Agnès Callamard

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Agnès Callamard

Agnès Callamard ist eine französische Menschenrechtsexpertin. Seit 2013 leitet sie als Direktorin das Projekt Global Freedom of Expression an der Columbia University in New York City. Seit 2016 fungiert sie auch als Sonderberichterstatterin für außergerichtliche, standrechtliche oder willkürliche Hinrichtungen im Amt des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Callamard graduierte am Institut d’études politiques de Grenoble und erwarb einen Master in International and African Studies an der Howard University in Washington, D.C. Sie promovierte in Politikwissenschaften an der New School for Social Research in New York.[1] Von 1995 bis 2001 war sie Kabinettsdirektorin des Generalsekretärs von Amnesty International und leitete als Koordinator für Forschungspolitik die Arbeit von Amnesty im Bereich der Frauenrechte. Im Jahr 2001 gründete sie HAP International (Humanitarian Accountability Partnership)[2], eine Organisation, die sie bis 2004 leitete. Es handelte sich um die erste internationale Selbstregulierungsbehörde für humanitäre Organisationen, die sich für die Stärkung der Rechenschaftspflicht gegenüber von Katastrophen betroffenen Bevölkerungsgruppen einsetzt.[3] Callamard leitete Feldversuche in Afghanistan, Kambodscha und Sierra Leone[4]. Von 2004 bis 2013 war Callamard Executive Director von Article 19, einer britischen Menschenrechtsorganisation für das Recht auf freie Meinungsäußerung.

Sie gilt als Expertin in Menschenrechtsfragen, insbesondere in den Bereichen freie Meinungsäußerung, Geschlechtersensibilität und extralegale Hinrichtungen. Sie hat in mehreren Ländern Afrikas, Asiens und im Nahen Osten Menschenrechtsuntersuchungen durchgeführt. Ihre Publikationsliste umfasst auch Beiträge zu den Frauenrechten, zu Flüchtlingsbewegungen und globaler Verantwortlichkeit. Sie arbeitete im Bereich der internationalen Flüchtlingsbewegungen intensiv mit dem Centre for Refugee Studies in Toronto zusammen.[5] Seit November 2013 ist Callamard Direktorin des Global Freedom of Expression-Projekts der Columbia University in New York City.

Seit 2016 ist sie – als Nachfolgerin des Südafrikaners Christof Heyns – Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen für Hinrichtungen.[6] Ein Auftritt bei einer Konferenz auf den Philippinen im Mai 2017, bei welchem sie die Drogenpolitik der dortigen Regierung kritisierte, führte zu Vandalismus gegen ihren Wikipedia-Eintrag.[7]

Knapp vier Monate nach dem Mord an dem saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi im Konsulat seines Heimatlandes in Istanbul begann Callamard mit Untersuchungen in der Türkei und sammelte Informationen über die Umstände der Ermordung.[8] Ein saudisches Tötungskommando hatte den regierungskritischen Journalisten, der im Exil in den USA lebte, Anfang Oktober 2018 ermordet. Khashoggi, Kolumnist der Washington Post, wollte im Konsulat Dokumente für seine Hochzeit abholen. Erst nach massivem internationalen Druck räumte die Regierung in Riad den Mord ein, versucht aber nach wie vor die Verantwortung zu minimieren. Seit Januar 2019 stehen in Riad elf Verdächtige vor Gericht. Callamard initiierte selbst die Untersuchung und berichtet dem UN-Menschenrechtsrat in Genf. Juni 2019 präsentierte sie den Uno-Bericht[9] zum Khashoggi-Mord im und erklärte darin "glaubhafte Hinweise" für eine mögliche persönliche Verantwortung des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman für die Ermordung Khashoggis. Sie empfahl eine Untersuchung gegen Kronprinz Salman.[10]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • NGO Accountability and the Humanitarian Accountability Partnership, in: Lisa Jordan, Peter van Tuijl (Hrsg): NGO Accountability: Politics, Principles and Innovations, Earthscan, London 2006, ISBN 9781844073672
  • "Protect the believers, not the belief, in: The Guardian (London), 18. März 2009
  • Monitoring and Investigating Torture, Cruel, Inhuman or Degrading Treatment, and Prison Conditions, Amnesty International Dutch Section; Codesria (2000), Dakar: Council for the Development of Social Science Research in Africa. ISBN 978-2-869-78088-0
  • "Comity for Internet? Recent Court Decisions on the Right to be De-indexed". in: The National Law Review, 12. August 2015
  • "Are courts re-inventing Internet regulation?", in: International Review of Law, Computers & Technology: 1–17, 23. März 2017

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Composed Callamard keeps cool considering cascade of criticism, abgerufen am 28. Januar 2019/
  2. Agnes Callamard: NGO Accountability and the Humanitarian Accountability Partnership, in: Lisa Jordan, Peter van Tuijl (Hrsg): NGO Accountability: Politics, Principles and Innovations, Earthscan London 2006, ISBN 9781844073672, S. 183
  3. HAP International, abgerufen am 28. Januar 2019
  4. William Horskey: Pressing for freedom: 20 years of World Press Freedom Day, UNESCO 2013, ISBN 978-9230011628, S. 42
  5. Agnes S. Callamard auf der Seite des Columbia Global Centers, abgerufen am 28. Januar 2019
  6. UN experts urge the Philippines to stop unlawful killings of people suspected of drug-related offences, abgerufen am 28. Januar 2019
  7. UN rapporteur's Wikipedia page defaced upon visit to PH, abgerufen am 28. Januar 2019
  8. ORF: UNO-Berichterstatterin untersucht Ermordung Khashoggis, abgerufen am 28. Januar 2019
  9. Khashoggi killing: UN human rights expert says Saudi Arabia is responsible for “premeditated execution”. UNHCR, 19. Juni 2019, abgerufen am 20. Juni 2019.
  10. https://www.spiegel.de/politik/ausland/jamal-khashoggi-uno-bericht-liefert-grausame-details-zum-mord-im-konsulat-a-1273261.html

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]