Aderlass

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Aderlass. England, 14. Jahrhundert. Miniatur aus dem Luttrell-Psalter, London, Brit. Mus., Add. Ms. 42130, --- fol. 61r [2]

Der Aderlass oder das (Zur-Ader-)Lassen, auch Phlebotomie (mittelhochdeutsch lâze, lâzen bzw. bluot lâzen; griechisch phlebotomia und mittellateinisch venaesectio; lateinisch missio sanguinis)[1] ist ein seit der Antike bekanntes und bis ins 19. Jahrhundert häufig bei Menschen und Tieren[2] angewandtes Heilverfahren. Beim Aderlass wird dem Patienten eine teilweise erhebliche Menge Blut entnommen. Heute ist belegt, dass der Aderlass nur bei sehr wenigen Krankheitsbildern eine positive Wirkung hat, sodass er weitgehend aus dem medizinischen Alltag verschwunden ist.

Der Aderlass ist eine der ältesten medizinischen Behandlungsformen. Er war schon vor der Zeit des Hippokrates (ca. 460–370 v. Chr) bekannt und galt bis ins 19. Jahrhundert als eine der wichtigsten, wenn auch umstrittenen, medizinischen Therapieformen.

Umgangssprachlich wird gelegentlich auch die Blutspende als Aderlass bezeichnet. Auch finanzielle Einbußen oder Verluste an Soldaten und Material können im übertragenen Sinn gemeint sein.

Inhaltsverzeichnis

Theorie und Praxis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theorie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zodiak-Mann mit Tierkreiszeichen in Analogie zu den Körperteilen und mit Ratschlägen zum Aderlass. Kalender, Straßburg 1518.[3]

Die Anwendung des Aderlasses beruhte auf dem System der Säftelehre, welches Krankheit als Ungleichgewicht (Dyskrasie) in der Vermischung der Säfte (Blut – Cholera/gelbe Galle – Melancholia/schwarze Galle – Phlegma/Schleim) oder als Degeneration einzelner dieser Säfte deutete.[4]

Zwei Aderlass-Verfahren wurden unterschieden:

  1. Die „Derivation“ (derivatio) = Ableitung, die von der Vorstellung ausging, die „verdorbenen Säfte“ oder die „fehlerhafte Säftemischung“ müssten aus dem Körper auf direktem Wege entfernt werden. Dazu wurde der Aderlass in der Nähe der erkrankten Region mit der Ausleitung von großen Blutmengen ausgeführt.
  2. Die „Revulsion“ (revulsio) = Umwälzung, die von der Befürchtung ausging, bei der „Derivation“ würden mit den „schlechten Säften“ auch die „guten Säfte“ entfernt. Bei der „Revulsion“ wurde der Aderlass weit entfernt von der erkrankten Region mit der Ausleitung von geringen Blutmengen ausgeführt. Das Ziel war, die in der erkrankten Region angesammelten „schlechten Säfte“ von dort abzuleiten und durch „besser durchmischte Säfte“ zu ersetzen.

Die frühesten exakten Angaben über vermutete Beziehungen zwischen dem Aderlass und der Stellung der Planeten finden sich im Regimen sanitatis der Schule von Salerno. Es enthält die Anweisung, den Aderlass vornehmlich im April, Mai und September auszuführen, sowie die Feststellung, dass Jupiter und Venus dem Eingriff günstig, Saturn und Mars ihm hingegen ungünstig sind. Überdies müsse auch den verschiedenen Mondphasen Rechnung getragen werden. Ausdrücklich wird jedoch gesagt, dass in dringlichen Fällen diese Regeln außeracht gelassen werden dürfen.[5]

Es finden sich jedoch auch andere, mehr oder weniger davon abweichende Anweisungen, so etwa bei dem Salernitaner Arzt Archimatheus, der um 1165 schrieb: „Ferner achte beim Aderlaß auf die Zeit der Krankheit, die Jahreszeit, die Kräfte und das Alter des Kranken. Vom Beginn des Herbstes an bis zum Frühling entnimm das Blut aus dem linken Arm, vom Frühlingsanfang an aus dem rechten Arm. Wegen einer Erkrankung des Gehirn schneide in die Vena cephalica, bei einer Erkrankung der Atmungsorgane in die Vena mediana, bei einem Leiden der ernährenden Organe in die Vena hepatica; wenn du den Kranken zur Ader läßt, halte alle Sorgen von ihm fern“.[6]

Praxis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abbildung von Messern für den Aderlass an der Stirn. Abulcasis (10. Jh.). Druck des 16. Jh. einer lateinischen Übersetzung [7]
Aderlass. England 14. Jahrhundert
Abbildung von zeitgenössischen Aderlassinstrumenten 1749.[8]

Beim Aderlass wurde das Blut meist durch die Eröffnung von Venen entfernt (Phlebotomie). Spätestens seit Galen (2. Jh. n. Chr.) wurde der Aderlass aber auch, wenn auch selten, durch die Eröffnung von Arterien (Arteriotomie) praktiziert. Ob die Arteriotomie bereits von den Griechen ausgeführt wurde, kann nur vermutet werden, da nicht sicher abzuklären ist, ob vor Galen mit der Bezeichnung „Arterien“ auch wirklich diese Gefäße gemeint waren. Galen verordnete die Arteriotomie an den Schläfenarterien bei chronischem Kopfschmerz. Er beschrieb das Vorgehen genau. Für den Fall, dass die Blutung nach dem Eingriff nicht durch einfache Kompression des Blutgefäßes zu stillen war, empfahl er die Exzision eines Teils der Arterie mit anschließender doppelter Ligatur der Gefäßenden.[9][10]

Als für die praktische Ausführung bezüglich etwa der Schnitttechnik, der Lassstellen und der Indikationen beim Aderlass wichtige Schrift im Mittelalters gilt die (pseudo-hippokratische) Phlebotomia Hippocratis, ein Aderlass-Traktat, der sich bis ins 8. Jahrhundert zurückverfolgen lässt, von Maurus von Salerno bearbeitet wurde, bearbeitet ins Deutsche übersetzt wurde und Einfluss auf weitere mittelalterliche Aderlasstexte nahm.[11]

Die Ausführungen im Chirurgieteil der Schrift At-Tasrif des andalusisch-arabischen Arztes Abulcasis (10.-11. Jh.) haben die europäische Chirurgie- und Aderlass-Praxis bis ins 16. Jahrhundert, teilweise bis ins 19. Jahrhundert geprägt. Abulcasis hat auch diverse zum Eingriff benötigte Geräte, so die Lasseisen (deutsch „fliete“ aus griechisch-lateinisch „phlebotom“), bereits beschrieben.

Im Frühmittelalter und im Hochmittelalter praktizierten Mönchen den Aderlass zunächst im Rahmen der Klostermedizin. Nachdem jedoch der 18. Canon der Beschlüsse des vierten Laterankonzils aus dem Jahre 1215 festgelegt hatte, dass „kein Subdiakon, Diakon oder Priester den Teil der Chirurgie ausüben dürfe, der Kauterisation und Schneiden umfasst,“ wurde der Aderlass an die außerhalb der Klöster lebenden Barbiere und Wundärzte delegiert.

Neben dem therapeutischen Aderlass existierte bereits im Mittelalter ein diagnostischer Aderlass, die Blutschau (Hämatoskopie). Dabei wurde das in einem sogenannten Lassbecher aufgefangene Blut vom Arzt inspiziert und daraus für den Patienten die Krankheit bestimmt.[12][13]

Im 16. Jahrhundert trugen „Humanisten“ und „Arabisten“ eine Fehde unter dem Titel „Aderlassstreit“ aus. Der französische Arzt und Humanist Pierre Brissot (1478–1522) forderte unter Berufung auf den „ursprünglichen Hippokrates“, dass der Aderlass bei Erkrankungen des Brustraums immer auf der Seite der Erkrankung, also „derivativ“ auszuführen sei. Der „revulsive“ Aderlass sei erst durch die Araber eingeführt worden. Obschon einige Vertreter der Pariser Fakultät sich den Lehren Brissots anschlossen, gelang es deren Gegnern dennoch, ein Dekret zu erwirken, das die Anwendung des derivativ wirkenden Aderlasses verbot. Der Kampf um den Aderlass führte zu einer Spaltung in der medizinischen Welt. Brissot starb in der portugiesischen Verbannung. Seine Schriften wurden jedoch kommentiert und je nach der Einstellung des Kommentators überaus gelobt oder heftig bekämpft. Damit war aber das Ende der Aderlass-Therapie noch nicht angebrochen.

Trotz aller Fortschritte der anatomischen und physiologischen Forschung seit dem 16. Jahrhundert prägten die Praxisanweisungen von Aderlass-Ärzten wie Leonardo Botallo („König der Aderlasser“ 1530–1570), Guy Patin (1601–1672), Thomas Sydenham (1624–1689), Giovanni Rasori (1766–1837) und François Joseph Victor Broussais (1772–1838) den medizinischen Alltag bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Nur wenige Ärzte, wie z. B. Johann Baptist van Helmont (1577–1644), Bernardino Ramazzini (1633–1714) und René Laënnec (1781–1826) sprachen sich offen gegen die Aderlass-Therapie aus.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ägypten – Bibel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulen / Personen Besonderheiten Werke
Ägypten
Auf Grund der zur Verfügung stehenden Quellen scheint es, dass der Aderlass im alten Ägypten weder im Rahmen der ursprünglich magischen Medizin noch von den diese ablösenden Priestern und Ärzten vorgenommen wurde. Der Aderlass wird weder im Papyrus Ebers noch im Papyrus Smith erwähnt.[14] Eine Ausnahme bildet möglicherweise der „Schnitt auf der Nase und am Schwanz“ zur Behandlung von Blähungen bei Rindern im Tierärztlichen Papyrus von Kahûn.[15][16][17] Papyrus Ebers und Papyrus Smith
Bibel
In der Bibel wird der Aderlass nicht erwähnt und auch bei den alten Hebräern war er unbekannt. Letzteres ist auf die Lehre zurückzuführen, nach der das Blut der Sitz der Seele ist (Lev. III, 17) und nach der jener mit dem Tode bestraft wird, der „das Blut des Menschen vergießt“. Das Blut darf nur vergossen werden, wenn es dem Herrn geweiht wird, wie dies bei den Tieropfern und bei der Beschneidung der Fall ist.[18] 3. Buch Mose

Corpus Hippocraticum – Empiriker – Alexandriner – Methodiker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulen / Personen Besonderheiten Werke
Corpus Hippocraticum

(5. Jh. vor Chr. bis 2. Jh. nach Chr.)

In der Schrift Über die Diät bei akuten Krankheiten wird der „derivativ“ auszuführende Aderlass an mehreren Stellen erwähnt und bei verschiedenen Krankheiten empfohlen. Über die an der Lunge und am Brustfell auftretenden Krankheitszeichen heißt es z. B.:

„Wenn sich der Schmerz nach oben zu gegen das Schlüsselbein erstreckt oder um die Brustwarze oder am Arm auftritt, so muss man die innere Ader am Arm auf der Seite, auf der es eben ist, eröffnen. Man entziehe Blut der Körperverfassung, der Jahreszeit, dem Alter und der Farbe entsprechend, und zwar mehr und getrost, wenn der Schmerz heftig ist, man treibe es bis zur Ohnmacht, dann gebe man ein Klistier. Wenn der Schmerz dagegen unterhalb des Brustkorbes auftritt und eine starke Spannung vorhanden ist, so führe man bei dem an Brustfellentzündung Erkrankten nach unten ab.“[19]

In derselben Schrift finden sich noch eine Anzahl weiterer Indikationen zur Vornahme des Aderlasses: entzündliche Anschwellungen der Oberbauchgegend, Anspannung des Zwerchfells, Atemnot, heftige Leberschmerzen … Das Verfahren wurde immer als „derivativ“ beschrieben. Das heißt, es sollte in der Nähe der erkrankten Region durch Aderlass eine große Blutmenge entzogen werden.

Aderlass. Abbildung auf einer griechischen Vase

Über die Diät bei akuten Krankheiten

Im Corpus Hippocraticum wurde lediglich in der Schrift Über die Natur des Menschen ein „revulsiv“ wirkendes Verfahren beschrieben. Zur Behandlung von Schmerzen in der Lende und in den Hoden wurde darin der Aderlass in der Kniekehle und unter den Innenknöcheln empfohlen. Diese Abhandlung wurde Polybos (um 400 v. Chr.), dem Schwiegersohn des Hippokrates zugeschrieben.[20] Über die Natur des Menschen
Ärzteschule der Empiriker

(ca. 250 vor Chr. begründet)

Die Empiriker standen dem Aderlass im Allgemeinen positiv gegenüber. Sie schränkten ihn aber ein und verwendeten stattdessen mehr Klistiere und Purgativa.
Diokles von Karystos

(4. oder 3. Jh. vor Chr.)

Diokles gehörte zur Schule der Empiriker. Er empfahl den „derivativ“ auszuführenden Aderlass vor allem bei Pleuritis und bei Pneumonie.
Herakleides von Tarent

(um 75 vor Chr.)

Menodotos von Nikomedeia

(um 100 vor Chr.)

Beide gehörten der Schule der Empiriker an und standen dem Aderlass im Allgemeinen positiv gegenüber
Chrysippos von Knidos

(um 365 vor Chr.)

Er war ein Gegner des Aderlasses und er empfahl stattdessen Umschläge und Bandagen.
Alexandrinische Ärzteschule

(300 vor Chr. bis 600 nach Chr.)

Erasistratos

(um 305 vor Chr. bis um 250 vor Chr.)

Erasistratos war zusammen mit Herophilos Haupt-Vertreter der alexandrinischen Ärzteschule und ein erklärter Aderlassgegner. Galen. De venae sectione adversus Erasistratum liber. Ausgabe Carl Gottlob Kühn, Bd. XI, Leipzig 1826, S. 147–378 (Digitalisat)
Herophilos

(4. bis 3. Jh. vor Chr.)

Herophilosos war zusammen mit Erasistratos Haupt-Vertreter der alexandrinischen Ärzteschule. Er war jedoch kein Aderlassgegner. Karl Friedrich Heinrich Marx. Herophilus. Ein Beitrag zur Geschichte der Medizin. Karlsruhe 1838. S. 51-52 (Digitalisat)

Galeni de venae sectione adversus Erasistratum liber. In: Karl Gottlob Kühn (Hrsg.) Claudii Galeni Opera Omnia. Leipzig 1821, Band XI, S. 147–186, hier: S. 163: (Digitalisat)

Schule der Methodiker

(2. bis 1. Jh. vor Chr.)

Die Methodiker praktizierten den Aderlass „revulsiv“ in Bezug auf die örtliche Wahl der Aderlasstelle, „derivativ“ in Bezug auf die gelassenen Blutmengen
Asklepiades von Prusa

(1. Jh. v. Chr.)

Asklepiades war der Begründer der Schule der Methodiker. Den Aderlass empfahl er zur Dämpfung von lokalen Schmerzen und zur Linderung von Schmerzen.
Themison von Laodikeia

(2. bis 1. Jh. vor Chr.)

Themesion war ein Schüler des Asklepiades. Er wählte für den Eingriff zwar vom Krankheitsort weit entfernte Orte („Revulsion“), entzog andererseits aber große Blutmengen bis zum Eintreten der Ohnmacht („Derivation“).
Soranos von Ephesos

(1. Jh. vor Chr.)

Soranos war der einzige Methodiker, der eine gewisse Zurückhaltung bei der Aderlassanwendung zeigte

Celsus – Galen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulen / Personen Besonderheiten Werke
Celsus

(1. Jh. vor Chr. bis 1. Jh. nach Chr.)

In der Tradition der alexandrinischen Ärzteschule verfasste Celsus seine Enzyklopädie De Medicina, in deren Buch II er dem Aderlass ein besonderes Kapitel widmete. Dabei grenzte er sich von der überbordenden Aderlass-Praxis der Methodiker ab. Celsus schrieb den Eingriff vor bei akuten Fiebern, geschwollenen Venen, übermäßiger Reizbarkeit des Nervensystems, Bedrohung des Lebens durch Erstickungsgefahr, bei unerträglichen Schmerzen und allen Erkrankungen des Darmes sowie bei jenen Krankheiten, die sich aus einer Überfülle der Säfte herleiten. Bei hohem Fieber lehnte er den Aderlass jedoch strikt ab und empfahl, das Abklingen der Fiebersymptome (Hautrötung) abzuwarten.[21][22][23] De sanguinis detractione per uenas. In: De medicina. Buch II, Kapitel 9. Druck Mailand 1481
Galen

(1. bis 2. Jh. nach Chr.)

Galen gilt als der Begründer der Lehre von der Fülle (plenitudo), auf der er ein ganzes medizinisches System aufbaute, das die „ausleerende Therapie“ und darunter auch den Aderlass zur wichtigsten Heilmethode werden ließ. Klar wurden jedoch auch die Richtlinien für diesen Eingriff angegeben: Sie wurden bestimmt vom Charakter der Krankheit, dem Kräftezustand und dem Alter des Patienten ebenso wie von einer eventuellen Schwangerschaft. Der Eingriff durfte nicht vorgenommen werden bei Kleinkindern sowie bei alten und schwächlichen Patienten. Ungleich Hippokrates verschrieb Galen den Eingriff in der Regel „revulsiv“ an einer vom Herd des Übels weit entfernten Stelle. Bei Pleuritis und Pneumonie habe der Eingriff keinen oder doch nur einen geringen Nutzen, wenn er „derivativ“ am Arm der kranken Körperhälfte ausgeführt werde.[24][25] Leonhard Fuchs (Hrsg. und Kommentar).
  • Claudij Galeni Pergameni Medici Praestantissimi. De curatione per sanguis missionem, libellus. Johann und Franciscus Frellonius, Lyon 1546 (Digitalisat)
  • Claudij Galeni Pergameni, Medicorum facile Principis, aliquot opera. Birckmann & DuPuis, Paris 1550
    • S. 254v-290r: Claudii Galeni Pergameni, de Ratione curandi per sanguinis missionem. Leonharto Fuchsio Medico interprete. (Digitalisat)
    • S. 290r-293r: Claudii Galeni pergameni, de hirudinibus, revulsione, cucurbitulae et Scarificatione Libellus. Leonharto Fuchsio Medico interprete. (Digitalisat)

Karl Gottlob Kühn (Hrsg.)

  • Claudii Galeni Opera Omnia. Leipzig 1821, Band XI
    • S. 147–186 : Galeni de venae sectione adversus Erasistratum liber. (Digitalisat)
    • S. 187–249: Galeni de venae sectione adversus Erasistrateos Romae Degentes. (Digitalisat)
    • S. 250–316: Galeni de curandi ratione per venae sectionem. (Digitalisat)
    • S. 317–322: Galeni de hirudinibus, revulsione, cucurbitula, incisione et scarificatione. (Digitalisat)

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arabisches Mittelalter. Rhazes – Avenzoar – Abulcasis – Avicenna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulen / Personen Besonderheiten Werke
In der von griechischen und byzantinischen Quellen geprägten persisch-arabisch-islamischen Medizin des Mittelalters (7. bis 13. Jh.) wurde der Aderlass überwiegend als „revulsiv“ wirkendes Verfahren verstanden und praktiziert. Der Eingriff wurde an einem vom Krankheitsherd entfernten Ort vorgenommen. Kleine häufigere Blutentzüge wurden den selteneren und reichlicheren vorgezogen. Schließlich wurde die Phlebotomie auch zu prophylaktischen Zwecken empfohlen.
Rhazes

(865-925)

Zu prophylaktischen Zwecken verordnete Rhazes (865-925) den Eingriff z. B. zur Zeit der ersten Reife des Organismus, da er der Auffassung war, dass diese Zeit eine Reinigung des Blutes erfordere. Bei Windpocken und Krankheiten des Schlundes, bei denen Erstickungsgefahr besteht, hielt er es für angezeigt, den Aderlass an der Cephalica vorzunehmen.[26][27] Liber Rasis ad Almansorem, Venedig 1497, Traktat 7, Cap. 21 (Digitalisat)
Avenzoar

(1091–1161)

Aveonzar empfahl eine „revulsive“ Technik, indem er den Aderlass bei Pleuritis an einem dem Krankheitsherd entgegengesetzten Ort vorschrieb. Er griff jene Ärzte heftig an, die nicht so vorgingen, und behauptete, dass am Krankheitsherd ausgeführte Aderlässe den Tod des Patienten zur Folge haben könnten.[28] Kitāb at-Taisīr fī l-mudāwāt wa-t-tadbīr (Buch der Vereinfachung/Wegbereitung von Therapie und Diätetik), Buch I, Traktat 16, Kapitel 3 (Digitalisat)
Abulcasis

(936-1013)

Abbildung von Messern für den Aderlass an der Ellenbeuge. Abulcasis (10. Jh.). Druck des 16. Jh. einer lateinischen Übersetzung [29]

Die Ausführungen über den Aderlass im Chirurgieteil der Schrift At-Tasrif des Abulcasis haben die europäische Aderlasspraxis bis ins 16. Jahrhundert, teilweise bis ins 19. Jahrhundert geprägt.[30]

At-Tasrif Albucasis. Chirurgia. Lib. tres. Schott, Straßburg 1532, Pars secunda. De phlebotomia Venarum. Caput XCVII, S. 259–270 (Digitalisat).

Aboul Kasim Al Zahravi / Albucasis / Abulcasis . – La chirurgie d'Abulcasis… ; trad. [de l'arabe] par le Dr. Lucien Leclerc. J.-B. Baillière, Paris 1861 Livre II, Chapitre LXXXXVII De la section des vaisseaux sanguins (Digitalisat)

Avicenna

(um 980- 1037)

Die Ausführungen über den Aderlass im ersten Buch seines Kanon der Medizin haben die europäische Aderlasspraxis bis ins 16. Jahrhundert, teilweise bis ins 19. Jahrhundert geprägt.[31] Kanon der Medizin Buch I, Fen IV, Capitel 20 Ausgabe Andrea Alpago 1556

Lateinisches Mittelalter. Guy de Chauliac[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulen / Personen Besonderheiten Werke
Guy de Chauliac

(um 1298–1368)

Im 7. Traktat, 2. Doktrin, 1. Kapitel seiner Großen Chirurgie schreibt Guy de Chauliac über Aderlass, Schröpfen und Blutegelbehandlung. Er zitiert Hippokrates, Erasistratos, Galen, Rhases, Abulcasis, Avicenna … Den Aderlass nennt er das nobelste Heilmittel. Bei Bedarf könne er jederzeit abgebrochen werden, während ein eingenommenes Medikament nicht mehr aus den Gedärmen zu entfernen sei. Mit Bezug auf seine Gewährsleute gibt er einen Überblick der Indikationen, der Technik und der Vorsichtsmaßnahmen des Eingriffs. Die einzelnen Aderlassstellen werden nur beiläufig erwähnt. Er unterscheidet zwischen „revulsivem“ Aderlass und „derivativem“ Aderlass und ordnet jedem dieser Verfahren spezifische Indikationen zu. Die Astrologie wird zur Bestimmung der Aderlasszeit herangezogen und auch die verbotenen (ägyptischen) Tage werden benannt. Den Schluss bildet eine Beurteilung des Aussehens des gelassenen Blutes. Chirurgia Magna (1363) La grande chirurgie de Guy de Chauliac, chirurgien, maître en médecine de l'Université de Montpellier composée en l'an 1363. 7. Traktat, 1. Doktrin, 1. Kapitel. Venedig, 23. Dezember 1499 S. 62v-64r (Digitalisat). Lyon 1585, S. 358–366 (Digitalisat)

Transkribiert und kommentiert durch E. Nicaise, Alcan, Paris 1890, S. 555–570 (Digitalisat)

