Adolf Schinnerer

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Erinnerung an Adolf Schinnerer, 1876–1949, Maler, Grafiker und Zeichner, Haimhausen, Kirche Ottershausen, Bayern

Adolf Schinnerer (* 25. September 1876 in Schwarzenbach an der Saale; † 30. Januar 1949 in Ottershausen, Gemeindeteil von Haimhausen in Oberbayern) war ein deutscher Maler, Grafiker und Zeichner.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schinnerer wuchs von 1887 bis 1900 in Erlangen auf und wohnte 1903 bis 1912 in Tennenlohe bei Erlangen. Er studierte in Karlsruhe an der Kunstakademie und war unter anderem Schüler von Walter Conz, Ludwig Schmid-Reutte (1862–1909) und Wilhelm Trübner. Anschließend studierte er an der Akademie der Bildenden Künste München und betrieb zugleich das Studium der Kunstgeschichte. 1909/1910 wurde er mit dem Villa-Romana-Preis ausgezeichnet, verbunden mit einem einjährigen Aufenthalt in Italien.

Im Ersten Weltkrieg diente er einige Jahre als Infanterist und in Stäben. 1918 erwarb er in Ottershausen in der Künstlerkolonie Haimhausen bei München ein Anwesen, genannt „Schlössl“, das in der Zukunft als Lebensmittelpunkt diente.[1] Zugleich mietete er bis Ende der 1930er Jahre immer Wohnungen in München. 1920 wurde er an die Staatliche Kunstgewerbeschule München berufen.

Ursprünglich ging er vom französischen Impressionismus aus, schuf vor allem Figurenbilder und Landschaften, jedoch beschränkte er später seine Skala auf wenige kräftige Farben. In München, wo er 1913 Mitbegründer der Neuen Sezession war, lehrte er als Professor ab 1924 in der Radier- und Zeichenklasse an der Akademie der Bildenden Künste.

Schinnerer war neben seiner Lehrtätigkeit ein äußerst produktiver Künstler. Er gilt als Meister der Kaltnadel und hat viel illustriert, so z. B. 1921 The Tempest von William Shakespeare. 1922 schrieb er in einem Brief, er habe bereits ca. 700 Platten radiert, ca. 20.000 Radierungen gedruckt und verkauft und etwa 100 Gemälde gemalt. In den folgenden Jahren war er zudem oft mit der Organisation von Ausstellungen beschäftigt und konferierte zu diesem Zwecke mit zahlreichen namhaften Künstlern.

1945 übt Adolf Schinnerer die kommissarische Leitung und ab 1946 wurde er Präsident der Akademie der Bildenden Künste München, bis er 1947 in den Ruhestand ging. 1946 übernahm er die Neuorganisation der Künstlervereinigung Dachau (KVD), deren ersten Vorsitz er bis 1947 innehatte, und war an der Neugründung des Vereins für Original-Radierung wie auch der „Vereinigung der Freunde der Staatlichen Graphischen Sammlung München beteiligt“.

Adolf Schinnerer war Mitglied im Deutschen Künstlerbund.[2] 1963 ehrte ihn die Münchener Neue Gruppe[3] in der (kollektiven) Gedächtnisausstellung für die verstorbenen Mitglieder im Haus der Kunst, es wurden fünf Zeichnungen und eine Radierung von ihm gezeigt.[4]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1904 heiratete er eine Karlsruherin, seine erste Gattin Emma. Von 1907 bis 1913 kamen vier Kinder zur Welt. Seit den 1930ern lebte Schinnerer oft von seiner Familie getrennt. 1934 lernte er auf einem Akademiefest die 20-jährige Anna, eine geborene Winziger (1915−2010), kennen, die er nach dem Tode seiner ersten Frau Emma 1937 schnell heiratete, 1941 und 1942 gebar Anna zwei Kinder; den Kameramann Albrecht Schinnerer (1941−2011) und Regine Schinnerer.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zorn als Radierer. In: Deutsche Kunst. Band 51, 1925.
  • Aktzeichnungen aus fünf Jahrhunderten. München 1925.
  • Rembrandtzeichnungen. München 1944.
  • Adolf Schinnerer (Hrsg.): Michelangelos Weltgericht in 45 Bildern. Einführung von Adolf Schinnerer. Ausstattung: Emil Preetorius. München 1949.

Werke und Illustrationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Spielereien mit der Schneidenadel. 9 Radierungen. 1905.
  • Die Reise des jungen Tobias. 16 Original-Radierungen, 20 Abzüge von den unverstählten Platten. 1906.
  • Der Vater. Ein Trauerspiel mit 12 Originallithographien von Adolf Schinnerer, aus dem Schwedischen von E. Schering, 1918.
  • Der 18. Psalm. Foliant mit 12 Blättern (davon 2 leer), mit 16 Lithographien (von Adolf Schinnerer) und lithographierten Text. Schröder, München 1921.
  • Fr. Petrarca: Sonette. Nach den besten Übertragungen ausgewählt von Fr. Spunda. Mit 12 Steinzeichnungen von A. Schinnerer. Müller, München 1920.
  • William Shakespeare: The Tempest. Mit 26 (davon 5 blattgroßen) Radierungen von A. Schinnerer. Schröder, München 1921.
  • Steinzeichnung mit einem zeitgemässen Gedicht von Ricarda Huch. 1923.
  • Einst wird kommen der Tag … Steinzeichnung. 1923.
  • Glasmalereien in der Friedenskirche von Nürnberg. 1929.
  • Waschende, Zeichnung, 20 × 25 cm.
  • Badender, Radierung, 13 × 20 cm.
  • Die Geheilten, Zeichnung, 19 × 24 cm.
  • Figürliche Komposition, Zeichnung, 29 × 36 cm.
  • Decken- und Wandgemälde in der Christuskirche Mannheim ca. 1910

Schüler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerhard Hanke: Zur Geschichte des Schinnerer-Hauses in Ottershausen
  2. kuenstlerbund.de: Ordentliche Mitglieder des Deutschen Künstlerbundes seit der Gründung 1903 / Schinnerer, Adolf (abgerufen am 19. Januar 2016)
  3. neuegruppe-hausderkunst.de: Verstorbene Mitglieder / "S" (abgerufen am 16. April 2016)
  4. Grosse Kunstausstellung München 1963, Süddeutscher Verlag München, offizieller Ausstellungskatalog 1963. Im Anhang Gedächtnisausstellung 1963: (S. 189: Katalognr. 1172–1177, Abb. Entwurf zu einem Märchen, Zeichnung, 29 × 22 cm. S. 246)