Adorf (Diemelsee)

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Adorf
Gemeinde Diemelsee
Koordinaten: 51° 21′ 40″ N, 8° 48′ 21″ O
Höhe: 349 (346–405) m ü. NHN
Fläche: 16,07 km² [LAGIS]
Einwohner: 1572 (31. Aug. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 98 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 34519
Vorwahl: 05633
Die Hauptstraße

Adorf (Audio-Datei / Hörbeispiel Aussprache?/i) ist ein Ortsteil der Gemeinde Diemelsee im Landkreis Waldeck-Frankenberg im Nordwesten von Nordhessen (Deutschland) mit knapp 1600 Einwohnern.

Adorf ist größter Ortsteil der Gemeinde Diemelsee und Sitz der Gemeindeverwaltung.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adorf liegt im Naturpark Diemelsee an der Rhene. Im Ort treffen die Landesstraßen 3076, 3078 und 3082 aufeinander.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1120 wurde der Ort „Adorp“ erstmals erwähnt, als Erpo von Padberg seinen dortigen Besitz dem Erzbischof Friedrich von Köln zu Lehen auftrug. 1228 wird mit Bruno von Athorpe ein örtliches Adels- oder Ministerialengeschlecht genannt, dessen Angehörige Burgmannen auf der Burg Waldeck waren. Sie waren ein Zweig derer von Padberg, deren Wappen sie führten. Der Kölner Besitz auf waldeckischem Gebiet war lange Zeit umstritten.

Am 31. Dezember 1971 bildeten Adorf und zwölf weitere Gemeinden die neue Gemeinde Diemelsee.[2]

Wasserburg Adorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mittelalter war Adorf ein Marktort, in dessen Mitte sich die kleine Burg Adorf befand. Vermutlich im 13. Jahrhundert, das genaue Datum ist nicht bekannt, erbauten die Herren von Athorpe ein mit Wassergräben gesichertes Steinhaus, eine Kemenate. Die Gräben wurden von der Wirme mit Wasser versorgt. 1368 werden als Besitzer des Burggutes die von Dalwigk genannt. 1463 war ein Johann von Huck im Besitz der Burg; er verkaufte sie 1468 an die Waldecker Grafen. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Befestigungen und das Burghaus abgebrochen und durch das heutige Herrenhaus ersetzt. Nach 1860 war dieses im Besitz der Freiherren von Elverfeldt, die ihren Sitz auf Schloss Canstein hatten. Die Burg befand sich in der Ortsmitte. Von ihr sind nur noch wenige Reste der Ringmauer vorhanden.

Steffenburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Westlich der Wasserburg befand sich die Steffenburg. Es handelte sich vermutlich um eine kleine Turmburg oder Kemenate, die Anfang des 16. Jahrhunderts durch Curd von Ense errichtet wurde. Im Jahre 1507 trug er sie dem Grafen Philipp II. von Waldeck-Eisenberg zu Lehen auf. Die Anlage wechselte mehrfach ihre Besitzer. Im 18. Jahrhundert wurde sie wegen eines Straßenbaus abgebrochen. [3]

Bergbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bergarbeiterdenkmal

Die älteste Urkunde über den Eisenerzabbau in Adorf stammt vom 5. Januar 1273. Sie bestätigt das Schürfrecht im Raum Esbeck, einer Wüstung im Raum Adorf, südlich der ehemaligen Schachtanlage Webbel, in „Uppspringe“, dem heutigen Giershagen, und am „Ameslyth“, dem heutigen Arnstein bei Padberg.[4][5] Gleichzeitig werden in dieser die Eigentumsverhältnisse zwischen dem Kloster Bredelar und den in der Gegend begüterten Adelsgeschlechtern geregelt.

Die Gruben am Martenberg - Webbel, Christiane, Eckefeld, Hubertus und Reinhard - spielten für den Adorfer Bergbau eine große Rolle. Immer wieder wurden sie zu Streitobjekten zwischen dem Kloster Bredelar und örtlichen Adelsgeschlechtern. Bereits 1495 und 1613 ließen sich die Waldecker Grafen vom Kaiser mit dem Bergregal (Nutzung der Bodenschätze) belehnen.

Nach über 800-jähriger Tradition des Adorfer Erzbergbaues wurde am 16. April 1963 im Revier Martenberg die letzte Förderschicht, im Rahmen der Stilllegung des gesamten inländischen Eisenerzbergbaus von Mannesmann, gefahren. In der Zeit von 1938 bis 1963 wurden allein in der Grube Christiane 1.720.996 Tonnen Erz gefördert.