Aderlassstellen in chirurgischen Werken des späten 15. und frühen 16. Jahrhunderts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gersdorff [32][33] Fasciculus medicinae [34] Cpg 291 [35][36]
Aderlasspunkte. Abbildung aus: Hans von Gersdorff. Feldbuch der Wundarznei, Straßburg 1517
Aderlasspunkte. Abbildung aus: Fasciculus Medicinae. Gregoriis, Venedig 26. Juli 1491
Aderlasspunkte. Abbildung aus Cpg 291, Bayern, 2. Hälfte des 15. Jh.
01 a Die ader mitten an der ſtirnen geſchlagen
iſt gůt für all apoſtematen der augen [Augenentzündungen].
wider emigraneam / das iſt ein kranckheit mitten im haubt [Migräne].
wider alle ſchwer weetagen des haubts [starke Kopfschmerzen].
wider die ſinnloßigkeit, wider freneſim .i. hirnwütung / oder hirn dobigkeit [Manie].
vnd wider die new angond maltzey [beginnende Lepra].[37]
a Vena in medio frontis valet contra
apostemata oculorum
contra emigraneam
contra dolores capitis grauissimos
contra mentis alienationem
contra frenesim
contra nouam lepram
Dy erſt ader an der ſtirnen iſt gut gelaſſen
fur augen ſwer
vnd fur den groſſen ſchmertzen des haups
vnd fur omacht vnd der ein tebig hirn hat
vnd dem das haupt alczeit we tut
vnd auch nit wol ſlauffen mag
02 b Zwo aderen an beyden enden des ſchlafs [der Schläfe] geſchlagen
iſt gůt wider den ſchmertzen der oren.
wider den träher fluſſz [Tränenfluss] der augen.
wider das mittel we des haubts.[38]
Vnd ſzm Auicennam / ſo ſollent diße aderen nit geſchlagen werden den fruchtbaren vnd kindgeberigen, dann durch ir offnung werden vßgetriben die geiſt ſo von der natur verordenet ſeint zů der geberung.
bb Due vene in timporibus valent
contra dolorem aurium
nimiam effuſionem lachrymarum de oculis
& contra emigraneam
& ſm Auicenna non debent minui in quibus requiritur potentia generandi: quia per iſtas venas euacuantur ſpiritus : quia natura miſſi ſunt ad fetum generandum
Die ander ader. Niemant betracht vnd merkt zwo ader die da geen von dem ſlaff an paiden seiten des haubts die ſoll man laſſen
fur das geſucht der orn
vnd fur den slaff der augen [in Cpg 557: …vnd fur den flus augen…]
03 c Ein ader in beyden winckelen der augen geſchlagen
machet ein klor geſicht [klares Sehen] /
vnd iſt gůt für alle flüſſz vnd makel der augen /
vnd vorab für den wiſſzen flecken [für den grauen Star] / vnd nübelung [Trübung] der augen /
vnd verkerung der augbrawen.[39]
cc Vena in angulis oculorum in quelibet parte
valet ad clarificandum viſum
& contra omnes fluxus & maculas oculorum
& maxime albulam & nebulam
& palpebrae inuerſionem.
xxxvj. Zwo adern jn den winkcheln der augen neben der naſen las
für den nebel der augen
vnd das flos der augen.
04 d Ein ader in der höly der oren zů beyden ſyten geſchlagen /
iſt gůt für daz zytteren des haubts /
vnd das ſußen der oren [Ohrensausen] / vnd auch wider die angond touby [beginnende Taubheit].
aa Vena in concauitate aurium ex utraque parte
valet contra tremorem capitis
& contra tinnitum aurium
etiam valet contra nouellam ſurditatem
xxxiij. Zwo adern an der krumb der orn di ſol man laſſen
fur das pibenden
vnd iſt gut fur das ſchütten des haubts [Cpg 557: …fur das ſichtum das haups…]
05 e Zwo aderen hinder den oren zů beyden syten geſchlagen /
dienend zů einer gůten gedächtnüß /
vnd zů reinigung des antlitz von bloteren
vnd andern moßen [Ausschläge im Gesicht].[40]
Texttafel in der Abbildung : Due vene retro aures ex utraque parte
valent ad bonam memoriam
& ad mundificandum vultum a puſtulis
& contra omnes alias maculas faciei.
xxxiiij. Adern hinder den orn di ſol man laſſen
für die plattern des antlütz
vnd für die geſucht der zene vnd des munds geprechen.
06 f Ein ader oben vff der naßen geſchlagen
iſt gůt für all beschwerungen des haubts /
vnd wider den augenfluſſz [Augenentzündung].[41]
f Vena in ſummitate naſi valet
contra gravedinem capitis
& nimium fluxum oculorum
xxxv. Jtem die adern auf der nasen die ſol man laſſen
für das flos des haubts
vnd das floss der augen.
07 g Ein ader bey dn naßlocheren geſchlagen
purgiert das haubt /
vnd hilfet dem gehörd.
c Vena iuxta nares inciſa
purgat caput
& iuuat auditum
08 h Zwo aderen am gumme [am Gaumen] des munds geſchlagen /
dienent für die vnreinigkeit des antlitz.
wider die rud vnd grindt des haubts.
wider zän vnd backen wee.
vnd wider die beſchwerd des haubts des halß / vnd des munds.
d Due vene in faucibus oris quelibet valet
contra pustulas faciei
contra scabiem capitis
contra dolorem dentium & mandibularum
et etiam valet contra grauedinem capitis, gutturis & oris
Die vij ader. Item zwo ader vnder dem gumen ſind gut zelaſſen
für die pewln des antlitz
vnd für vnſauberkait des haubts [Cpg 557: …fur den grint des haups…]
09 i Die adern der lefftzen [Lippen] geſchlagen /
iſt gůt wider die apoſtematen des mundes
vnd der büller [Zahnfleisch] /
vnd auch des fleiſches in dem die zän gewurtzelt ſeint.
e Vena labiorum
contra apostemata in ore existentia
& etiam in gingiuis
& etiam in carne qua radicantus dentes
10 k Zwo aderen vnder der zungen geſchlagen /
dienent für der zän vnd büller wee.
wider reuma den haubtfluſſz.
wider die apoſtematen der kälen.
wider ſquinantiam der kälen geſchwer [Halsentzündung].
vnd wider all böße zůfäll des munds.[42]
g Due vene ſub lingua valent ambe
contra dolores dentium & gingiuarum
contra reuma capitis
contra apostemata gutturis
contra ſquinantiam
contra omnia vitia oris
Die vierd ader. Item zwo ader vnder der Zungen di solt du frue laſſen
fur den slaff des haubts [Cpg 557: …fur das flos des hauptes…]
vnd geprechen der zene
vnd geſwern des hirns oder der kelen
vnd fur den husten
vnd fur den smach des munds
11 l Ein ader vnder dem künn geſchlagen
iſt gůt wider den ſchmertzen der backen.
wider die rupen [Ausschlag] vnd geſtanck der naßlöcher.
wider den ſchmertzen des antlitz.
vnd wider die weetagen vnd geſchwer der brust.
Texttafel in der Abbildung : Vena ſub mento valet
contra dolorem maxillarum
et contra pruritum & fetorem narium
& dolores faciei
& contra dolores & puſtulas pectoris.
Die fünft ader. Item ain ader vnder dem kynne die iſt gut zelaſſen
für die geſwulſt der wanngen
vnd dem die prüst geſwollen ſind
vnd für den fluſs der naſen
vnd für die ruden.
xxij. Zwo adern an den wanngen die ſol man laſſen
fur die Ruden vnd auch des haubts [Cpg 557: …fur die rauden vnd den grint…]
vnd ſchebige des antlucz
vnd bibelen der augen.
12 m Zwo aderen zů beyden ſyten am hinderen teyl des haubts geſchlagen /
dienen wider die lärigkeit [Leere] des haubts.
vnd abſchühen des gemüts.
vnd wider die verlierung der vernunfft.
Վ Due vene in occipite ex utraque parte
valet contra querelam capitis inani:
& ſtuporem mentis
& amiſſionem rationis
Die dritt ader. Item zwo ader an dem hindern haubt die ſol man laſſen
vnd dienen dem hirn da es geſpallten ist
vnd für das floſs des hirns
vnd fur all geſücht des haubts.
13 n Zwo aderen am halß werden geſchlagen
von wegen der feüchtigkeit vnd flüſſz des haubts.
b Due vene in collo inciduntur
propter humores & reuma captis
Die vj. Ader. Item zwo ader vnder dem halſs die ſol man laſſen
für die geſwulſt der kinpakchen
vnd für übrigs röbtzen
vnd auch für die geprechen des hertzen [Cpg 557: …vnd auch fur gebresten des hirens…]
14 o Ein ader vnder beyden achßelen geschlagen / balſetes genant /
macht den menſchen frölich zů ſterben.
Texttafel in der Abbildung : Vena ſub utraque parte aſelle inciſa
facit hominem ridentem mori
& talis vena balſecos vel balſetes appellatur. Omnes vene brachiorum ſunt ante comeſtionem minuende.
xxv. Zwo adern haiſſen Salſoca die ſol man nicht ſlahen
denn wer ſy ſlahet dem get die ſel lachent aus.
15 p Ein ader in beyden ſyten würt geſchlagen
wider alle bloteren / vnd kalte kranckheiten.
wider die blůtrůr [blutiger Durchfall] / vnd ſo der menſch nit dowen mag.
Texttafel in der Abbildung : Vena in ambobus lateribus corporis debet incidi
contra puſtulas antiquas & contra infirmitatem frigidam
& lienteriam et quando homo non poteſt habere digeſtionem.
16 q Ein ader vff der hufft geſchlagen
reiniget die melancholy /
vnd ſtercket die nieren.
p Vena in gibbo inciſa
purgat melancoliam
confortat renes
Di xiiij. Item zwo adern über die lennd ſind gut zelaſſen
für allen geprechen der gemächte
vnd des ſtains in der plaſen
vnd der niern [Cpg 557: …vnd geilen der nyren…]
für die pewln vnd waſſer ſucht
Vnd für das geſücht in dem Rukchen.
xxvij. Ain ader an dem ennd des Rukchen die ſol man laſſen
für die geſucht der lennden vnd ſtrekchen auch den Rukchen.
Die xv. Item die ader auf dem nabel iſt gut zelaſſen
für das floſs des pauchs
vnd für die geſwulst der gemacht
vnd für das gicht
vnd für das grymmen
vnd den harmſtain.
17 r Die aderen an beyden armen ſo linck vnd krumb gond ſchlecht man
für kranckheiten der bruſt vnd lungen / vnd für ein ſchweren atem.
Texttafel in der Abbildung: Vena tranſiens a ſiniſtro & curvo modo in ambobus brachijs debet incidi
contra dolores pectoris & pulmonis.
Et inciſio ipſius valet etiam illis qui graviter anhelitum attrahunt & ſpiraminis gravamen habentibus.
h Vena Cephalica capitis percussionibus incidit ipsius vt melius ex alio latere in manu sinistra in principio. Item omnes vene manuum sunt post comestionnem minuende.
18 s Cephalica die haubt ader ſchlecht man vff der lincken hand
zů den haubt wunden. Diße ader hat ein vrsprung vom haubt.
vnd durch sye got ein ander ader die die Muß genant iſt. wo die für die cephalica vß vnwiſſenheit geſchlagen würt / ſo geſchwült der arm vnd volgt bald darnoch der todt.
Die cephalica aber am lincken arm ſchlecht man wider den fluſſz der augen /
vnd wider alle weetagen des haubts.
wider den fallenden siechtag.
vnd ist am beſten zů ſchlagen am nechſten tag nach Ambrosii (5. April).[43]
ƨ Vena Cephalica a capite habet principium & per illam venam tranſit alia vena que mus nuncupatur q aliquando inciditur loco cephalice per negligentiam : & talis inciſio importat tumoſitatem & propinquam mortem. Sed inciſio vene cephalice valet contra fluxum oculorum : & contra omnes dolores capitis : & etiam inciſio vene predicte valet contra caducum morbum : & inciſio ipſius bona eſt ſequenti die poſt festum ſancti Ambroſij ſeu in nonis Aprilis. Die x. Item zwo haubt ader auf dem arm Auf yedem arm die haiſſen cephalicam Vnd haben den namen von dem haubt vnd ligen oben an den an den armen vnd wirt ſy recht geſlagen
das iſt gut für die fülnüſs des haubts (Cpg 557: …das iſt gut für die flis des haups…)
vnd zu dem hertzen
vnd für alle zeher (Tränen) der augen
vnd für alle ſmertzen der brust
Die ſol man ſlahen auf ſand Ambroſius tag (4. April).
19 t Cordiaca die hertz ader die ſchlecht man
so die leblichen geiſt etwas lyden.
i Vena cordiaca cordis ſeu coralis hoc eſt vena mediana
inciditur pro paſſionibus ſpirituum & plenius in manu siniſtra valor eius declaratur
20 u Purpurea iſt ein ader vſſzen vff dem arm / die ſchlecht man
ſo die inneren glider etwas lyden.
k Vena purpurea
contra paſſiones minuitur interiorum
21 v Iliaca / oder titillaris ader vnden am arm geſchlagen
iſt gůt für der vnderen glider ſchmertzen.
l Vena iliaca & titillaris
aperitur pro paſſionibus inferiorum
22 y Baſilica die leberader / ſaluatella auch genant / laſſzt man an der rechten handt
ſo des blůts zůuil iſt / vnd vngeschickt / oder sye bede. dann die leber in der rechten ſyten ligt.
Sye würt auch an der lincken hand geöffenet für die ſchmertzen der leberen vnd des miltz.[44]
m Saluatella in dextra manu minuenda eſt
quando peccat ſanguis in qualitate vel in quantitate vel in utroque
quam epar eſt in dextro latere matrix ante ſplen & renes ad sinistrum latus declinant
23 ƨ Splenetica oder ſalvatella vff der rechten hand geſchlagen
iſt der milz gůt.
Die xiij. Die miltz ader hat den don von dem miltz vnd von der lungen
Vnd für die füll für das hertz ſtechen [Cpg 557: …fur dy fewlen vnd fur daz hercz ſtechen…]
Vnd für die pöſen feuchtigkeit
vnd für ſwerde des adtems
die man ſlahen mag wenn man will.
24 z Pulſatilis geſchlagen
in der hertz ſucht iſt vaſt gůt.
Texttafel in der Abbildung: Vena pulſatilis inciſa
in cardiaca paſſione multum profert.
25 aa Die median ader nimpt iren vrſprung von der lungen / vnd iſt mitten in dem arm do die muß nit ist. vnd ſo die nit wol troffen würt / ſo gibet ſye dick blůt. würt ſye aber recht geſchlagen /
so iſt ſye gůt gelaſſen für alle wetagen der glider / des hertzen / des magens / der ripp vnd lenden.
Jtem ſo ſye nit recht geſchlagen würt / ſo macht ſye vil eyter / übelryechende wunden / vnd verderbt den menschen.
Diße ader iſt am beſten geſchlagen nonis septembris vmb vnser frawen geburt tag (8. September).[45]
Շ Vena mediana capit initium suum a pulmone. Et eſt in medio brachii poſita ubi non est mus. Et ſi non bene inciſa fuerit dat ſpiſſum ſanguinem. Et ſi bene inciditur
valet contra omnes dolores membrorum cordis ſtomachi costarum & laterum.
Et etiam ſi non bene inciſa fuerit ſaniem plurimam & peſſimam mitteret : & vulnera famoſa : & ad perniciem hominem deducit.
& precipue : & principaliter inciſio vene predicte debet fieri nonis ſeptembris : hoc est circa feſtum Nativitatis beate virginis Marie.
Die viiij ader. Item dj mittel ader an paiden armen die ſolt du laſſen
zu dem hertzen
vnd zu der lungen
vnd zu dem miltz
der niern
vnd dem adtem.
Dj xj. Item zwo michel (große) adern haiſſent Median vnd ligent enmitten vber dem arm. Wer die recht ſlahent
So machent enmitten wunden hail
Vnd iſt gut für das hertzlaid
Vnd pringen den menschen zu vil klugkait
Vnd ist gut für allen ſmertzen der glider vnd des magens der Ripp vnd ſeytin.
Die ader ſol man laſſen an ſand Larentzen tag (10. August).
26 bb Epatica die leberader hat iren vursprung von dem magen / vom hertzen / vnd von der leberen / vnd ligt zů end des arms.
ſo die nit wol geſchlagen würt ſo geſchwüllt der arm / vnd werden apoſtematen / vnd der krampff in armen vnd fingeren / im magen vnd miltz. Aber recht troffen /
ist ſye wider den blůtfluß der naßen / vnd wider das ſtechen der ſyten.
Diß ader ist am beſten zeſchlagen nonis maij / am nechſten tag noch Joannis mit dem guldin mundt (7. Mai).
z Vena epatica habet inicium a ſtomacho, a corde, a iecore & eſt poſita vel locata ad extremam partem brachii & ſi non bene incidunt predictum locum facit tumeſcere.
Et etiam ex hoc generantur apostemata & ſpaſmus in brachiis & digitis : & etiam ſtomachi & ſplenis
& etiam contra fluxum ſanguinis de naribus : & etiam contra punctiones ſeu ſtimulationes lateris.
Et inciſio ipſius precipue & principaliter debet fieri in nonis maij : hoc eſt ſequenti die poſt feſtum ſancti Joannis chryſoſtomi.
Die xij. Item zwo adern an yetweder ſeyten des arms. Vnd haiſſent Epatica. Wer ſy recht ſlahen kann
ſo iſt ſy gut für all fülnüſs vnd ſmertzen der lebern vnd der Rippen
Vnd des magen
vnd des miltzes.
Vnd für das flieſſen in der naſen
Vnd für allen geprechen der naſen
Vnd des ſtechentz in der ſeyten
die man loſſen ſol in dem mayen an des heiligen Chrewtz tag (3. Mai).
xxxj. Zwo adern an paiden armen haiſſet man die leber ader. Vnd die ander dy miltz ader. Die ſind gut zelaſſen
für zyttern der armen vnd der hend
Vnd für alle füll der vnrainigkait
vnd für alle geprechen der lebern vnd des miltzes
vnd für den vberlauf der galln auf der lebern
vnd für die gilim (?) der leber galln
vnd fur die geſucht des Rukches vnd der Rippen vnd der ſeyten vnd aller glider
vnd vbrigs plitten der naſen
vnd für den Ritten
vnd für alles zittern
ſol man laſſen jn dem mayen vnd ſind auch allczeit gut zelaſſen.
n Vena in politibus inciſa facit hominem inceſſanter incedere. Jtem omnes vene crurium ac pedum poſt commeſtionem ſunt minuende.
27 cc Ein ader vff beyden henden ob dem kleinſten finger dienet
wider die gelſucht / vnd all böß zůfäll des miltz.
auch wider die hirnwütung / vnd febres.
y Vena in utraque manu supra minimum digitum valet
contra ictericiam & contra omnia vitia ſplenis
et contra freneſim & quamcunque ferbrem
xxviij. Jtem zwo ader zwiſchen den klainen vingern an paiden henden ſind gut zelaſſen
für ain verstoppet pruſt
vnd da für so ains nicht gelangt zeeſſen
vnd für das geſucht
vnd fur alle pöſe ding des milczes
Es komen auch von Ryten oder wo von es kom.
28 dd Die ader bey dem dumen geſchlagen
iſt gůt den waſſerſuchtigen vnd geſchwollenen /
vnd wider alle bößen wind des leibs.
q Vena veniens ad pollocem inciſa
valet hydropiſis & inflatis
etiam contra ventoſitatem
Die viij. Die ander ader auf dem dawmen ſol man laſſen
für das gesichte des haubts
vnd für den plutgang
vnd für die pewln vnd ander geprechen des haubts.
29 ee Ein ader zwiſchen dem dumen vnd zöigfinger vff beyden henden gesſchlagen
ist gůt wider das heubtwee / augenwee /
wider febres / vnd überſchuß der gallen.
wider obtalmiam .i. augen geſchwer. auch wider die röty vnnd füſſz der augen.
u Vena inter pollicem & indicem in utraque manu valet
contra dolorem capitis & contra dolorem oculorum
contra febres & contra fellis effusionem
contra obtalmiam & contra ruborem et fluxum oculorum
30 ff Die ſaluatelle aderen geſchlagen
bringen vil gutthät.
Nehmen dem hertzen überige hitz.
reinigen die leber / das miltz / die bruſt / dz vorhertz / die ſtimm.
Texttafel in der Abbildung : Vene ſalvatelle in dextra parte corporis
valent contra ictericiam. Ver. Dat ſalvatella mihi plurima dona minuta.
Jnnaturalem tollit de corde calorem.
Purgat epar ſplenem pectus precordia vocem.
31 gg Zwo geſchrenckte aderen zu beyden ſyten bey der ſcham ſeint gůt geſchlagen
wider alle böß zůfäll vnd gebreſten der heimlichen glider.
wider die harnwind [schmerzhafte Harnentleerungsstörungen] /
blůtrůr /
vnd kranckheiten der bloßen vnd hoden.
r Due vene ſecte in utraque parte coniuncte pudibundis valent
contra omnia vitia verendorum
ſtrangurie
lienterie paſſionibus
veſice & teſticulorum dolores
32 hh Zwo adern hinden vff der rör gelaſſzen
iſt gůt für geſchwulſt der hoden /
vnd kranckheiten der nieren.
Texttafel in der Abbildung: Due vene inferiores iuxta prepucium
valent tumefactionibus teſticulorum
et dolori renum et sicteris & vitijs
Dy xvj. Ain ader vornen auf dem zumppfen die ſol man laſſen
für das pärlin [Cpg 557: …fur das parley (Lähmung)…]
vnd für den Ryſenſtain [Cpg 557: …fur den reiſſen ſtain (austreibender Harnwegsstein)…]
vnd für den getzwang der gemächt
vnd auch für die waſſer ſucht.
33 ii Ein ader vff dem hütlin des manns růten gelaſſzen
iſt gůt wider die geſchwulſt vnd vff bloßung der hoden /
wider zůfäll der bloßen vß der harnwindung [schmerzhafte Harnentleerungsstörung] / ſtein / vnd ander kranckheiten.
Texttafel in der Abbildung : Vena ſupra preputium
valet contra tumores et inflationes teſticulorum
et contra omnia vicia veſice ex arena calculo et contra alia mala.
34 kk Ein ader vnder dem hütlin des manns ſwantz geſchlagen /
iſt gůt für die waſſerſucht / vnd für all geſchwulſt des gantzen leibs.
Texttafel in der Abbildung : Vena ſub prepucio
valet contra ydropiſim & contra omnes corporis tumores.
xjx. Jtem ain ader vnder an dem zumppen die ſol man laſſen
für das gruen [Cpg 557: …fur das grin (Harnwegssand)…]
für die geſwulſt der gemacht
Auch für die waſſer ſucht.
35 ll Ein ader oben am ſchenckel geſchlagen
macht den menſchen gerad vnd eins ringen gangs.
36 mm Die ader vnder beyden knüen geſchlagen /
iſt gůt wider die apostematen vnd ſchmertzen der nieren / lenden beindyechen [Oberschenkel] vnd bloßen /
vnd heylet wunderbarlich die glidſůcht.
Die findtrußen oder schrepff hörnlin dohin geſetzt /
nehmen hin die rud vnd geſchwer der beindyecher /
podagram /
winde der bloßen /
vnd das bruſt geſchwer.
o Vena sub utroque genu valet
contra apoſtemata & dolores renum & lumborum coxarum & veſice
arteticas preciſiones mirabiliter curat
xviij. Item zwo adern vnder den kyen an baiden painen die ſol man laſſen
für das wee der darmen vnd grymen des leibs
vnd für die geſwulſt der painen.
37 nn Zwo aderen an den beindiecheren [Oberschenkel] / vnd zwo an den knüſchyben an beyden ſchenckelen geſchlagen /
iſt gůt für jre kranckheiten / für jre glidſucht podagram / ſciaticam / vnd waſſerſucht.
Auch wider alle jnſtrupffung oder vfflauffen der nerui / vnd abſtellung der frawen kranckheit / menstruum genant.
Texttafel in der Abbildung : Due vene de coxis & due de tibiis & una quoque in vtroque pede
valet contra dolorem coxarum & tibiarum & crurium vtriusque pedis aut ſi infirmitas evenit ex veſica artetica podagra ſciatica ydropiſi
valet etiam contra nervorum conſtrictionem & tumorem & menstruorum ſubtractionem.
Dy xvij. Itel Zwo ader in yetweder ſeyten der ſchinpain ſind gut zelaſſen
für die waſſerſucht ob ſy von der plaſen iſt
vnd für die zertenung der adern
vnd für die maſſelſucht [Aussatz] [3] dauon der menſch ſein varb verlürt die wirt Jm wider.
xxj. Jtem zwo adern Jnnwendig den waden ſind gut zelaſſen
für die geſucht vnd für ander prechen des leibs.
38 oo Die ader vff beyden füſſzen bey der groſſzen zeh geſchlagen
iſt gůt wider dz augen geſchwer / bloteren des antlitz /
vnd ſo der frawen kranckheit verhalten würt. wider die entpfengknüß /
vnd geschwären der bein.
s Vena in utroque pede ſupra pedicam maiorem valet
contra obtalmiam & contra faciei puſtulas
& menſtruorum retentiones & contra conceptionem
& contra puſtulas crurium
xxiiij Jtem ain ader auf der groſſen zehen die ſol man laſſen
für das flus der augen vnd der augſchwern
vnd flekchen vnd geſchwer bey den painen
vnd für den ſtain
vnd für die nisel [aisel?] an den schinpain
vnd wo ain frau jr zeit nicht hat die kombt jr dauon.
39 pp Ein ader vff der kleinſten zehe geſchlagen an beyden fůſſzen
iſt gůtt für die cholera.
t Vena ſuper minimam pedicam inciſa
valet in vtroque pede ad coleram
xxvj. Jtem zwo adern yetweder ſeyten an den klainen zehen ſind gut zelaſſen
für geſucht der lennd der plaſen vnd der muter
vnd für das parly vnd ander pos fluſs.
Die xx. Jtem Zwo adern oben an den knoden an paiden painen die solt du laſſen auf paiden painen
für die plattern vnd fur die Ruden der pain.
40 qq Zwo adern innwendig neben der fůßhüly an beyden füſſzen geſchlagen /
iſt gůt für den ſandigen harn vnd ſtein.
vnd iſt gůt den frawen ſo nit wol gereiniget ſeint noch der geberung.
Vnd iſt gůt den vnberhafftigen frawen der můter halb /
vnd die ire kranckheit nit haben.
Texttafel in der Abbildung : Due vene interiores ſub talis in vtroque pede
valet contra arenam & calculum
& valent mulieribus post partum non bene purgantis
valet etiam illis qui non ſunt bene diſpoſite ad recipiendum ſemen
& etiam mulieribus qui ius ſuus non habent.
xxij. Jtem zwo adern an paiden engkeln ſind gut zelaſſen
für den sanndt in der plaſen der von den lenndt kombt
vnd ſunderleich frawn iſt es nucz die da nicht gerainnigt ſind nach der gepurt
vnd die zeit zu rechter zeit nicht haben.
xxiij. Jtem zwo adern bey den knoden auſwendig bey den painen ſind aller nuczeſt zelaſſen
fur die ſucht des rukches der lennd der niern des jngewaid
vnd für geſchwern der vnnaturlichen glidern zu frawn vnd zu mannen
vnd für hindernüſs des harms
Vnd man ſol deſter dikcher laſſen vnd nicht zevil. Wann man auch geläſſt. So ſol man nicht ſlaffen noch kain arbait tun. Auch nicht zeuil eſſen. Man ſol eſſen prot das freiſch ist. Vnd friſch ayer vnd huner vnd die pru. Vnd alles das leicht zedewen iſt.
41 rr Saphene ſeint zwo adern vnden an der fůßhüly bey den füſſzen / die geſchlagen
ſeint gůt für vff lauffen vnd geſchwullſt der hoden.
x Due vene exteriores Saphene ſub tales in utroque pede fleubotomia contra dolores Auchaium
& contra inflationes & apostemata testiculorum

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spagyrik und Iatrochemie. Paracelsus – Johann Baptista van Helmont[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulen / Personen Besonderheiten Werke
Paracelsus

(1493–1541)

In seiner Abhandlung über den Aderlass polemisierte Paracelsus, der Begründer der Spagyrik gegen die „ungelernten Aderlassärzte“, die ihre ganze Weisheit aus Volkskalendern bezögen. Er selbst wendete die Methode zwar auch nach traditionellen Regeln – auch nach den Regeln der Astrologie – an, bestand jedoch darauf, dass vorher eine individuelle Diagnose durchgeführt wurde. Bei der Behandlung der Manie z. B. war für ihn der Aderlass ein Arcanum[46], während er ihn beim Asthma als kontraindiziert ansah[47]. Aderlassens Underricht : Auch vom Schrepffen : Durch den Hochgelehrten Herrn Th. von HH. beyder Artzney Doctorn. In: Appendix deß fünfften Theils Operum Theophrasti. … (Huser-Ausgabe) Conrad Waldkirch, Basel 1589, S. 45–98 (Digitalisat)
Johann Baptist van Helmont

(1577–1644)

Wieder das Aderlassen … van Helmont 1683

Van Helmont, der Begründer der Iatrochemie, lehnte den Aderlass grundsätzlich als einen Eingriff ab, der notwendigerweise zu einem Kraftverlust führe.

Johannis Baptistae von Helmont … Schrifften. J. A. Endters Söhne, Sultzbach 1683, S. 6.8: Wieder das Aderlassen … (Digitalisat) S. 311–318: Traktat von den Fiebern. … das vierte Kapitel. Das Aderlassen bei den Fiebern wird untersucht. (Digitalisat)

Aderlass-Streit. Pierre Brissot – Leonhart Fuchs – Andreas Vesal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulen / Personen Besonderheiten Werke
Pierre Brissot

(1478–1522)

Der französische Arzt und Humanist Pierre Brissot initiierte zu Beginn des 16. Jahrhunderts den „Aderlass-Streit“, eine Kontroverse, die entbrannte, als er im Gegensatz zur damaligen Lehrmeinung dafür eintrat, den Aderlass möglichst nahe am erkrankten Organ durchzuführen („Derivation“ statt „Revulsion“). Insbesondere vertrat er dies bei Brust- und Lungenentzündungen, bei denen er anlässlich einer Epidemie 1514 mit seiner Methode Erfahrungen sammeln konnte. Er berief sich dabei auf die entsprechenden Aussagen in der Schrift Über die Diät bei akuten Krankheiten im Corpus Hippocraticum. Brissot gab an, die „Revulsion“ beim Aderlass sei erst durch die Araber eingeführt worden. Obschon einige Vertreter der Pariser Fakultät sich den Lehren Brissots anschlossen, gelang es deren Gegnern dennoch, ein Dekret zu erwirken, das die Anwendung des derivativ wirkenden Aderlasses verbot. Der Kampf um den Aderlass führte zu einer Spaltung in der medizinischen Welt. Brissot starb in der portugiesischen Verbannung. Seine Schriften wurden jedoch kommentiert und je nach der Einstellung des Kommentators überaus gelobt oder heftig bekämpft.

Zu den Anhängern Brissots zählten die Humanisten Giovanni Manardi (1462–1536)[48], Gerolamo Cardano (1501–1576) und Emilio Campolongo (1550–1604) sowie die Iatrophysiker Santorio Santorio (1561–1636) und Lorenzo Bellini (1643–1704)[49].

Pierre Brissot. Apologetica disceptatio, qua docetur per quae loca sanguis mitti debeat in viscerum inflammationibus. Colinaeus, Paris 1525 (Digitalisat)
Leonhart Fuchs

(1501–1566)

Im deutschsprachigen Raum wurde Brissots Standpunkt insbesondere durch den Humanisten Leonhard Fuchs verteidigt, während der Arabist Lorenz Fries (ca. 1490–1531/32) die Gegenposition vertrat.[50] Leonhard Fuchs.
  • Errata recentiorum medicorum, LX. Numero adiectis eorundem confutationibus. Hagenau März 1530. Error 37 (falsch: 38), S. 46–51: In interiorum membrorum inflammationibus incidenda est vena quae directo est. (Digitalisat)
  • Apologia Leonhardi Fuchsii contra Hieremiam Thriverum Brachelium, Medicum Lovaniensem, qua monstratur quod in viscerum inflammationibus, pleuritide praesertim, sanguis e directo lateris affecti mitti debeat. Peter Braubach, Hagenau August 1534 (Digitalisat)

Lorenz Fries. Defensio medicorum princeps Avicennae, ad Germaniae Medicos. Johann Knoblauch, Straßburg 24. August 1530. (Digitalisat) Teilübersetzung bei: Felix Klein-Franke. Die klassische Antike in der Tradition des Islam. Darmstadt 1980 (Erträge der Forschung, Bd. 136.), S. 24–28.

