Adel verpflichtet (Film)

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Filmdaten
Deutscher TitelAdel verpflichtet
OriginaltitelKind Hearts and Coronets
ProduktionslandVereinigtes Königreich
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr1949
Länge101 Minuten
AltersfreigabeFSK 16
Stab
RegieRobert Hamer
DrehbuchRobert Hamer,
John Dighton
ProduktionMichael Balcon
MusikErnest Irving
KameraDouglas Slocombe
SchnittPeter Tanner
Besetzung

Adel verpflichtet (Originaltitel: Kind Hearts and Coronets) ist ein britischer Spielfilm aus dem Jahr 1949. Das Drehbuch stammt von John Dighton und Robert Hamer und basiert auf dem Roman Israel Rank von Roy Horniman, der um die Jahrhundertwende spielt. Die Drehbuchautoren schrieben ihn zu einer Schwarzen Komödie über eine Mordserie an einer adeligen Familie um.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film, der in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts spielt, hat eine Rahmenhandlung: Louis Mazzini D’Ascoyne, der 10. Herzog von Chalfont, schreibt in der Todeszelle eines Londoner Gefängnisses seine Memoiren. Es ist die letzte Nacht vor seiner Hinrichtung.

Wir erfahren seine Lebensgeschichte: Louis’ Mutter ist die Tochter des 7. Herzogs von Chalfont, des Oberhauptes der adelsstolzen (fiktiven) Familie D’Ascoyne auf Chalfont Castle in Kent. Sie verliebt sich in den italienischen Opernsänger Mazzini, brennt mit ihm durch und heiratet ihn. Aus ihrer Familie deswegen verstoßen, muss sie nach ihrer Hochzeit unter ärmlichen Umständen in Clapham leben. Aus der Ehe geht Louis hervor. Sein Vater ist von der Geburt des Sohnes so ergriffen, dass er einen Herzschlag erleidet, als er ihn zum ersten Mal sieht; die Mutter ist mit dem Kind allein.

Der kleine Louis wird von seiner Mutter im Wissen um seine Herkunft äußerst sorgfältig zu besten Umgangsformen und perfekter Selbstbeherrschung erzogen. Immer wieder zeigt sie ihm den Stammbaum ihrer Familie und macht ihn mit der Familiengeschichte vertraut. Die Würde eines Herzogs von Chalfont ist den D’Ascoynes im 17. Jahrhundert von König Karl II. verliehen worden. Der 1. Herzog hat sie für seine Verdienste als Offizier während der Wiederherstellung der Monarchie erhalten. Aus nicht näher benannten Gründen ist der Familie das Recht verbrieft worden, die Herzogswürde auch in der weiblichen Linie zu vererben. So kann zwar eine Frau den Titel nicht selber erben, aber an ihren Sohn weiterreichen; theoretisch kann also auch Louis eines Tages Herzog werden.

Die D’Ascoynes ignorieren die Mazzinis allerdings. Briefe von Louis’ Mutter an ihre Familie bleiben stets unbeantwortet. Als sie für ihren erwachsenen Sohn eine Stellung in der Privatbank von Lord Ascoyne D’Ascoyne sucht, teilt dieser ihr mit, dass er von der Existenz eines Sohnes nichts wisse. Louis kann deshalb keinen standesgemäßen Beruf ergreifen und muss sich als Verkäufer in einem Modegeschäft durchschlagen. Louis’ Mutter erleidet eines Tages einen Unfall und äußert vor ihrem Tod den Wunsch, in der Familiengruft der D’Ascoynes auf Chalfont begraben zu werden. Louis schreibt dem Bruder seiner Mutter, dem 8. Herzog von Chalfont, der aber die Bitte abschlägt.

Louis fasst nun den Entschluss, sich für das an seiner armen Mutter begangene Unrecht an den D’Ascoynes zu rächen und selbst Herzog von Chalfont zu werden. Erreichen kann er dies nur, wenn nicht nur der amtierende 8. Herzog stirbt, sondern auch alle übrigen Anwärter sterben, die in der Erbfolge vor Louis stehen, sieben an der Zahl. Da diese Situation auf natürlichem Weg aber kaum jemals eintreten wird, muss Louis sämtliche hinderlichen Verwandten, den augenblicklichen Herzog eingeschlossen, (allesamt gespielt von Alec Guinness) beseitigen:

Den Sohn des Inhabers der Privatbank, der Louis einst eine Anstellung verweigert hat, ertränkt er bei einer Bootsfahrt in Maidenhead; den jungen Amateurfotografen Henry D’Ascoyne lässt er bei einer Explosion sterben, die er in dessen Dunkelkammer arrangiert; dem Pfarrer D’Ascoyne verabreicht er Gift; die Suffragette Lady D’Ascoyne ermordet er, indem er den Ballon abschießt, von dem aus sie Flugblätter abwirft; der Armeegeneral D’Ascoyne stirbt bei einem Sprengstoffattentat in der Offiziersmesse. Louis gelingt es sehr geschickt, die Morde jeweils wie Unfälle oder natürliche Todesfälle aussehen zu lassen. Ein weiterer Anwärter auf den Titel stirbt, ohne dass Louis dies verursacht: Admiral D’Ascoyne geht mit seinem Schiff nach einer Kollision mit einem anderen Schiff unter.

Inzwischen hat sich Louis seinen gesellschaftlichen Aufstieg erarbeitet. Kurz nach der Ermordung des Bankierssohnes tritt er in die Bank des Vaters ein, den er durch ein hervorragend stilisiertes Kondolenzschreiben für sich gewinnt. Er erwirbt allmählich sein Vertrauen und bringt es schließlich bis zum Teilhaber. Auch in Louis’ Privatleben kommt es zu Veränderungen: Als er seiner Jugendliebe Sibella einst einen Heiratsantrag gemacht hat, ist er zugunsten des damals noch reichen Geschäftsmanns Lionel Holland abgewiesen worden, unterhält aber bis jetzt eine ehebrecherische Beziehung zu Sibella. Nun hofiert er aber Edith D’Ascoyne, die schöne Witwe des von ihm ermordeten Amateurfotografen Henry D’Ascoyne. Um sie zu heiraten, muss er Sebilla aufgebenden Edith erscheint ihm als die würdigere Herzogin. Edith stimmt seinem Antrag zu und informiert den Chef der Familie, den 8. Herzog von Chalfont, von der geplanten Verlobung.

Der lädt aus Anlass seiner eigenen Hochzeit Louis und Edith nach Chalfont Castle ein. Louis begleitet den Herzog am nächsten Tag zur Jagd in die umliegenden Wälder und erschießt ihn, nachdem er ihn in eine seiner eigenen Wildererfallen gelockt hat; den Mord lässt er wie einen Jagdunfall aussehen. Da der Herzog selbst keinen Sohn hat, geht der Titel nun auf den letzten Konkurrenten von Louis, den Privatbankier über. Der erleidet einen Schlaganfall, als er davon erfährt, und macht kurz vor seinem Tod Louis noch zum Teilhaber und Erben. Louis ist damit am Ziel und zieht als 10. Herzog von Chalfont mit Edith auf dem Schloss ein.

Mit einer Ansprache im Schloss stellt er sich seinen begeisterten Untergebenen vor. Doch noch während Louis damit befasst ist, alle einzeln zu begrüßen, erscheint ein Scotland-Yard-Detektiv und verhaftet ihn wegen Mordes. Louis fragt sich, bei welchem seiner Morde ihm ein Fehler unterlaufen sein könnte, erfährt aber schließlich, er stehe im Verdacht, Lionel Holland, Sibellas Ehemann, der inzwischen Konkurs angemeldet hat, da ihm Louis kein Darlehen mehr gewährt hat, ermordet zu haben; man hat ihn tot aufgefunden. Zwar hat er schon wenige Tage zuvor Louis gegenüber verzweifelt angekündigt, er müsse sich töten, da aber kein Abschiedsbrief gefunden wird, steht Louis nun im Verdacht, ihn als Rivalen um Sibella umgebracht zu haben; in Wahrheit hat Lionel, der als Dummkopf dargestellt wird, nichts von der jahrelangen Untreue seiner Frau geahnt. Die hat offenbar den Abschiedsbrief verschwinden lassen, um Louis einen Mord in die Schuhe schieben zu können. Sie bezeichnet in einer theaterreifen Vorstellung während der Gerichtsverhandlung vor dem House of Lords Louis als Mörder ihres Mannes; er habe ihn ihretwegen aus dem Weg schaffen wollen. Die Lords fallen darauf herein und stimmen für schuldig. Louis wird zum Tod durch Erhängen verurteilt.

