Aderlass

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Aderlass. England, 14. Jh. Miniatur aus dem Luttrell-Psalter, London, Brit. Mus., Add. Ms. 42130, fol. 61r [2]

Der Aderlass (mittelhochdeutsch lâze; griechisch Phlebotomie; lateinisch Missio sanguinis) ist ein seit der Antike bekanntes und bis ins 19. Jahrhundert häufig bei Menschen und Tieren[1] angewandtes Heilverfahren. Beim Aderlass wird dem Patienten eine teilweise erhebliche Menge Blut entnommen. Heute ist belegt, dass der Aderlass nur bei sehr wenigen Krankheitsbildern eine positive Wirkung hat, sodass er weitgehend aus dem medizinischen Alltag verschwunden ist.

Umgangssprachlich wird gelegentlich auch die Blutspende oder die Blutentnahme zu Untersuchungszwecken als Aderlass bezeichnet. Auch finanzielle Einbußen oder Verluste an Soldaten und Material können im übertragenen Sinn gemeint sein.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Aderlass ist eine der ältesten medizinischen Behandlungsformen. Er war schon vor der Zeit des Hippokrates (ca. 460–370 v. Chr) bekannt und galt bis ins 19. Jahrhundert als eine der wichtigsten, wenn auch umstrittenen, medizinischen Therapieformen.

Die Anwendung des Aderlasses beruhte auf dem System der Säftelehre, welches Krankheit als Ungleichgewicht (Dyskrasie) in der Vermischung der Säfte (Blut – Cholera/gelbe Galle – Melancholia/schwarze Galle – Phlegma/Schleim) oder als Degeneration einzelner dieser Säfte deutete.[2]

Zwei Aderlass-Verfahren wurden unterschieden:

  1. Die „Derivation“ (derivatio) = Ableitung, die von der Vorstellung ausging, die „verdorbenen Säfte“ oder die „fehlerhafte Säftemischung“ müssten aus dem Körper auf direktem Wege entfernt werden. Dazu wurde der Aderlass in der Nähe der erkrankten Region mit der Ausleitung von großen Blutmengen ausgeführt.
  2. Die „Revulsion“ (revulsio) = Umwälzung, die von der Befürchtung ausging, bei der „Derivation“ würden mit den „schlechten Säften“ auch die „guten Säfte“ entfernt. Bei der „Revulsion“ wurde der Aderlass weit entfernt von der erkrankten Region mit der Ausleitung von geringen Blutmengen ausgeführt. Das Ziel war, die in der erkrankten Region angesammelten „schlechten Säfte“ von dort abzuleiten und durch „besser durchmischte Säfte“ zu ersetzen.

Ägypten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Grund der zur Verfügung stehenden Quellen scheint es, dass der Aderlass im alten Ägypten weder im Rahmen der ursprünglich magischen Medizin noch von den diese ablösenden Priestern und Ärzten vorgenommen wurde. Der Aderlass wird weder im Papyrus Ebers noch im Papyrus Smith erwähnt.[3] Eine Ausnahme bildet möglicherweise der „Schnitt auf der Nase und am Schwanz“ zur Behandlung von Blähungen bei Rindern im Tierärztlichen Papyrus von Kahûn.[4][5][6]

Bibel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Bibel wird der Aderlass nicht erwähnt und auch bei den alten Hebräern war er unbekannt. Letzteres ist auf die Lehre zurückzuführen, nach der das Blut der Sitz der Seele ist (Lev. III, 17) und nach der jener mit dem Tode bestraft wird, der „das Blut des Menschen vergießt“. Das Blut darf nur vergossen werden, wenn es dem Herrn geweiht wird, wie dies bei den Tieropfern und bei der Beschneidung der Fall ist.[7]

Griechische Medizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aderlass. Abbildung auf einer griechischen Vase

Corpus Hippocraticum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schrift Über die Diät bei akuten Krankheiten des Corpus Hippocraticum wird der „derivativ“ auszuführende Aderlass an mehreren Stellen erwähnt und bei verschiedenen Krankheiten empfohlen. Über die an der Lunge und am Brustfell auftretenden Krankheitszeichen heißt es z. B.:

„Wenn sich der Schmerz nach oben zu gegen das Schlüsselbein erstreckt oder um die Brustwarze oder am Arm auftritt, so muss man die innere Ader am Arm auf der Seite, auf der es eben ist, eröffnen. Man entziehe Blut der Körperverfassung, der Jahreszeit, dem Alter und der Farbe entsprechend, und zwar mehr und getrost, wenn der Schmerz heftig ist, man treibe es bis zur Ohnmacht, dann gebe man ein Klistier. Wenn der Schmerz dagegen unterhalb des Brustkorbes auftritt und eine starke Spannung vorhanden ist, so führe man bei dem an Brustfellentzündung Erkrankten nach unten ab.“[8]

In derselben Schrift finden sich noch eine Anzahl weiterer Indikationen zur Vornahme des Aderlasses: entzündliche Anschwellungen der Oberbauchgegend, Anspannung des Zwerchfells, Atemnot, heftige Leberschmerzen … Das Verfahren wurde immer als „derivativ“ beschrieben. Das heißt, es sollte in der Nähe der erkrankten Region durch Aderlass eine große Blutmenge entzogen werden. Ein „revulsiv“ wirkendes Verfahren findet sich im Corpus Hippocraticum lediglich in der Schrift Über die Natur des Menschen. Diese Abhandlung wurde Polybos, dem Schwiegersohn des Hippokrates zugeschrieben. Zur Behandlung von Schmerzen in der Lende und in den Hoden empfiehlt er einen Aderlass in der Kniekehle und unter den Innenknöcheln.[9]

Nachfolger des Hippokrates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den Nachfolgern des Hippokrates verordnete Diokles von Karystos den „derivativ“ auszuführenden Aderlass vor allem bei Pleuritis und bei Pneumonie. Die Ärzte der Schule der Empiriker standen dem Aderlass im Allgemeinen positiv gegenüber, schränkten ihn aber ein und verwendeten stattdessen mehr Klistiere und Purgativa. Unter ihnen Herakleides von Tarent und Menodotos von Nikomedeia.

Chrysippos von Knidos (um 365 v. Chr.) war ein Gegner des Aderlasses und er empfahl stattdessen Umschläge und Bandagen. Auch Erasistratos, ein Vertreter der alexandrinischen Ärzteschule, war ein erklärter Aderlassgegner, in geringerem Maße auch Herophilos.[10]

Griechische Ärzte im Römischen Reich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Asklepiades von Prusa empfahl den Aderlass zur Dämpfung von lokalen Schmerzen und zur Linderung von Schmerzen.

Sein Schüler Themison von Laodikeia, der Begründer der Schule der Methodiker wählte für den Eingriff zwar vom Krankheitsort weit entfernte Orte, entzog andererseits aber große Blutmengen bis zum Eintreten der Ohnmacht. Unter den Methodikern zeigte einzig Soranos von Ephesos eine gewisse Zurückhaltung bei der Aderlassanwendung.

In der Tradition der alexandrinischen Ärzteschule verfasste Celsus seine Enzyklopädie De Medicina, in deren Buch II er dem Aderlass ein besonderes Kapitel widmete. Dabei grenzte er sich von der überbordenden Aderlass-Praxis der Methodiker ab. Celsus schrieb den Eingriff vor bei akuten Fiebern, geschwollenen Venen, übermäßiger Reizbarkeit des Nervensystems, Bedrohung des Lebens durch Erstickungsgefahr, bei unerträglichen Schmerzen und allen Erkrankungen des Darmes sowie bei jenen Krankheiten, die sich aus einer Überfülle der Säfte herleiten. Bei hohem Fieber lehnte er den Aderlass jedoch strikt ab und empfahl, das Abklingen der Fiebersymptome (Hautrötung) abzuwarten.[11][12]

Galen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Galen war der Begründer der Lehre von der Fülle (plenitudo), auf der er ein ganzes medizinisches System aufbaute, das die „ausleerende Therapie“ und darunter auch den Aderlass zur wichtigsten Heilmethode werden ließ. Klar wurden jedoch auch die Richtlinien für diesen Eingriff angegeben: Sie wurden bestimmt vom Charakter der Krankheit, dem Kräftezustand und dem Alter des Patienten ebenso wie von einer eventuellen Schwangerschaft. Der Eingriff durfte nicht vorgenommen werden bei Kleinkindern sowie bei alten und schwächlichen Patienten. Ungleich Hippokrates verschrieb Galen den Eingriff in der Regel an einer vom Herd des Übels weit entfernten Stelle, als „revulsiv“. Bei Pleuritis und Pneumonie habe der Eingriff keinen oder doch nur einen geringen Nutzen, wenn er am Arm der kranken Körperhälfte ausgeführt werde.[13][14]

Persisch-arabisch-islamische Medizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abbildung von Aderlassmessern im Chirurgiebuch des Abulcasis (10. Jh.). Druck des 16. Jh. einer lateinischen Übersetzung [15]

Auch in der von der griechischen und byzantinischen Medizin geprägten persisch-arabisch-islamischen Medizin des Mittelalters (7. bis 13. Jh.) wurde der Aderlass weiterhin beschrieben. Ihre Technik war überwiegend „revulsiv“, d. h., die Therapeuten nahmen den Eingriff im Allgemeinen an einem vom Krankheitsherd entfernten Ort vor. Außerdem zogen sie kleine häufigere Blutentzüge den selteneren und reichlicheren der Griechen vor. Schließlich empfahlen sie die Phlebotomie auch zu prophylaktischen Zwecken. So verordnete Rhazes (865-925) den Eingriff z. B. zur Zeit der ersten Reife des Organismus, da er der Auffassung war, dass diese eine Reinigung des Blutes erfordere. Bei Windpocken und Krankheiten des Schlundes, bei denen Erstickungsgefahr besteht, galt es für angezeigt, den Aderlass an der Cephalica vorzunehmen [16].

Auch Avenzoar (1091–1161) empfahl eine „revulsive“ Technik, indem er den Aderlass bei Pleuritis an einem dem Krankheitsherd entgegengesetzten Ort vorschrieb. Er griff jene Ärzte, die nicht so vorgingen, heftig an und behauptete, dass am Krankheitsherd ausgeführte Aderlässe den Tod des Patienten zur Folge haben könnten.[17][18]

Die Aderlassanweisungen des Abulcasis (936-1013) in seinem chirurgischen Hauptwerk At-Tasrif wurden von nordeuropäischen Ärzten bis weit in die Neuzeit beachtet.[19][20] Das gleiche gilt für den Aderlassabschnitt im Kanon der Medizin des Avicenna.[21]

Lateinisches Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aderlass und Astrologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zodiak-Mann mit Tierkreiszeichen in Analogie zu den Körperteilen und mit Ratschlägen zum Aderlass. Kalender, Straßburg 1518.[22]

Die frühesten exakten Angaben über vermutete Beziehungen zwischen dem Aderlass und der Stellung der Planeten finden sich im Regimen sanitatis der Schule von Salerno. Es enthält die Anweisung, den Aderlass vornehmlich im April, Mai und September auszuführen, sowie die Feststellung, dass Jupiter und Venus dem Eingriff günstig, Saturn und Mars ihm hingegen ungünstig sind. Überdies müsse auch den verschiedenen Mondphasen Rechnung getragen werden. Ausdrücklich wird jedoch gesagt, dass in dringlichen Fällen diese Regeln außeracht gelassen werden dürfen.[23]

Klostermedizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mittelalter war der Aderlass durch Ärzte und Bader gängige Praxis und wurde bis in die Neuzeit auch in Klöstern[24] durchgeführt. Das gelassene Blut wurde mittels genauer Inspektion[25][26] zu diagnostischen Zwecken benutzt[27][28], wobei man sich frühzeitig durchaus gewisser „Risiken und Nebenwirkungen“ eines Aderlasses bewusst war.[29]

Eine weite Palette von Krankheiten wurde durch den in „Aderlassbüchlein“[30][31][32] beschriebenen Aderlass behandelt; man kann fast von einer universellen Methode sprechen. Die Zeiten für den Aderlass und die entsprechenden Stellen am Körper wurden nach astrologischen Kriterien festgelegt. Davon zeugen die zahlreichen Darstellungen von sogenannten „Aderlass-Männchen“.[33] Die Lasstafel oder Lasszettel genannten Aderlasskalender gehören zu den frühesten Erzeugnissen des Buchdrucks,[34] Aderlasstafeln und Aderlassmännlein gehörten bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zur üblichen Ausstattung von Kalendern.[35] Sie sorgten später für Spottgedichte und Parodien.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pierre Brissot – Aderlassstreit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 16. Jahrhundert kam es innerhalb der europäischen Ärzteschaft zu einem mit großer Heftigkeit geführten „Aderlass-Streit“, einer Kontroverse, die entbrannte, als der französische Arzt Pierre Brissot im Gegensatz zur damaligen Lehrmeinung dafür eintrat, den Aderlass möglichst nahe am erkrankten Organ durchzuführen („Derivation“ statt „Revulsion“). Insbesondere vertrat er dies bei Brust- und Lungenentzündungen, bei denen er anlässlich einer Epidemie 1514 mit seiner Methode Erfahrungen sammeln konnte. Er berief sich dabei auf die entsprechenden Aussagen in der Schrift Über die Diät bei akuten Krankheiten im Corpus Hippocraticum.[36] Brissot gab an, die „Revulsion“ beim Aderlass sei erst durch die Araber eingeführt worden.

Obschon einige Vertreter der Pariser Fakultät sich den Lehren Brissots anschlossen, gelang es deren Gegnern dennoch, ein Dekret zu erwirken, das die Anwendung des derivativ wirkenden Aderlasses verbot. Der Kampf um den Aderlass führte zu einer Spaltung in der medizinischen Welt. Brissot starb in der portugiesischen Verbannung. Seine Schriften wurden jedoch kommentiert und je nach der Einstellung des Kommentators überaus gelobt oder heftig bekämpft. Unter den Anhängern Brissots finden sich: Giovanni Manardi (1462–1536),[37] Gerolamo Cardano (1501–1576) und Emilio Campolongo (1550–1604).[38]

Andreas Vesal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andreas Vesal (1514–1564) veröffentlichte 1539 in Löwen einen Brief mit dem Titel: De sanguinis missione in pleuritide (Über den Aderlass in der Pleuritis).[39] Darin untersuchte er die von Hippokrates für den Aderlass angegebenen Indikationen und stellte fest, dass sich der von diesem verwendete Ausdruck „dolor lateralis“ nicht allein auf die Pleuritis, sondern auch auf andere Erkrankungen des Thorax bezieht. Die richtige Wahl der Aderlassstelle bei Pleuritis hängt nach Ansicht Vesals vom genauen Verlauf der Vena azygos ab, den er als erster erkannte. Vesals Folgerung war, dass bei linksseitiger wie bei rechtsseitiger Pleuritis der Eingriff stets an der Vene des rechten Armes vorzunehmen sei.

Leonhardo Botallo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leonhardo Botallo. Opera omnia. Leiden 1660

Der in Asti geborene Chirurg und Anatom Leonhardo Botallo (1530 – ca. 1570) gilt als „König der Aderlasser“.[40] Den größten Teil seines Lebens verbrachte er in Paris. Er war Leibarzt der französischen Könige Karl IX. und Heinrich III. Die Pariser Fakultät verurteilte Botallos Methoden, nach denen Greise und Kinder sechsmal im Jahr zur Ader gelassen wurden. Seine Anhänger wollten den Eingriff bei Fieberepidemien, Pleuropneumonien, Koliken und Blähungen vorschreiben und haben auch die Möglichkeit erwogen, selbst die Schwindsucht durch die Entnahme von zwei bis drei Litern Blut zu heilen. Zu den leidenschaftlichsten Anhängern Botallos gehörten vor allem der Anatom und Kritiker der Lehre Harveys Jean Riolan der Jüngere (1580–1657) sowie Guy Patin (1601–1672).

Iatrophysik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Untersuchungen der Iatrophysiker des 17. Jahrhunderts, so die Experimente William Harveys (1578–1657), die 1628 zur Darstellung des Blutkreislaufes führten,[41] und die darauf aufbauenden Untersuchungen Marcello Malpighis (1628–1694) und Francesco Redis (1626–1697) hatten keine Konsequenzen für die Praxis des Aderlasses. Der überwiegende Teil der praktisch tätigen Ärzte war auch weiterhin der Meinung, dass alle Krankheiten vorwiegend mit Abführmitteln, Brechmitteln oder Aderlässen geheilt werden sollten. Der Iatropysiker Santorio Santorio (1561–1636) befürwortete nachdrücklich einen Aderlass nach der Methode Brissots. Ebenso Lorenzo Bellini (1643–1704), ein Schüler von Malpighi und Redi.[42]

Ein entschiedener Gegner des Aderlasses war der Pionier der Arbeitsmedizin Bernardino Ramazzini (1633–1714).

Spagyrik - Iatrochemie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paracelsus (1493–1541), der Begründer der aus der Alchemie abgeleiteten Spagyrik, warnte vor dem Aderlass, empfahl ihn dann aber auch wieder. Johann Baptist van Helmont (1577–1644), der Begründer der Iatrochemie, lehnte den Aderlass grundsätzlich als einen Eingriff ab, der notwendigerweise zu einem Kraftverlust führe.

Sydenham. Hoffmann – Stahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Londoner Kliniker Thomas Sydenham (1624–1689) empfahl den Aderlass exzessiv, besonders bei Erkrankungen der Brustorgane.

Die sich lange Jahre hindurch feindlich gegenüberstehenden Systematiker und Häupter zweier Schulen, Friedrich Hoffmann (1660–1742) und Georg Ernst Stahl (1660–1734), stimmten wenigstens in einem Punkt überein: Beide empfahlen den Aderlass.[43]

John Brown – Giovanni Rasori[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 18. Jahrhundert übte das vom schottischen Arzt John Brown (1735–1788) aufgestellte System einen großen Einfluss aus. Brown definierte jede Krankheit entweder als

  • „sthenia“, d. h. Überreizung, oder aber als
  • „asthenia“, das ist die Unfähigkeit, auf Reize zu reagieren.

Demgemäß wurde die Therapie auf die Anwendung anregender und dämpfender Mittel reduziert. Die „sthenie“ wurde mit „depressiv wirkenden Mitteln“ behandelt. Den Aderlass betrachtete Brown als das stärkste der „depressiv wirkenden Mittel“ und er verschrieb ihn deshalb nur in seltenen Fällen und nur bei robusten Personen.[44]

Anders sein italienischer Schüler Giovanni Rasori (1766–1837), der Browns System in ein System des „Contrastimulus“ verwandelte. Rasori war Anhänger eines reichlichen Aderlasses und er entzog zum Beispiel bei einem Fall von Lungenentzündung in vier Tagen insgesamt 4230 Gramm Blut. Er erweiterte das Brownsche System, indem er dem Zustand der

  • „sthenie“ die Bezeichnung „diathesis di stimulo“ und dem Zustand der
  • „asthenie“ die Bezeichnung „diathesis di contrastimulo“ gab.

Um welchen Zustand es sich jeweils handle, könne nach Rasori nur durch die Wirkung eines probeweise eingesetzten Heilmittels entschieden werden. Sein bevorzugtes Probemittel war der Aderlass, den er oft und reichlich anwandte.[45]

Broussais – Bouillaud. Laënnec[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schröpfschnepper. 19. Jh. Das Gerät diente zum Aufritzen der Haut beim blutigen Schröpfen

Fast gleichzeitig mit Rasori in Italien lehrte François Joseph Victor Broussais (1772–1838) in Frankreich. Nach ihm beruhen sämtliche Krankheitsformen auf Entzündungen, und die höheren Grade derselben erregen auf sympathischem Wege Irritationen anderer Organe. So entstehe das Fieber und zwar liege den meisten fieberhaften Erkrankungen eine Gastroenteritis zugrunde. Zur Therapie dient der Blutentzug, entweder durch Aderlass oder durch den Einsatz von Blutegeln.[46]

Der klinische Forscher Jean-Baptiste Bouillaud (1796–1881), der als erster den Zusammenhang zwischen akutem Gelenkrheuma und Endokarditis sowie die Lokalisation des Sprachzentrums im Frontallappen beschrieb, nannte seinen Lehrer Broussais einen „Messias der Medizin“. Akute Entzündungen, wie das rheumatische Fieber, behandelte er durch „forcierte Aderlässe“ („saignés coup sur coup“).[47] Angeregt durch Broussais und seine Schüler erlangte die Behandlung mit Blutegeln in Frankreich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine besondere Verbreitung. Zwischen 1828 und 1832 wurden in Frankreich jährlich 15-16 Millionen Blutegel verbraucht, gegenüber 6-7 Millionen in England. Die Nachfrage nach Blutegeln konnte bald nicht mehr gedeckt werden und so wurden Vorrichtungen entwickelt, mit denen die Aktion der Blutegel nachgeahmt werden konnte.[48][49][50]

Broussais Gegenspieler, der Diagnostiker und Systematiker René Théophile Hyacinthe Laënnec (1781–1826), war ein offener Gegner des Aderlasses.[51][52]

M. Hall – A. Louis – P. C. A. Louis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der englische Arzt Marshall Hall (1790–1857), der Begründer der Lehre von den Reflexen, befasste sich mit eingehenden Studien über die Folgen des Blutverlustes. Hall wies nach, dass seröse Ergüsse und Lungenödeme durch den Aderlass verschlimmert werden und dass dieser als Prophylaxe gegen Apoplexie nutzlos sei. Er vertrat die Auffassung, dass alle Arten von Schwächezuständen den Eingriff verbieten, befürwortete jedoch, dass dieser bei mit Fieber verbundenen Delirien oder bei lokalen Entzündungen angezeigt sei.[53]

Aufgrund von Statistiken bezeichnete Antoine Louis (1723–1792) den Aderlass als ebenso lebensgefährlich wie die Diphtherie.

Der Nachweis von Pierre-Charles-Alexandre Louis (1787–1872), dass der Aderlass bei Lungenentzündung und verschiedenen Fiebererkrankungen unwirksam sei (la méthode numérique), hatte kaum Einfluss auf die allgemeine Anwendung.[54][55]

Wiener Medizinische Schulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vertreter der Wiener Medizinischen Schulen waren im Verschreiben des Aderlasses stets sehr zurückhaltend. Gerard van Swieten (1700–1772) verurteilte den Aderlass als gefährlich, sofern er ohne eine entsprechende Indikation ausgeführt werde. Maximilian Stoll (1742–1788) empfahl ihn bei bestimmten ansteckenden Krankheiten. Carl von Rokitansky (1804–1878) und Josef von Škoda (1805–1881) waren von der Tendenz zum therapeutischen Nihilismus beherrscht. Das heißt, dass sie bei Erkrankungen außerhalb des Bereichs der Chirurgie überwiegend passiv die Selbstheilung abwarteten. Der Kliniker Joseph Dietl (1804–1878) erklärte die bei Lungenentzündung durch Aderlass erzielten Erfolge mit einer durch diesen Eingriff ausgelösten Krisis. Er selbst war sehr zurückhaltend mit dem Aderlass.[56][57]

Aderlass und Akupunktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antoine Pierre Demours 1819. Schröpfgerät. Es ermöglichte Schröpfen und gleich­zeitigen Aderlass oder Schröpfen und gleichzeitige Akupunktur [58]

China[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der traditionellen chinesischen Medizin wird die therapeutische Blutentnahme im Rahmen der Akupunktur eingesetzt. Dabei wird nach dem Grundprinzip der „Revulsion“ behandelt, das heißt, die therapeutische Einwirkung findet weit entfernt vom Krankheitsort statt und das Blut wird nur tropfenweise aus den Kapillaren entfernt.[59][60]

Europa 17. bis 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die Akupunktur in Europa besonders durch zwei Ärzte der Niederländischen Ostindien-Kompanie bekannt gemacht: Willem ten Rhijne und Engelbert Kaempfer (aus Lemgo). Es lag nahe, dass sie dieses für sie neue Therapieverfahren mit dem ihnen aus Europa vertrauten Aderlass verglichen. Die als Leitbahnen (Jing luo) bezeichneten Verbindungslinien der Akupunkturpunkte verglichen sie mit dem ihnen bekannten Blutgefäßsystem. Bei der Beurteilung des Wirkungsmechanismus der Akupunktur schwankten sie zwischen „derivativ“ (ten Rhijne) und „revulsiv“ (Kaempfer).

