Adressbuch

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Privates Adressbuch

Ein Adressbuch ist ein privat, geschäftlich oder dienstlich geführtes oder aber ein öffentlich publiziertes Verzeichnis der Adressen von Einzelpersonen, Behörden, Institutionen und Unternehmen. Bekanntestes öffentliches Adressbuch ist das Telefonbuch.

Üblicherweise hält man darin Name, Vorname, Anschrift (bestehend aus Straße, Hausnummer, Postleitzahl, Wohnort), die zusammen die Postanschrift bilden, fest, sowie Telefonnummern des Festnetzes und der Mobilnetze und gegebenenfalls Faxnummern, E-Mail-Adressen und Webseiten.

Häufig werden noch andere persönliche Angaben wie Geburtstag aufgeführt. Adressbücher gibt es in handschriftlicher und gedruckter Form (z. B. in größeren Unternehmen oder Behörden; vgl. für diese auch Staatskalender). Zur vereinfachten Suche haben Adressbücher häufig alphabetische Reiter, die sowohl gedruckt als auch gestanzt sein können.

Öffentliche Adressbücher (Einwohnerbücher eines Ortes)[Bearbeiten]

3. Kölner Adressbuch 1797

Diese Bücher enthalten oft mehrere Listen mehr oder weniger gleichen Inhalts, aber in verschiedener Sortierung:

  • eine nach den Nachnamen der Einwohner geordnete Liste;
  • eine nach Straßen und Hausnummer geordnete Liste, die Bewohner der Häuser enthält. Oft sind dabei auch die Hauseigentümer angegeben (z.B. falls im Haus wohnend, hervorgehoben, sonst mit Wohnort angegeben). Auch die Lage der Wohnung der angegebenen Personen ist in manchen Büchern angegeben („3. Stock links“), alternativ Angaben wie "Hinterhaus" o.ä.
    In einer solchen Liste können auch kreuzende Straßen erwähnt sein, ebenso Briefkästen und Telefonzellen.
    In manchen Adressbüchern ist auch die Herkunft der Straßennamen angegeben.
  • eine Liste der Unternehmen nach Branchen;
  • Listen der Einwohner kleinerer Nachbarorte;
  • Listen der Behörden, Vereinen und Ärzte;

Alte Adressbücher enthalten oftmals nur die Namen der – männlichen – Haushaltsvorstände. Neben dem Namen derselben ist alten Adressbüchern oft auch die Berufsbezeichnung verzeichnet, wie z. B. „Eisenbahnführer“, „Dienstmagd“. Ein Eintrag wie Eisele Dr., Arzt, Wwe. zeigt an, dass der Haushaltsvorstand, der Arzt Dr. Eisele, verstorben ist und seine Witwe, evtl. mit Kindern, die Wohnung bewohnt.

Mitunter enthalten die gedruckten Adressbücher auch Karten, etwa einen Stadtplan.

Amtliche Einwohnerbücher können durchaus auch werbliche Einträge enthalten. Auch Buchrücken, Seitenränder, der Vorsatz, evtl. auch weitere Seiten am Anfang oder Ende des Buches wurden gern mit Werbung bedruckt, um den Druck zu finanzieren.

In der Vergangenheit wurden Adressbücher meist anhand der Unterlagen der Meldebehörden erstellt (im Titel oft erkennbar durch Zusätze wie "Amtliches Adressbuch", "aufgrund amtlicher Unterlagen bearbeitet" o. Ä.), heute geschieht dies einerseits aus Gründen des Datenschutzes (immer weniger Menschen möchten dort aufgeführt sein), aber auch wegen der Verfügbarkeit der Daten im Internet nicht mehr in gedruckter Form. Daher enthalten heutige Adressbücher bzw. elektronische Verzeichnisse (siehe unten) mitunter nur noch die Angaben derjenigen Personen oder Institutionen, die mit ihrer Nennung einverstanden waren oder sie sogar ausdrücklich veranlasst haben.

Elektronische Adressbücher[Bearbeiten]

Immer mehr setzen sich durch die Verbreitung elektronischer Medien digitale Formen durch. Diese können als separate, speziell für diesen Zweck konzipierte Software, innerhalb von Standard-Bürosoftware integrierte Programme, Datenbanken am Einzelplatzrechner, im Intranet oder aber im Internet gespeichert sein. Hierzu zählen auch Telefonverzeichnisse auf CD. Ein Abgleich mit Mobiltelefon, Organizer oder PDA ersetzt ein Adressbuch auf Papier. Netzwerkplattformen, wie z. B. XING, gehen so weit, dass die Kontaktdaten aufeinander verlinkt werden und somit immer aktuell sind.

