Adolf Dell

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Porträt Adolf Dell
Gert Heinrich Wollheim, 1924
Öl auf Leinwand
Galerie Remmert und Barth, Düsseldorf

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Adolf Dell (* 30. Juni 1890 in Karlsruhe; † 9. September 1977 in Düsseldorf)[1][2] war ein deutscher Schauspieler, Hörspielsprecher, Maler und Fußballspieler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In jungen Jahren war Adolf Dell als Torwart bei dem Fußballverein Karlsruher FV aktiv.[3][4][5] Mit der Mannschaft gewann er unter dem Trainer William Townley in der Saison 1909/10 die deutsche Fußballmeisterschaft und wurde zu deren Ehrenspielführer ernannt.[6]

Es folgte ein Studium bei Wilhelm Trübner an der Kunstakademie Karlsruhe. Im Jahr 1917 ging Adolf Dell nach Düsseldorf und schloss sich der Künstlervereinigung Junges Rheinland an. Später führte er mit Werner Gilles und Otto Pankok ausgedehnte Studienreisen durch und wurde Mitglied eines Künstlerkreises um die Galeristin Johanna Ey.[1][7] Gert Wollheim, der ebenfalls der Vereinigung Junges Rheinland angehörte, porträtierte ihn 1924.[8]

Adolf Dell wendete sich neben der Malerei auch dem Schauspielfach zu und kam früh mit Gustaf Gründgens in Berührung.[9] In der Ära der Intendanten Gustaf Gründgens und Karl Heinz Stroux zählte er zu dem Stammensemble des Schauspielhauses Düsseldorf und galt in späteren Jahren als Doyen dieser Bühne.[10][11] So trat er dort 1950 in den Dramen Der Familientag[12] und Cocktailparty von T. S. Eliot jeweils in den Inszenierungen von Gustaf Gründgens[9] und 1962 in Max Frischs Andorra auf.[13] Adolf Dell war zudem als Schauspiellehrer tätig. Er unterrichtete den Schauspieler Paul Esser, die Regisseure Michael Koch[14] und Hanno Lunin[11] sowie den Schriftsteller Günter Lanser.[15]

Er wirkte auch in Film- und Fernsehproduktionen mit. Darunter befanden sich die Spielfilme Silvesternacht am Alexanderplatz[16] aus dem Jahr 1939 von Richard Schneider-Edenkoben mit Hannes Stelzer, Carl Raddatz und Jutta Freybe, 1951 Sündige Grenze[17] in der Regie von Robert A. Stemmle mit Dieter Borsche, Inge Egger und Peter Mosbacher und 1956 Wenn wir alle Engel wären von Günther Lüders mit Marianne Koch, Dieter Borsche und Hans Söhnker. Große Popularität erlangte er mit der Rolle des Franz Buchner in der achtteiligen Fernsehserie des Südwestfunks Der Forellenhof. Neben ihm spielten unter anderem Hans Söhnker, Jane Tilden, Tilly Lauenstein und Gerhart Lippert. Seine letzte Rolle verkörperte er in einer Folge der Serie Die Kramer[18] mit Barbara Rütting, Franz-Otto Krüger und Ursula Ludwig.

Adolf Dell arbeitete auch als Hörspielsprecher und war überwiegend in Produktionen des Nordwestdeutschen Rundfunks (NWDR) bzw. später des Westdeutschen Rundfunks (WDR) zu hören.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1939: Silvesternacht am Alexanderplatz
  • 1951: Sündige Grenze
  • 1955: Du darfst nicht länger schweigen
  • 1956: Wenn wir alle Engel wären
  • 1962: Vor Sonnenuntergang (Theateraufzeichnung für das Fernsehen)
  • 1963: Der Fall Sacco und Vanzetti (Fernsehfilm)
  • 1965–1966: Der Forellenhof (Fernsehserie, 8 Folgen)
  • 1967: Die Mohrin (Fernsehfilm)
  • 1967: Bäume sterben aufrecht (Fernsehfilm)
  • 1967: In Lemgo 89
  • 1969: Die Kramer (Fernsehserie, Folge Ein hoffnungsloser Fall)

Hörspiele (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1950: Der Familientag (zwei Teile) – Regie: Wilhelm Semmelroth
  • 1950: Die Geschwister Cremerius – Regie: Wilhelm Semmelroth
  • 1950: Die Brücke der Gerechtigkeit – Regie: Ludwig Cremer
  • 1950: Die Bürger von Bethlehem – Regie: Ludwig Cremer
  • 1950: Kleinpaul entdeckt einen Tizian – Regie: Ludwig Cremer
  • 1951: Der unbekannte Befehl – Regie: Wilhelm Semmelroth
  • 1951: Die Cocktail Party (zwei Teile) – Regie: Wilhelm Semmelroth
  • 1951: Mr. Peters ist besessen – Regie: Edward Rothe
  • 1951: Gottes Utopia – Regie: Wilhelm Semmelroth
  • 1951: Der Totentanz – Regie: Ludwig Cremer
  • 1951: Die Tulpenkomödie – Regie: Raoul Wolfgang Schnell
  • 1952: Der gläserne Berg – Regie: Kurt Meister
  • 1952: Der arme Mensch – ein Weg aus Fehltritten und Unvermeidlichkeiten – Regie: Raoul Wolfgang Schnell
  • 1952: Das göttliche Erbe (Folge aus der Reihe „Kampf gegen den Tod“) – Regie: Ludwig Cremer
  • 1952: Das Jesuskind in Flandern – Regie: Ludwig Cremer
  • 1953: Absender Bessie Wall – Regie: Raoul Wolfgang Schnell
  • 1953: Goethe schreibt ein Hörspiel – Regie: Wilhelm Semmelroth
  • 1953: Das einsame Haus – Regie: Franz Zimmermann
  • 1953: Ich kannte die Stimme – Regie: Franz Zimmermann
  • 1953: Die magische Kugel (Folge aus der Reihe „Kampf gegen den Tod“) – Regie: Ludwig Cremer
  • 1953: Pilatus – Regie: Ludwig Cremer
  • 1954: Eine Kuh und sechs Instanzen (Folge aus der Reihe „Neues aus Schilda“) – Regie: Raoul Wolfgang Schnell
  • 1954: Venus macht lange Finger (Folge aus der Reihe „Neues aus Schilda“) – Regie: Raoul Wolfgang Schnell
  • 1955: Maigret und die nette alte Dame – Regie: Raoul Wolfgang Schnell
  • 1955: Das Haus am Hafen – Regie: Ludwig Cremer
  • 1955: Du bist schön, meine Freundin (zwei Teile) – Regie: Ludwig Cremer
  • 1955: Der Staatsstreich – Regie: Raoul Wolfgang Schnell
  • 1957: König David – Regie: Gerhard F. Hering
  • 1957: Christgeburt – Regie: Eduard Hermann
  • 1959: Gordon Grantley (acht Teile) – Regie: Raoul Wolfgang Schnell
  • 1960: General Quixotte (Theatermitschnitt) – Regie: Rudolf Steinboeck, Wilhelm Semmelroth (Funkregie)
  • 1972: Schützt uns vor Mördern – Regie: Edward Rothe

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kürschners biographisches Theater-Handbuch. Schauspiel, Oper, Film, Rundfunk. Deutschland – Österreich – Schweiz. 1956, ZDB-ID 5206-1, S. 115.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Biografische Daten auf zeller.de; abgerufen am 21. Juli 2015.
  2. Biografische Daten auf duesseldorf.emuseum.net; abgerufen am 21. Juli 2015.
  3. Adolf Dell bei weltfussball.de abgerufen am 31. Dezember 2011.
  4. Sportarchiv Karlsruhe (Memento vom 16. Januar 2014 im Internet Archive) zum Karlsruher Fußballverein 1891 e.V.; abgerufen am 31. Juli 2016.
  5. Sportarchiv Karlsruhe (Memento vom 16. Januar 2014 im Internet Archive) zum Karlsruher Fußballverein 1891 e.V; abgerufen am 31. Juli 2016.
  6. Statistiken des Karlsruher Fußballverein 1891 e.V auf karlsruher-fv1891.de; abgerufen am 31. Dezember 2011.
  7. Kurzbiografie auf meerbuscher-kunstauktionshaus.com; abgerufen am 31. Dezember 2011.
  8. Kurzbiografie von Gert Wollheim auf remmertundbarth.de; abgerufen am 31. Dezember 2011.
  9. a b Winrich Meiszies: Gustaf Gründgens 1899–1963 (PDF; 102 kB) auf duesseldorf.de/theatermuseum; abgerufen am 31. Dezember 2011.
  10. Von Beruf: Schauspieler Ausstellung zu Gründgens Düsseldorfer Jahren auf rp-online.de; abgerufen am 31. Dezember 2011.
  11. a b Biografie Hanno Lunin auf hannolunin.de; abgerufen am 31. Dezember 2011.
  12. Unfaßlich in dieser Welt In: Der Spiegel 7/1950, auf: Spiegel Online. abgerufen am 31. Dezember 2011.
  13. Fünf deutsche Bühnen im Zeichen von Max Frischs „Andorra“ In: Die Zeit 13/1962 auf: zeit.de; abgerufen am 31. Dezember 2011.
  14. Lebenslauf Michael Koch auf contra-kreis-theater.de; abgerufen am 31. Juli 2016.
  15. Kurzbiografie Günter Lanser auf rimbaud.de; abgerufen am 31. Dezember 2011.
  16. Silvesternacht am Alexanderplatz auf Murnau Stiftung online; abgerufen am 1. Mai 2016.
  17. Marianne an der Grenze In: Der Spiegel 38/1951, auf: Spiegel Online. abgerufen am 31. Dezember 2011.
  18. Die Kramer in Michael Reufsteck, Stefan Niggemeier Das Fernsehlexikon. Alles über 7000 Sendungen von Ally McBeal bis zur ZDF Hitparade. Goldmann, München, 2005, ISBN 978-3-442-30124-9, S. 680.