In die europäische Praxis wurde die Akupunktur erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch den französischen Arzt Louis Berlioz eingeführt. Über seine seit 1810 mit diesem Therapiemittel gesammelten Erfahrungen berichtete er 1816 in einer „Denkschrift über chronische Krankheiten, den Aderlass und die Akupunktur“.[61] Ab 1819 – schwerpunktmäßig um 1825 (Jules Cloquet) – bis 1830 wurde die Akupunktur in Frankreich zu einer häufig angewendeten Therapieform. Gleichzeitig wurden der Aderlass und die Behandlung mit Blutegeln exzessiv betrieben (François Broussais und seine Schüler). Die Akupunktur wurde als rein „derivativ“ wirkendes Verfahren verstanden, d. h., es wurden nur Punkte in der Nähe des Krankheitssitzes gestochen.[62]

Aderlass in der ayurvedischen Medizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ayurvedische Medizin kannte den Aderlass ebenfalls, wie in der Sushruta-Samhitâ (Buch III, Kapitel 8) dargestellt ist.[63] So wurden Aderlässe beispielsweise bei der Behandlung von „Blut-entstandenen“ Geschwüren eingesetzt.[64]

Unfreiwilliger Aderlass – Prominente als (vermeintliche) Aderlassopfer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aulus Gellius berichtete in seinen Noctes Atticae, dass der Aderlass eine der schmachvollsten Strafen bedeutete, zu der die römischen Soldaten verurteilt werden konnten.[65] Auch noch im Tristan des Gottfried von Straßburg wird ein unfreiwilliger Aderlass erwähnt.[66]

In den USA favorisierte der Arzt Benjamin Rush ein extensives Aderlassen. George Washington wurden wegen einer Kehlkopfinfektion mehr als 1,5 Liter Blut entnommen; dieser Verlust kann zu seinem Tode beigetragen haben. Auch beim Tod des Kaisers Leopold II. beschleunigte, so die Kritik Samuel Hahnemanns, ein vierfacher Aderlass innerhalb von 24 Stunden durch seinen Leibarzt Lagusius das Ableben des Herrschers.

Einsatz in der heutigen Medizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verlauf der beiden Venenstämme des Armes

Der Aderlass spielt heute bei wenigen Erkrankungen eine wichtige Rolle:

  • Bei der Polycythaemia vera, einer Erkrankung, die insbesondere zu einer krankhaft vermehrten Bildung von Erythrozyten (rote Blutkörperchen) und damit zu einer Erhöhung der Blutviskosität führt. Zur Behandlung der Erkrankung werden anfänglich häufig sechs bis acht Aderlässe im wöchentlichen Abstand (jeweils bis zu 500 ml) durchgeführt, um den lebensbedrohlich hohen Hämatokritwert (teilweise über 60 %) auf einen Normalwert (ca. 45 %) abzusenken. Danach erfolgt diese Maßnahme in sechs- bis zwölfwöchigen Abständen, wenn nicht andere medizinische Schritte eingeleitet werden.[67]
  • Bei der Hämochromatose, einer Erkrankung des Eisenstoffwechsels, werden lebenslang Aderlässe zur Senkung des Eisengehaltes im Körper durchgeführt.[68]
  • Bei einer Polyglobulie[69] kann eine Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes durch Aderlass erforderlich werden, wenn beispielsweise eine Zentralvenenthrombose im Auge droht oder bereits aufgetreten ist. Bei reaktiven Formen der Polyglobulie ist die Aderlass-Therapie jedoch kontraindiziert, da die Patienten die vermehrten Sauerstoffträger benötigen.[70]
  • Bei Porphyria cutanea tarda, einer Störung der Synthese des roten Blutfarbstoffs Häm, kann durch Aderlässe Eisen entfernt werden, das ansonsten in der Leber Schäden anrichtet.[71]
  • Klinische Studien deuten darauf hin, dass häufige Blutspenden eine nicht nur vorübergehende, deutlich blutdrucksenkende Wirkung bei Bluthochdruck zeigen. Diese Beobachtung wurde noch nicht durch ausreichend große, randomisierte kontrollierte Studien überprüft.[72][73][74]

Einsatz in der Alternativmedizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In der Alternativmedizin zählt der Aderlass (wie auch das Schröpfen) zu den ausleitenden Verfahren.
  • Der sogenannte Aderlass nach Hildegard von Bingen soll den Körper durch die Entnahme von „schlechtem Blut“ von Giften befreien, die durch übermäßiges Essen, Diätfehler, Stress, Sorgen, Angst und Enttäuschungen entstanden seien (vgl. Humoralpathologie). Das Blut soll dadurch von „krankmachenden Schlacken und Fäulnisstoffen“ gereinigt werden.[75]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bis heute tragen einige Venen Namen, die ihnen durch ihre Verwendung im Aderlass gegeben wurden. So insbesondere die Vena basilica, die Vena cephalica und die Vena mediana.
  • Von Ärztinnen und Ärzten wird erwartet, dass sie diagnostische Blutentnahmen sicher und schmerzfrei ausführen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erwin Heinz Ackerknecht. Therapie. Von den Primitiven bis zum 20. Jahrhundert, Enke, Stuttgart 1970, ISBN 3 432 01621 2
  • Josef Bauer. Geschichte der Aderlässe. E. H. Gummi, München 1870 Digitalisat
  • Arturo Castiglioni. Der Aderlaß, in: Ciba-Zeitschrift 66, Band 6, Wehr / Baden 1954, S. 2186–2216.
  • Konrad Goehl, Johannes Gottfried Mayer und Gundolf Keil: Der Aderlaßmann aus Michelstadt – Ein Plakat aus dem Mittelalter, in: Bewahren und Erforschen, Beiträge aus der Nicolaus-Matz-Bibliothek (Kirchenbibliothek Michelstadt, Festgabe für Kurt Hans Staub zum 70. Geburtstag), herausgegeben von Wolfgang Schmitz, Michelstadt 2003, S. 56–74.
  • Friedrich Lenhardt, Gundolf Keil: Lob des Aderlasses, Laus phlebotomiae, Utilitas phlebotomiae und De minutionis utilitate, in: Verfasserlexikon, V, Spalte 862–865.
  • Julius Petersen: Hauptmomente in der geschichtlichen Entwicklung der medizinischen Therapie, Höst, Kopenhagen 1877 Digitalisat.
  • Ortrun Riha: Der Aderlaß in der mittelalterlichen Medizin, in: Medizin in Gesellschaft und Geschichte 8, 1989 (veröffentlicht 1991), S. 93–118.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Aderlass – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Aderlass – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
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Anhang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kurt Engert: Geschichte des Aderlasses bei den Haustieren bis zur Gründung wissenschaftlicher Pflegstätten der Tierheilkunde. Dresden 1912.
  2. Lorenz Fries. Spiegel der Artzny. Straßburg 1518, Blatt 21v-22r Digitalisat
  3. Arturo Castiglioni. Der Aderlaß, in: Ciba-Zeitschrift 66, Band 6, Wehr / Baden 1954, S. 2187
  4. F. L. Griffith: The Petri Papyri. Hieratic Papyri from Kahun and Gurob. London 1898, hier: Kahun LV, 2, S. 13, Prescription II: Digitalisat.
  5. Henry E. Sigerist: Der Arzt in der ägyptischen Kultur. Europa, Zürich 1963, S. 75 f.
  6. Henry E. Sigerist. Anfänge der Medizin. Europa Verlag, Zürich 1963, S. 277–278
  7. Arturo Castiglioni. Der Aderlaß, in: Ciba-Zeitschrift 66, Band 6, Wehr / Baden 1954, S. 2187
  8. Richard Kapferer. Die Werke des Hippokrates. Die hippokratische Schriftensammlung in neuer deutscher Übersetzung. Bd. 1-5, Hippokrates, Stuttgart / Leipzig, 1934–1939, IV, 80 (Zitiert nach Castiglioni 1954, S. 2190)
  9. Richard Kapferer. Die Werke des Hippokrates. Die hippokratische Schriftensammlung in neuer deutscher Übersetzung. Bd. 1-5, Hippokrates, Stuttgart / Leipzig, 1934–1939, VII, 29-30 (Zitiert nach Castiglioni 1954, S. 2191)
  10. Arturo Castiglioni. Der Aderlaß, in: Ciba-Zeitschrift 66, Band 6, Wehr / Baden 1954, S. 2192-2193
  11. Aulus Cornelius Celsus. De medicina. Mailand 1481, Buch II, Kapitel 9: De sanguinis detractione per uenas. Digitalisat
  12. Arturo Castiglioni. Der Aderlaß. In: Ciba-Zeitschrift 66, Band 6, Wehr / Baden 1954, S. 2193–2194
  13. Galenos von Pergamon. De venae sectione adversus Erasistratum liber. Ausgabe Carl Gottlob Kühn, Bd. XI, Leipzig 1826, S. 147–378 Digitalisat
  14. Josef Bauer. Geschichte der Aderlässe. E. H. Gummi, München 1870, S. 68–76: Claudius Galenus: Digitalisat
  15. Abulcasis. Chirurgie. Teil II, Kapitel 97: De phlebotomia venarum. Druck Schott, Straßburg 1532, S. 264 Digitalisat
  16. Liber Rasis ad Almansorem, Venedig 1497, Traktat 7, Cap. 21 Digitalisat
  17. Kitāb at-Taisīr fī l-mudāwāt wa-t-tadbīr (Buch der Vereinfachung/Wegbereitung von Therapie und Diätetik), Buch I, Traktat 16, Kapitel 3 Digitalisat
  18. Josef Bauer. Geschichte der Aderlässe. E. H. Gummi, München 1870, S. 95–109: Medizin bei den Arabern: Digitalisat
  19. Albucasis. Chirurgia. Lib. tres. Schott, Straßburg 1532, Pars secunda. De phlebotomia Venarum. Caput XCVII, S. 259–270 Digitalisat
  20. Aboul Kasim Al Zahravi / Albucasis / Abulcasis . - La chirurgie d'Abulcasis... ; trad. [de l'arabe] par le Dr. Lucien Leclerc. J.-B. Baillière, Paris 1861 Livre II, Chapitre LXXXXVII De la section des vaisseaux sanguins Digitalisat
  21. Buch I, Fen IV, Capitel 20 Ausgabe Andrea Alpago 1556
  22. Ähnlich in: Kalender, iatromathematisches Hausbuch, Ulm 1498, Blatt 28v [1]
