Adolf Haas (KZ-Kommandant)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Adolf Haas (* 14. November 1893 in Siegen; Todesdatum unbekannt, 1950 durch das Amtsgericht Hachenburg für tot erklärt[1][2]) war ein deutscher SS-Obersturmbannführer und Lagerkommandant der KZ Niederhagen-Wewelsburg und KZ Bergen-Belsen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adolf Haas war Sohn eines Gastwirts. Die Familie lebte seit 1895 in Hachenburg (Westerwald). Nach Abschluss der Volksschule lernte Haas Bäcker und Konditor. Am 1. Oktober 1913 wurde er zum Militär eingezogen und am 12. Januar 1914 als Soldat der Marine-Artillerie nach Tsingtau verschifft. Dort geriet er am 7. November 1914 in japanische Kriegsgefangenschaft und kam schließlich in das Kriegsgefangenenlager Bando in Japan, aus dem er im Dezember 1919 entlassen wurde. Ab 1925 war er Inhaber einer eigenen Bäckerei in Hachenburg.[2] Der NSDAP schloss er sich 1931 an (Mitgliedsnr. 760.610) und trug damit den Ehrentitel "Alter Parteigenosse". 1932 trat er in die Allgemeine SS ein (SS-Nr. 28.943) und wurde dort 1936 bis zum Sturmbannführer befördert. Er beteiligte sich 1938 an den Synagogenschändungen in Mogendorf[3] sowie Hachenburg und organisierte den Aufbau der SS im Oberabschnitt Rhein. Darüber vernachlässigte er seine Bäckerei in einem Maße, dass sie aufgegeben werden musste. Er wechselte zur Waffen-SS und war 1940 beim „Inspekteur der Konzentrationslager“ tätig. Im selben Jahr wurde er zum Obersturmbannführer der Waffen-SS befördert. Im KZ Sachsenhausen wurde er im selben Jahr zum Schutzhaftlagerführer ausgebildet und anschließend mit dem Aufbau des KZ Niederhagen-Wewelsburg beauftragt, wo er dann von 1941 bis 1943 Lagerkommandant war. „Unter den Häftlingen galt Haas als unberechenbarer und rücksichtsloser Kommandant.“ (John-Stucke) In seiner Amtszeit kamen dort 1.281 Menschen zu Tode.

„Ich bin der Herrgott von Wewelsburg“

Adolf Haas[4]

Es folgte die Führung eines Baukommandos zur Errichtung des KZ Bergen-Belsen, wo Haas im Dezember 1943 erster Kommandant wurde. In seiner Amtszeit kamen dort 1.845 Menschen zu Tode. Angeblich aufgrund von Unfähigkeit und Korruption wurde er von dort im Dezember 1944 an die Front versetzt und als Kommandant eines SS-Panzergrenadierbataillons eingesetzt. Während der Endphase des NS-Regimes war er im KZ Neuengamme anzutreffen, wo er am 14. April 1945 als Beisitzer eines SS- und Polizeigerichts fungierte, das ein Todesurteil gegen einen fahnenflüchtigen SS-Führer aus dem Lager verhängte und am 24. April 1945 vollstrecken ließ, der aus dem Lager ins Private geflüchtet war und unter Kameraden volltrunken und im Beisein mehrerer Frauen aufgefunden worden war.[5]

Haas verschwand kurz nach der Vollstreckung. Es ist unbekannt wohin. Als "verschollen" geltend wurde er am 18. August 1950 durch das Amtsgericht Hachenburg für tot erklärt.[2] Ab 1961 kam es zu Ermittlungen gegen eine Gruppe von SS-Angehörigen, darunter auch Haas, wegen des Todesurteils vom April 1945.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Greve: SS-Täterbiographien der Wewelsburg und des KZ Niederhagen, in: Juliane Kerzel (Hrsg.): Gedenkstättenarbeit und Erinnerungskultur in Ostwestfalen-Lippe, Paderborn 2002, S. 236–249.
  • Werner A. Güth, Johannes Kempf, Abraham Frank: Zachor – Ein Buch des Gedenkens. Zur Erinnerung an die jüdische Gemeinde Hachenburg. Stadt Hachenburg, Hachenburg 2002.
  • Karl Hüser: Wewelsburg 1933 bis 1945. Kult- und Terrorstätte der SS. Eine Dokumentation. Verlag Bonifatius-Druckerei, Paderborn 1982, ISBN 3-87088-305-7.
  • Bruno M. Struif: Hachenburg – ZeitSpuren einer Westerwälder Residenzstadt. Stadt Hachenburg, Hachenburg 1999, ISBN 3-00-005238-0, S. 224–227.
  • Kirsten John-Stucke: Konzentrationslager Niederhagen/Wewelsburg. In: Erik Schulte/Arbeitskreis der NS-Gedenkstätten in NRW (Hrsg.): Konzentrationslager im Rheinland und in Westfalen 1933-1945. Zentrale Steuerung und regionale Initiative, Paderborn 2008, S. 97–111
  • Markus Müller: Der Erste Weltkrieg: „Urkatastrophe“ in der Biografie des späteren SS-Schergen Adolf Haas aus Hachenburg? In: Wäller Heimat, Jg. 2014, S. 70–79.
  • Jakob Saß: Aufstieg eines Mittelmäßigen. Die SS-Karriere von Adolf Haas, KZ-Kommandant in Wewelsburg und Bergen-Belsen (Schriftenreihe des Stadtarchivs Hachenburg, H. 4), Hachenburg 2016.
  • Bruno M. Struif: Biografie Adolf Haas. Kommentar zu Heft 4 von Jakob Saß, Stadtarchiv Hachenburg. In: GeschichtsWerkstatt Hachenburg (Hrsg.): GWH-Info 33 (Juni 2016); Ergänzungen zur Biografie Haas in GWH-Info 34 (Sept. 2016) und GWH-Info 43 (Nov. 2018).
  • Jakob Saß: Gewalt, Gier und Gnade. Der KZ-Kommandant Adolf Haas und sein Weg nach Wewelsburg und Bergen-Belsen. Vergangenheitsverlag, Berlin 2019, ISBN 978-3-86408-246-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. NS-Großverbrecher - Karriere als KZ-Kommandant. In: SZ online. 6. Januar 2020, abgerufen am 7. Januar 2020.
  2. a b c Lebenslauf und Auszug aus einer dienstlichen Beurteilung des Wewelsburger KZ-Kommandanten Haas. In: Internet-Portal „Westfälische Geschichte“. 7. Februar 2011, abgerufen am 7. Januar 2020.
  3. Uli Jungbluth: Zur Synagoge und den Juden von Mogendorf. In: Joachim Jösch, Uli Jungbluth u. a. (Hrsg.): Juden im Westerwald. Leben, Leiden und Gedenken. Ein Wegweiser zur Spurensuche. Montabaur 1998, S. 105.
  4. Wachmannschaft des KZ Niederhagen/Wewelsburg, vermutlich 1941. In: Internet-Portal „Westfälische Geschichte“. 25. Februar 2004, abgerufen am 30. September 2019.
  5. Alle Angaben, soweit nicht anders angegeben, in: Haas, Adolf. In: Regionales Personenlexikon zum Nationalsozialismus in den Altkreisen Siegen und Wittgenstein. VVN-BdA, Kreisvereinigung Siegerland-Wittgenstein., abgerufen am 30. September 2019.
    Jakob Saß: Aufstieg eines Mittelmäßigen (= Schriftenreihe des Stadtarchivs Hachenburg, H. 4). Hachenburg 2016.
  6. Staatsanwaltschaft Hamburg 141 Js 803/61, früher 14 Js 542/47, siehe: Regionales Personenlexikon, Artikel Adolf Haas.