Adriano Sofri

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Adriano Sofri, 2014

Adriano Sofri (* 1. August 1942 in Triest) ist ein italienischer Politiker, Intellektueller, freier Journalist und Autor. Er war eine zentrale Figur in der außerparlamentarischen italienischen Politik der 1960er- und 1970er-Jahre, als führende Persönlichkeit der linksradikalen Organisation Lotta Continua (Fortwährender Kampf), die er 1969 gegründet hatte.

Verurteilung im Fall Calabresi[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1988 wurde Adriano Sofri gemeinsam mit Giorgio Pietrostefani als Auftraggeber des Mordes an dem Polizisten Luigi Calabresi (1972) angeklagt, Ovidio Bompressi und Leonardo Marino als Täter. In einer langen Serie von Gerichtsverhandlungen wurde er auf Grund der Aussage von Leonardo Marino, ehemals Lotta-Mitglied, 1997 zu 22 Jahren Haft verurteilt, die er größtenteils im Gefängnis San Giovanni Bosco in Pisa verbüßte.

Die Verurteilung wurde von vielen Personen als ungerecht empfunden, so beteiligen sich Persönlichkeiten wie Umberto Eco, Carlo Ginzburg oder Hans Magnus Enzensberger an Initiativen zu seiner Freilassung. Das Urteil wurde im Jahre 2000 bestätigt und war danach unanfechtbar. Sofri verzichtete auf Gnadengesuche und forderte stattdessen die Wiedergutmachung des ihm zugefügten Unrechts und seine vollständige Rehabilitation.

Im Juni des Jahres 2005 wurde Sofri Halbfreiheit gewährt, um in der Scuola Normale Superiore in Pisa an Aufräumarbeiten in den Archiven von Eugenio Garin und Sebastiano Timpanaro mitzuarbeiten. Im November 2005 wurde er vom Boerhaave-Syndrom befallen, einer seltenen Erkrankung der Speiseröhre. Der schlechte Gesundheitszustand führte zu seiner Einlieferung in das Santa Chiara-Krankenhaus von Pisa und zur Unterbrechung der Haftzeit. Seit 2007 konnte Sofri den Rest seiner Strafe aus gesundheitlichen Gründen in Hausarrest abbüßen. Die 22-jährige Haftzeit endete im Januar 2012.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carlo Ginzburg: Der Richter und der Historiker. Überlegungen zum Fall Sofri (= Wagenbachs Taschenbücherei. Band 189). Aus dem Italienischen von Walter Kögler. Mit einem Vorwort von Thomas Schmid. Wagenbach, Berlin 1991, ISBN 3-8031-2189-2 (Originaltitel: „Il giudice e lo storico“; Rezension, PDF).

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Luciano Della Mea: Zur Strategie und Organisation von „Lotta continua“ (= Internationale Marxistische Diskussion. Band 18). Aus dem Italienischen von Caroline Neubaur. Merve, Berlin 1971.
  • Der Knoten und der Nagel. Ein Buch zur linken Hand (= Die Andere Bibliothek. Band 160). Mit einem biographischen Essay von Carlo Ginzburg. Aus dem Italienischen von Walter Kögler. Eichborn, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-8218-4160-5.
  • Nahaufnahmen. Aus dem Italienischen von Martina Bartel. Mit einem Vorwort von Gustav Seibt. Transit, Berlin 1999, ISBN 3-88747-147-4.
  • Die Gefängnisse der anderen. Aus dem Italienischen übersetzt, mit Anmerkungen und einem Nachwort versehen von Volker Breidecker. Edition Epoca, Zürich 2001, ISBN 3-905513-25-0 (Autobiographie).
  • Kafkas elektrische Straßenbahn. Aus dem Italienischen von Annette Kopetzki. Wagenbach Verlag, Berlin 2019, ISBN 978-3-8031-3689-3

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]