Adolph Bermpohl (Navigationslehrer)

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Friedrich August Adolph Bermpohl (* 17. Januar 1833 in Gütersloh; † 7. Mai 1887 in Bremen) war ein deutscher Navigationslehrer in Vegesack und Emden. Er gilt als Initiator des organisierten Seenotrettungswesens in Deutschland.

Adolph Bermpohl und seine Frau

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bermpohl besuchte das Friedrichs-Gymnasium im ostwestfälischen Herford. 1848, mit 15 Jahren, ging Bermpohl gegen den Willen seiner Eltern, nach deren Vorstellung er Pfarrer hätte werden sollen, zur See. Er nahm den Dienst in der gerade gegründeten Deutschen Reichsflotte, die unter dem Kommando von Konteradmiral Karl Rudolf Brommy stand, auf und begann als Kajütenwächter auf einem Schoner. 1849 erlebte er auf einer Passage mit einem Handelsschiff, die ihn nach New York und New Castle führte, eine Havarie mit. Sein Schiff war mit einer mit Kohle beladenen Brigg zusammengestoßen. Bermpohl überstand den Unfall unverletzt.

1853, nach Auflösung der Flotte, absolvierte er eine nautische Ausbildung in Bremen. Als Steuermann und Obersteuermann fuhr er auf bremischen Segelschiffen zur See. Ab 1859 war er Navigationslehrer an der privaten Seefahrtschule in Vegesack, die unter seiner Ägide aufblühte. 1867 wechselte er an die staatliche Navigationsschule Emden, um schließlich ab 1870 bis zu seiner Pensionierung 1884 an der Seefahrtschule Bremen tätig zu werden.

Darstellung eines Seenotfalls in der Gartenlaube von 1867

Nach einem Schiffsunglück bei Borkum wies er 1860 gemeinsam mit dem Advokaten Dr. jur. Carl Kuhlmay in der Vegesacker Wochenschrift auf Mängel hin, die bei der Rettung von Schiffbrüchigen bestanden. Sein „Aufruf zu Beiträgen für Errichtung von Rettungsstationen auf den deutschen Inseln der Nordsee“ war der Beginn seines Einsatzes für die Errichtung von Rettungsstationen an der Nordsee. Bermpohl verfasste verschiedene Fachbücher zum Seefahrtswesen. Für die Vegesacker Wochenschrift schrieb er ab 1860 eine Fülle von Artikeln, in denen er das sogenannte Strandrecht geißelte. Nach diesem Recht fielen an Strand gespülte Güter – der Besitz von Schiffbrüchigen – den Küstenbewohnern zu, die damit kein Interesse daran hatten, Schiffbrüchige zu retten. Die Fischer und Kleinbauern sahen das Strandgut als zusätzliche Einnahme- und Versorgungsquelle an. Es kam sogar vor, dass Schiffe absichtlich fehlgeleitet wurden, um diese Quelle weiterhin zu gewährleisten; dieses soll z. B. durch das Versetzen von Leuchtfeuern geschehen sein.

Bermpohl warb für eine nicht-staatliche Organisation, die auf der Basis von Spenden und freiwilliger Arbeit einen Seenot-Rettungsdienst aufbauen sollte. 1863 gründete er schließlich den Bremischen Verein zur Rettung Schiffbrüchiger, einer der Vorläufer der durch Initiative von Bermpohl, Georg Breusing und Arwed Emminghaus 1865 gegründeten Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Erster Vorsitzer wurde der Mitbegründer des Norddeutschen Lloyds H. H. Meier.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Arthur Breusing: Katechismus der Steuermannskunst und Seemannschaft, Bremen 1861. Verschiedene Nachauflagen, späterer Titel: „Fraglehre für Seefahrtsschulen“.
  • Englisches Lesebuch sowie englisch-deutsches seemännisches Wörterbuch nebst kurzgefasster Formenlehre. Zum Gebrauche auf Navigationsschulen und zum Selbstunterricht für Steuerleute, Bremen, 2. Auflage 1878, 3.1886.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1965 wurde aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums der DGzRS ein neuer Seenotrettungskreuzer auf seinen Namen getauft: Adolph Bermpohl mit dem Tochterboot Vegesack. Die Patenschaft über diesen Rettungskreuzer übernahm 1978 Bermpohls Geburtsstadt Gütersloh.
  • 1965 benannte sich der 1906 gegründete „Marine-Verein zu Gütersloh“ um in „Marinekameradschaft Adolph Bermpohl“.
  • In Gütersloh ist eine Straße nach ihm benannt und an seinem vermuteten Geburtshaus gibt es eine Erinnerungstafel.
  • In Vegesack ist eine Straße und eine Apotheke nach ihm benannt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Diedrich Steilen: Geschichte der bremischen Hafenstadt Vegesack. Vegesack 1926, S. 111–113.
  • Herbert Schwarzwälder: Das Große Bremen-Lexikon. Ergänzungsband A–Z, Edition Temmen, Bremen 2008, S. 20.