African Queen

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Dieser Artikel behandelt den Film aus dem Jahr 1951. Für das 1955 gebaute Tankschiff siehe African Queen (Schiff).
Filmdaten
Deutscher Titel African Queen
Originaltitel The African Queen
Produktionsland Großbritannien
Originalsprache Englisch, Deutsch
Erscheinungsjahr 1951
Länge 105 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie John Huston
Drehbuch James Agee
John Huston
Peter Viertel
Produktion Sam Spiegel
John Woolf (ungenannt)
Musik Allan Gray
Kamera Jack Cardiff
Schnitt Ralph Kemplen
Besetzung

African Queen ist ein britischer Spielfilm aus dem Jahr 1951. Er wurde unter der Regie von John Huston nach der gleichnamigen Romanvorlage von C. S. Forester in Afrika gedreht.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film spielt während des Ersten Weltkriegs in Deutsch-Ostafrika. In einer kleinen Siedlung, weit entfernt von jeder Zivilisation, lebt und wirkt die sittenstrenge und etwas altjüngferliche Rose Sayer als Missionarin zusammen mit ihrem Bruder Pastor Samuel Sayer. Mit dem Nötigsten und mit Nachrichten versorgt wird die Siedlung von dem raubeinigen und verwahrlosten Kapitän Charlie Allnutt und seinem altersschwachen kleinen Dampfboot namens African Queen. Niemand erwartet, dass der Krieg große Auswirkungen auf die Siedlung haben könnte, sie wird aber durch deutsches Militär bei einer Strafexpedition völlig zerstört. Pastor Sayer fällt daraufhin in den Zustand geistiger Verwirrtheit und stirbt wenig später. Kapitän Allnutt sieht sich gezwungen, Rose auf seiner Reise weiter den Fluss hinunter mitzunehmen.

Das Zusammenleben dieser beiden unterschiedlichen Charaktere auf engstem Raum ist naturgemäß nicht einfach. Die spröde und strenge Rose macht Charlie das Leben schwer, zwingt ihn aus seiner Verwahrlosung heraus und schüttet eines Tages seine kompletten Vorräte an Gin über Bord. Sie zeigt aber auch unvermutete Stärke und Mut, mit dem sie langsam Charlie ansteckt und ihn aus seiner eher resignierten Haltung herausholt. Sie hat sich in den Kopf gesetzt, den Fluss ganz hinunterzufahren, obwohl dies als unmöglich gilt, und das im anschließenden See kreuzende deutsche Schiff Louisa zu versenken. Gemeinsam machen sich die beiden daran, diese Idee in die Tat umzusetzen. Sie haben sich inzwischen behutsam einander angenähert und sind nun ein Liebespaar.

Die Schwierigkeiten, mit denen die beiden unterwegs zu kämpfen haben, sind fast unüberwindlich. Eine deutsche Stellung, die sie unter Beschuss nimmt, als unpassierbar geltende Stromschnellen (hier wächst Rose über sich hinaus und steuert das Boot, während Charlie sich um die unzuverlässige Maschine kümmern muss) bis hin zu einem Labyrinth von seichten Verzweigungen in der Flussmündung voller Rohrbewuchs, Mücken und Blutegel, in denen Charlie das Schiff bis zur völligen Erschöpfung von Hand schleppen muss. Er findet keinen Ausweg aus dem Labyrinth, beide schlafen erschöpft und ohne Hoffnung ein. Nachts setzt starker Regen ein, der Wasserstand des Flusses steigt. Als die beiden aufwachen, bewegt sich das Boot von selbst in einer nun vorhandenen Strömung auf den See zu. In der Ferne sehen sie die „Louisa“ kreuzen.