  23. Arnoldus <de Villa Nova>: Regimen sanitatis Salernitanum, mit Kommentar des Pseudo-Arnaldus de Villanova und der Doctores Montispessulani regentes, 1480 (?), [Lyon], [ca. 1486/87] , Kapitel 92 Digitalisat
  24. Gerhard Jaritz: Aderlaß und Schröpfen im Chorfrauenstift Klosterneuburg (1445–1533). In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg, Neue Folge, 9 (Wien/Köln/Graz 1975), S. 67–108.
  25. Gundolf Keil: Acht Parallelen zu den Blutschau-Texten des Bremer Arzneibuchs. Untersuchungen zur spätmittelalterlichen Hämatoskopie. In: Niederdeutsche Mitteilungen 25, 1969, S. 117–135.
  26. Friedrich Lenhardt: Zur Ikonographie der Blutschau. In: Medizinhistorisches Journal 17, 1982, S. 63–77.
  27. Friedrich Lenhardt: Blutschau. Untersuchungen zur Entwicklung der Hämatoskopie (Medizinische Dissertation Würzburg 1980), jetzt bei Königshausen & Neumann, Würzburg 1986 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen, 22)
  28. Johannes Mayer: Die Blutschau in der spätmittelalterlichen deutschen Diagnostik. Nachträge zu Friedrich Lenhardt aus der handschriftlichen Überlieferung des ‚Arzneibuchs‘ Ortolfs von Baierland. In: Sudhoffs Archiv 72, 1988, S. 225–233.
  29. Friedrich Lenhardt: „Wann ain mensch geswillet von lassen“. Anweisungen zur Therapie von Komplikationen beim Aderlaß. In: „gelêrter der arzeniê, ouch apotêker“. Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte. Festschrift zum 70. Geburtstag von Willem F. Daems. Hrsg. von Gundolf Keil, Horst Wellm Verlag, Pattensen/Hannover 1982 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen, 24), ISBN 3-921456-35-5, S. 269–300
  30. Josef Werlin: Ein unbekanntes Aderlaßbüchlein aus dem frühen 16. Jahrhundert. In: Medizinische Monatsschrift, Band 15, 1961, S. 762–766.
  31. Gerrit Bauer: Das „Haager Aderlaßbüchlein“ (= Studien zum ärztlichen Vademecum des Spätmittelalters, 1), Würzburg 1978 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen, 14).
  32. Gerhard Eis und Wolfram Schmitt: Das Asanger Aderlaß- und Rezeptbüchlein (1516–1531). Stuttgart 1967 (= Veröffentlichungen der Internationalen Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie, Neue Folge, 31).
  33. Heinz Bergmann und Gundolf Keil: Das Münchner Pest-Laßmännchen. Standardisierungstendenzen in der spätmittelalterlichen deutschen Pesttherapie. In: Fachprosa-Studien. Beiträge zur spätmittelalterlichen Wissenschafts- und Geistesgeschichte. Hrsg. von Gundolf Keil, Peter Assion, Willem Frans Daems und Heinz-Ulrich Roehl. Berlin 1982, S. 318–330.
  34. Stephan Giess: Merckwürdige Begebenheiten. In: Traverse. Zeitschrift für Geschichte – Revue d’histoire, 1993/3.
  35. Holger Böning: Volksaufklärung und Kalender. In: York-Gothart Mix (Hrsg): Der Kalender als Fibel des Alltagswissens. Hallesche Beiträge zur europäischen Aufklärung 27, Niemeyer, Tübingen 2005, ISBN 3-484-81027-0, S. 137–174, hier S. 170
  36. Pierre Brissot. Apologetica disceptatio, qua docetur per quae loca sanguis mitti debeat in viscerum inflammationibus. Colinaeus, Paris 1525 Digitalisat
  37. Giovanni Manardi. Galeni ars medicinalis. Rom 1525. Digitalisat MDZ München
  38. Josef Bauer. Geschichte der Aderlässe. E. H. Gummi, München 1870, S. 124–145: Von Brissot bis Paracelsus: Digitalisat
  39. Andreas Vesal. De sanguinis missione in pleuritide. Digitalisat
  40. Leonhardo Botallo. De curatione per sanguinis missionem. De incidendae venae cutis scarificandae, & hirudinum amplicandarum modo. Joan. Hugueta, Lyon 1580. Digitalisat
  41. William Harvey. Exercitatio Anatomica de Motu Cordis et Sanguinis in Animalibus oder kurz De Motu Cordis (Anatomische Studien über die Bewegung des Herzens und des Blutes), Frankfurt 1628 Digitalisat
  42. Lorenzo Bellini. … de missione sanguinis … Antonius Pisarius, Bologna 1683. S. 76–214 Digitalisat … de morbi pulmonis et pectoris. Antonius Pisarius, Bologna 1683. S. 562–603 Digitalisat
  43. Georg Ernst Stahl. Herrn George Ernst Stahls ... Gründliche Abhandelung des Aderlassens : So wohl dessen Gebrauchs und Mißbrauchs Als auch dessen besonderen Application auf dem Fusse und andern gewissen Theilen des Leibes ; Nebst einem ausführlichen Bericht, Was von Aderlassen in hitzigen Fiebern zu halten sey. Eyssel, Leipzig 1719 Digitalisat
  44. Josef Bauer. Geschichte der Aderlässe. E. H. Gummi, München 1870, S. 202–207: John Brown und dessen Einfluss Digitalisat
  45. Josef Bauer. Geschichte der Aderlässe. E. H. Gummi, München 1870, S. 207–211: Die Lehre vom Contrastimulus: Digitalisat
  46. Josef Bauer. Geschichte der Aderlässe. E. H. Gummi, München 1870, S. 216–219: Broussais und seine Schule: Digitalisat
  47. Jean-Baptiste Bouillaud. Essai sur la philosophie médicale et sur les généralités de la clinique médicale, précedé d’un résumé philosophique des principaux progrès de la médecine, et suivi d’un parallè des résultats de la formule des saignès coup sur coup avec ceux de l’ancienne mèthode, dans le traitement des phlegmasies aigues. Rouvier et Bouvier, Paris 1856 Digitalisat
  48. Antoine Pierre Demours. Notice sur l’acupuncture et sur une nouvelle espèce de ventouse armée de lancettes… In: Journal universel des sciences médicales. Band XV, Paris 1819, S. 107–113 Digitalisat
