück Nordhausen-Ring, das Werkstor 4 hat nahezu direkten Anschluss an die Autobahn A44 am Autobahnkreuz Bochum/Witten (A44 (Bochum - Dortmund) / A43 (Münster - Wuppertal)).

Geschichte[Bearbeiten]

Da sich abzeichnet, dass die Bergbaukrise nicht nur konjunkturell sondern strukturbedingt ist, wird seit Februar 1959 mit General Motors, vertreten durch Gaston de Wolff, über die Bedingungen einer Ansiedlung von Opel verhandelt; am 20. Mai 1960 gibt die Stadt Bochum die Ansiedelung eines Opel-Werkes auf dem Gelände der noch nicht stillgelegten Zeche Dannenbaum bekannt – die Stilllegung ist am 10. Dezember 1958 von der Gelsenkirchener Bergwerks-AG beschlossen worden (1957/58 begann die Kohlekrise).

Das Gelände wird im selben Jahr durch die Stadt Bochum von der GBAG für rund 2,2 Mio. DM nebst weiterer Flächen für weitere 3 Mio. DM erworben und mit einem Aufwand von rund 1 Mio. DM baureif gemacht. Die Stadt übernimmt letztendlich sämtliche Abbruchkosten sowie die Haftung für Regressansprüche wegen eventueller Bergschäden. Im Mai 1960 verkauft die Stadt Bochum die neu erworbenen Flächen für rund 1,2 Mio. DM an die Adam Opel AG und übernimmt zusätzlich Kosten für infrastrukturelle Erschließungsmaßnahmen (Anschluss an den zu bauenden Opelring (heute Teil des Bochumer Rings), den Erwerb des heutigen Kraftwerks Bochum der Zeche Prinz Regent zur Bereitstellung von Energie und Dampf). Im Stadtteil Laer ändert sich das Ortsbild stark.

Beginn der Erdarbeiten ist der 15. August 1960, die Betonarbeiten können im Januar 1961 begonnen werden. Beim Bau des Werkes werden mehr als 2 Millionen Kubikmeter Erde bewegt und etwa 500.000 Kubikmeter Beton verbaut. Nach dem Richtfest am 12. April 1962 wird das Werk am 10. Oktober 1962 fertiggestellt; im Juli 1963 kann die Produktion des Opel Kadett A auf 458.000 Quadratmeter Produktionsfläche anlaufen. Von den 11.600 Arbeitern, die 1964 in den Bochumer Werken arbeiten, kommen lediglich 2564 aus dem Bergbau. [1][2] Über das Gelände für Werk I und die Opel-Werke II/III in Langendreer hinaus erwirbt die Opel AG eine zehnjährige Kaufoption für ein viertes Werk auf dem Gelände der Imprägnieranlage auf Schacht V der Zeche Lothringen, dem heutigen Gewerbepark Gerthe-Süd. Die Schließung der Zeche Mansfeld am 31. März 1963 sowie der Zeche Robert Müser am 31. März 1968 wurde durch die Einrichtung eines Bauwerkssicherheitspfeilers und die damit verbundene Verkleinerung der abbauwürdigen Felder vermutlich noch beschleunigt.[3]

Entwicklung des Werkes und der Modellpalette[Bearbeiten]

In Bochum wird zunächst nur die Neuauflage des Kadett mit rund 60 Farhzeugen pro Stunde gefertigt und die Leistung dann bis 1969 auf 105 Fahrzeuge pro Stunde hochgefahren. Im Jahr 1970 wird mit dem Opel Manta ab September und dem Opel Ascona A ab November auch die Fertigung zweier weiterer Baureihen aufgenommen und bis zum Oktober 1980 (Ascona) bzw. 1988 (Manta) fortgeführt. 1987 wird die weltweit erste Lackiererei für wasserbasierte Lacke in Betrieb genommen. Im Spitzenjahr 1992 laufen 361.994 Fahrzeuge vom Band, danach sinken Ausstoß und Belegschaft kontinuierlich, auch wenn die Fertigung des Opel Zafira ab 1999 nochmals eine zweite in Bochum gefertigte Baureihe und einen Jahresausstoß oberhalb der 300.000 Fahrzeuge-Marke bedeutet. Ab 2004 werden neben dem Zafira nur noch die Kombi-Typen des Opel Astra H in Bochum gefertigt. Im Dreischichtbetrieb können etwa 1200 Fahrzeuge pro Tag gebaut werden.

In den Spitzenzeiten arbeiteten in den Werken I, II und III etwa 20.000 Menschen, im Jahr 2003 noch etwa 10.800 Menschen. Ein Grund für den Verlust von Arbeitsplätzen bei zugleich steigender Produktivität ist der zunehmende Automatisierungsgrad in der Automobilproduktion (z.B. mehr Schweißroboter). In den Bochumer Opel-Werken waren 2011 noch rund 5170 Menschen beschäftigt.[4] Durch die Aufgabe der Automobilproduktion in Bochum im Jahr 2014 werden etwa 3.500 Stellen entfallen.[5] Das beschloss der Aufsichtsrat der General-Motors-Tochter auf Vorschlag des Vorstands am 17. April 2013 in Rüsselsheim.[6] Am 5. Dezember 2014 um 00.27 Uhr lief der letzte Wagen, ein Zafira, in Bochum vom Band, die Fertigung sollen unter anderem nach Polen verlagert werden.

Gegenwart[Bearbeiten]

Der Abriss des Werkes wird Anfang 2015 mit der Lackiererei begonnen.

Der Rückbau der in den 1980er Jahren errichteten Lackiererei wird von Opel beauftragt, bis Ende Juni 2015 wird eine Restbelegschaft alle Aktivitäten herunterfahren, die restlichen Gebäude werden entkernt an die Bochum Perspektive 2022 zur Nachnutzung übergeben. Das Verwaltungsgebäude am Opel-Ring sowie ein kleineres Nebengebäude zur Acetylenerzeugung werden voraussichtlich als Baudenkmal erhalten bleiben, der Rest des Geländes wird geräumt.[7]

Seit März 2014 wird das Werk in der Route der Industriekultur, Themenroute Bochum aufgelistet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Günter Gleising (Hrsg.): „Opel kommt … 25 Jahre Opel AG in Bochum“, Eigenverlag DKP-Kreisvorstand Bochum, Bochum 1987
  • Bauverwaltung der Stadt Bochum "Gemeindeentwicklung Ansiedlung der Adam Opel AG in Bochum - Beispiel für Industrieansiedlung auf dem Gelände eines aufgegebenen Bergbaubetriebes", Bochum, Januar 1969

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Anton Zischka: Die Ruhr im Wandel – Ruinenfeld oder Retter von morgen?. Scharioth’sche Buchhandlung, Essen 1966, S. 30f.
  2. Günter Gleising
  3. Gleising S. 13
  4. Opel-Website, Standort Bochum abgerufen am 10. April 2011
  5. http://www.focus.de/finanzen/news/unternehmen/endgueltiges-aus-fuer-opel-werk-in-bochum-opel-baut-ab-2016-keine-autos-mehr-in-bochum_aid_878290.html
  6. Aus für Bochum. WDR, 17. April 2013 (online)
  7. Andreas Rorowski: "Opel-Verwaltungsgebäude - dauerhafter Denkmalschutz möglich" in der WAZ vom 30.04.2015

Weblinks[Bearbeiten]

51.4658333333337.2638888888889Koordinaten: 51° 27′ 57″ N, 7° 15′ 50″ O