Charlie leert daraufhin zwei an Bord befindliche Sauerstoffflaschen, befüllt sie mit Sprengstoff, den er ebenfalls an Bord hat, und baut so zwei „Torpedos“, die er am Bug der African Queen befestigt. Die Aufschlagzünder bastelt er aus etwas Holz, ein paar Nägeln und ein paar Patronen. Sie präparieren die African Queen, indem sie die „Torpedos“ durch Löcher im Bug schieben und scharf machen. In der Nacht ihres geplanten Angriffes herrscht auf dem See starker Sturm. Das Boot ist im Bug durch die Löcher so vollgelaufen, dass es nicht mehr zu steuern ist. Es beginnt zu sinken und kentert. Rose und Charlie klammern sich am Boot fest, plötzlich ist Rose verschwunden.

Charlie wird wenig später von deutschen Offizieren gefangengenommen, die ihn verhören und der Spionage verdächtigen. Dabei handelt sich um eine „Gerichtsverhandlung“, in der er schließlich zum Tode verurteilt wird, obwohl er behauptet, er sei nur als Angler auf der Insel gewesen, auf der man ihn aufgefunden hat. Plötzlich legt ein Beiboot an, und Rose wird ebenfalls an Bord gebracht. Charlie verleugnet sie zunächst. Rose will sich aber wenigstens die Genugtuung verschaffen, den Deutschen von ihrer beider Vorhaben zu erzählen. Ihr Bericht stößt auf Unglauben, denn der Fluss gilt als unbefahrbar und ihre Beschreibung der Torpedos klingt für die Deutschen auch nicht gerade überzeugend. Beide werden zum Tod durch den Strang verurteilt. Rose bittet darum, dass sie gleichzeitig mit Charlie gehängt wird. Der verwunderte Kapitän traut das Paar auf Charlies letzten Wunsch. Währenddessen sieht man in Zwischenschnitten die gekenterte African Queen mit ihren Torpedos auf der Oberfläche des Sees treiben und die Louisa darauf zusteuern. Gerade als die Seile langsam gestrafft werden, um die beiden zu hängen, erschüttert eine Explosion das Schiff, es gerät in Brand und sinkt sofort.

