Adschyad-Festung

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Adschyad-Festung
Adschyad-Festung über dem Bulbul-Hügel links im Hintergrund der Kaaba, 1889

Adschyad-Festung über dem Bulbul-Hügel links im Hintergrund der Kaaba, 1889

Alternativname(n): Ecyad Kalesi (türk.)
Entstehungszeit: 1777
Erhaltungszustand: 2002 zerstört
Ort: Bulbul-Hügel
Geographische Lage 21° 25′ 8″ N, 39° 49′ 35″ OKoordinaten: 21° 25′ 8″ N, 39° 49′ 35″ O
Adschyad-Festung (Saudi-Arabien)
Adschyad-Festung

Die Adschyad-Festung (arabisch قلعة أجياد, DMG Qalʿat Aǧyād; türkisch Ecyad Kalesi) war eine historische osmanische Zitadelle, die auf einem Hügel über der Großen Moschee von Mekka in Saudi-Arabien stand. Im späten 18. Jahrhundert errichtet, wurde sie 2002 von der saudischen Regierung für den kommerziellen Bau des Mecca Royal Clock Tower Hotel zerstört, was weltweite Kritik hervorrief.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Adschyad-Festung wurde im Jahre 1777 (nach anderen Quellen 1780 bzw. 1781) durch die Osmanen errichtet, um die Kaaba und die islamischen Schreine in Mekka vor Banditen und Eindringlingen zu schützen. Die Festung bedeckte etwa 23.000 m² des historischen Bulbul-Hügels (ein Felssporn des Dschebel Kuda), welcher die al-Haram-Moschee von Süden aus überwacht.[1]

Im Frühjahr 2002 wurde die Adschyad-Festung abgerissen und der größte Teil des Bulbul-Hügels eingeebnet,[2] um das Gebiet für das 533-Millionen-Dollar-Projekt[3] der Abraj Al Bait Towers freizumachen.[4] Eröffnet 2012, besteht der Komplex aus mehreren Hochhausgebäuden aus Wohnungen, einem Fünf-Sterne-Hotel im Zwillingsturm, Restaurants und einem Einkaufszentrum, errichtet von der Saudi Binladin-Gruppe.[5]

Reaktionen auf die Zerstörung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zerstörung des historischen Gebäudes führte sowohl im Inland als auch im Ausland zu Protesten.[6] Der türkische Außenminister İsmail Cem İpekçi und andere Institutionen versuchten, den Abriss zu verhindern.[7] Der Abgeordnete der regierenden Demokratischen Linkspartei (DSP) Ertuğrul Kumcuoğlu schlug sogar einen Boykott von Reisen nach Saudi-Arabien vor.[8] Der türkische Minister für Kultur und Tourismus verurteilte die Zerstörung der Festung, verglich den Akt mit der Zerstörung der Buddhas von Bamian und bezichtigte die saudischen Behörden der „Fortsetzung ihrer Politik der mutwilligen Zerstörung osmanischen Erbes.“[9][10]

Die französische Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP) zitierte den saudischen Minister für islamische Angelegenheiten Saleh al-Scheich mit den Worten: „Niemand hat das Recht, sich in das einzumischen, das unter die Autorität des Staates fällt.“ In Bezug auf die Pläne zum Bau von Immobilien sagte al-Scheich, dass er beabsichtigte, die Pilger nach Mekka zu beherbergen, und fügte hinzu: „Dies liegt im Interesse der Moslems auf der ganzen Welt.“[3]

Allerdings führte die Zerstörung dieser und anderer historischer Stätten zu Kritik an dem saudischen System, und es wurden Pläne erarbeitet, um die Burg wieder zu errichten, wie es eigentlich 2001 vom König angeordnet wurde:[2][11]

König Fahd gab seine Zustimmung für das König Abdul Aziz Endowment for the Holy Ḥaram und für die Vorbereitung der Projektstätte durch die Entfernung des Hügels und der Burg. Der König hat angewiesen, dass die Burg durch Wiederaufbau vollstens erhalten bleiben sollte.“

Der Minister in einem Statement

Ein Modell im Maßstab 1:25 steht zusammen mit anderen architektonischen Modellen im Miniaturpark Miniatürk in Istanbul.[12]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Artikel von Arab News am 9. Januar 2002
  2. a b Artikel von Arab News am 26. Dezember 2001
  3. a b Simon Wheelan: Saudi government demolishes historic Ottoman castle, World Socialist Web Site. 28. Januar 2002. Archiviert vom Original am 10. Mai 2008. Abgerufen am 2. April 2008. 
  4. Mekah residents claim their needs being ignored (Memento vom 7. Februar 2009 im Webarchiv archive.today)
  5. Abraj Al Bait: a city within a city. (Nicht mehr online verfügbar.) Qatar Construction Sites Newspaper, ehemals im Original; abgerufen am 12. August 2019.@1@2Vorlage:Toter Link/www.qc-sites.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)
  6. Sherrie Gossett: Mecca Conference Criticized for Hypocrisy on Holy Site Destruction. In: crosswalk.com. Archiviert vom Original am 18. Mai 2008. Abgerufen am 9. April 2008. 
  7. Article on People's Daily Online
  8. Cumhuriyet article
  9. Jason Palmer: Destroying Ottoman castle to build hotel is 'cultural massacre'. In: The Independent, 9. Januar 2002. Abgerufen am 9. April 2008. 
  10. Turkish Ministry of Culture Announcement, Abgerufen am 28. März 2008
  11. Holy site expansion to preserve historic Ajyad Fort. Royal Embassy of Saudi Arabia at Washington D.C. Website, 9. Januar 2002, archiviert vom Original am 31. Oktober 2005; abgerufen am 12. August 2019.
  12. Beschreibung und Bild. des Modells auf der Website von Miniatürk. Abgerufen am 12. August 2019.