  49. Jean-Baptiste Sarlandière. Bdellomètre. Im Artikel Ventouse (Schröpfglas) , im : Dictionnaire des sciences médicales Panckoucke, Paris 1821, Band 57, S. 174–189 (hier: S. 180–185) Digitalisat Text Digitalisat Abbildung
  50. Charles Louis Stanislaus Heurteloup (1793–1864). Künstlicher Blutegel. Digitalisat
  51. Adolphe Aimé Lecadre. Etude comparative, Broussais et Laënnec. Lepelletier, Le Havre 1868 Digitalisat
  52. Henry E. Sigerist. Große Ärzte. Eine Geschichte der Heilkunde in Lebensbildern. Lehmann, München 1931, S. 251–260 (Laennec und Broussais)
  53. Marshall Hall. Observations on blood-letting founded upon researches on the morbid and curative effects of loss of blood. Gilbert and Piper, london 1836 Digitalisat
  54. Pierre Charles Alexandre Louis. Anatomisch-pathologische Untersuchungen über die Lungenschwindsucht. Aus dem Französischen frei übersetzt von Karl Weese. Leipzig 1827 Digitalisat
  55. Pierre Charles Alexandre Louis. Recherches sur les effets de la saignée dans quelques maladies inflammatoires, et sur l'action de l'hémétique et des vésicatoires dans la pneumonie. J.-B. Baillière, Paris 1835 Digitalisat
  56. Joseph Dietl. Der Aderlass in der Lungenentzündung. Kaulfuss, Wien 1849 Digitalisat
  57. Arturo Castiglioni. Der Aderlaß, in: Ciba-Zeitschrift 66, Band 6, Wehr / Baden 1954, S. 2211
  58. Journal universel des sciences médicales. Band XV, Paris 1819, S. 107–113. Digitalisat hathitrust
  59. Lu Gwei-Djen und Joseph Needham. Celestial lancets. A history and rationale of acupuncture and moxa. Cambridge University Press, London 1980, S. 5, 8, 129
  60. Gerhart Feucht. Gegenüberstellung einiger Aderlassstellen und Akupunkturpunkte. In: Deutsche Zeitschrift für Akupunktur, 10 (1961) H. 1, S. 10–18
  61. Louis Berlioz: Mémoire sur les maladies chroniques, les évacuations sanguines et l'acupuncture. Croullebois, Paris 1816
  62. Michael Eyl: Chinesisch-japanische Akupunktur in Frankreich (1810–1826) und ihre theoretischen Grundlagen (1683–1825). Dissertation. Zürich 1978.
  63. An English translation of the Sushruta Samhita … Bd. II, Calcutta 1911, S. 198–208
  64. Heinrich Wallnöfer: Der Arzt in der indischen Kultur. J. Fink, Stuttgart 1966; Sonderausgabe Esslingen a. N., S. 50.
  65. Buch X, Kapitel 8 Übersetzung Fritz Weiss, Leipzig 1875
  66. Gerhard Eis: Der Aderlaß in Gottfrieds Tristan. In: Medizinische Monatsschrift 2, 1948, S. 162 ff.
  67. Polycythaemia Vera (PV). Leitlinie. (PDF) Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie, S. 10.
  68. Hämochromatose-Therapie. Universitätsklinikum Ulm.
  69. Aderlass. Kliniken Essen-Mitte.
  70. D. Köhler, D. Dellweg: Polyglobulie. In: Deutsche medizinische Wochenschrift. 2010; 135(46): 2300–2303. doi:10.1055/s-0030-1267515
  71. Wie kann die PCT behandelt werden? Europäische Porphyrie-Initiative (EPI) (Memento vom 18. Mai 2015 im Internet Archive)
  72. Michalsen et al.: „Effects of phlebotomy-induced reduction of body iron stores on metabolic syndrome: results from a randomized clinical trial“. In: BMC Medicine, 10.1186/1741-7015-10-54
  73. Manco, Fernandez-Real: „Back to past leeches: repeated phlebotomies and cardiovascular risk“, in: BMC Medicine, 10.1186/1741-7015-10-53
  74. Sundrela Kamhieh-Milz et al. Regular blood donation may help in the management of hypertension: an observational study on 292 blood donors. In: Transfusion. Band 56, Heft 3 (März 2016), S. 637–644.
  75. Naturheilverfahren: Richtig glücklich und entspannt nach dem Aderlass. In: Die Welt. 14. Juli 2012.
  76. Hans von Gersdorff. Feldbuch der Wundarznei. Schott, Straßburg 1517, Blatt 14v-18r Digitalisat
  77. Siehe dazu auch: Lorenz Fries. Spiegel der Arznei. Grüninger, Straßburg 1518, Blatt 72v-76v Digitalisat
  78. Cpg 557, Iatromathematisches Hausbuch, nördliches Bodenseegebiet, 1468, Blatt 84v-88r, Blattverluste Digitalisat
  79. Cpg 291, Iatromathematisches Hausbuch, Bayern, nach 1477 – vor 1496, Blatt 48v-52r Digitalisat
  80. Albucasis: … Indikationen: chronische Erkrankungen des Gesichts, Migräne, entstellende Geschwüre und Rötungen Digitalisat
  81. Albucasis: … Indikationen: chronische Migräne, starkes Kopfweh, eitrige Augenentzündung, Augenfluss Digitalisat
  82. Albucasis: … Indikationen: Augenerkrankungen wie die Krätze, die Wundrose und Erkrankungen des Gesichts Digitalisat
  83. Albucasis: … Indikationen: chronischer Katarrh, Migräne, üble und langdauernde Geschwüre und Grind des Kopfs Digitalisat
  84. Albucasis: … Indikationen: akute Fieber, starke Kopfschmerzen, Gesichtserkrankungen wie Ausschläge, besonders wenn sie chronisch sind Digitalisat
  85. Albucasis: … Indikationen: Angina tonsillaris, Erkrankungen des Zäpfchens und des Mundes Digitalisat
  86. Albucasis: … Indikationen: Blutfülle im Kopf, Augenerkrankungen Digitalisat
  87. Albucasis: … Indikationen: Krankheiten unterhalb der Kehle im Brust- und Bauchbereich Digitalisat
  88. Albucasis: … Indikationen: Da sie mit den beiden anderen Adern im Ellbogen verbunden ist, eignet sie sich bei Blutfülle im Kopf und bei Erkrankungen der unteren Teile Digitalisat