Agapios (Neuplatoniker)

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Agapios (griechisch Ἀγάπιος Agápios; * um 460; † nach 511) war ein spätantiker griechischer Philosoph und Philologe. Er genoss als vielseitiger Gelehrter hohes Ansehen. Über seine Lehre ist nichts überliefert, von seinen Werken ist nichts erhalten geblieben.

Identitätsfrage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der älteren Fachliteratur wurden – wie schon in der Suda – zwei Gelehrte namens Agapios unterschieden, ein Philosoph und Philologe aus Athen („Agapios von Athen“) und ein Arzt aus Alexandria („Agapios von Alexandria“). Diese Unterscheidung hat weiterhin Befürworter,[1] doch in der neueren Forschung scheint sich die Auffassung durchzusetzen, dass es sich um dieselbe Person handelt.[2]

Nach einer Hypothese von Paul Tannery ist Agapios möglicherweise mit einem Philosophen und Mathematiker identisch, der in einem mittelalterlichen Kommentar zu den Elementen Euklids in arabischer Sprache Aġānīs genannt wird. Der Verfasser dieses Werks, der im späten 9. Jahrhundert in Bagdad tätige persische Mathematiker an-Nayrīzī, zitierte einen heute verlorenen, dem spätantiken Gelehrten Simplikios zugeschriebenen Euklid-Kommentar, in dem Aġānīs mehrmals erwähnt wurde.[3]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Agapios wurde wohl um 460 geboren. Falls er mit dem Arzt gleichzusetzen ist, stammte er aus Alexandria und begann dort seine Ausbildung. Unzweifelhaft ist, dass er in die neuplatonische Philosophenschule von Athen eintrat. Diese stand damals noch unter der Leitung des berühmten, bereits betagten Philosophen Proklos. Darauf nahm der zeitgenössische ägyptische Dichter Christodoros Bezug; er rühmte Agapios in dem verlorenen Gedicht Über die Hörer des großen Proklos, aus dem nur ein einziger Vers durch ein Zitat überliefert ist. In diesem Vers bezeichnete Christodoros Agapios als den (zeitlich) letzten, aber (dem Rang nach) ersten unter den Schülern des Proklos.[4]

Nach dem Tod des Proklos im Jahr 485 besuchte Agapios den Unterricht von dessen Nachfolger Marinos. Unter Kaiser Zenon (474–491) wurde er zusammen mit anderen Philosophen verhaftet. Dies geschah im Rahmen einer staatlichen Verfolgung der paganen Denker, zu denen er zählte.[5]

Falls der Philosoph Agapios mit dem gleichnamigen Arzt identisch ist, ging er später nach Konstantinopel und gründete dort eine eigene, sehr erfolgreiche Schule. Die Kompetenz des Arztes machte ihn berühmt und verschaffte ihm ein beträchtliches Einkommen.[6]

Die letzte Nachricht über Agapios stammt aus dem Werk De magistratibus des Johannes Lydos. Dieser berichtet dort, dass er als Einundzwanzigjähriger im Jahr 511 am Unterricht des Agapios über die Lehren Platons und des Aristoteles teilnahm.[7]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hauptquelle sind einige erhaltene Fragmente aus der heute großenteils verlorenen, zwischen 517 und 526 verfassten Philosophischen Geschichte des Damaskios, des letzten Leiters der neuplatonischen Philosophenschule in Athen. Damaskios schätzte Agapios sehr. Er zählte ihn zu den drei besten zeitgenössischen Literaturkritiker, die er kannte, und rühmte seine Gelehrsamkeit, die ihm auch in Alexandria und Konstantinopel Anerkennung eingebracht habe.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jacob Freudenthal: Agapios 3. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band I,1, Stuttgart 1893, Sp. 735 (veralteter Forschungsstand).
  • Richard Goulet: Agapius d'Athènes. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques. Band 1, CNRS, Paris 1989, ISBN 2-222-04042-6, S. 63
  • Jacques Schamp: Biographie de l'écrivain. V. Agapios. In: Michel Dubuisson, Jacques Schamp (Hrsg.): Jean le Lydien: Des magistratures de l'état romain. Band 1, Teil 1, Les Belles Lettres, Paris 2006, ISBN 978-2-251-00533-1, S. XXI–XXVII
  • Elżbieta Szabat: Agapios. In: Paweł Janiszewski, Krystyna Stebnicka, Elżbieta Szabat: Prosopography of Greek Rhetors and Sophists of the Roman Empire. Oxford University Press, Oxford 2015, ISBN 978-0-19-871340-1, S. 6 f.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Henri Dominique Saffrey, Alain-Philippe Segonds (Hrsg.): Marinus: Proclus ou Sur le bonheur, Paris 2001, S. XXII f. Anm. 3; Jacques Schamp: Biographie de l'écrivain. V. Agapios. In: Michel Dubuisson, Jacques Schamp (Hrsg.): Jean le Lydien: Des magistratures de l'état romain, Bd. 1, Teil 1, Paris 2006, S. XXII Anm. 38 und S. XXIV f. Anm. 45.
  2. Polymnia Athanassiadi (Hrsg.): Damascius: The Philosophical History, Athen 1999, S. 257 Anm. 278; Elżbieta Szabat: Agapios. In: Paweł Janiszewski, Krystyna Stebnicka, Elżbieta Szabat: Prosopography of Greek Rhetors and Sophists of the Roman Empire, Oxford 2015, S. 6 f.
  3. Siehe dazu Richard Goulet, Maroun Aouad: Aġānīs. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques, Bd. 1, Paris 1989, S. 60–62.
  4. Jacques Schamp: Biographie de l'écrivain. V. Agapios. In: Michel Dubuisson, Jacques Schamp (Hrsg.): Jean le Lydien: Des magistratures de l'état romain, Bd. 1, Teil 1, Paris 2006, S. XXVI und Anm. 48; Polymnia Athanassiadi (Hrsg.): Damascius: The Philosophical History, Athen 1999, S. 257 Anm. 278.
  5. Jacques Schamp: Biographie de l'écrivain. V. Agapios. In: Michel Dubuisson, Jacques Schamp (Hrsg.): Jean le Lydien: Des magistratures de l'état romain, Bd. 1, Teil 1, Paris 2006, S. XXII.
  6. Polymnia Athanassiadi (Hrsg.): Damascius: The Philosophical History, Athen 1999, S. 257 und Anm. 278.
  7. Henri Dominique Saffrey, Alain-Philippe Segonds (Hrsg.): Marinus: Proclus ou Sur le bonheur, Paris 2001, S. XXII f. Anm. 3.
  8. Jacques Schamp: Biographie de l'écrivain. V. Agapios. In: Michel Dubuisson, Jacques Schamp (Hrsg.): Jean le Lydien: Des magistratures de l'état romain, Bd. 1, Teil 1, Paris 2006, S. XXII–XXIV.