Heute betreibt der Knappenverein Adorf in der ehemaligen Grube Christiane ein Besucherbergwerk. Die Eröffnung fand am 17. Mai 1986 statt. Ein Bergbaumuseum wurde am 20. April 1989 eröffnet.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1968 sind:[LAGIS]

  • 1770: 107 Häuser, 673 Einwohner
Adorf: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
854
1840
  
876
1846
  
886
1852
  
905
1858
  
876
1864
  
942
1871
  
904
1875
  
903
1885
  
1.094
1895
  
1.148
1905
  
1.142
1910
  
1.112
1925
  
1.110
1939
  
1.137
1946
  
1.615
1950
  
1.642
1956
  
1.499
1961
  
1.582
1967
  
1.546
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jüdische Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit vom 18. Jahrhundert bis 1939 zur Zeit des Nationalsozialismus bestand eine jüdische Gemeinde. 1832 erhielt die Gemeinde von Fürst Georg II. zu Waldeck und Pyrmont die Genehmigung zur Einrichtung einer Synagoge. Von dem damaligen Bürgermeister Adolph Schwarzenberg, der vom jüdischen Glauben zum Christentum konvertiert war, kaufte man ein Fachwerkhaus. 1855 wird das Synagogengebäude in einem Register als der „Juden-Tempel“ benannt. An Einrichtungen bestanden ein rituelles Bad (Mikwe) und eine Religionsschule (um 1872 wird eine für den Unterricht gemietete Schulstube in der Bergstraße erwähnt).

Jüdischer Friedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang des 19. Jahrhunderts legte die jüdische Gemeinde einen Friedhof an. Von 1809 bis 1936 wurde hier bestattet. Der Friedhof befindet sich in unmittelbar in der Nähe der Dansenberghalle. Die Friedhofsfläche beträgt 8,85 ar. (Über die Zufahrt zur Dansenberghalle kommt man zum Friedhof.)[7]

Evangelische Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangeleiche Gemeinde nutzt die romanische Basilika St. Johannis. Sie gehört zu den ältesten Pfarreien im nördlichen Waldeck. Bis 1215 war Adorf Archidiakonat. Zum Amtsbereich gehörten neben Adorf die Pfarreien Eimelrod, Heringhausen, Flechtdorf, Schweinsbühl, Usseln und Wirmighausen. Nach der Auflösung 1215 wurde die Pfarrei dem Archidiakonat Horhusen (heute Niedermarsberg) eingegliedert.

Katholische Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis in die Mitte der 1940er Jahre gab es in Adorf nur wenige Katholiken. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden ab 1946 zahlreiche Heimatvertriebene und Flüchtlinge, darunter auch viele Katholiken, in Adorf und den umliegenden Gemeinden eine neue Heimat. Nach der Wiedervereinigung wuchs die katholische Gemeinde durch den Zuzug von Migranten aus der ehemaligen Sowjetunion, Polen und Osteuropa.

Im Jahr 1950 wurde mit dem Bau der St. Marienkirche begonnen. Im April 1951, nach knapp einjähriger Bauzeit, wurde sie der Schmerzensreichen Gottesmutter geweiht. Seit 1984 ist sie eine Filialkirche der Korbacher Kirchengemeinde St. Marien. Im Glockenstuhl befindet sich eine Glocke aus dem Jahr 1797 mit der Inschrift: „Mein Ruf bedeutet Gottes Ehr, wie auch zur Schul und Kinderlehr“. Sie stammt vermutlich aus Bontkirchen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schützengesellschaft Adorf 1514 e.V.
  • Sportschützenverein Adorf 1925 e.V.
  • VfL Adorf - Verein für Leibesübungen 02 Adorf e.V.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Besucherbergwerk Grube Christiane mit Bergwerksmuseum[8]
  • Martenberg-Klippe
  • Die romanische Basilika St. Johannis, Johannes dem Täufer gewidmet, war früher eine Wehrkirche und selbst der Kirchhof war durch eine hohe Bruchsteinmauer geschützt. Die Gründung ist wahrscheinlich auf das Kloster Corvey zurückzuführen. Über die genaue Erbauungszeit gibt es widersprüchliche Angaben, so dass von einer Erbauung zwischen 1180 und 1190 ausgegangen werden kann. Das Kirchengebäude selbst ist eine querschifflose Gewölbebasilika.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen. 3. Aufl. Wartberg-Verlag. Gudensberg-Gleichen 2000. ISBN 3-86134-228-6, S. 109.
  • „Land an der Eder und Diemel“ – Misschalk/Kulik ISBN 3-87077-041-4
  • Bau- und Kunstdenkmäler Kreis des Eisenberges, S. 21-27.
  • Alfred Emde: Adorf. Arolsen: Waldeckischer Geschichtsverein 1997 (= Waldeckische Ortssippenbücher 57); Bearbeiteter Zeitraum 1648-1980, 3402 Familien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Zahlen und Fakten“ im Internetauftritt der Gemeinde Diemelsee, abgerufen im September 2015.
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 408 und 409.
  3. „Steffenburg, Landkreis Waldeck-Frankenberg“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  4. Die Zisterzienserabtei Bredelar. Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz. Das Bistum Paderborn 1.;; (Germania Sacra, Dritte Folge, Band 6.) Walter de Gruyter, Berlin/Boston, 2013, ISBN 978-3-11-027726-5, S. 293
  5. 1000 Jahre Bergbaudorf Giershagen
  6. Grube Christiane, Adorf
  7. Jüdischer Friedhof in Adorf
  8. Besucherbergwerk - Grube Christiane

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Diemelsee – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien