Adolf Martin Schlesinger

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Adolf Martin Schlesinger (zunächst Abraham Moses Schlesinger, * 4. Oktober 1769 in Sülz in Schlesien; † 11. November 1838 in Berlin) war ein deutscher Musikverleger und Musikalienhändler.

Adolf Martin Schlesinger

Leben[Bearbeiten]

Das Emanzipationsedikt zur Integration des preußischen Judentums war ein Wendepunkt im Leben des bereits 40-jährigen Schlesinger. Es versetzte ihn in die Lage, im Jahre 1810 offiziell eine Buch- und Musikalienhandlung in der Breiten Straße Nr. 8 zu eröffnen. Einen Buchhandel hatte er bereits 1795 gestartet und in seiner Wohnung in der Brüderstraße sowie als Reisender betrieben. Zeitgenossen beschrieben ihn wie folgt: “Der alte Schlesinger war ein kleiner, untersetzter, wohlbeleibter Herr, dem man seine Tatkraft, seinen Unternehmergeist und seinen Geschäftssinn sofort ansah, wenn er mit seinem einen Auge – das linke fehlte ihm (Anm.: Schlesinger hatte sein Auge durch einen Unglücksfall verloren) – den Besucher scharf musterte.” [1].

Schlesinger schloss 1814 einen größeren Vertrag mit Carl Maria von Weber ab und sicherte sich damit die bedeutendsten Werke des Meisters. Der Erfolg von Webers Der Freischütz machte Adolf Martin Schlesinger zum erfolgreichsten Musikverleger in Preußen. Der Volksmund nannte das 1823 erworbene Geschäftsgebäude Unter den Linden 34 deshalb Schreifritzhaus. Die vornehme Mahagoniausstattung des Ladens war vom preußischen Stararchitekten Karl Friedrich Schinkel entworfen worden.

Bereits zwei Jahre nach der Erstveröffentlichung des Freischütz führte Schlesinger drei Klagen wegen unbefugter Nachdrucke. Schlesinger wandte sich an den König, um ihn “um den Schutz” seines “Eigenthums allerunterthänigst anzuflehen”, nachdem er zwei Prozesse verloren hatte. Schlesinger war derjenige Musikverleger, der in ganz Deutschland in den Folgejahren die meisten Nachdrucksprozesse führte. Das Nachdrucksproblem wurde zum zentralen Lebensthema des Verlegers. Das preußische Gesetz von 1837 und der nachfolgende Bundesbeschluss trugen Spuren seiner Aktivitäten, denn mit seinen Eingaben und Privilegiengesuchen hatte er die speziellen Probleme der Bearbeitung von Musikalien mehrfach zum Gegenstand ministerieller Beratungen gemacht.

1819 schickte Schlesinger seinen Sohn Maurice Schlesinger zu Ludwig van Beethoven. Beethoven übergab ihm das Widmungsstück Glaube und hoffe und überließ dem Verlag seine Schottischen Lieder, die drei letzten Klaviersonaten und die Bagatellen. Weitere historisch wertvolle Veröffentlichungen kamen von den Komponisten Gaspare Spontini, Luigi Cherubini, Johann Nepomuk Hummel, Carl Loewe, Felix Mendelssohn Bartholdy u.a.m.

Schlesinger bemühte sich, Einfluss auf das kulturelle Leben zu gewinnen, und gab bis zu vier Zeitschriften gleichzeitig heraus. Der Freimüthige (Unterhaltungsblatt für gebildete, unbefangene Leser) erschien zwischen 1825 und 1835, die von Adolf Bernhard Marx redigierte Berliner Allgemeine Musikalische Zeitung zwischen 1824 und 1830, das Berliner Conversationsblatt von 1827 bis 1838 (1830–1835 verschmolzen mit dem Freimüthigen), und ab 1828 das Berliner Kunst-Blatt bei Schlesinger.

Schlesinger hinterließ seiner Witwe ein Millionenvermögen. Die Geschäfte wurden von seinem Sohn Heinrich bis zum Verkauf an Robert Emil Lienau im Jahr 1864 weitergeführt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Kassel 1997
  • Friedemann Kawohl, Urheberrecht der Musik in Preußen 1820-1840. Tutzing: Hans Schneider 2002

Dokumente[Bearbeiten]

Briefe von Schlesinger befinden sich im Bestand des Leipziger Musikverlages C. F. Peters im Staatsarchiv Leipzig.

Belege[Bearbeiten]

  1. “Börsenblatt f. d. Dtschn. Buchhandel”, 1. April 1910