Aegyptopithecus zeuxis

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Aegyptopithecus zeuxis
Gesichtsschädel

Gesichtsschädel

Zeitliches Auftreten
Unteres Oligozän
34 bis 28 Mio. Jahre
Fundorte
Systematik
Affen (Anthropoidea)
Altweltaffen (Catarrhini)
Propliopithecoidea
Propliopithecidae
Aegyptopithecus
Aegyptopithecus zeuxis
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Aegyptopithecus
Simons, 1965
Wissenschaftlicher Name der Art
Aegyptopithecus zeuxis
Simons, 1965[1]

Aegyptopithecus zeuxis ist eine ausgestorbene Art der Primaten aus der Gattung Aegyptopithecus, deren rund 30 Millionen Jahre alte Überreste im Winter 1963/64 aus einem Steinbruch in Fayyum (Ägypten) geborgen wurden. Aegyptopithecus zeuxis ist die einzige bislang anerkannte Art der Gattung und deren Typusart. Die Erstbeschreibung von Gattung und Art wurde im Jahr 1965 von Elwyn L. Simons im Fachblatt Nature veröffentlicht.[1] Aegyptopithecus zeuxis ist eine der frühesten bekannten Vertreterinnen der Altweltaffen, zu denen die heutigen Meerkatzenverwandten und Menschenaffen gehören, und war annähernd so groß wie heute lebende Gibbons.

Namensgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aegyptopithecus ist ein Kunstwort. Die Bezeichnung der Gattung verweist auf den Fundort in Ägypten. Die zweite Hälfte des Gattungsnamens ist abgeleitet aus dem griechischen Wort πίθηκος (altgriechisch ausgesprochen píthēkos: „Affe“). Das Epitheton zeuxis ist ebenfalls dem Griechischen entlehnt und kann laut Erstbeschreibung metaphorisch als ‚Tragjoch‘ (englisch yoke) oder ‚Verbindungslinie‘ (englisch: join) übersetzt werden, nimmt also „Bezug auf die Morphologie des Unterkiefers und der Zähne, die intermediäre Merkmale zwischen Propliopithecus und Dryopithecus zeigen.“[1]

Funde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Holotypus von Gattung und Art ist das Fragment eines linken Unterkiefers (Archivnummer C.G.M. 26901) mit drei erhaltenen Backenzähnen (Prämolar P2 bis Molar M2) und einem ergänzten Backenzahn M3 aus dem Fossil Y.P.M. 21032. Als Paratypus wurde in der Erstbeschreibung das Fragment eines zweiten Unterkiefers mit teilweise erhaltenen Zahnwurzeln ausgewiesen (Archivnummer A.M.N.H. 13389). Verwahrorte dieser Fossilien sind das Egyptian Geological Museum (früher: Cairo Geology Museum, C.G.M.), das Peabody Museum of Natural History in New Haven (Connecticut), USA, (früher: Yale Peabody Museum, Y.P.M.) und das American Museum of Natural History in New York City (A.M.N.H.).

Der Kopf von Aegyptopithecus zeuxis ist durch die relativ lange Schnauze (Prognathie) und das kleine Gehirn (30 cm3) charakterisiert. Seine Zahnformel lautet wie bei allen Altweltaffen 2-1-2-3 (das bedeutet pro Kieferhälfte zwei Schneidezähne, 1 Eckzahn, 2 Vorderbackenzähne und 3 Backenzähne). In der Größe der Eckzähne zeigt sich ein Geschlechtsdimorphismus (die Eckzähne der Männchen sind größer als die der Weibchen),[2] was sich auch heute bei etlichen Primatenarten findet. Der Bau der Zähne mit breiten, flachen Schneidezähnen und niedrigen Molaren entspricht wohl ziemlich dem ursprünglichen Altweltaffengebiss.

Das Körperskelett zeigt im Wesentlichen affenähnliche Züge, die Vordergliedmaßen sind kurz, die erste Zehe opponierbar und ein langer Schwanz ist vorhanden. Das Gewicht von Aegyptopithecus wird auf rund 6,7 Kilogramm geschätzt.

Vermutlich lebten die Tiere auf Bäumen und bewegten sich auf den Ästen langsam vierfüßig fort. Aus dem Bau der Zähne folgert man, dass die Nahrung vorwiegend aus Früchten und Blättern bestand.

Systematisch wurde die Gattung Aegyptopithecus mit Propliopithecus und anderen Gattungen in die Gruppe der Propliopithecidae eingeordnet, die der Basis der Altweltaffen ziemlich nahesteht. Sie dürften jedoch nicht die unmittelbaren Vorfahren der heutigen Meerkatzenverwandten oder Menschenartigen sein, sondern einen Seitenzweig bilden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • John G. Fleagle und Elwyn L. Simons: The humerus of Aegyptopithecus zeuxis: A primitive anthropoid. In: American Journal of Physical Anthropology. Band 59, Nr. 2, 1982, S. 175–193, doi:10.1002/ajpa.1330590207
  • Thomas M. Bown, Mary J. Kraus, Scott L. Wing, John G. Fleagle, Bruce H. Tiffney, Elwyn L. Simons und Carl F. Vondra: The Fayum Primate Forest Revisited. In: Journal of Human Evolution. Band 11, Nr. 7, 1982, S. 603–632, doi:10.1016/S0047-2484(82)80008-0
  • Richard F. Kay, John G. Fleagle und Elwyn L. Simons: A revision of the Oligocene apes from the Fayum Province, Egypt. In: American Journal of Physical Anthropology. Band 55, Nr. 3, 1981, S. 293–322, doi:10.1002/ajpa.1330550305
  • John G. Fleagle: Locomotor behavior of the earliest anthropoids: a review of the current evidence. In: Zeitschrift für Morphologie und Anthropologie. Band 71, Nr. 2, 1980, S. 149–156, Zusammenfassung

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Aegyptopithecus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Elwyn L. Simons: New Fossil Apes from Egypt and the Initial Differentiation of Hominoidea. In: Nature. Band 205, 1965, S. 135–139, doi:10.1038/205135a0
  2. John G. Fleagle, Richard F. Kay und Elwyn L. Simons: Sexual dimorphism in early anthropoids. In: Nature. Band 257, 1980, S. 328–330, doi:10.1038/287328a0