AfD Bremen

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AfD Bremen
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Vorsitzender Peter Beck
Stellvertreter Sergej Minich
Schatz­meister Mertcan Karakaya
Gründungs­datum 12. Mai 2013
Gründungs­ort Bremen
Hauptsitz Aumunder Heerweg 55
28757 Bremen
Landtagsmandate
5/84
Mitglieder­zahl 170 (Stand Oktober 2018)[1]
Website afd-bremen.de

Die AfD Bremen ist der Landesverband der Partei Alternative für Deutschland (AfD) in der Freien Hansestadt Bremen. Sie trat bei der Bundestagswahl 2013 erstmals zu einer Wahl an und wurde im Januar 2019 zum Prüffall des Verfassungsschutzes erklärt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Landesverband Bremen wurde am 12. Mai 2013 gegründet.

Nach dem AfD-Bundesparteitag in Essen Anfang Juli 2015 traten die Bürgerschaftsabgeordneten Piet Leidreiter, Klaus Remkes und Christian Schäfer, der ehemalige Landesvorsitzende, aus der Partei aus. Sie verblieben jedoch in der AfD-Gruppe, woraufhin diese Mitte Juli 2015 in Bremer Bürgerliche Reformer umbenannt wurde.[2] Das letzte AfD-Mitglied Alexander Tassis verließ nach der Umbenennung die Gruppe und vertrat die Partei bis zum Ende der Legislaturperiode als fraktionsloser Abgeordneter.[3] Schäfer und Leidreiter traten am 19. Juli 2015 der neu gegründeten Partei Allianz für Fortschritt und Aufbruch (heute Liberal-Konservative Reformer, LKR) bei,[4] Remkes folgte kurze Zeit später. Die ehemalige AfD-Gruppe nannte sich fortan ALFA-Gruppe-Bremen, bevor sie im November 2016 in Gruppe Liberal-Konservative Reformer umbenannt wurde. Sie bestand bis Juni 2017, als Leidreiter und Remkes ihren Übertritt zur Wählervereinigung Bürger in Wut erklärten.[5] Schäfer blieb bis zum Ende der Legislaturperiode Einzelabgeordneter und wurde damit zum letzten LKR-Vertreter in einem deutschen Landesparlament.

Im Jahr 2016 gerieten führende Mitglieder des Landesverbandes in Streit. Der Bürgerschaftsabgeordnete Alexander Tassis warf seinen Kollegen im Landesvorstand Frank Magnitz und Thomas Jürgewitz vor, einen Führungsstil zu vertreten, der „diktatorisch und indiskutabel“ sei. Diese wiederum strengten ein Parteiausschlussverfahren gegen Tassis und drei weitere AfD-Mitglieder an. Der Vorstand warf ihnen vor, sie wollten die Partei spalten.[6]

Nach der Bürgerschaftswahl 2019 kam es zu Streitigkeiten zwischen dem Landesvorsitzenden Frank Magnitz und dem Fraktionsvorsitzenden Thomas Jürgewitz.[7] Hauptkritikpunkt an Magnitz ist sein Doppelmandat als Bundestagsabgeordneter und Bürgerschaftsabgeordneter. Am 1. September 2019 trat Magnitz mit zwei weiteren der fünf Bürgerschaftsabgeordneten, Mark Runge und Uwe Felgenträger, aus der AfD-Fraktion aus, die daraufhin aufgelöst wurde. Die drei bildeten anschließend die AfD-Gruppe in der Bremischen Bürgerschaft.[8] Der AfD-Bundesvorstand untersagte der Gruppe jedoch die Benutzung des Wortes „AfD“, woraufhin sie in Gruppe Magnitz, Runge, Felgenträger umbenannt wurde.[9] Die verbliebenen zwei AfD-Abgeordneten Peter Beck und Thomas Jürgewitz sind seither fraktionslos.

Im September 2019 wurde auf einem Landesparteitag Peter Beck zum Nachfolger des zurückgetretenen Landesvorsitzenden Frank Magnitz gewählt. Frank Magnitz war einem offenen Schlagabtausch zwischen Jürgewitz und ihm zuvor gekommen, indem er am Tag vor dem Parteitag sein Amt als Landesvorsitzenden niedergelegt hatte und nicht beim Parteitag erschien. Zuvor hatte Magnitz neue Mitglieder angeworben um die Mehrheitsverhältnisse zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Die Mitgliedsanträge wurden jedoch nicht bewilligt.[10]

Parteiprogramm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Wahlprogramm des Bremer Landesverbandes gehören die Bereiche Innere Sicherheit, Migration und Bildung zu den Schwerpunkten. Bei der Kriminalitätsbekämpfung setzt die AfD auf die „konsequente Verfolgung von Straftätern“ sowie die „Rückführung straffällig gewordener Ausländer“. Sie lehnt des Weiteren „Asylmissbrauch“ ab und tritt für „klare Regeln“ in der Zuwanderungspolitik ein. Dabei sollen sich Zuwanderer an der „deutschen Kultur als Leitbild“ orientieren. In der Bildungspolitik befürwortet sie die Beibehaltung des gegliederten Schulsystems, eine „Entideologisierung der Erziehung“ sowie eine stärkere pädagogische Hinwendung zur „deutschen Identität“. Eine einheitliche Schulkleidung soll das Gemeinschaftsgefühl in den Schulen stärken.

Weitere Forderungen des Wahlprogramms sind die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, vor allem für Familien, eine mittelstandsfreundliche Wirtschaftspolitik sowie die Stärkung direktdemokratischer Verfahren. Bei Volksentscheiden soll es kein Zustimmungsquorum geben. Die Verschuldung Bremens will die AfD durch Teilprivatisierungen von öffentlichen Einrichtungen, die Kürzung von Personalausgaben und die Ausgabe einer Bürgeranleihe senken.[11]

Zusammenarbeit mit Rechtsextremen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teile der AfD Bremen arbeiten mit Rechtsextremisten zusammen, wobei es auch personelle Überschneidungen gibt; der Verfassungsschutz Bremen bezeichnete die Grenzen zwischen der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative (JA) und der rechtsextremen Identitären Bewegung (IB) als „fließend“. Der Bremer JA-Vorsitzende Teske sagte über die IB: „Die Identitären machen gute Aktionen und werden zu Unrecht vom Verfassungsschutz beobachtet.“[12] Seit September 2018 steht die Nachwuchsorganisation der Bremer AfD wegen bestehender „Anhaltspunkte dafür, dass es sich um eine rechtsextremistische Bestrebung handelt“, unter Beobachtung des Bremer Verfassungsschutzes.[13] Der Bremer Bundestagsabgeordnete und AfD-Landesvorsitzende Magnitz beschäftigt einen IB-Aktivisten als wissenschaftlichen Mitarbeiter.[14] Magnitz selbst ist der völkisch-nationalistischen AfD-Gruppierung Der Flügel zuzurechnen,[15][16][17][18] die im Januar 2019 vom Bundesamt für Verfassungsschutz als Verdachtsfall für rechtsextremistische Bestrebungen eingestuft wurde.[19]

Am 25. Januar 2019 wurde der gesamte Bremer Landesverband der AfD zum Prüffall des Verfassungsschutzes erklärt.[20] Hintergrund dieser Entscheidung ist eine „Materialsammlung über verfassungsfeindliche Bestrebungen der AfD“, in der auch Aussagen Bremer AfD-Mitglieder enthalten sind. So ließ sich zum Beispiel Thomas Jürgewitz, stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes Bremen, anerkennend über die rechtsextreme Identitäre Bewegung aus; er sagte unter anderem: „Die IB macht mit intelligenten, witzigen, gewaltfreien Aktionen auf Missstände in Deutschland aufmerksam, die allerdings den Gutmenschen missfallen. Denn die IB will die deutsche Identität bewahren.“[21]

Wahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bundestagswahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Bundestagswahl 2013 erreichte die AfD im Land Bremen 3,7 % der Zweitstimmen.[22] Spitzenkandidat der Landesliste war Christian Schäfer.[23]

Bei der Bundestagswahl 2017 entfielen auf die AfD im Land Bremen 10,0 % der Zweitstimmen, Frank Magnitz zog über die Landesliste als Abgeordneter in den Bundestag ein.[24]

Europawahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Europawahl 2014 erreichte die AfD 5,8 % der Stimmen im Land Bremen.[25]

Bei der Europawahl 2019 entfielen auf die AfD 7,7 % der Stimmen im Land Bremen.[26]

Bürgerschaftswahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Spitzenkandidat der AfD Bremen bei der Bürgerschaftswahl 2015 war Christian Schäfer.[27] Laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verfolgte die Landespartei eine Politik im Sinne von Bundessprecher Bernd Lucke.[28] Sie erzielte 5,5 % und zog mit vier Abgeordneten aus dem Wahlbereich Bremen in die Bürgerschaft ein,[29] womit ihr ein Abgeordneter fehlte, um eine Fraktion bilden zu können. Im Wahlbereich Bremerhaven verpasste die AfD ein Bürgerschaftsmandat um 50 Stimmen. Daraufhin kündigte die Partei an, für den Fall, dass keine Neuauszählung der Stimmen in Bremerhaven durchgeführt werden sollte, die Wahl anfechten zu wollen.[30][31] Am 20. Dezember entschied das Verwaltungsgericht Bremen, der AfD ein zusätzliches Mandat in Bremerhaven zulasten der SPD zuzuerkennen.[32] Das Urteil wurde beim Staatsgerichtshof überprüft und eine erneute Auszählung aller Stimmen in Bremerhaven angeordnet. Zwar ergab diese nach Korrektur der Fehler eine Steigerung von 4,97 % auf 4,99 %, jedoch wurde die Fünf-Prozent-Hürde nicht übersprungen. Der Staatsgerichtshof entschied am 13. September 2016, dass das ursprüngliche Wahlergebnis Bestand hat.[33]

Bei der Bürgerschaftswahl 2019 stellte sich die AfD Bremen erneut zur Wahl. Ihr Spitzenkandidat war Frank Magnitz. Sie erzielte 6,1 % und zog mit fünf Abgeordneten in die Bürgerschaft ein.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landesvorstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit September 2019 setzt sich der Landesvorstand aus folgenden Mitgliedern zusammen:

Landesvorsitzende Peter Beck (MdBB)
Stellvertretender Landesvorsitzender Sergej Minich
Schatzmeister Mertcan Karakaya
Stellvertretender Schatzmeister Jürgen Hauschild
Schriftführer Marvin Mergard
Beisitzer Sven Lichtenfeld, Heiner Löhmann
MdBB = Mitglied der Bremischen Bürgerschaft; MdB = Mitglied des Bundestages

Parteivorsitzende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parteivorsitzende(r) Amtszeit
Christian Schäfer Christian Schäfer Mai 2013 – Juli 2015
Frank Magnitz Frank Magnitz Juni 2015 – September 2019
Peter Beck seit September 2019

Landtagsabgeordnete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2019 wurden für die AfD in die Bremische Bürgerschaft gewählt:[34]

Einzug in den Landtag über Abgeordneter Derzeitige Funktion in der Partei[35][36]
Listenplatz 1 (Bremen) Frank Magnitz
Listenplatz 2 (Bremen) Uwe Felgenträger
Listenplatz 3 (Bremen) Peter Beck Landesvorsitzender
Listenplatz 4 (Bremen) Mark Runge
Listenplatz 1 (Bremerhaven) Thomas Jürgewitz Kreisvorsitzender Bremerhaven

