Agnès Callamard

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Agnès Callamard, 2019.

Agnès S. Callamard (geboren 1964)[1][2] ist eine französische Menschenrechtsexpertin. Seit 2013 leitet sie als Direktorin das Projekt Global Freedom of Expression an der Columbia University in New York City. Von 2016 bis 2021 war sie auch Sonderberichterstatterin für außergerichtliche, standrechtliche oder willkürliche Hinrichtungen im Amt des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte. Seit Ende März 2021 ist sie Generalsekretärin in der Londoner Zentrale von Amnesty International (AI).[3]

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Agnès Callamard graduierte 1985 am Institut d’études politiques de Grenoble und erwarb einen Master in International and African Studies an der Howard University in Washington, D.C. Sie wurde in Politikwissenschaften an der New School for Social Research in New York promoviert.[4] Von 1995 bis 2001 war sie Kabinettsdirektorin des Generalsekretärs von Amnesty International und leitete als Koordinatorin für Forschungspolitik die Arbeit von Amnesty im Bereich der Frauenrechte. Im Jahr 2001 gründete sie HAP International (Humanitarian Accountability Partnership)[5], eine Organisation, die sie bis 2004 leitete. Es handelte sich um die erste internationale Selbstregulierungsbehörde für humanitäre Organisationen, die sich für die Stärkung der Rechenschaftspflicht gegenüber von Katastrophen betroffenen Bevölkerungsgruppen einsetzt.[6] Callamard leitete Feldversuche in Afghanistan, Kambodscha und Sierra Leone[7]. Von 2004 bis 2013 war Callamard Executive Director von Article 19, einer britischen Menschenrechtsorganisation für das Recht auf freie Meinungsäußerung.

Sie gilt als Expertin in Menschenrechtsfragen, insbesondere in den Bereichen freie Meinungsäußerung, Geschlechtersensibilität und extralegale Hinrichtungen. Sie führte in Afrika, Asien und im Nahen Osten Menschenrechtsuntersuchungen durch. Ihre Publikationsliste umfasst auch Beiträge zu Frauenrechten, zu Flüchtlingsbewegungen und globaler Verantwortlichkeit. Sie arbeitete im Bereich der internationalen Flüchtlingsbewegungen mit dem Centre for Refugee Studies in Toronto zusammen.[8] Seit November 2013 ist Callamard Direktorin des Global-Freedom-of-Expression-Projekts der Columbia University in New York City.

Von 2016 bis 2021 war sie – als Nachfolgerin des Südafrikaners Christof Heyns – Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen für Hinrichtungen.[9] Nach dem Mord an dem saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi im Konsulat seines Heimatlandes in Istanbul begann Callamard mit Untersuchungen dazu in der Türkei.[10] Callamard initiierte die Untersuchung und präsentierte den Bericht im Juni 2019[11] zum Khashoggi-Mord und erklärte darin „glaubhafte Hinweise“ für eine mögliche persönliche Verantwortung des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman für die Ermordung Khashoggis. Sie empfahl eine Untersuchung gegen Kronprinz Salman.[12]

Callamard warnte vor einer Auslieferung des australischen WikiLeaks-Gründers Julian Assange an die USA, die eine „ernsthafte Bedrohung für ihn persönlich und für unsere Freiheit darstellt, die wir normalerweise hochhalten, so wie die Pressefreiheit, Meinungsfreiheit und Informationsfreiheit“.[13]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Aristide R. Zolberg: The École Libre at the New School, 1941–1946. In: Social Research. Band 65, Nr. 4, 1998, S. 921–951.
  • NGO Accountability and the Humanitarian Accountability Partnership, in: Lisa Jordan, Peter van Tuijl (Hrsg.): NGO Accountability: Politics, Principles and Innovations, Earthscan, London 2006, ISBN 9781844073672
  • "Protect the believers, not the belief, in: The Guardian (London), 18. März 2009
  • Monitoring and Investigating Torture, Cruel, Inhuman or Degrading Treatment, and Prison Conditions, Amnesty International Dutch Section; Codesria (2000), Dakar: Council for the Development of Social Science Research in Africa. ISBN 978-2-869-78088-0
  • "Comity for Internet? Recent Court Decisions on the Right to be De-indexed". in: The National Law Review, 12. August 2015
  • "Are courts re-inventing Internet regulation?", in: International Review of Law, Computers & Technology: 1–17, 23. März 2017

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. "Ghislaine Dupont et Claude Verlon, Jamal Khashoggi… Agnès Callamard, une intraitable enquêtrice à l’ONU" lemonde.fr vom 17. Juli 2020, abgerufen am 9. August 2020
  2. Pressemitteilung von Amnesty International, vom 29. März 2021
  3. das portrait: Agnes Callamard ärgert Diktatoren und führt Amnesty International. In: Die Tageszeitung: taz. 29. März 2021, ISSN 0931-9085, S. 2 (taz.de [abgerufen am 29. März 2021]).
  4. Composed Callamard keeps cool considering cascade of criticism, abgerufen am 28. Januar 2019/
  5. Agnes Callamard: NGO Accountability and the Humanitarian Accountability Partnership, in: Lisa Jordan, Peter van Tuijl (Hrsg.): NGO Accountability: Politics, Principles and Innovations, Earthscan London 2006, ISBN 9781844073672, S. 183
  6. HAP International, abgerufen am 28. Januar 2019
  7. William Horskey: Pressing for freedom: 20 years of World Press Freedom Day, UNESCO 2013, ISBN 978-9230011628, S. 42
  8. Agnes S. Callamard auf der Seite des Columbia Global Centers, abgerufen am 28. Januar 2019
  9. UN experts urge the Philippines to stop unlawful killings of people suspected of drug-related offences, abgerufen am 28. Januar 2019
  10. ORF: UNO-Berichterstatterin untersucht Ermordung Khashoggis, abgerufen am 28. Januar 2019
  11. Khashoggi killing: UN human rights expert says Saudi Arabia is responsible for “premeditated execution”. UNHCR, 19. Juni 2019, abgerufen am 20. Juni 2019.
  12. Christoph Sydow: Jamal Khashoggi: Uno-Bericht liefert grausame Details zum Mord im Konsulat. In: Spiegel Online. 19. Juni 2019, abgerufen am 16. Mai 2020.
  13. Stop the political persecution of Julian Assange. In: Assange Defense. Abgerufen am 2. April 2021 (amerikanisches Englisch).