Rose und Charlie schwimmen unversehrt im See. Rose findet ein im Wasser treibendes Wrackstück aus dem Bug ihres Dampfbootes, auf dem „African Queen“ zu lesen ist. Den beiden wird klar, dass ihr Plan unerwartet doch noch aufgegangen ist.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Boot African Queen in Key Largo, Florida
Die Goetzen am Anleger in Kigoma (2003)
  • Die historische Expedition, welche die Grundlage für Foresters Roman bildete, wurde 1915 vom egozentrischen britischen Korvettenkapitän Geoffrey Basil Spicer Simson angeführt. Spicer Simson hatte den Auftrag, mit den beiden Motorbarkassen HMS Mimi und HMS Toutou die deutsche Vorherrschaft auf dem Tanganjikasee zu brechen. Diese Geschehnisse wurden von Giles Foden im Buch Die wahre Geschichte der African Queen zusammengefasst.
  • Als Vorbild für das Kanonenboot Louisa diente ein deutsches Schiff – die Goetzen, die auch heute noch im Einsatz ist. Im Film wird die Luisa vom britischen Schlepper Buganda dargestellt, die ebenfalls heute noch existiert und in Mwanza liegt.
  • Die originale African Queen hieß eigentlich S/L Livingstone und war bereits 1912 gebaut worden. Es war damals auf dem Albertsee sowie auf dem Weißen Nil im Einsatz. Da es sich bei der Livingstone eigentlich um ein Dieselschiff handelte, verdeckte man den Dieselmotor und fügte verschiedene Teile zum Schiff hinzu, damit es im Film wie ein Dampfschiff aussah.[1] Das Schiff kann man heute in Key Largo, Florida sehen, wo es als Touristen-Attraktion beliebt ist.
  • African Queen wurde teilweise vor Ort in Afrika gedreht: Die Außenaufnahmen fanden in Butiaba am Albertsee und im Murchison Falls National Park statt – fast 2.000 km vom Tanganjikasee, dem angeblichen Schauplatz, entfernt. Es war sehr aufwendig, vor Ort in Afrika mit den damals noch modernen Technicolor-Kameras zu drehen. Zudem musste die Filmcrew unter relativ spartanischen Verhältnissen hausen, selbst die Filmstars (neben Hepburn und Bogart auch Lauren Bacall, die ihren Ehemann Bogart auf die Reise nach Afrika begleitete). Andere Szenen, insbesondere die gefährlichen, wurden wegen der Sicherheit und technischen Umsetzbarkeit allerdings in britischen Filmstudios gedreht.
  • Während der Dreharbeiten zu dem Film in Uganda wurde das Filmteam durch die britische Kolonialverwaltung auch mit Trinkwasser versorgt. Aufgrund von Magenbeschwerden und Durchfall wurde der Krankenstand der Filmcrew so groß, dass die Dreharbeiten des Films für mehr als zehn Tage ausgesetzt werden mussten. Die Produktionsfirma ermittelte aufgrund dieser zehn Tage Mehrkosten in Höhe von fast 25.000 britischen Pfund für die Filmcrew. Weiterhin sollte die Produktionsfirma in den zehn Tagen der Verwaltung einen Betrag in Höhe von rund 4.000 britischen Pfund für verschiedene Dienste wie der Umwandlung eines Schiffes zur „African Queen“ sowie der Vermietung weiterer Schiffe, Hafenanlagen und für Verpflegung bezahlen. Die Produktionsfirma verweigerte die Zahlung und forderte im Gegenzug von der Verwaltung die 25.000 britische Pfund als Schadensersatz. Ihrer Meinung nach waren die Magenbeschwerden und der Durchfall auf unreines Wasser zurückzuführen, das ihren Mitarbeitern von der Verwaltung geliefert wurde. Die Verwaltung lehnte eine Haftung ab und wies darauf hin, dass es für Neuankömmlinge in den Tropen nicht ungewöhnlich sei, an Magenbeschwerden zu leiden, wenn sie eisgekühlte Getränke trinken und sich nach der Arbeit von Ventilatoren kühlen lassen würden. Diese Tendenz werde noch verschärft, wenn, wie im vorliegenden Fall, viele Stunden gearbeitet werde. Die Parteien zogen in Großbritannien vor Gericht, aber die Produktionsfirma verlor und musste letztlich ihre Mehrkosten selbst tragen und die 4.000 britischen Pfund an die Kolonialverwaltung bezahlen.[2] Humphrey Bogart und Regisseur John Huston blieben nach Bogarts Angaben als einzige Mitglieder der Filmcrew gesund, was er vor allem darauf zurückführte, dass beide nur Whiskey tranken.[3]
  • Das Original-Drehbuch sah einen britischen Cockney-Akzent für Bogarts Rolle vor, doch dies wurde fallengelassen, als er damit nicht zurechtkam.[4] Eine andere sprachliche Ungewöhnlichkeit entstand durch die Besetzung des britischen Schauspielers Peter Bull als deutscher Schiffskapitän: Da Bull kein Wort Deutsch sprechen konnte, mussten seine deutschen Sätze in der englischen Originalfassung vom deutschen Schauspieler Walter Rilla nachgesprochen werden.[5]
  • Die zum Teil chaotischen Dreharbeiten, die darunter litten, dass John Huston lieber auf Elefantenjagd ging als zu arbeiten, waren Vorbild für den Spielfilm Weißer Jäger, schwarzes Herz von Clint Eastwood. Hepburn beschrieb in ihrer Autobiografie, wie sie Huston einmal zur Jagd begleitete und beide nur knapp mit ihrem Leben davonkamen, weil sie sich plötzlich lauter gefährlichen Tieren gegenübersahen.[6]