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pascal Faltermann: Die kleinen Parteien in Bremen legen zu, weser-kurier.de, 1. Oktober 2018.
  2. AfD-Gruppe in Bremen plant neuen Namen (Memento vom 16. Juli 2015 im Internet Archive), radiobremen.de, 13. Juli 2015, abgerufen am 16. Juli 2015.
  3. Alexander Tassis: Mut zur AfD (Memento vom 18. Juli 2015 im Webarchiv archive.today), facebook.com, 15. Juli 2015, abgerufen am 18. Juli 2015.
  4. Ex-AfD-Abgeordnete treten neuer Partei bei (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive), radiobremen.de, 20. Juli 2015.
  5. Jürgen Theiner: Bürger in Wut künftig mit drei Abgeordneten, weser-kurier.de, 12. Juni 2017.
  6. Der „Prügel-Grieche“ bei Bremens AfD. taz.de, 30. Mai 2016, abgerufen am 30. Mai 2016.
  7. AfD in Bremen steht vor Zerreißprobe, weser-kurier.de, 25. August 2019.
  8. AfD in der Bürgerschaft verliert Fraktionsstatus, bremische-buergerschaft.de, 30. August 2019.
  9. AfD-Gruppe ohne AfD im Namen, weser-kurier.de, 5. September 2019.
  10. Neuer Bremer AfD-Chef Beck attackiert seinen Vorgänger Magnitz - buten un binnen. Abgerufen am 16. September 2019.
  11. Maike Schmidt-Grabia: Alternative für Deutschland (AfD). bpb.de, 15. April 2015, abgerufen am 27. April 2015.
  12. Jan Oppel: AfD demonstriert mit Aktivisten der Identitären Bewegung, weser-kurier.de, 17. August 2017.
  13. Eckhard Stengel: Bremen und Niedersachsen lassen AfD-Jugend beobachten, tagesspiegel.de, 3. September 2018.
  14. Patricia Brandt: Revierkämpfe mit Aufklebern. weser-kurier.de, 20. Juli 2018, abgerufen am 15. Januar 2019.
  15. Sasan Abdi-Herrle: „Die Stimmung hatte sich aufgeheizt“, zeit.de, 8. Januar 2019.
  16. Jean-Philipp Baeck: „Mediale Betroffenheit“ erzeugen, taz.de, 15. Januar 2019.
  17. Folkert Lenz: Portrait: Wer ist Frank Magnitz?, butenunbinnen.de, 8. Januar 2019.
  18. Hinterhalt im Theaterhof: Anschlag auf AfD-Politiker (Memento vom 16. Januar 2019 im Internet Archive), rtl.de, 9. Januar 2019.
  19. Frank Jansen: Verfassungsschutz stuft AfD als „Prüffall“ ein, tagesspiegel.de, 16. Januar 2019.
  20. Gefährlicher Flirt: Die Bremer AfD und der Höckeflügel, weser-kurier.de, 26. Januar 2019, abgerufen am 26. Januar 2019.
  21. Das Vokabular der Bremer AfD-Politiker, weser-kurier.de, 26. Januar 2019, abgerufen am 26. Januar 2019.
  22. Landesergebnis Bremen – Endgültiges Ergebnis der Bundestagswahl 2013 (Memento vom 3. Juni 2015 im Internet Archive), bundeswahlleiter.de, 22. September 2013.
  23. Alternative für Deutschland stellt sich in Bremerhaven vor (Memento vom 17. Juni 2015 im Internet Archive), alternativefuer-bremen.de, 7. Juni 2013.
  24. Ergebnis für das Land Bremen, die Wahlkreise 54 und 55 und die Städte Bremen und Bremerhaven, bremen.de, 24. September 2017 (PDF; 52,1 kB).
  25. Landesergebnis Bremen – Endgültiges Ergebnis der Europawahl 2014 (Memento vom 23. September 2015 im Internet Archive), bundeswahlleiter.de, 25. Mai 2014.
  26. Alle Ergebnisse und Sieger bei der Europawahl in Bremen, welt.de, 27. Mai 2019.
  27. Kandidat im Automat: Christian Schäfer (AfD) (Memento vom 9. Mai 2015 im Internet Archive), radiobremen.de, 27. April 2015, abgerufen am 30. April 2015.
  28. Reinhard Bingener: AfD gegen Wutbürger in Bremen: Protest aus Prinzip, faz.net, 26. April 2015.
  29. Bürgerschaftswahl 2015: Vorläufiges Ergebnis steht fest, bremen.de, 13. Mai 2015.
  30. Bremen sucht den Bürgermeister. nwzonline.de, 15. Mai 2015, abgerufen am 29. Dezember 2015.
  31. Wahlbereich Bremerhaven: Neuauszählung der Stimmen von AfD verlangt. (Memento vom 18. Mai 2015 im Internet Archive), radiobremen.de, 15. Mai 2015.
  32. Ralf Michel: AfD erhält zusätzliches Mandat in der Bürgerschaft, weser-kurier.de, 21. Dezember 2015.
  33. AfD lehnt Richter wegen Mitgliedschaft in SPD ab (Memento vom 25. März 2016 im Internet Archive), radiobremen.de, 10. März 2016.
  34. Fraktionen (Memento vom 2. September 2019 im Internet Archive), bremische-buergerschaft.de.
  35. Landesvorstand, afd-bremen.de, abgerufen am 9. September 2019.
  36. Kreisvorstand Bremerhaven, afd-bremerhaven.de, abgerufen am 19. September 2019.