Der Film kehrt zur Rahmenhandlung zurück: In den Tagen vor seiner Hinrichtung erhält Louis Besuche von Edith und Sibella. Während Edith ihm die Affäre mit Sibella verzeiht und mit ihm die Ehe schließt, bietet Sibella ihm ein Geschäft an: Sie lässt durchblicken, sie habe ihn als Mörder der D'Ascoynes durchschaut, und falls er sich nun noch bereit erkläre, auch Edith zu töten und stattdessen sie zu heiraten (womit Sibella Herzogin würde), werde Lionels Abschiedsbrief auf wunderbare Weise auftauchen und beweisen, dass Lionel sich selbst aus Verzweiflung über seinen finanziellen Ruin getötet hat. Louis bleibt nichts anderes übrig, als auf diesen Erpressungsversuch einzugehen. Als der Termin für die Hinrichtung dann immer näher rückt, ohne dass Sibella ihren Teil der Vereinbarung einhält, denn es kommt keinerlei Nachricht von ihr, beschließt Louis, sich in sein Schicksal zu fügen und seine Lebensgeschichte einschließlich aller begangenen Morde detailliert niederzuschreiben.

In der Nacht vor der Hinrichtung liest er das Manuskript noch einmal durch. Am nächsten Morgen holen ihn der Gefängnisdirektor und der Henker in der Zelle ab. Der Henker bittet darum, noch ein Gedicht vorlesen zu dürfen, und Louis erlaubt es, höflich wie immer. Dadurch kommt es zu einer Verzögerung der Hinrichtung, und ein Vollzugsbeamter kann in letzter Sekunde mit der Nachricht herbeieilen, der Abschiedsbrief sei gefunden worden. Louis wird freigelassen.

Als Louis vor das Gefängnis tritt, warten dort nicht nur seine zahlreichen Untergebenen, die seine Freilassung bejubeln, sondern auch zwei Kutschen. In der einen sitzt Edith, in der anderen Sibella. Beide Frauen öffnen die Tür ihrer Kutsche und stellen Louis so vor die Wahl, sich für eine von ihnen zu entscheiden. Ehe er reagieren kann, kommt ein Zeitungsreporter auf ihn zu und bietet ihm den Abdruck seiner Memoiren an. Da erst fällt ihm sein Manuskript ein, das noch auf dem Tisch in der Zelle liegt…

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leeds Castle in Kent diente als Kulisse für den Film

Der Film wurde von den legendären Ealing Studios, die damals für Komödien dieser Art berühmt waren, produziert. Die Szenen am Familiensitz der D’Ascoynes, Chalfont, wurden im Leeds Castle in der englischen Grafschaft Kent gedreht.[1]

Der englische Originaltitel des Films ist Kind Hearts and Coronets, eine Anspielung auf das 1842 verfasste Gedicht „Lady Clara Vere de Vere“ von Alfred Tennyson, in dem es über adelige Tugenden heißt: „Kind hearts are more than coronets, And simple faith than Norman blood“ („Ein gutes Herz ist mehr [wert] als eine Krone, und ein starker Glaube mehr als blaues Blut“) – die Verse werden im Film von Edith D’Ascoyne zitiert, um zu verdeutlichen, wie falsch die Familienmitglieder der D’Ascoyne sind. In Frankreich hieß der Filmtitel Noblesse oblige, also ebenfalls Adel verpflichtet wie in Deutschland. Für das US-amerikanische Publikum wurde der Film zensiert: Der Ehebruch zwischen zwei Protagonisten wurde nicht erwähnt und ein Kinderreim, in dem das Wort „Nigger“ vorkommt, wurde anders übersetzt. Die US-Version war sechs Minuten kürzer als die englische[2].

Der Film wurde im Jahr 2000 von den Lesern der Filmzeitschrift Total Film auf den 25. Platz der besten Komödien aller Zeiten gewählt und landete 2004 – ebenfalls bei einer Umfrage von Total Film – auf dem siebten Platz der besten britischen Filme aller Zeiten.

Obwohl später einer seiner Lieblingsfilme, war Produzent Michael Balcon zu der Zeit, als der Film entwickelt wurde, von seinem Erfolg gar nicht überzeugt; er hielt ihn vielmehr für „unverkäuflich“.

In der 1970 produzierten humorvollen britischen Krimiserie The Persuaders (deutscher Titel: Die 2), mit Roger Moore und Tony Curtis in den Titelrollen, wurde in der Episode Adel vernichtet das Thema noch einmal ordentlich auf die Schippe genommen. Moore, in der Rolle des Lord Brett Sinclair, spielte in dieser Folge dann auch noch mehrere Personen seiner adeligen Familie, die von einem unbekannten Familienmitglied der Reihe nach umgebracht werden, um an den Herzogstitel zu kommen. 1985 drehte Dieter Hallervorden die Komödie „Didi und die Rache der Enterbten“, die ebenfalls von der Handlung in „Adel verpflichtet“ beeinflusst war.

Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rolle Schauspieler Dt. Synchronstimme[3]
Louis D'Ascoyne Mazzini Dennis Price Lothar Blumhagen
Mitglieder der D'Ascoyne-Familie Alec Guinness Siegmar Schneider
Edith D'Ascoyne Valerie Hobson Eva Katharina Schultz
Sibella Joan Greenwood Uta Hallant
Mama Mazzini Audrey Fildes Gisela Reißmann
Henker Miles Malleson Werner Schwier
Lionel Holland John Penrose Michael Chevalier
Kronanwalt Cecil Ramage Siegfried Schürenberg

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Regisseur Robert Hamer war 1949 mit Adel verpflichtet für den Goldenen Löwen der Filmfestspiele von Venedig nominiert. Außerdem war der Film ein Jahr später für einen British Film Academy Award als Bester Britischer Film nominiert. Das British Film Institute wählte Adel verpflichtet im Jahr 1999 auf Platz 6 der besten britischen Filme aller Zeiten.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Lexikon des Internationalen Films schrieb: „Makabre Mörderkomödie, die auf intelligente Weise mit dem Entsetzen Scherz treibt und mit satirischem Witz und bissiger Ironie englische Lebensweisen karikiert. Hervorragend Alec Guinness in der Rolle der acht Opfer, die als Vertreter uralter Dekadenz mit skurrilen Eigenheiten behaftet sind.“[4] Zu einer ähnlichen Einschätzung gelangte der Evangelische Filmbeobachter: „Vornehm-elegante Mordkomödie typisch angelsächsicher Prägung mit einer darstellerischen Glanzleistung von Alec Guiness in acht Rollen. Die formalen Vorzüge heben die Abgründigkeit des Stoffes keineswegs auf. Deshalb [...] nur für verständige Erwachsene [...] geeignet.“[5] Katharina Stumm bemerkte auf critic.de: „Regisseur Robert Hamer entfaltet die Handlung retrospektiv und schafft über die würdevolle Zurückhaltung in den Kommentaren des Möchtegern-Herzogs einen humorvollen Kontrapunkt zu dessen mörderischem Treiben.“[6] Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz urteilten 1990 in Lexikon „Filme im Fernsehen“: „Klassiker der schwarzen Filmkomödie, der von der chamäleonhaften Verwandlungskunst des Hauptdarstellers (…) ebenso lebt wie von der skurrilen Logik des Drehbuchs.“ (Wertung: 3½ Sterne = außergewöhnlich)[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Roy Horniman: Israel Rank. Die Autobiographie eines Verbrechers. (Verkürzte autorisierte Übersetzung aus dem Englischen von Vera Fleischmann.) Hermann Paetel, Neu-Finkenkrug bei Berlin 1927
  • Michael Newton: Kind Hearts and Coronets. BFI film classics. BFI Publ., London 2003, 87 S., ISBN 0-85170-964-8

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kind Hearts and Coronets. Movie locations. Abgerufen am 10. Mai 2012.
  2. Banned in the USA: Kind Hearts and Coronets
  3. Adel verpflichtet bei der Deutschen Synchronkartei
  4. Adel verpflichtet bei Zweitausendeins
  5. Evangelischer Presseverband München, Kritik Nr. 26/1965.
  6. Rezension auf critic.de
  7. Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz in Lexikon „Filme im Fernsehen“ (Erweiterte Neuausgabe). Rasch und Röhring, Hamburg 1990, ISBN 3-89136-392-3, S. 21

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]