Adventure (1976)

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William Crowther (2012)

Adventure (englisch für Abenteuer), auch als Colossal Cave Adventure bekannt, ist ein Textadventure. Es gilt allgemein als erstes Computerspiel der Kategorie Adventure, der es seinen Namen gegeben hat. Es wurde 1975 von William Crowther programmiert und 1977 von Don Woods signifikant erweitert.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Spieler hat die Aufgabe, ein Höhlensystem zu erforschen, in dem Schätze verborgen sein, aber auch Gefahren lauern sollen.

Spielprinzip und Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adventure ist ein Textadventure, das heißt, Umgebung und Geschehnisse werden als Bildschirmtext aus- und die Handlungen des Spielers ebenfalls als Text über die Tastatur eingegeben und von einem Parser abgearbeitet. Der Parser verstand dabei einfache Ein-Wort-Kommandos, denen ein Objekt nachgestellt werden konnte, z.B. "look" ("schau"), um sich umzuschauen, oder "get urn" ("nimm urne"), um den Gegenstand "Urne" aufzuheben. Die Erkennung von Objekten beschränkte sich aus programmtechnischen Gründen auf die ersten fünf Buchstaben des Objektnamens, in der Eingabe "get silver" ("nimm silber") erkennt der Parser mithin nur "get silve", was speicherökonomisch sinnvoll war, aber bei Entwurf und Programmierung die Verwendung ähnlich benannter Objekte erschwerte.

Entwicklungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

William Crowther, ein bei BBN Technologies beschäftigter Informatiker und Freizeit-Höhlenforscher, hatte ursprünglich ein textbasiertes Programm über die Begehung des Mammoth- und Flint Ridge-Tropfsteinhöhlensystems im US-Bundesstaat Kentucky geschrieben. In diesem Programm konnte man hauptsächlich nur von Raum zu Raum gehen und die Beschreibungen lesen. Der lang verschollene Quellcode wurde 2005 in einem alten Backup wiedergefunden.[1] Es wurde auf einem DEC PDP-10-Computer, einem damals verbreiteten Minicomputer, in der Programmiersprache Fortran IV programmiert und war zu dieser Zeit auch als ADVENT bekannt, da Dateinamen nur sechs Zeichen umfassen durften. Zwischen 1975 und 1976 erweiterte Crowther das Programm um eine Spielhandlung mit diversen, etwas unzusammenhängenden Fantasy-Elementen wie Schätzen, Zwergen, einem Labyrinth und Zaubersprüchen.[1]

Don Woods (2010)

Anfang 1977 stieß Don Woods, Informatikstudent an der Stanford University, im Netzwerk der Universität auf Crowthers Spiel und beschloss, es zu modifizieren. Da Crowther außer seinem Nachnamen in der Spielanleitung keinen Hinweis auf sich als Urheber hinterlassen hatte, gestaltete sich die Kontaktaufnahme schwierig, zumal Crowther mittlerweile den Arbeitgeber gewechselt hatte und für Xerox tätig war. Woods schrieb schließlich eine Email an alle Teilnehmer des Arpanets mit dem Lokalteil "crowther", was in technischer Hinsicht die erste dokumentierte Spammail der Informatikgeschichte darstellte.[2] Crowther erhielt die Mail und stellte Woods den Quellcode zur Verfügung. Ab März 1977 erweiterte Woods die Spielhandlung durch diverse weitere Elemente wie einen Piraten, mehr Labyrinthe sowie eine Punktezählung und ein Spielziel, nämlich, alle Schätze an sich zu bringen. Diese ursprüngliche 350-point version von Adventure verbreitete sich rasch durch Privatkopien über das Arpanet an den US-amerikanischen Universitäten und kostete diese nach später geäußerten (nicht ganz ernstgemeinten) Schätzungen etwa zwei Wochen Arbeitszeit je Rechenzentrums-Mitarbeiter.

Schon bald entstanden erweiterte Versionen, die meist nach der maximal zu erreichenden Punktzahl charakterisiert werden. Die im August 1978 veröffentlichte 430-point version erweiterte das Spiel um fünf Schätze sowie diverse Räume und Rätsel und wurde von Woods selbst entwickelt.[3] Die 550-point version war wohl die verbreitetste dieser Erweiterungen.

Da zu jener Zeit nur wenige Privatleute einen Computer besaßen, wurde das Spiel nicht kommerziell verwertet. Es wurde aber zur Inspiration für das von Scott Adams entworfene erste kommerzielle Adventure Adventureland (1978).[1]

Ab Mitte Mai 1977 sorgte Woods erweiterte Version für Aufmerksamkeit am MIT.[1] Im Juni 1977 gab es dort eine erste Version von Zork, einem wesentlich überarbeiteten Programm, das kontinuierlich weiterentwickelt wurde.[1] Die Zork-Schöpfer gründeten das Unternehmen Infocom und produzierten ab 1980 Zork-Versionen, mehrere Nachfolger und diverse andere Adventurespiele für Heimcomputer.

1979 wurde ein gleichnamiges Computerspiel für den Atari 2600 veröffentlicht. Dieses war allerdings ein grafikbasiertes Spiel mit eigenständiger Handlung, somit keine Portierung oder Umsetzung des textbasierten Adventure.

Heute ist Adventure in der C-Portierung Teil der BSD-Unix-Distributionen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Dennis G. Jerz: Somewhere Nearby is Colossal Cave: Examining Will Crowther's Original "Adventure" in Code and in Kentucky. In: Digital Humanities Quarterly, Band 1, Nummer 2, Sommer 2007. (englisch)
  2. Filfre.net: The Completed Adventure, Part 1. Abgerufen am 12. Dezember 2016.
  3. Renga in Blue: Adventure (430 points) by Don Woods (1978). Abgerufen am 1. Juni 2017.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Category:Colossal Cave Adventure – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien