Adolf Gustav Schneck

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Adolf Gustav Schneck (* 7. Juni 1883 in Esslingen am Neckar; † 27. März 1971 Fellbach-Schmiden bei Stuttgart) war ein deutscher Architekt und Möbelbauer, der vor allem auch im Kontext des Bauhauses mit dem Stil des Neuen Bauens bekannt wurde.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haus auf der Alb

Vor 1933[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geboren als Sohn eines Möbelbauers, durchlief Schneck 1897 eine dreijährige Sattler- und Polstererlehre im elterlichen Betrieb. Anschließend begann er seine Gesellenjahre mit einer Wanderzeit und dem Besuch der Gewerbeschule in Basel. Mit der Rückkehr nach Esslingen übernahm er 1907 das elterliche Geschäft und begann gleichzeitig ein Studium an der Kunstgewerbeschule Stuttgart und an der Technischen Hochschule Stuttgart, unter anderen bei Bernhard Pankok. Durch das Studium konnte er sich 1919 als selbständiger Architekt und Möbelgestalter verdingen, zwei Jahre später wurde er mit einem Lehrauftrag an der Kunstgewerbeschule bedacht. Dort wurde er 1922 Leiter der Abteilung für Möbelbau und Innenarchitektur, 1923 Professor. Ein Jahr später betätigte er sich als Kurator für die Ausstellung „Die Form [ohne Ornament]“. Schneck entwarf 1926/1927 für Karl Schmidt-Hellerau das Typenmöbelprogramm „Die billige Wohnung“, das mit großem Erfolg bis in die 1930er Jahre in den Deutschen Werkstätten Hellerau produziert wurde. Als zweiter Stuttgarter Architekt nach Richard Döcker war auch Schneck an der Weißenhofsiedlung beteiligt. 1926/1927 entwarf und baute Schneck zwei Einfamilienhäuser; Haus 11 in der Friedrich-Ebert-Straße 114, das er selbst bewohnte und das Haus 12 am Bruckmannweg 1. Außerdem übernahm er die Innengestaltung einer Wohnung im Haus des Architekten Ludwig Mies van der Rohe. Es folgten mehrere Häuser auf dem Gelände 1928. Im Jahr darauf wurde er mit einem weiteren Großauftrag betraut, der seine Bekanntheit weiter steigern sollte: Er entwarf das Haus auf der Alb bei Bad Urach.

1933 bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit des Nationalsozialismus zeigte Schneck in seinen Arbeiten eine sehr konservative Gestaltungsweise. Seine Funktion als Professor und Vorstand der Abteilung für Möbelbau und Innenarchitektur an der Württ. Staatl. Kunstgewerbeschule am Weißenhof, die 1941 als „Abteilung für angewandte Kunst“ mit der Württ. Akademie der bildenden Künste (nunmehr „Abteilung für freie Kunst“) in der Urbanstraße unter einheitlicher Leitung, jedoch unter Beibehaltung der räumlichen Trennung mit dem Namen „Staatliche Akademie der bildenden Künste Stuttgart“ organisatorisch vereinigt wurde,[1] konnte er fortsetzen, zumal er der NSDAP beigetreten war.[2] Damit zusammenhängen dürfte, dass Schneck, nachdem Ende der 1930er Jahre auf dem Gelände der Weißenhofsiedlung das Verwaltungsgebäude des Generalkommandos V errichtet werden sollte, in den Wettbewerb um die Nachfolgebebauung einbezogen wurde.[3] Anfang Februar 1945, zu einer Zeit, als das Akademie-Hauptgebäude in der Urbanstraße durch Fliegerbomben samt Inventar zerstört, die Kunstgewerbeschule am Weißenhof teilbeschädigt und der Unterricht bereits eingestellt war, wurde Schneck, nachdem sein Vorgänger in diesem Amt, der in den NS-Kulturbetrieb eingebundene Gestalter Hermann Gretsch, „abgetaucht“ war, zum Stellvertreter des Bildhauers Fritz von Graevenitz ernannt, der seit 1938 (mit Unterbrechung) Direktor der Anstalt war.

Nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch nach Kriegsende blieb Schneck – bei weiterhin ruhendem Unterrichtsbetrieb – stellvertretender Direktor, ohne jedoch in den von der Kultusbehörde zur Vorbereitung der Wiedereröffnung der Akademie eingesetzten Planungsausschuss zu gehören, bis im Jahr 1946 anstelle des nicht mehr weiterbeschäftigten Fritz von Graevenitz der Bildhauer Hermann Brachert zunächst kommissarisch, später als gewählter Rektor die Leitung der von Theodor Heuss neukonstituierten Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart in den Räumen der ehemaligen Kunstgewerbeschule am Weißenhof übernahm.

Seine Tätigkeit als Professor für Möbelbau und Innenarchitektur konnte er – im Entnazifizierungsverfahren als „Mitläufer“ eingestuft – bis 1949 fortsetzen. Er betätigte sich wieder als Architekt und nahm den Stil von vor 1933 auf. Auch war er weiterhin als Fachschriftsteller tätig. Er zählte 1948 zu den Gründungsmitgliedern des neuen Werkbunds Baden-Württemberg. Bis zu seinem Tod 1971 kamen ihm zahlreich Ehrungen zu.

Bauten (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haus in der Weißenhofsiedlung
  • 1929: Haus auf der Alb, Bad Urach
  • 1947–1950: Gehörlosenheim, Stuttgart-Botnang
  • 1949: Wohnhaus für Dr. Eberle, Stuttgart
  • 1949: Wohnhaus für Dr. Schairer, Stuttgart
  • 1950–1954: Erholungsheim, Brühl
  • 1956: Wohnhaus für Dr. Stoll, Reutlingen

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (Hrsg.): Haus auf der Alb, Stuttgart 1994, S. 2–7
  • Dresdner Geschichtsverein e.V.: Gartenstadt Hellerau, Der Alltag einer Utopie. Michel Sandstein Grafischer Betrieb und Verlagsgesellschaft mbH, Dresden 1997, ISBN 3-910055-42-7, ISSN 0863-2138
  • Adolf Gustav Schneck (Illustration); Arno Votteler (Herausgeber); Herbert Eilmann (Bearbeiter); Monika Daldrop (Beiträge); Kurt Weidemann (Kataloggestaltung): Adolf G. Schneck 1883 - 1971. Leben, Lehre, Möbel, Architektur. Versuch der Dokumentation des Werkes zum 100. Geburtstag des Innenarchitekten. Eine Ausstellung in der Staatlichen Akademie der bildenden Künste Stuttgart vom 7. 6. bis 15. 7. 1983, Stuttgart 1983.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Adolf Gustav Schneck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Kermer: Daten und Bilder zur Geschichte der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Stuttgart: Edition Cantz, 1988 (= Verbesserter Sonderdruck aus: Die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart: eine Selbstdarstellung. Stuttgart: Edition Cantz, 1988), o. P. [9].
  2. Wolfgang Kermer: Ansprache zur Eröffnung der Ausstellung „Adolf G. Schneck 1883–1971 – Leben, Lehre, Möbel, Architektur“ am 7. Juni 1983. In: Wolfgang Kermer: „1968“ und Akademiereform: von den Studentenunruhen zur Neuorganisation der Stuttgarter Akademie in den siebziger Jahren. Ostfildern-Ruit: Cantz, 1996 (= Beiträge zur Geschichte der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, hrsg. von Wolfgang Kermer; 9), ISBN 3-89322-446-7, S. 104.
  3. Schnecks Beteiligung, welche geradezu selbstverleugnerisch die Billigung auch des Abrisses der beiden von ihm 1927 in der Weißenhofsiedlung errichteten Wohnhäuser, von denen er eines bewohnte, bedeutet hätte, bedarf noch weiterer Klärung. Infolge des Kriegsbeginns unterblieb die Errichtung der Nazibauten.