Afrikanisches Palmenhörnchen

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Afrikanisches Palmenhörnchen
Afrikanisches Palmenhörnchen

Afrikanisches Palmenhörnchen

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)
Tribus: Protoxerini
Gattung: Afrikanische Palmenhörnchen
Art: Afrikanisches Palmenhörnchen
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Epixerus
Thomas, 1909
Wissenschaftlicher Name der Art
Epixerus ebii
(Temminck, 1853)

Das Afrikanische Palmenhörnchen (Epixerus ebii), auch Großes Rotschenkelhörnchen genannt, ist eine Art aus der Familie der Hörnchen und die einzige Art der Gattung Epixerus. Es lebt in mehreren voneinander getrennten Gebieten Westafrikas.

Merkmale[Bearbeiten]

Das Afrikanische Palmenhörnchen ist eine vergleichsweise große Art unter den afrikanischen Hörnchenvertretern. Die Kopf-Rumpf-Länge der Tiere beträgt etwa 27 bis 30 Zentimeter, der Schwanz erreicht mit 28 bis 30 Zentimetern eine nahezu identische Länge. Das Gewicht beträgt etwa 400 bis 650 Gramm, wobei die Männchen schwerer als die Weibchen sind. Die Gestalt ist schlank mit langen Beinen und einem langen, buschigen Schwanz. Die Hinterfüße sind mit einer Länge von etwa 55 Millimetern auffällig groß, die Ohrlänge beträgt 20 bis 22 Millimeter.[1][2]

Die Tiere haben ein kurzes Fell und eine rötlich-braune Grundfärbung mit schwarzen und gelblichen Einsprenkelungen am Rücken und einer weißen Fleckung an der Kehle, die Bauchseite ist heller und rot-gelb gefärbt. An den Körperseiten befinden sich keine Streifen und die Bauchfärbung ist gegenüber der Rückenfärbung scharf abgegrenzt. Der buschige graue Schwanz besitzt an der Oberseite schwarze und blassgraue Streifen und an der Unterseite ein auffälliges Muster aus roten, schwarzen und weißen bis grauen Barren. Der Schwanz wird horizontal oder herabhängend getragen und nie aufgerollt über dem Rücken. Der Kopf ist kurz und breit mit einer sehr prominent ausgebildeten Kaumuskulatur. Die Augen sind groß, die Ohren ebenfalls. Sie reichen über die Stirn hinaus und sind weitgehend unbehaart. Die Weibchen haben acht bis zehn Paar Zitzen.[1][2]

Verwechslungen mit dem Gemeinen Ölpalmenhörnchen (Protoxerus stangeri) kommen vor.[1] Die rein baumlebende Art ist allerdings etwas größer und gedrungener und in der Färbung mehr grau, zudem sind die Ohren kürzer und reichen nicht über die Stirn hinaus.[2]

1 · 0 · 1 · 3  = 20
1 · 0 · 1 · 3
Zahnformel des Afrikanischen Palmenhörnchens

Abweichende Merkmale finden sich auch im vergleichsweise langen Schädel, der mehr als 65 Millimeter misst und einige exklusive Merkmale aufweist. Der knöcherne Gaumen reicht deutlich bis hinter die hinteren Molaren und das Verhältnis der Länge des Gaumenbeins zum Augenabstand (interorbitale Breite) beträgt 56 bis 65 %. Die Tiere besitzen im Oberkiefer und im Unterkiefer pro Hälfte einen zu einem Nagezahn ausgebildeten Schneidezahn (Incisivus), dem eine Zahnlücke (Diastema) folgt. Hierauf folgen ein Prämolar und drei Molare. Insgesamt verfügen die Tiere damit über ein Gebiss aus 20 Zähnen.[3]

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten]

Das Afrikanisches Palmenhörnchen kommt in Teilen Westafrikas vor, wobei es in drei voneinander getrennten Gebieten lebt, deren jeweilige Populationen eigene Unterarten bilden. Die Nominatform E. ebii ebii lebt in der Elfenbeinküste und in Ghana westlich des Voltabeckens, die Unterart E. ebii jonesi westlich davon in Sierra Leone, wo es nur am Bintamane und im Gola-Wald nachgewiesen ist, sowie in Liberia. Davon getrennt kommt E. ebii wilsoni in Kamerun südlich des Sanaga, in Äquatorialguinea und Gabun sowie in einem davon separierten Gebiet in der Republik Kongo vor.[1][2][4]

Lebensweise[Bearbeiten]

Das Afrikanische Palmenhörnchen lebt vor allem in immergrünen Regenwaldgebieten und hält sich im Unterwuchs, häufig im Geäst von Bambuspalmen (Gattung Raphia) und ähnlichen Pflanzen auf. In Liberia leben die Tiere in nassen und feuchten immergrünen und laubwerfenden Wäldern, in Sierra Leona kommen sie zudem in Bergwäldern bis knapp über 1000 Metern Höhe vor.[1] Die Hörnchen sind tagaktiv, weisen jedoch nur eine sehr kurze Aktivitätsphase auf. Sie leben zudem allein (solitär) und sehr versteckt im Geäst des Unterholzes, wodurch sie nur schwer zu finden und zu beobachten sind. Die Reviergröße erwachsener männlicher Tiere beträgt etwa 22 Hektar, bei Weibchen etwa 14 Hektar.[1]

Steinkern von Panda oleosa

Die Tiere bauen ihre Nester in Baumhöhlen mit einem engen Eingang. Sie verlassen den Bau am Morgen und kehren am Nachmittag zurück. Sie finden ihre Nahrung vor allem am Boden, wo sie selektiv nach Insekten, Samen und herabgefallenen Früchten suchen. Zum Fressen halten sie sich in 0,5 bis 1,5 Metern über dem Boden auf im Unterholz versteckt. In Gabun werden die harten Nüsse von Panda oleosa bevorzugt, wobei die Tiere ältere Nüsse spalten und jüngere Nüsse aufnagen, um an den Kern zu kommen. In Regionen, in denen die Nüsse vorkommen, können Fressplätze der Hörnchen anhand der Schalen sehr gut identifiziert werden. Zudem horten die Hörnchen die Nüsse im Abstand von mehr als 20 Metern vom Ursprungsbaum und tragen so auch zur Verbreitung der Art bei.[1] Bei Bedrohung klettern die Tiere in das Geäst und suchen sich einen Ast, auf dem sie mit herabhängendem Schwanz Ausschau nach der potenziellen Gefahr halten. Die Tiere stoßen bei Bedrohung stakkatoartige Töne aus, die von einem leisen Aufeinanderschlagen der Schneidezähne bei potenzieller Bedrohung bis zu hohen Rufen bei akuter Bedrohung reichen können.[1]

Die Fortpflanzung der Tiere ist nur wenig erforscht und es gibt nur einen dokumentierten Wurf von zwei Jungtieren in einem Nest.[1][2]

Systematik[Bearbeiten]

Das Afrikanisches Palmenhörnchen wird als einzige Art innerhalb der Gattung der Afrikanischen Palmenhörnchen (Epixerus) eingeordnet.[5] Die wissenschaftliche Erstbeschreibung stammt von Coenraad Jacob Temminck als Sciurus ebii aus dem Jahr 1853, der die Art anhand von Individuen aus Ghana beschrieb.[6][5] 1909 beschrieb Oldfield Thomas die Gattung Epixerus mit der Typusart Sciurus wilsoni Du Chaillu, 1860,[7][3] heute ein Synomym für Epixerus ebii.[2] Paul Belloni Du Chaillu, der als Afrikareisender weltbekannt wurde, hatte Sciurus wilsoni gemeinsam mit anderen Tierarten aus Äquatorial-Afrika 1860 in einem Brief mit dem Titel The President in the Chair beschrieben, der 1866 veröffentlicht wurde.[8] Thomas grenzte die beiden damals bekannten Arten E. ebii und E. wilsoni gegenüber Protoxerus und Funisciurus aufgrund der Eigenschaften des Jochbogens und der Zahnskulptur ab.[7]

Innerhalb der Art werden gemeinsam mit der Nominatform drei Unterarten unterschieden:[1][3]

  • Epixerus ebii ebii: Nominatform; in Elfenbeinküste und in Ghana westlich des Voltabeckens. Die Unterart hat einen rötlichbraunen Kopf und eine braune Rückenpartie.
  • Epixerus ebii jonesi: In Sierra Leone und Liberia. Der Kopf und der Rücken sind rot gefärbt.
  • Epixerus ebii wilsoni: In Kamerun südlich des Sanaga, Äquatorialguinea und Gabun sowie in einem davon separierten Gebiet in der Republik Kongo. Der Kopf und der Rücken sind gedeckt rötlich.

Epixerus ebii wilsoni wurde in der Vergangenheit als eigene Art unter dem Namen Biafra-Palmenhörnchen oder Wilson-Palmenhörnchen (Epixerus wilsoni (Du Chaillu 1860) betrachtet, darin wird in dem Fall neben der Nominatform eine weitere Unterart Epixerus wilsoni mayumbicus beschrieben.[3] Epixerus ebii jonesi wurde 1954 von Robert William Hayman als neue Unterart aus Sierra Leone beschrieben und nach dem Sammler T.S. Jones benannt,[9] 1964 wurde diese Unterart auch aus Libera bestätigt.[10]

Gefährdung und Schutzmaßnahmen[Bearbeiten]

Obwohl die Bestandszahlen und die Entwicklung der Gesamtpopulation dieser Art bisher nicht ausreichend bekannt sind, wird sie bis auf Weiteres von der IUCN als ungefährdet (Least Concern) eingestuft. Begründet wird dies mit der vergleichsweise weiten Verbreitung und den angenommenen großen Populationen.[4] Die Tiere sind nicht häufig und werden nur selten angetroffen, in Museen sind nur wenige konservierte Exemplare vorhanden und sichere Sichtungen sind nur punktuell von einzelnen Gebieten bekannt.[4] Lokal wird die Art von den Einheimischen in Netzen gefangen.[2]

Belege[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j Richard W. Thorington Jr., John L. Koprowski, Michael A. Steele: Squirrels of the World. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD 2012; S. 211–212. ISBN 978-1-4214-0469-1
  2. a b c d e f g Louise H. Emmons: Epixerus ebii - Western Palm Squirrel. In: Jonathan Kingdon, David Happold, Michael Hoffmann, Thomas Butynski, Meredith Happold und Jan Kalina (Hrsg.): Mammals of Africa Volume III. Rodents, Hares and Rabbits. Bloomsbury, London 2013, S. 44; ISBN 978-1-4081-2253-2.
  3. a b c d Louise H. Emmons: Genus Exixerus – Western Palm Squirrel In: Jonathan Kingdon, David Happold, Michael Hoffmann, Thomas Butynski, Meredith Happold und Jan Kalina (Hrsg.): Mammals of Africa Volume III. Rodents, Hares and Rabbits. Bloomsbury, London 2013, S. 45–46; ISBN 978-1-4081-2253-2.
  4. a b c Epixerus ebii in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2015.1. Eingestellt von: P. Grubb, 2008. Abgerufen am 24. August 2015
  5. a b Epixerus ebii. In: Don E. Wilson, DeeAnn M. Reeder (Hrsg.): Mammal Species of the World. A taxonomic and geographic Reference. 2 Bände. 3. Auflage. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD 2005, ISBN 0-8018-8221-4.
  6. Coenraad Jacob Temminck: Esquisses Zoologiques Sur la Côte de Guiné le Partie, les Mammifères. E.J. Brill, Leiden 1853; S. 129. (Digitalisat)
  7. a b Oldfield Thomas: The Generic Arrangement of the African Squirrels. The Annals and magazine of natural history, series 8 (3) 1909; S. 467-475; Erstbeschreibung von Epixerus auf S. 472. (Digitalisat)
  8. Paul Belloni Du Chaillu: The President in the Chair. Proceedings of the Boston Society of Natural History Vol. 7, 1866; S. 358–364. (Reprint Forgotten Books, 2013); Erstbeschreibung von Sciurus wilsoni auf S. 364.
  9. Robert William Hayman: IV.—A new west African squirrel. Annals and Magazine of Natural History: Series 12, Volume 7 (73), 1954; S. 16. doi:10.1080/00222935408651686
  10. Hans-Jürg Kuhn: Epixerus ebii jonesi in Liberia. Bonner zoologische Beiträge, Heft 3/4, 1964. (Volltext)

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard W. Thorington Jr., John L. Koprowski, Michael A. Steele: Squirrels of the World. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD 2012; S. 211–212. ISBN 978-1-4214-0469-1
  • Louise H. Emmons: Genus Exixerus – Western Palm Squirrel und Epixerus ebii – Western Palm Squirrel. In: Jonathan Kingdon, David Happold, Michael Hoffmann, Thomas Butynski, Meredith Happold und Jan Kalina (Hrsg.): Mammals of Africa Volume III. Rodents, Hares and Rabbits. Bloomsbury, London 2013, S. 44–46; ISBN 978-1-4081-2253-2.
  • Epixerus Thomas, 1909 (Western Palm Squirrels). In: Ara Monadjem, Peter J. Taylor, Christiane Denys, Fenton P.D. Cotterill: Rodents of Sub-Saharan Africa. A biogeographic and taxonomic synthesis. De Gruyter, Berlin, Boston 2015; S. 66–70. ISBN 978-3-11-030191-5 (abgerufen über De Gruyter Online).

Weblinks[Bearbeiten]