Adjunkt (Syntax)

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Der Begriff Adjunkt bezeichnet in verschiedenen Syntaxtheorien syntaktische Einheiten, die in einer gegebenen Struktur frei zusetzbar sind. Im Gegensatz dazu steht vor allem der Begriff des Komplements. Der traditionelle Begriff der Angabe aus der Grammatik des Deutschen wird häufig mit Adjunkt gleichgesetzt, obwohl sich die Definitionen unterscheiden. Derartige begriffliche Unschärfen rühren auch daher, dass der Begriff Adjunkt in einem weiteren, eher inhaltlich definierten Sinn und in einem engeren, strukturellen Sinn gebraucht wird.

Adjunkt im funktionalen Sinn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der älteren sprachwissenschaftlichen Literatur (Z. Harris, J. Lyons usw.) bezeichnet Adjunkt „syntaktisch fakultative oder periphere Ausdrücke“ (Lyons 1983), beziehungsweise (nach Lyons 1971)[1] „ein Bestimmungselement, das zusammen mit einem Trägerelement vorkommt, von dem es abhängt und von dem es getrennt werden kann, ohne dass sich daraus für den Satz eine syntaktische Veränderung ergibt.“ (Die Bezeichnung „Bestimmungselement“ in diesem Zitat verweist auf den Begriff Determinans (Wortbildung)).

Da Adjunkte somit typischerweise modifizierende Funktion haben, bleibt ein Satz meist akzeptabel, wenn ein Adjunkt weggelassen wird. Der Gegenbegriff zu Adjunkt ist dann grammatische Ergänzung oder Komplement.

Beispiele für Adjunkte in diesem Sinn:

  • Attribute in der Nominalphrase (z. B. „eine schöne Frau“)
  • Adverbiale, die ein Ereignis modifizieren (z. B. „Er ist am Samstag in den Zoo gegangen“)
  • Satzadverbiale (z. B. „Anscheinend sind sie spazieren gegangen“)

Adjunkt im strukturellen Sinn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Generativen Grammatik Chomskys, beispielsweise ihren Theorievarianten Rektions- und Bindungstheorie und Minimalismus, ist ein Adjunkt nicht inhaltlich (etwa als Modifikator), sondern rein strukturell definiert: Es ist dann ein Element, das zu einem anderen Element in einer Weise hinzutritt, die sich vom Spezifizierer oder Komplement unterscheidet. Entscheidendes Definitionsmerkmal ist, dass der gesamte Ausdruck durch Hinzufügung des Adjunkts nicht seine Komplexitätsstufe wechselt.[2] Das heißt, Adjunktion an eine Phrase ergibt wiederum eine Phrase, Adjunktion an eine Zwischenprojektion X’ ergibt wieder X’, Adjunktion an einen Kopf ergibt wiederum eine Kopfkategorie.

Im Ergebnis überschneidet sich diese Klasse der Adjunkte durchaus mit dem zuerst erläuterten Begriff, ist jedoch nicht deckungsgleich. Vor allem können auch Ausdrücke in der Position eines Spezifizierers modifizierende Funktion haben,[3] und würden dann ebenfalls als Adjunkte im funktionalen Sinn bezeichnet werden; hingegen bilden im strukturellen Sinne Spezifizierer und Adjunkt einen Gegensatz. Ferner wird der Fall der Kopf-Adjunktion (also zum Beispiel die Bildung eines zusammengesetzten Prädikats) von der älteren Version des Adjunktbegriffs nicht miterfasst.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andrew Carnie: Constituent Structure. 2nd edition. Oxford University Press, 2010.
  • John Lyons: Einführung in die moderne Linguistik. C.H.Beck, München 1971.
  • John Lyons: Semantik. 2 Bde. Aus der Reihe Beck'sche Elementarbücher. C.H.Beck, München 1980 & 1983.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. J. Lyons 1971, S. 351. Dieser deutsche Text übersetzt das englische Original adjunct als ‚Adjunktion‘.
  2. Carnie 2010, S. 121 ff.
  3. Carnie 2010, S. 122.