Andreas Vesal

(1514–1564)

Abbildung der Vena azygos in der Epistola … Löwen 1538

Vesal untersuchte die von Hippokrates für den Aderlass angegebenen Indikationen und stellte fest, dass sich der von diesem verwendete Ausdruck „dolor lateralis“ nicht allein auf die Pleuritis, sondern auch auf andere Erkrankungen des Thorax bezieht. Die richtige Wahl der Aderlassstelle bei Pleuritis hängt nach Ansicht Vesals vom genauen Verlauf der Vena azygos ab, den er als erster erkannte. Vesals Folgerung war, dass bei linksseitiger wie bei rechtsseitiger Pleuritis der Eingriff stets an der Vene des rechten Armes vorzunehmen sei.

Andreas Vesalius. Epistola, docens venam axillarem dextri cubiti in dolore laterali secandam. Löwen 1538

Leonardo Botallo („König der Auslasser“ ) – Gui Patin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulen / Personen Besonderheiten Werke
Leonardo Botallo

(1530 – ca. 1570)

Leonhardo Botallo. Opera omnia. Leiden 1660. Abbildung von Aderlassgeräten

Der in Asti geborene Chirurg und Anatom Leonardo Botallo (1530 – ca. 1570) gilt als „König der Aderlasser“. Den größten Teil seines Lebens verbrachte er in Paris. Er war Leibarzt der französischen Könige Karl IX. und Heinrich III. Die Pariser Fakultät verurteilte Botallos Methoden, nach denen Greise und Kinder sechsmal im Jahr zur Ader gelassen wurden. Seine Anhänger wollten den Eingriff bei Fieberepidemien, Pleuropneumonien, Koliken und Blähungen vorschreiben und haben auch die Möglichkeit erwogen, selbst die Schwindsucht durch die Entnahme von zwei bis drei Litern Blut zu heilen.

Zu den leidenschaftlichsten Anhängern Botallos gehörten Jean Riolan der Jüngere (1589-1657) und Guy Patin (1601–1672).

Leonardo Botallo. De curatione per sanguinis missionem. De incidendae venae cutis scarificandae, & hirudinum amplicandarum modo. Joan. Hugueta, Lyon 1580. (Digitalisat)

Leonardo Botallo. Opera omnia. Lyon 1660 (Digitalisat)

Beschreibung des Blutkreislaufs. William Harvey – Marcello Malpighi – Francesco Redi[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulen / Personen Besonderheiten Werke
William Harvey (1578–1657)

Marcello Malpighi (1628–1694)

Francesco Redi (1626–1697)

Die Experimente William Harveys, die 1628 zur Darstellung des Blutkreislaufes führten, und die darauf aufbauenden Untersuchungen Marcello Malpighis und Francesco Redis lieferten neue Grundlagen in der Diskussion über den Aderlass, stellten diesen selbst aber nicht in Frage.[51] William Harvey. Exercitatio Anatomica de Motu Cordis et Sanguinis in Animalibus oder kurz De Motu Cordis (Anatomische Studien über die Bewegung des Herzens und des Blutes), Frankfurt 1628 (Digitalisat)

Jean Riolan der Jüngere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulen / Personen Besonderheiten Werke
Jean Riolan der Jüngere

(1580–1657)

Harveys Lehre vom Kreislauf des Blutes blieb nicht unwidersprochen. So argumentierte der Pariser Chirurg Jean Riolan der Jüngere u. a. damit, dass im Falle der Existenz eines Blutkreislaufes der Aderlass weitgehend seinen Sinn verlieren würde, denn „was soll eine »derivatio« am Orte der Blutanhäufung und Entzündung, wenn das Angesammelte sogleich ersetzt wird? Was soll dann noch eine »revulsio«, also ein Abziehen von Blut durch Aderlass an entfernter Stelle am Fuß, z. B. bei Plethora des Gehirns?“ [52] Opuscula Anatomica Nova, quae nunc primum in lucem prodeunt. Instauratio magna physicae et medicinae per novam doctrinam de motu circulario sanguinis in corde. Accessere notae in J. Wallaei duas epistulas de circulatione sangunis. London 1649, S. 60 (Digitalisat)

Santorio Santorio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulen / Personen Besonderheiten Werke
Santorio Santorio

(1561–1636)

Santorio gilt als Begründer der iatromechanischen Schule. Nach ihm sollte der Aderlass „derivativ“ auf der Höhe des erkrankten Organs erfolgen. Dabei sei es aber egal, auf welcher Seite man den Eingriff vornehme.[53] Santorio Santorio. Methodi Vitandorum errorum omnium … Franciscus Barilettum, Venedig 1603, Lib. XIV (S. 205v-215r): Methodi Vitandorum errorum in natura revulsionis, et derivationis per q vir. (Digitalisat)

Thomas Sydenham[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulen / Personen Besonderheiten Werke
Thomas Sydenham

(1624–1689)

Sydenham war ursprünglich Hauptmann in Cromwells Armee. Erst 1663, im Alter von 39 Jahren, erhielt er seine ärztliche Lizenz und eröffnete in London eine Praxis. Als Freund von Robert Boyle und John Locke teilte er deren Ideen von der zentralen Rolle der direkten Beobachtung. Am Krankenbett beobachtete und dokumentierte er den Verlauf der Erkrankung, das Verhalten des einzelnen Kranken gegenüber dem Leiden und gegenüber den ärztlichen Maßnahmen. Indem er die Gesetzmäßigkeiten seiner Beobachtungen herausarbeitete, schuf er einen Vorentwurf zum Aufbau einer Nosologie.[54][55][56]

Nach dem Vorbild des Corpus Hippocraticum sah Sydenham Krankheit als das Bestreben der Natur an, die Krankheitsstoffe, welche sich unter der Einwirkung von Schädlichkeiten allmählich entwickeln, hinauszuschaffen. Sydenhams Therapie bestand darin, die Natur in ihrem Kampfe zu unterstützen, ohne sie jedoch in ihrem ganzen Umfang zu bestimmen. Vehement argumentierte er gegen die zu seiner Zeit allgemein verbreitete Meinung, bei fieberhaften Erkrankungen seien schweißtreibende Therapien anzuwenden. Er forderte dagegen Therapiemaßnahmen, die Entzündungen abschwächen. Mit ausleitenden Verfahren begann er seine Behandlungen, wobei ein Aderlass von 10 Unzen (ca. 300 g) das Standardmittel darstellte. Den Aderlass ergänzte er meist durch die Gabe von Abführmitteln. Brechmitteln verordnete er seltener. Nach dieser Ausleerungsphase gab er schmerzstillende Mittel[57] und kräftigende Mittel. Die Auswahl seiner Mittel war von einem ausgeprägten Eklektizismus geprägt.[58]

Den Aderlass setzte Sydenham differenziert ein. Das Alter und der Kräftezustand der Kranken sowie der Charakter der Krankheit waren für ihn Kriterien die bestimmten, ob und in welcher Intensität das Verfahren anzuwenden war. Bei der „podagra“, einer Erkrankung an der er selbst zeitlebens litt, fand er den Aderlass kontraindiziert weil die „schädlichen Stoffe“ sich bereits auf den Gelenken abgesetzt hätten und durch den Aderlass oder andere ausleitende Verfahren nicht zu entfernen seien[59]. Bei der „pleuritis“ dagegen empfahl er einen Aderlass von 10 Unzen (ca. 300 g), der nach eintägigen Pausen bis zu zwei Mal wiederholt werden konnte.[60]

Methodus curandi febres, propriis observationibus superstructa … Schagen, Amsterdam 1666 (Digitalisat)

Observationes Medicae circa morborum acutorum historiam et curationem. London 1676. (Digitalisat)

Médecine pratique de Sydenham, avec des notes ; ouvrage traduit en François, sur la dernière édition Angloise, par feu M.A.F. Jault. Didot le jeune, Paris 1774 (Digitalisat)

Medizinische Werke. Übersetzt und mit Anmerkungen über einige Medikamente versehen von Joseph Johann Mastalir. Johann David Hörling, Wien Band I 1786 (Digitalisat) Band II 1787 (Digitalisat)

Thomas Sydenham’s sämmtliche medicinische Schriften in die deutsche Sprache übersetzt von J. Kraft. Edner, Ulm Band I 1838 (Digitalisat) Band II 1839 (Digitalisat)

Carl Gottlob Kühn (Hrsg.) Th. Sydenhami opera universa medica. Voß, Leipzig 1827 (Digitalisat)

Lorenzo Bellini – Jean-Baptiste Silva – Georg Erhard Hamberger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulen / Personen Besonderheiten Werke
Lorenzo Bellini

(1643–1704)

Lorenzo Bellini, ein Schüler von Malpighi und Redi, versuchte die Lehre von der „Revulsion“ und „Derivation“ mit den Gesetzen des Kreislaufes zu vereinbaren. Er spekulierte, dass nach Beseitigung der Widerstände durch die Venenöffnung mehr Blut mit größerer Schnelligkeit in das verwundete Gefäß hineinströmen müsse als in alle übrigen Gefäße, wo die Blutsäule der Geschwindigkeit des venösen Blutes ein Hindernis entgegensetze. Denn Geschwindigkeit und Blutmenge in einem Gefäß seien allgemein umgekehrt proportional zu den Widerständen. Diese erhöhte Geschwindigkeit teile sich allmählich der zuführenden Arterie und schließlich dem ganzen Gefäßsystem mit und dauere so lange, bis die Kraft des Herzens geschwächt werde. Auch nach Verschluss der Vene dauere die Geschwindigkeitserhöhung noch eine Zeit lang fort, und zwar in dem entleerten Gefäß am meisten. Auf diese Weise entstehen ein Zufluss zur Aderlassstelle und eine Ableitung aus anderen Teilen.[61] Lorenzo Bellini. De sanguinis missione. In: De urinis et pulsibus, de missione sanguinis, de febribus, de morbis capitis, et pectoris. Antonius Pisarius, Bologna 1683, S. 76–214 (Digitalisat)
Jean-Baptiste Silva

(1682–1742)

Der Pariser Chirurg J. B. Silva stützte sein System auf den Hypothesen Bellinis und er gab den Begriffen „Derivation“ und „Revulsion“ eine neue Bedeutung, indem er mit Hinweis auf den Blutkreislauf zwar weit vom Krankheitsort entfernte Venen eröffnete, dabei aber große Blutmengen ausleeren ließ.[62] Jean-Baptiste Silva. Traité de l’usage des differentes sortes de saignées, principalement de celle du pied.

Jean-Baptiste Silva. Des indications qui demandent l’évacuation du sang. In : Traité des fiévres malignes … J. Vincent, Paris 1742, Livre second, Chap. premier, S. 356–387 (Digitalisat)

Jean-Baptiste Silva. Dissertation. Où l’on examine si dans les inflammations il faut toujours donner la préférence à la saignée révulsive. In: Dissertations et consultations médicinales, de Messieurs Chirac … & Silva, Médecin consultant du Roi … Tome premier. Durand, Paris 1744, S. 195–258 (Digitalisat)

Georg Erhard Hamberger

(1697–1755)

In Anlehnung an Bellini erkannte Hamberger keinen Unterschied an hinsichtlich der „derivatorischen“ und „revulsorischen“ Wirkung und er erklärte, alle Wirkungen des Aderlasses beruhten auf der Verminderung der Flüssigkeitsmenge und in der Veränderung der Zirkulationsgeschwindigkeit.[63] Dionys Krägel und Georg Hamberger. De Venaesectione quatenus motum sanguinis mutat. 2. Aufl. Jena 1737 (1. Aufl. 1723) (Digitalisat)

Simon Paul Hilscher und Georg Hamberger. Prolusio qua demonstratur medicum non esse debere haemophobum. Jena 1748 (Digitalisat)

Francois Quesnay – Jean Baptiste Senac[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulen / Personen Besonderheiten Werke
François Quesnay

(1694–1774)

Der französische Arzt und Ökonom François Quesnay widersprach Bellinis Thesen aufgrund von hydraulischen Versuchen, die er im Labor angestellt hatte. Observations sur les effets de la saignée, tant dans les maladies du ressort de la médecine que de la chirurgie, fondées sur les lois de l'hydrostatique: avec des remarques critiques, sur le traité de l'usage des différentes sortes de saignées, de Monsieur Silva. Osmont, Paris 1730 (Digitalisat)
Jean-Baptiste Sénac

(1693–1770)

Sénac, der Leibarzt von Ludwig XV., veröffentlichte 1730 unter Pseudonym eine Streitschrift, in der er Bellinis Theorien angriff. In der von ihm kommentiert herausgegebenen Anatomie Heisters und in seinem Hauptwerk über die Anatomie des Herzens griff er die Thesen aus dieser Streitschrift wieder auf. Lettres de Julien Morisson sur le choix des saignées, Paris, 1730

L' Anatomie d'Heister avec des essais de physique sur l'usage des parties du corps humain. … Vincent, Paris 3. Aufl. 1753 (1. : 1724, 2. : 1735), Band II, S. 315–354 La rapidité du sang et des veines. (Digitalisat), darin, S. 318–354 : La dérivation et la révulsion. (Digitalisat)

Traité de la structure du cœur, de son action, et de ses maladies. J. Vincent, Paris 1749, Band II, Kapitel VI : Des loix que suit le sang dans son cours. (Digitalisat)

Anton de Heyde – Albrecht von Haller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulen / Personen Besonderheiten Werke
Anton de Heyde 1686 widerlegte der niederländische Arzt Anton de Heyde aus Middelburg Bellinis Thesen durch Untersuchungen der Blutzirkulation des Frosches.[64] Anton de Heyde. Experimenta circa sanguinis missionem, fibras motrices urticam marinam. 1686
Albrecht von Haller

(1708–1777)

Göttingen, Sommer 1754. Albrecht von Haller experimentiert mit einem Gehilfen an der Leiche. Titelbild aus: Deux mémoires sur le mouve­ment du sang … Lausanne 1756

Durch seine Arbeiten über die Irritabilität ließ Albrecht von Haller das Zeitalter der Iatromechanik ausklingen. 1754 bestätigte er de Heydes Untersuchungsergebnisse von 1686 durch eigene Beobachtungen am Mesenterium von lebenden Fröschen und Kröten.[65]

Julius Walbaum. Disputatio medico-chirurgica, de venae sectione. Praeside Alberto de Haller. Göttingen 30. September 1749 In: Disputationes physico-medico-anatomico-chirurgicae selectae, quas collegit, editit, praefatus est Albertus Hallerus. Band X, Neapel 1757, S. 119–163 (Digitalisat) Anhang: Abbildungen (Digitalisat)

Albrecht von Haller. Venae sectionis in mutando motu sanguinis effectus. (Digitalisat) In: Commentarii Societatis Regiae Scientiarium Gottingensis Tomus IIII. Ad annum 1754, S. 396–483: Alberti von Haller. De sanguinis motu experimenta anatomica. D. 8. Octobris 1754, S. 446–459

  • Französisch: Effets de la saignée sur la direction du sang. In: Deux mémoires sur le mouvement du sang, et sur les effets de la saignée, fondés sur les expériences faites sur des animaux. Par Monsieur Alb. de Haller … Marcel-Michel Bousquet, Lausanne 1756, S. 96–119

Friedrich Hoffmann – Georg Ernst Stahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulen / Personen Besonderheiten Werke
Friedrich Hoffmann

(1660–1742)

Georg Ernst Stahl (1659–1734)

Die sich lange Jahre hindurch feindlich gegenüberstehenden Systematiker und Häupter zweier Schulen, Friedrich Hoffmann und Georg Ernst Stahl, stimmten wenigstens in einem Punkt überein: Beide empfahlen den Aderlass.

In Hoffmanns System hatte die Therapie die Aufgabe, das Überschüssige auszuleeren, das Mangelnde zu ergänzen, die heftigen Bewegungen zu bändigen und die schlaffen Bewegungen anzuspornen. Den Aderlass als ausleerendes Mittel bei Überschuss (Plethora) nannte Hoffmann wegen der Raschheit und Zuverlässigkeit seiner Wirkung und wegen seiner gefahrlosen Anwendung ein göttliches Heilmittel. Der Blutentzug sei bei Plethora nicht schwächend, da er ja eine Überfülle beseitige, welche gerade eine Quelle der Schwäche und als Bewegungshindernis die unmittelbare Veranlassung zu Stockungen sei. Zur Verhütung von Schlaganfällen ließ er Menschen kraftvoller Konstitution zwei bis drei Mal im Jahr zur Ader. Weitere Indikationen sah er bei drohendem Abort, bei Rheumatismen, Gicht, Asthma, Blutspeien – immer vorausgesetzt, es lag eine plethorische Konstitution vor.[66]

Georg Ernst Stahls System ging aus von einer „Anima“, die der toten Materie das Leben mitteilt, im normalen Körper alle Funktionen im Gleichgewicht hält und dem Zerfall entgegen wirkt. Dieser Zerfall und damit der Tod können daher nur dadurch eintreten, dass die „Anima“ den Körper verlässt. Die Kraft, deren sich die „Anima“ zu ihren Funktionen im Körper bedient, ist die Bewegung, und zwar eine Bewegung, die einen bestimmten „Tonus“ der zu bewegenden Teile oder Organe bedingt. Krankheit ist somit eine Behinderung des normalen Tonus und das dadurch automatisch ausgelöste Bestreben der „Anima“, ihn wiederherzustellen. Sie bewirkt dieses hauptsächlich durch Einfluss auf den Kreislauf des Organismus, denn dessen Behinderung ist eine der wichtigsten Ursachen der Bewegungshemmung. Für die Krankheitsätiologie spielt die „Vollblütigkeit“ eine große Rolle, für die die „Anima“ im Kindesalter durch Nasenbluten, im Jünglingsalter durch Blutspeien, im reifen Alter bei der Frau durch die Monatsblutung, beim Mann durch Hämorrhoidalblutungen einen Ausgleich selbständig schafft. Stahls oberster Behandlungsgrundsatz ist folgerichtigerweise die Unterstützung der „Anima“ in allen ihren Bestrebungen. Ein sehr wichtiges Mittel ist der die natürlichen Blutentleerungen nachahmende Aderlass.[67][68]

Friedrich Hoffmann. Betrachtung des herrlichen Nutzens / den man sich vom Aderlassen / zur Erhaltung eines gesunden und langen Lebens / versprechen kann. In: Gründliche Anweisung wie ein Mensch seine Gesundheit erhalten / und vor allerhand Kranckheiten / durch ordentliche Lebensart / sich verwahren könne. 2. Teil Halle 1716, S. 407–464 (Digitalisat)

Friedrich Hoffmann und J.J. Zerbach. De venaesectionis prudenti administratione. Halle 1723 (Digitalisat)

Friedrich Hoffmann und Johann Gottlieb Türcke. Dissertatio inauguralis medica. De iudicio ex sanguine per venaesectionem emisso. Halle 1727 (Digitalisat)

Friedrich Hoffmann und Christian Gottlob Wahl. De venaesectionis abusu, vom Mißbrauch des Aderlassens. Halle 1730 (Digitalisat)

Georg Ernst Stahl und Christian Albert Richter. Disputatio medica inauguralis, quae exhibet venaesectionis patrocinium, simul indicans ejus usum et abusum. Salfeldius, Halle 1698 (Digitalisat) Christian Henckel, Halle 1715 (Digitalisat) Christian Henckel, Halle 1730 (Digitalisat)

Georg Ernst Stahl und Andreas Hoffmann. Diss. inaug. chir. med. de phlebotomia. Zeitlerus, Halle 1701 (Digitalisat)

Georg Ernst Stahl und Johann Wolfgang Loges. Dissertatio medico-practica inauguralis de venae sectione in febribus acutis. Henckel, Halle 1703 (Digitalisat)

Georg Ernst Stahl und Paul Daniel Bleibel. Disputatio medica inauguralis de venae sectione in pede et aliis certis corporis regionibus. Henckel, Halle 1705 (Digitalisat)

Georg Ernst Stahl. Herrn George Ernst Stahls … Gründliche Abhandelung des Aderlassens : So wohl dessen Gebrauchs und Mißbrauchs Als auch dessen besonderen Application auf dem Fusse und andern gewissen Theilen des Leibes ; Nebst einem ausführlichen Bericht, Was von Aderlassen in hitzigen Fiebern zu halten sey. Eyssel, Leipzig 1719 (Digitalisat)

Herman Boerhaave – Gerard van Swieten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulen / Personen Besonderheiten Werke
Herman Boerhaave

(1668–1738)

Herman Boerhaave, der erfolgreichste Kliniker und medizinische Lehrer des 18. Jh., gründete keine Schule sondern verband Erkenntnisse der Iatrochemiker und der Iatromechaniker mit eigenen Beobachtungen. Seine Pathologie teilte Störungen der Funktionen in Krankheiten der festen Teile, Krankheiten der Säfte und Krankheiten beider zusammen. Entzündung erklärte er vor allem als Stockung des arteriellen Blutes und als ein Aneinanderkleben seiner Teile in den feinsten Kanälen. Der Aderlass war für ihn ein wichtiges Therapiemittel.[69] Institutiones medicae in usus annuae exercitationis domesticos digestae ab Hermanno Borhaave. 2. Ausg. (1. Ausg. 1708) Johann van der Linden, Leiden 1713 (Digitalisat) Phlebotome. (Digitalisat)
Gerard van Swieten

(1700–1772)

Van Swieten war zunächst Schüler und Stellvertreter Boerhaaves in Leiden, ab 1745 Leibarzt der österreichischen Kaiserin Maria Theresia in Wien und Gründer der Älteren Wiener Medizinischen Schule.

Den Aderlass verordnete er sparsam. Er sprach sich gegen prophylaktische Aderlässe aus, da diese nach seiner Einschätzung die Plethora eher vermehrten.[70] Andererseits empfahl er kräftige Aderlässe zu Beginn fieberhafter Erkrankungen.[71][72]

Des Freyherrn Gerhards van Swieten Beyder Röm. Kayserl. und Königl. Maj. Rathes und ersten Leibarztes … Erläuterungen der Boerhaavischen Lehrsätze von Erkenntniß und Heilung der Krankheiten. Aus dem Lateinischen in das Deutsche übersetzet. Johann Paul Krauß, Frankfurt und Leipzig, 1. Teil 1755 (Digitalisat) --- 2. Teil 1767 (Digitalisat) --- 3. Teil 1769 (Digitalisat) --- 4. Teil 1771 (Digitalisat) --- 5. Teil 1. Band 1775 (Digitalisat) --- 5, Teil, 2. Band 1775 (Digitalisat) --- Register: Aderlass (Digitalisat)

John Brown – Giovanni Rasori[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 18. Jahrhundert übte das vom schottischen Arzt John Brown (1735–1788) aufgestellte System einen großen Einfluss aus. Brown definierte jede Krankheit entweder als

  • „sthenia“, d. h. Überreizung, oder aber als
  • „asthenia“, das ist die Unfähigkeit, auf Reize zu reagieren.

Demgemäß wurde die Therapie auf die Anwendung anregender und dämpfender Mittel reduziert. Die „sthenie“ wurde mit „depressiv wirkenden Mitteln“ behandelt. Den Aderlass betrachtete Brown als das stärkste der „depressiv wirkenden Mittel“ und er verschrieb ihn deshalb nur in seltenen Fällen und nur bei robusten Personen.[73]

Anders sein italienischer Schüler Giovanni Rasori (1766–1837), der Browns System in ein System des „Contrastimulus“ verwandelte. Rasori war Anhänger eines reichlichen Aderlasses und er entzog zum Beispiel bei einem Fall von Lungenentzündung in vier Tagen insgesamt 4230 Gramm Blut. Er erweiterte das Brownsche System, indem er dem Zustand der

  • „sthenie“ die Bezeichnung „diathesis di stimulo“ und dem Zustand der
  • „asthenie“ die Bezeichnung „diathesis di contrastimulo“ gab.

Um welchen Zustand es sich jeweils handle, könne nach Rasori nur durch die Wirkung eines probeweise eingesetzten Heilmittels entschieden werden. Sein bevorzugtes Probemittel war der Aderlass, den er oft und reichlich anwandte.[74]

Broussais – Bouillaud. Laënnec[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schröpfschnepper. 19. Jh. Das Gerät diente zum Aufritzen der Haut beim blutigen Schröpfen

Fast gleichzeitig mit Rasori in Italien lehrte François Joseph Victor Broussais (1772–1838) in Frankreich. Nach ihm beruhen sämtliche Krankheitsformen auf Entzündungen, und die höheren Grade derselben erregen auf sympathischem Wege Irritationen anderer Organe. So entstehe das Fieber und zwar liege den meisten fieberhaften Erkrankungen eine Gastroenteritis zugrunde. Zur Therapie dient der Blutentzug, entweder durch Aderlass oder durch den Einsatz von Blutegeln.[75]

Der klinische Forscher Jean-Baptiste Bouillaud (1796–1881), der als erster den Zusammenhang zwischen akutem Gelenkrheuma und Endokarditis sowie die Lokalisation des Sprachzentrums im Frontallappen beschrieb, nannte seinen Lehrer Broussais einen „Messias der Medizin“. Akute Entzündungen, wie das rheumatische Fieber, behandelte er durch „forcierte Aderlässe“ („saignés coup sur coup“).[76] Angeregt durch Broussais und seine Schüler erlangte die Behandlung mit Blutegeln in Frankreich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine besondere Verbreitung. Zwischen 1828 und 1832 wurden in Frankreich jährlich 15-16 Millionen Blutegel verbraucht, gegenüber 6-7 Millionen in England. Die Nachfrage nach Blutegeln konnte bald nicht mehr gedeckt werden und so wurden Vorrichtungen entwickelt, mit denen die Aktion der Blutegel nachgeahmt werden konnte.[77][78][79]

Broussais Gegenspieler, der Diagnostiker und Systematiker René Laënnec (1781–1826), war ein offener Gegner des Aderlasses.[80][81]

M. Hall – A. Louis – P. C. A. Louis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der englische Arzt Marshall Hall (1790–1857), der Begründer der Lehre von den Reflexen, befasste sich mit eingehenden Studien über die Folgen des Blutverlustes. Hall wies nach, dass seröse Ergüsse und Lungenödeme durch den Aderlass verschlimmert werden und dass dieser als Prophylaxe gegen Apoplexie nutzlos sei. Er vertrat die Auffassung, dass alle Arten von Schwächezuständen den Eingriff verbieten, befürwortete jedoch, dass dieser bei mit Fieber verbundenen Delirien oder bei lokalen Entzündungen angezeigt sei.[82]

Aufgrund von Statistiken bezeichnete Antoine Louis (1723–1792) den Aderlass als ebenso lebensgefährlich wie die Diphtherie.

Der Nachweis von Pierre-Charles-Alexandre Louis (1787–1872), dass der Aderlass bei Lungenentzündung und verschiedenen Fiebererkrankungen unwirksam sei (la méthode numérique), hatte kaum Einfluss auf die allgemeine Anwendung.[83][84]

Wiener Medizinische Schulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vertreter der Wiener Medizinischen Schulen waren im Verschreiben des Aderlasses stets sehr zurückhaltend. Gerard van Swieten (1700–1772) verurteilte den Aderlass als gefährlich, sofern er ohne eine entsprechende Indikation ausgeführt werde. Maximilian Stoll (1742–1788) empfahl ihn bei bestimmten ansteckenden Krankheiten. Carl von Rokitansky (1804–1878) und Josef von Škoda (1805–1881) waren von der Tendenz zum therapeutischen Nihilismus beherrscht. Das heißt, dass sie bei Erkrankungen außerhalb des Bereichs der Chirurgie überwiegend passiv die Selbstheilung abwarteten. Der Kliniker Joseph Dietl (1804–1878) erklärte die bei Lungenentzündung durch Aderlass erzielten Erfolge mit einer durch diesen Eingriff ausgelösten Krisis. Er selbst war sehr zurückhaltend mit dem Aderlass.[85][86]

Aderlass und Akupunktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antoine Pierre Demours 1819. Schröpfgerät. Es ermöglichte Schröpfen und gleich­zeitigen Aderlass oder Schröpfen und gleichzeitige Akupunktur [87]

China[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der traditionellen chinesischen Medizin wird therapeutische Blutentnahme als „Trakt-Stechen“ (luòcì 絡刺) im Rahmen der Akupunktur eingesetzt. Dabei wird nach dem Grundprinzip der „Revulsion“ behandelt, das heißt, die therapeutische Einwirkung findet meist weit entfernt vom Krankheitsort statt und das „verdorbene Blut“ (yūxuè 瘀血) wird nur tropfenweise aus den Kapillaren entfernt. Zwei Beispiele:

  1. Bei der Behandlung von Lendenschmerzen werden oberflächliche Venen in der Kniekehle zur Entnahme von geringen Blutmengen eröffnet.
  2. Zur Behandlung von beginnenden Halsschmerzen wird am inneren Nagelrand des Zeigefingers mit einer kleinen Nadel ein Stich angebracht, durch den einige Tropfen Blut entnommen werden.[88][89]

Die Quellen legen die Vermutung nahe, dass das „Trakt-Stechen zur Blutentnahme“ älter als die Therapieform ist, welche wir heute Akupunktur nennen.