Deutsche Synchronfassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erst sieben Jahre nach der Uraufführung wurde der Film in deutschen Kinos gestartet. Das Dialogbuch verfasste Harald G. Petersson, für die Dialogregie war Alfred Vohrer zuständig. Allerdings wurden einzelne Einstellungen geschnitten, die man damals als „deutschfeindlich“[7] ansah. Lange Zeit wurde in Deutschland nur die gekürzte Fassung gezeigt. Bis heute fehlt in Fernsehausstrahlungen meist die Einstellung, in der Pastor Sayer von einem deutschen Soldaten niedergeschlagen wird, als er sich gegen das Abbrennen seiner Kirche wehren will.

Rolle Schauspieler Deutsche Synchronstimme
Rose Sayer Katharine Hepburn Edith Schneider
Charlie Allnut Humphrey Bogart Wolfgang Lukschy
Reverend Samuel Sayer Robert Morley Erich Fiedler
Kapitän der 'Louisa' Peter Bull Curt Ackermann
Erster Offizier der 'Louisa' Theodore Bikel Gert Günther Hoffmann
Zweiter Offizier der 'Louisa' Walter Gotell Peter Elsholtz

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Die vorzügliche Verfilmung von Foresters satirischem Roman hat durch späte Ausmerzung von ‚Antideutschem‘ unnötig gelitten. Dennoch sehenswert.“

6000 Filme. Kritische Notizen aus den Kinojahren 1945 bis 1958. Handbuch V der katholischen Filmkritik, 3. Auflage, Verlag Haus Altenberg, Düsseldorf 1963, S. 14–15.

„Huston ‚tauchte‘ die Hepburn und Bogart in einen farbenfrohen afrikanischen Regenwald mit allem Drum und Dran, sprich mit aller Schönheit und Gefahr, und schuf ein Meisterwerk der Filmkunst, in dem er ein ausgewogenes Maß an Tragik, Romanze und Komödie fand, das an Spannung nie verliert und zudem von humorvollen und intelligenten Dialogen lebt.“

– Filmzentrale.com

„Einer der schönsten Abenteuerfilme der fünfziger Jahre.“

Frankfurter Rundschau, Frankfurt am Main

„Tee contra Gin lautet die Parole in diesem subtilen Geschlechterkampf im Dschungel Afrikas, in dem Bogart seinen eigenen Mythos persifliert […].“

Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz: Lexikon „Filme im Fernsehen“ (Erweiterte Neuausgabe). Rasch und Röhring, Hamburg 1990, ISBN 3-89136-392-3, S. 23 (Wertung: 3½ Sterne bzw. „außergewöhnlich“).

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen vom American Film Institute:

  • 1998: Platz 17 der 100 besten Filme aller Zeiten, 2007: Platz 65
  • Platz 14 der 100 besten Liebesfilme aller Zeiten
  • Rang 48 der 100 am meisten inspirierenden Filme aller Zeiten

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • C. S. Forester: Die „African Queen“. OT: The African Queen. Ullstein, Berlin 1999, ISBN 3-548-24620-6.
  • Katharine Hepburn: African Queen oder Wie ich mit Bogart, Bacall und Huston nach Afrika fuhr und beinahe den Verstand verlor. OT: The Making of The African Queen Or How I Went to Africa With Bogart, Bacall and Huston and Almost Lost My Mind. Heyne, München 1992, ISBN 3-453-05257-9.
  • Giles Foden: Die wahre Geschichte der African Queen. OT: Mimi and Toutou Go Forth. Fischer, Frankfurt a. M. 2006, ISBN 3-596-16837-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: African Queen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. IMDb Trivia
  2. Staff Magazine Vol. 1–4, March 1953 S. 6. (PDF; 29,5 MB)
  3. African Queen – Trivia
  4. African Queen – Trivia
  5. Peter Bull bei der Internet Movie Database
  6. African Queen – Trivia
  7. Film-Kurier Nr. 58 (1959), S. 18.