Eine elektronische Visitenkarte zur automatischen Aufnahme ins Adressbuch ist die vCard. Das automatische Erstellen mehrerer Briefe an Adressen eines Adressbuchs nennt sich Serienbrief.

Verwendung historischer Adressbücher[Bearbeiten]

Alte Adressbücher sind eine wichtige Quelle für die historische Forschung.

Für viele Orte, deren Archive im Zweiten Weltkrieg oder aus anderen Gründen verloren gingen, sind die gedruckten und daher weiter verbreiteten Adressbücher heute die einzigen Quellen, um den genauen Wohnort einer bestimmten Person zu ermitteln.

Auch Berufs- oder Namensbezeichnungen oder Hausnummern lassen sich so nachträglich ermitteln.

Aber auch bei der Ermittlung der letzten frei gewählten Wohnungen von Opfern des Faschismus spielen die Adressbücher der 1930er/1940er Jahre eine große Rolle; nicht zuletzt für die Verlegung der Stolpersteine durch Gunter Demnig.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hermann Ebeling: Zwischen den Zeilen. Kleine Geschichte des Karlsruher Adressbuchs. 1818–1993. Braun, Karlsruhe 1992, ISBN 3-7650-8119-1
  • Klara van Eyll (Hrsg.): Alte Adressbücher erzählen … Leben und Alltag in Köln. Greven, Köln 1993, ISBN 3-7743-0277-4
  • Christel Wegeleben: Adressbücher. In: Wolfgang Ribbe, Eckart Henning: Taschenbuch für Familiengeschichtsforschung. 11. Aufl., Degener & Co., Neustadt an der Aisch 1995, S. 301–329[2] Bibliografie. S. 329.
  • Christine Fischer-Defoy, Susanne Schaal (Hrsg.): Berliner ABC. Das private Adreßbuch von Paul Hindemith 1927 bis 1938. Transit, Berlin 1999, ISBN 3-88747-148-2 Beispiel für ein privates Adressbuch eines bekannten Komponisten.
  • Hartmut Jäckel: Menschen in Berlin. Das letzte Telefonbuch der alten Reichshauptstadt 1941. DVA, Stuttgart u. a. 2000, ISBN 3-421-05421-5 Biografieforschung von Prominenten und Nichtprominenten anhand des Berliner Telefonbuchs von 1941.
  • Otto Ruf: Das Adreßbuch. Eine geschichtliche und wirtschaftliche Untersuchung. Dissertation, Universität Würzburg 1932 (zu Geschichte, Herstellung, Verlagswesen und volkswirtschaftlicher Bedeutung)
  • Karl Schlögel: Berliner Adressbücher. In: Im Raume lesen wir die Zeit. Über Zivilisationsgeschichte und Geopolitik. Hanser, München u. a. 2003, ISBN 3-446-20381-8, S. 329–351
  • Arthur Ritter von Vincenti (Hrsg.): Das Magdeburger Adressbuch von 1817. Bearbeitet von Maren Ballerstedt. Reprint der Ausgabe bei Degener, Leipzig 1932. Stadtarchiv Magdeburg, Magdeburg 2003, ISBN 3-9808534-1-1
  • Das ietzlebende Leipzig. Reprint der Ausgabe Leipzig 1701. Schmidt-Römhild, Leipzig 1994, ISBN 3-7950-3907-X. Nachdruck des wohl ersten deutschen städtischen Adressbuchs, Digitalisat (DjVu)
  • Peter Guttkuhn: Mit Eines Hochedlen und Hochweisen Raths Privilegio: Lübecker Adressbuch. In: Vaterstädtische Blätter, Lübeck. 28. Jg., 1977, S. 24–25.
  • Ulrich Hagenah: Hamburger Adressbücher – eine historische Skizze mit Anmerkungen zum Digitalisierungsprojekt der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg. In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte, Bd. 97, 2011, S. 57–97
  • George Poland Henderson: Current European Directories. Handbuch der europäischen Adreßbücher. Beckenham / England 1969 (A CBD Research Publication)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Adressbücher – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Adressbuch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Historische Adressbücher im Internet:

 Wikisource: Adressbücher – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Helmut Knocke in: Stadtlexikon Hannover, S. 12
  2. Aus den Seiten 301 bis 328 werden deutschsprachige Adressbücher nach Orten und Ausgaben mit Jahreszahlen von Aachen bis Zwittau genannt.