Adam Tooze

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J. Adam Tooze (* 1967) ist ein britischer Wirtschaftshistoriker.

Leben[Bearbeiten]

Tooze studierte am King’s College (Cambridge) Volkswirtschaftslehre und an der FU Berlin. Er wurde 1996 an der London School of Economics and Political Science zum Ph.D. promoviert. In seiner Dissertation, die mit mehreren Wissenschaftspreisen ausgezeichnet wurde, befasste er sich mit der Verbindung zwischen der Entstehung der modernen, nationalen Statistik und der Krise des deutschen Staates zwischen 1900 und 1945. Tooze lehrte seit 1996 Wirtschaftsgeschichte am Jesus College der University of Cambridge. Seit 2009 war er Professor für moderne deutsche Geschichte an der Yale University. 2015 wechselte er an die Columbia University in New York.

Er gehört der unabhängigen Historikerkommission an, die vom Bundesministerium der Finanzen am 14. Juli 2009 eingesetzt wurde, um die NS-Verstrickungen des Reichsfinanzministeriums aufzuklären. Einer breiteren deutschen Öffentlichkeit wurde Tooze mit seiner Kritik an dem Buch Hitlers Volksstaat von Götz Aly bekannt.

In seinem 2015 auf Deutsch erschienenen Buch Sintflut. Die Neuordnung der Welt 1916–1931 nimmt Tooze eine Neuinterpretation der Zeit seit dem Ersten Weltkrieg vor. Er rückt dabei die Rolle der Vereinigten Staaten in den Vordergrund. Für Tooze ist die Nachkriegsordnung durch eine Dominanz der – ganz besonders durch die USA repräsentierten – liberalen, kapitalistischen Demokratie geprägt, die erst mit der Weltwirtschaftskrise seit 1929 ernsthaft in Bedrängnis geraten sei. Im Gegensatz zu früheren Interpretationen, in denen die USA in den 20er Jahren eher als isolationistisch und an der Weltpolitik unbeteiligt erschienen, sieht Tooze sie in der zentralen Rolle, einer Rolle der wirtschaftlichen und diplomatischen Dominanz. Auch Präsident Woodrow Wilson sei keineswegs ein idealistischer Träumer gewesen, sondern ein konsequenter Machtpolitiker, der erfolgreich die USA als Weltmacht etablierte, um eine Pax Americana zu sichern. Auch die Gegner des liberalen Modells – Faschisten, Nationalsozialisten, Kommunisten – hätten diese Dominanz anerkannt. Die Radikalität und Gewalttätigkeit ihrer Alternativmodelle sei teilweise auch dadurch erklärbar, dass sie das von ihnen bekämpfte liberale Modell Amerikas für so machtvoll und schwer bezwingbar hielten.[1]

Schriften[Bearbeiten]

  • Statistics and the German State 1900–1945: the Making of Modern Economic Knowledge. Cambridge University Press, Cambridge 2001.
  • Wages of Destruction: The Making and Breaking of the Nazi Economy. Penguin, London/New York 2006.
    • deutsch: Ökonomie der Zerstörung. Die Geschichte der Wirtschaft im Nationalsozialismus. Aus dem Englischen von Yvonne Badal. Siedler Verlag, München 2007, 927 Seiten, ISBN 978-3-88680-857-1 (Online-Leseprobe).
  • The Deluge: The Great War and the Remaking of Global Order 1916–1931. Allan Lane, London 2014, ISBN 978-1-846140341.
  • als Hrsg. mit Tim B. Müller: Normalität und Fragilität. Demokratie nach dem Ersten Weltkrieg. Hamburger Edition, Hamburg 2015, ISBN 978-3-86854-294-3.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Adam Tooze: Sintflut. Die Neuordnung der Welt 1916–1931. Aus dem Englischen von Norbert Juraschitz und Thomas Pfeiffer. Siedler Verlag, München 2015, ISBN 978-3-88680-928-8. Vgl. auch das Review-Symposium zum Buch bei H-Soz-u-Kult.