Europa 17. bis 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die Akupunktur in Europa besonders durch zwei Ärzte der Niederländischen Ostindien-Kompanie bekannt gemacht: Willem ten Rhijne und Engelbert Kaempfer. Es lag nahe, dass sie dieses für sie neue Therapieverfahren mit dem ihnen aus Europa vertrauten Aderlass verglichen. Die als Leitbahnen (jīngluò) bezeichneten Verbindungslinien der Akupunkturpunkte verglichen sie mit den ihnen bekannten Blutgefäßen. Bei der Beurteilung des Wirkungsmechanismus der Akupunktur schwankten sie zwischen „derivativer“ Wirkung (ten Rhijne) und „revulsiver“ Wirkung (Kaempfer).

In die europäische Praxis wurde die Akupunktur erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch den französischen Arzt Louis Berlioz eingeführt. Über seine seit 1810 mit diesem Therapiemittel gesammelten Erfahrungen berichtete er 1816 in einer „Denkschrift über chronische Krankheiten, den Aderlass und die Akupunktur“.[90] Ab 1819 – schwerpunktmäßig um 1825 unter Jules Cloquet – ausklingend in den 1830er Jahren – wurde die Akupunktur in Frankreich zu einer häufig angewendeten Therapieform. Gleichzeitig wurden der Aderlass und die Behandlung mit Blutegeln durch François Broussais und seine Schüler exzessiv betrieben.

Die Akupunktur wurde in dieser frühen europäischen Praxis als „derivativ“ wirkendes Verfahren verstanden, d. h., es wurden Punkte in der Nähe des Krankheitssitzes mit großer Stichtiefe und langer Verweildauer der Nadeln behandelt. Einzig der Pariser Augenarzt Antoine Pierre Demours verwendete ein „revulsiv“ wirkendes Verfahren, das er von der europäischen Behandlung von Augenerkrankungen durch das Haarseil ableitete.[91]

Japan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stimuliert durch den von Ärzten der Niederländischen Ostindien-Kompanie vorgestellten und an Europäern in Japan praktizierten Aderlass, griffen Ärzte der im 18. Jahrhundert aufgekommenen „Schule der alten Praxis“ (ko-ihōha) das bereits in den klassischen chinesischen Schriften beschriebene „Trakt-Stechen“ (shiraku, 刺絡) erneut auf. Eigentlich wurden dabei an Kapillargefäßen und einigen Stellen an den Finger- und Fußnägeln wenige Tropfen „verdorbenen Blutes“ (oketsu, 瘀血) entnommen. Nunmehr aber nahmen Pioniere wie der Hofarzt des Tenno, Ogino Gengai, in Fällen, in denen sofortige Maßnahmen zur Rettung des Patienten nötig waren, Mengen von einer Teeschale ab. Ogino, der kein Anhänger der „Holland-Studien“ (Rangaku) war, schrieb hierzu ein einflussreiches „Buch über das Traktstechen“ (Shiraku-hen, 1771), in dem er westliche Techniken und traditionelle Krankheitskonzepte kombiniert.[92] Seit 1994 widmet sich eine wissenschaftliche Gesellschaft (Nihon Shiraku Gakkai, Japan Association for Shiraku Acupuncture) der Modernisierung und Verbreitung dieses Ansatzes.[93]

Aderlass in der ayurvedischen Medizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ayurvedische Medizin kannte den Aderlass ebenfalls, wie in der Sushruta-Samhitâ (Buch III, Kapitel 8) dargestellt ist.[94] So wurden Aderlässe beispielsweise bei der Behandlung von „Blut-entstandenen“ Geschwüren eingesetzt.[95]

Unfreiwilliger Aderlass – Prominente als (vermeintliche) Aderlassopfer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aulus Gellius berichtete in seinen Noctes Atticae, dass der Aderlass eine der schmachvollsten Strafen bedeutete, zu der die römischen Soldaten verurteilt werden konnten.[96] Auch noch im Tristan des Gottfried von Straßburg wird ein unfreiwilliger Aderlass erwähnt.[97]

In den USA favorisierte der Arzt Benjamin Rush ein extensives Aderlassen. George Washington wurden wegen einer Kehlkopfinfektion mehr als 1,5 Liter Blut entnommen; dieser Verlust kann zu seinem Tode beigetragen haben. Auch beim Tod des Kaisers Leopold II. beschleunigte, so die Kritik Samuel Hahnemanns, ein vierfacher Aderlass innerhalb von 24 Stunden durch seinen Leibarzt Lagusius das Ableben des Herrschers.

Einsatz in der heutigen Medizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verlauf der beiden Venenstämme des Armes

Der Aderlass spielt heute bei wenigen Erkrankungen eine wichtige Rolle:

  • Bei der Polycythaemia vera, einer Erkrankung, die insbesondere zu einer krankhaft vermehrten Bildung von Erythrozyten (rote Blutkörperchen) und damit zu einer Erhöhung der Blutviskosität führt. Zur Behandlung der Erkrankung werden anfänglich häufig sechs bis acht Aderlässe im wöchentlichen Abstand (jeweils bis zu 500 ml) durchgeführt, um den lebensbedrohlich hohen Hämatokritwert (teilweise über 60 %) auf einen Normalwert (ca. 45 %) abzusenken. Danach erfolgt diese Maßnahme in sechs- bis zwölfwöchigen Abständen, wenn nicht andere medizinische Schritte eingeleitet werden.[98]
  • Bei der Hämochromatose, einer Erkrankung des Eisenstoffwechsels, werden lebenslang Aderlässe zur Senkung des Eisengehaltes im Körper durchgeführt.[99]
  • Bei einer Polyglobulie[100] kann eine Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes durch Aderlass erforderlich werden, wenn beispielsweise eine Zentralvenenthrombose im Auge droht oder bereits aufgetreten ist. Bei reaktiven Formen der Polyglobulie ist die Aderlass-Therapie jedoch kontraindiziert, da die Patienten die vermehrten Sauerstoffträger benötigen.[101]
  • Bei Porphyria cutanea tarda, einer Störung der Synthese des roten Blutfarbstoffs Häm, kann durch Aderlässe Eisen entfernt werden, das ansonsten in der Leber Schäden anrichtet.[102]
  • Klinische Studien deuten darauf hin, dass häufige Blutspenden eine nicht nur vorübergehende, deutlich blutdrucksenkende Wirkung bei Bluthochdruck zeigen. Diese Beobachtung wurde noch nicht durch ausreichend große, randomisierte kontrollierte Studien überprüft.[103][104][105]

Einsatz in der Alternativmedizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In der Alternativmedizin zählt der Aderlass (wie auch das Schröpfen) zu den ausleitenden Verfahren.
  • Der sogenannte Aderlass nach Hildegard von Bingen soll den Körper durch die Entnahme von „schlechtem Blut“ von Giften befreien, die durch übermäßiges Essen, Diätfehler, Stress, Sorgen, Angst und Enttäuschungen entstanden seien (vgl. Humoralpathologie). Das Blut soll dadurch von „krankmachenden Schlacken und Fäulnisstoffen“ gereinigt werden.[106]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erwin Heinz Ackerknecht: Therapie. Von den Primitiven bis zum 20. Jahrhundert, Enke, Stuttgart 1970, ISBN 3-432-01621-2
  • Josef Bauer: Geschichte der Aderlässe. E. H. Gummi, München 1870 (Digitalisat)
  • Arturo Castiglioni: Der Aderlaß, in: Ciba-Zeitschrift 66, Band 6, Wehr / Baden 1954, S. 2186–2216.
  • P. Eichenberger. Johann Jakob Wepfer und seine Einstellung zum Aderlasse. Ein Briefentwurf an Georg Frank von Frankenau. In: Gesnerus. Swiss Journal of the history of medicine and sciences. Band 24 (1967), S. 108–134 (Digitalisat)
  • Konrad Goehl, Johannes Gottfried Mayer und Gundolf Keil: Der Aderlaßmann aus Michelstadt – Ein Plakat aus dem Mittelalter, in: Bewahren und Erforschen, Beiträge aus der Nicolaus-Matz-Bibliothek (Kirchenbibliothek Michelstadt, Festgabe für Kurt Hans Staub zum 70. Geburtstag), herausgegeben von Wolfgang Schmitz, Michelstadt 2003, S. 56–74.
  • Friedrich Lenhardt, Gundolf Keil: Lob des Aderlasses, Laus phlebotomiae, Utilitas phlebotomiae und De minutionis utilitate, in: Verfasserlexikon, V, Spalte 862–865.
  • Antoine Louis und Louis de Jaucourt: Saignée. In : Denis Diderot. Encyclopédie, ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers. Band 14 (1751), S. 501–516 (Digitalisat)
  • Ortrun Riha: Der Aderlaß in der mittelalterlichen Medizin, in: Medizin in Gesellschaft und Geschichte 8, 1989 (veröffentlicht 1991), S. 93–118.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Aderlass – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Aderlass – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gundolf Keil: Phlebotomie (Aderlaß). In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1155.
  2. Kurt Engert: Geschichte des Aderlasses bei den Haustieren bis zur Gründung wissenschaftlicher Pflegstätten der Tierheilkunde. Dresden 1912.
  3. Ähnlich in: Kalender, iatromathematisches Hausbuch, Ulm 1498, Blatt 28v [1]
  4. Lorenz Fries. Spiegel der Artzny. Straßburg 1518, Blatt 21v-22r (Digitalisat)
  5. Arnoldus ‹de Villa Nova›: Regimen sanitatis Salernitanum, mit Kommentar des Pseudo-Arnaldus de Villanova und der Doctores Montispessulani regentes, 1480 (?), [Lyon], [ca. 1486/87] , Kapitel 92 (Digitalisat)
  6. Die Schrift ‚De adventu medici ad aegrotum‘ nach dem Salernitaner Arzt Archimatheus. Herausgegeben, übersetzt und eingeleitet von Hermann Grensemann. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 14, 1996, S. 233–251; hier zitiert: S. 245.
  7. Abulcasis. Chirurgie. Teil II, Kapitel 97: De phlebotomia venarum. Druck Schott, Straßburg 1532, S. 262 (Digitalisat)
  8. Julius Walbaum. Disputatio medico-chirurgica, de venae sectione. Praeside Alberto de Haller, Göttingen, 30. September 1749. In: Disputationes physico-medico-anatomico-chirurgicae selectae, quas collegit, editit, praefatus est Albertus Hallerus. Band X, Neapel 1757, S. 119–163. Erklärung der Tafel S. 157–163: (Digitalisat)
  9. Galen. Ausgabe Karl Gottlob Kühn. Leipzig 1821, Band X, De methodo medendi 13, S. 940 (Digitalisat). Band XI, S. 312–315 (Digitalisat)
  10. Josef Bauer: Geschichte der Aderlässe. E. H. Gummi, München 1870, S. 76 (Digitalisat). Arturo Castiglioni. Der Aderlaß, in: Ciba-Zeitschrift 66, Band 6, Wehr / Baden 1954, S. 2195
  11. Gundolf Keil: ‚Phlebotomia Hippocratis‘. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1154 f.
  12. Friedrich Lenhardt: Blutschau. Untersuchungen zur Entwicklung der Hämatoskopie. Königshausen & Neumann, Würzburg 1980 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen, 22).
  13. Johannes Gottfried Mayer: Die Blutschau in der spätmittelalterlichen deutschen Diagnostik. Nachträge zu Friedrich Lenhardt aus der handschriftlichen Überlieferung des ‚Arzneibuchs‘ Ortolfs von Baierland. In: Sudhoffs Archiv. Band 72, 1988, S. 225–233.
  14. Arturo Castiglioni. Der Aderlaß, in: Ciba-Zeitschrift 66, Band 6, Wehr / Baden 1954, S. 2187
  15. F. L. Griffith: The Petri Papyri. Hieratic Papyri from Kahun and Gurob. London 1898, hier: Kahun LV, 2, S. 13, Prescription II: (Digitalisat).
  16. Henry E. Sigerist: Der Arzt in der ägyptischen Kultur. Europa, Zürich 1963, S. 75 f.
  17. Henry E. Sigerist. Anfänge der Medizin. Europa Verlag, Zürich 1963, S. 277–278
  18. Arturo Castiglioni. Der Aderlaß, in: Ciba-Zeitschrift 66, Band 6, Wehr / Baden 1954, S. 2187
  19. Richard Kapferer. Die Werke des Hippokrates. Die hippokratische Schriftensammlung in neuer deutscher Übersetzung. Bd. 1-5, Hippokrates, Stuttgart / Leipzig, 1934–1939, IV, 80 (Zitiert nach Castiglioni 1954, S. 2190)
  20. Richard Kapferer. Die Werke des Hippokrates. Die hippokratische Schriftensammlung in neuer deutscher Übersetzung. Bd. 1-5, Hippokrates, Stuttgart / Leipzig, 1934–1939, VII, 29-30 (Zitiert nach Castiglioni 1954, S. 2191)
  21. Josef Bauer. Geschichte der Aderlässe. E. H. Gummi, München 1870, S. 50-53 (Digitalisat)
  22. Iwan Bloch. Celsus … Allgemeine Therapeutik, Diätetik und Hygiene. In: Max Neuburger und Julius Pagel (Herausgeber). Handbuch der Geschichte der Medizin. (Begründet von Theodor Puschmann). Fischer, Jena 1902 Band I, S. 422-423 (Digitalisat)
  23. Arturo Castiglioni: Der Aderlaß, in: Ciba-Zeitschrift 66, Band 6, Wehr / Baden 1954, S.2194
  24. Josef Bauer. Geschichte der Aderlässe. E. H. Gummi, München 1870, S. 68-76 (Digitalisat)
  25. Arturo Castiglioni: Der Aderlaß, in: Ciba-Zeitschrift 66, Band 6, Wehr / Baden 1954, S.2195
  26. Josef Bauer. Geschichte der Aderlässe. E. H. Gummi, München 1870, S. 99-102 (Digitalisat)
  27. Arturo Castiglioni: Der Aderlaß, in: Ciba-Zeitschrift 66, Band 6, Wehr / Baden 1954, S.2197
  28. Josef Bauer. Geschichte der Aderlässe. E. H. Gummi, München 1870, S. 109 (Digitalisat)
  29. Abulcasis. Chirurgie. Teil II, Kapitel 97: De phlebotomia venarum. Druck Schott, Straßburg 1532, S. 264 (Digitalisat)
  30. Josef Bauer. Geschichte der Aderlässe. E. H. Gummi, München 1870, S. 108 (Digitalisat)
  31. Josef Bauer. Geschichte der Aderlässe. E. H. Gummi, München 1870, S. 103-106 (Digitalisat)
  32. Hans von Gersdorff. Feldbuch der Wundarznei. Schott, Straßburg 1517, Blatt 14v-18r (Digitalisat)
  33. Siehe dazu auch: Lorenz Fries. Spiegel der Arznei. Grüninger, Straßburg 1518, Blatt 72v-76v (Digitalisat)
  34. Fasciculus Medicinae. Gregoriis, Venedig 26. Juli 1491. (Digitalisat)
  35. Iatromathematisches Hausbuch, Bayern, nach 1477 – vor 1496, Blatt 48v-52r (Digitalisat)
  36. Gleicher Text (mit einem Ausriss) in: Cpg 557, (1468) Iatromathematisches Hausbuch, nördliches Bodenseegebiet, 1468, Blatt 84v-88r, Blattverlust (Digitalisat)
  37. Albucasis: … Indikationen: chronische Erkrankungen des Gesichts, Migräne, entstellende Geschwüre und Rötungen (Digitalisat)
  38. Albucasis: … Indikationen: chronische Migräne, starkes Kopfweh, eitrige Augenentzündung, Augenfluss (Digitalisat)
  39. Albucasis: … Indikationen: Augenerkrankungen wie die Krätze, die Wundrose und Erkrankungen des Gesichts (Digitalisat)
  40. Albucasis: … Indikationen: chronischer Katarrh, Migräne, üble und langdauernde Geschwüre und Grind des Kopfs (Digitalisat)
  41. Albucasis: … Indikationen: akute Fieber, starke Kopfschmerzen, Gesichtserkrankungen wie Ausschläge, besonders wenn sie chronisch sind Digitalisat
  42. Albucasis: … Indikationen: Angina tonsillaris, Erkrankungen des Zäpfchens und des Mundes Digitalisat
  43. Albucasis: … Indikationen: Blutfülle im Kopf, Augenerkrankungen Digitalisat
  44. Albucasis: … Indikationen: Krankheiten unterhalb der Kehle im Brust- und Bauchbereich Digitalisat
  45. Albucasis: … Indikationen: Da sie mit den beiden anderen Adern im Ellbogen verbunden ist, eignet sie sich bei Blutfülle im Kopf und bei Erkrankungen der unteren Teile Digitalisat
  46. Erster Theil der Bücher und Schrifften des Edlen / Hochgelehrten und Bewehrten Philosophi unnd Medici, Philippi Theophrasti Bombast von Hohenheim … (Huser-Ausgabe) Conrad Waldkrich, Basel 1589, S. 86: (Digitalisat)
  47. Dritter Theil der Bücher und Schrifften des Edlen / Hochgelehrten und Bewehrten Philosophi unnd Medici, Philippi Theophrasti Bombast von Hohenheim … (Huser-Ausgabe) Conrad Waldkrich, Basel 1589, S. 402 (Digitalisat)
  48. Giovanni Manardi. Galeni ars medicinalis. Rom 1525. (Digitalisat)
  49. Lorenzo Bellini. … de missione sanguinis … Antonius Pisarius, Bologna 1683. S. 76–214 (Digitalisat) … de morbi pulmonis et pectoris. Antonius Pisarius, Bologna 1683. S. 562–603 (Digitalisat)
  50. Theodor Meyer-Steineg und Karl Sudhoff. Geschichte der Medizin im Überblick mit Abbildungen. Fischer, Jena 4. Aufl. 1950, S. 268–269
  51. Josef Bauer. Geschichte der Aderlässe. E. H. Gummi, München 1870, S. 153–155 (Digitalisat)
  52. Karl Eduard Rothschuh. Jean Riolan jun. (1580–1657) im Streit mit Paul Marquart Schlegel (1605–1653) um die Blutbewegung Harveys. Ein Beitrag zur Geschichte der Psychologie des wissenschaftlichen Irrtums. In: Gesnerus. Swiss Journal of the history of medicine and sciences. Band 21 (1964), S. 72–82, hier: S. 80 (Digitalisat)
  53. Josef Bauer. Geschichte der Aderlässe. E. H. Gummi, München 1870, S. 149–150 (Digitalisat)
  54. Josef Bauer. Geschichte der Aderlässe. E. H. Gummi, München 1870, S. 164–167 (Digitalisat)
  55. Theodor Meyer-Steineg. Die Reform der praktischen Medizin durch Thomas Sydenham. In: Theodor Meyer-Steinegg und Karl Sudhoff. Geschichte der Medizin im Überblick mit Abbildungen. 4. Aufl. Jena 1950, S. 325–328
  56. Erwin H. Ackerknecht. Geschichte der Medizin. 3. Aufl. Enke, Stuttgart 1977, S. 108–109
  57. Das Laudanum liquidum Sydenhami. Safranhaltige Opiumtinktur war bis ins 19. Jh. offizinell. Friedrich Mohr. Commentar zur Preussischen Pharmacopoe … nach der 6. Auflage. Braunschweig 1854, Band II, S. 381–382: Tinctura Opii crocata. (Digitalisat)
  58. Thomas Sydenham (Hrsg. J. Krafft 1839). Medizinische Schriften. Band II, S. 326–332: Verzeichnis einiger in der Praxis gebräuchlichen Hilfsmittel. Digitalisat
  59. Medizinische Schriften in der Übersetzung von J. Krafft, Ulm 1839, 2. Teil S. 161 (Digitalisat)
  60. Medizinische Schriften in der Übersetzung von J. Krafft, Ulm 1839, 1. Teil S. 296 (Digitalisat)
  61. Josef Bauer. Geschichte der Aderlässe. E. H. Gummi, München 1870, S. 155–156 (Digitalisat)
  62. Josef Bauer. Geschichte der Aderlässe. E. H. Gummi, München 1870, S. 156–157 (Digitalisat)
  63. Josef Bauer. Geschichte der Aderlässe. E. H. Gummi, München 1870, S. 156 (Digitalisat)
  64. C.E. Daniels. Anton de Heyde. In : August Hirsch. Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte aller Zeiten und Völker. Band III, 1886, S. 196 (Digitalisat)
  65. Josef Bauer. Geschichte der Aderlässe. E. H. Gummi, München 1870, S. 179–180 (Digitalisat)
  66. Josef Bauer. Geschichte der Aderlässe. E. H. Gummi, München 1870, S. 170–172 (Digitalisat)
  67. Josef Bauer. Geschichte der Aderlässe. E. H. Gummi, München 1870, S. 172–175 (Digitalisat)
  68. Theodor Meyer-Steineg. Systembildung in der Medizin des 18. Jahrhunderts. In: Theodor Meyer-Steinegg und Karl Sudhoff. Geschichte der Medizin im Überblick mit Abbildungen. 4. Aufl. Jena 1950, S. 340–350.
  69. Josef Bauer. Geschichte der Aderlässe. E. H. Gummi, München 1870, S. 177–179 (Digitalisat)
  70. Des Freyherrn Gerhards van Swieten … Erläuterungen der Boerhaavischen Lehrsätze … Band I, S. 314–315 (Digitalisat)
  71. Des Freyherrn Gerhards van Swieten … Erläuterungen der Boerhaavischen Lehrsätze … Band II, S. 254–255 (Digitalisat)
  72. Josef Bauer. Geschichte der Aderlässe. E. H. Gummi, München 1870, S. 186–188 (Digitalisat)
  73. Josef Bauer. Geschichte der Aderlässe. E. H. Gummi, München 1870, S. 202–207: John Brown und dessen Einfluss (Digitalisat)
  74. Josef Bauer. Geschichte der Aderlässe. E. H. Gummi, München 1870, S. 207–211: Die Lehre vom Contrastimulus: (Digitalisat)
  75. Josef Bauer. Geschichte der Aderlässe. E. H. Gummi, München 1870, S. 216–219: Broussais und seine Schule: (Digitalisat)
  76. Jean-Baptiste Bouillaud. Essai sur la philosophie médicale et sur les généralités de la clinique médicale, précedé d’un résumé philosophique des principaux progrès de la médecine, et suivi d’un parallè des résultats de la formule des saignès coup sur coup avec ceux de l’ancienne mèthode, dans le traitement des phlegmasies aigues. Rouvier et Bouvier, Paris 1856 (Digitalisat)
  77. Antoine Pierre Demours. Notice sur l’acupuncture et sur une nouvelle espèce de ventouse armée de lancettes… In: Journal universel des sciences médicales. Band XV, Paris 1819, S. 107–113 (Digitalisat)
  78. Jean-Baptiste Sarlandière. Bdellomètre. Im Artikel Ventouse (Schröpfglas) , im : Dictionnaire des sciences médicales Panckoucke, Paris 1821, Band 57, S. 174–189 (hier: S. 180–185) (Digitalisat) Text (Digitalisat) Abbildung
  79. Charles Louis Stanislaus Heurteloup (1793–1864). Künstlicher Blutegel. (Digitalisat)
  80. Adolphe Aimé Lecadre. Etude comparative, Broussais et Laënnec. Lepelletier, Le Havre 1868 (Digitalisat)
  81. Henry E. Sigerist. Große Ärzte. Eine Geschichte der Heilkunde in Lebensbildern. Lehmann, München 1931, S. 251–260 (Laennec und Broussais)
  82. Marshall Hall. Observations on blood-letting founded upon researches on the morbid and curative effects of loss of blood. Gilbert and Piper, london 1836 (Digitalisat)
  83. Pierre Charles Alexandre Louis. Anatomisch-pathologische Untersuchungen über die Lungenschwindsucht. Aus dem Französischen frei übersetzt von Karl Weese. Leipzig 1827 (Digitalisat)
  84. Pierre Charles Alexandre Louis. Recherches sur les effets de la saignée dans quelques maladies inflammatoires, et sur l'action de l'hémétique et des vésicatoires dans la pneumonie. J.-B. Baillière, Paris 1835 (Digitalisat)
  85. Joseph Dietl. Der Aderlass in der Lungenentzündung. Kaulfuss, Wien 1849 (Digitalisat)
  86. Arturo Castiglioni. Der Aderlaß, in: Ciba-Zeitschrift 66, Band 6, Wehr / Baden 1954, S. 2211
  87. Journal universel des sciences médicales. Band XV, Paris 1819, S. 107–113. (Digitalisat hathitrust)
  88. Lu Gwei-Djen und Joseph Needham. Celestial lancets. A history and rationale of acupuncture and moxa. Cambridge University Press, London 1980, S. 5, 8, 129
  89. Gerhart Feucht. Gegenüberstellung einiger Aderlassstellen und Akupunkturpunkte. In: Deutsche Zeitschrift für Akupunktur, 10 (1961) H. 1, S. 10–18
  90. Louis Berlioz: Mémoire sur les maladies chroniques, les évacuations sanguines et l'acupuncture. Croullebois, Paris 1816
  91. Michael Eyl: Chinesisch-japanische Akupunktur in Frankreich (1810–1826) und ihre theoretischen Grundlagen (1683–1825). Dissertation. Zürich 1978.
  92. W. Michel-Zaitsu: Wechselwirkungen – Zum Traité inédit de l'acupuncture et du Moxa chez les Japonais in J. B. Sarlandières Mémoires sur l'Électro-Puncture (1825). In: Deutsche Zeitschrift für Akupunktur, Vol. 58 (4), 2015; Vol. 59 (3), 2016; Vol. 59 (4), 2016;
  93. japanische Webseite Nihon Shiraku Gakkai
  94. An English translation of the Sushruta Samhita … Bd. II, Calcutta 1911, S. 198–208
  95. Heinrich Wallnöfer: Der Arzt in der indischen Kultur. J. Fink, Stuttgart 1966; Sonderausgabe Esslingen a. N., S. 50.
  96. Buch X, Kapitel 8 Übersetzung Fritz Weiss, Leipzig 1875
  97. Gerhard Eis: Der Aderlaß in Gottfrieds Tristan. In: Medizinische Monatsschrift 2, 1948, S. 162 ff.
  98. Polycythaemia Vera (PV). Leitlinie. (PDF) Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie, S. 10.
  99. Hämochromatose-Therapie. Universitätsklinikum Ulm.
  100. Aderlass. Kliniken Essen-Mitte.
  101. D. Köhler, D. Dellweg: Polyglobulie. In: Deutsche medizinische Wochenschrift. 2010; 135(46): 2300–2303. doi:10.1055/s-0030-1267515
  102. Wie kann die PCT behandelt werden? Europäische Porphyrie-Initiative (EPI) (Memento vom 18. Mai 2015 im Internet Archive)
  103. Michalsen et al.: „Effects of phlebotomy-induced reduction of body iron stores on metabolic syndrome: results from a randomized clinical trial“. In: BMC Medicine, 10.1186/1741-7015-10-54
  104. Manco, Fernandez-Real: „Back to past leeches: repeated phlebotomies and cardiovascular risk“, in: BMC Medicine, 10.1186/1741-7015-10-53
  105. Sundrela Kamhieh-Milz et al. Regular blood donation may help in the management of hypertension: an observational study on 292 blood donors. In: Transfusion. Band 56, Heft 3 (März 2016), S. 637–644.
  106. Naturheilverfahren: Richtig glücklich und entspannt nach dem Aderlass. In: Die Welt. 14. Juli 2012.