Agra

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Agra (Begriffsklärung) aufgeführt.
Agra
आगरा
Agra (Indien)
Red pog.svg
Staat: Indien
Bundesstaat: Uttar Pradesh
Distrikt: Agra
Lage: 27° 11′ N, 78° 0′ OKoordinaten: 27° 11′ N, 78° 0′ O
Höhe: 168 m
Einwohner: 1.585.704 (2011)[1]
Website: www.nagarnigamagra.com
Taj Mahal
Taj Mahal

Agra (Hindi: आगरा Āgrā [ˈaːɡra]) ist eine etwa 1,7 Millionen Einwohner zählende Stadt im Westen des Bundesstaats Uttar Pradesh in Indien.

Agra war mit Unterbrechungen von 1526 bis 1648 die Hauptstadt des Mogulreiches und weist mehrere zum UNESCO-Weltkulturerbe zählende Stätten auf. Seit dem Jahr 1886 ist Agra Sitz eines katholischen Erzbistums.

Geografie und Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Agra liegt etwa 220 km (Fahrstrecke) südöstlich von Delhi im fruchtbaren Schwemmland des Flusses Yamuna in einer Höhe von 168 m. In der Umgebung der Stadt gibt es keine natürlichen Stein- und Felsvorkommen; so bestehen alle Bauten früherer Zeiten in ihrem Kern aus Ziegelsteinen und wurden mit rotem Sandstein oder mit Marmor aus Rajasthan verkleidet.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tagestemperaturen können in den Monaten Mai, Juni und Juli 40 °C erreichen, die Nachttemperaturen liegen immer noch bei knapp 30 °C; in der Monsunzeit (Mitte Juli bis Anfang Oktober) kühlt es sich um etwa 10 °C ab. Im Winter liegen die Tagestemperaturen bei etwa 20 bis 25 °C, nachts kann das Thermometer bei geringer Bewölkung bis auf etwa 3 °C absinken.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der überwiegende Teil der Bevölkerung sind Hindus (ca. 90 %) und Moslems (ca. 7 %); religiöse Minderheiten bilden Sikhs, Jains, Buddhisten und Christen. Viele Einwohner sind in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus den ländlichen Regionen zugewandert. Man spricht Hindi und manchmal auch ein wenig Englisch. Der männliche Bevölkerungsanteil ist – wie in Indien üblich – etwa 5 % höher als der weibliche.

Marmorhandwerk

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit alters her haben sich in der Stadt Handwerker und Händler angesiedelt; mittlerweile sind auch Kleinindustrie und Dienstleistungsunternehmen aller Art (Banken, Versicherungen, Hotels etc.) hinzugekommen. Berühmt sind die Handwerker von Agra wegen der Herstellung feinster Marmorintarsienarbeiten in Pietra dura-Technik. Das Taj Mahal macht Agra zu einer der von Touristen am meisten besuchten Städte Indiens; die für Europäer klimatisch beste Besuchszeit sind die Wintermonate Oktober bis Februar.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte Agras reicht in das Altertum zurück, wo sie im Mahabharata unter dem Namen Agrevaṇa (Sanskrit अग्रेवण) erwähnt wird. Im Jahr 1080 wurde die Stadt von Heereseinheiten der aus Afghanistan stammenden muslimischen Ghaznawiden eingenommen. Die heutige Stadt wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts von Sikandar Lodi angelegt, der auch die Hauptstadt des Sultanats von Delhi hierher verlegte. Im Zuge der Eroberung des Sultanats durch Babur fiel Agra 1526 an die Moguln. Babur hielt sich häufig in Agra auf und legte den Ram Bagh an, einen der ersten Mogulgärten. Die Blütezeit Agras begann mit dem Regierungsantritt Akbars (reg. 1556–1605), der die Stadt ausbaute, und hielt bis in die Regierungszeit Aurangzebs an. Mit dem Niedergang des Mogulreiches verlor auch Agra an Bedeutung.[2][3]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freitagsmoschee (Jama Masjid)
Akbar-Mausoleum, Sikandra
  • Das von 1565 bis 1571 begonnene Rote Fort mit dem später hinzugefügten Palast von Shah Jahan und der Perlmoschee (Moti Masjid) sowie die Freitagsmoschee (Jama Masjid) stehen am Rande der Altstadt.
  • Weitaus berühmter ist das Taj Mahal, das Shah Jahan von 1631 bis 1648 in Agra als Mausoleum für seine Gattin Mumtaz Mahal und sich selbst erbauen ließ. Dort befindet sich auch eine Anlage, um das traditionelle Spiel Pachisi mit lebenden Figuren zu spielen.
  • Weniger bekannt ist das 1628 auf der Ostseite des Yamuna befindliche Itimad-ud-Daula-Mausoleum, welches Nur Jahan für ihren Vater Mirza Ghiyas Beg, den unter seinem Ehrentitel Itimad-ud-Daula (‚Stütze des Staates‘) bekannten Premierminister Jahangirs erbauen ließ. Als erstes Mogul-Bauwerk wurde es vollständig mit Marmor verkleidet und begründete damit einen Stilwandel in der Architektur der damaligen Zeit.
  • Etwa 5 km nordwestlich, im Stadtteil Dayalbagh, befindet sich das im frühen 20. Jahrhundert begonnene, aber immer noch im Bau befindliche Tempel-Mausoleum für Shiv Dayal Singh, den Gründer der Radhasoami-Satsangi-Religion.
  • Ein selten besuchtes Mausoleum ist das im Jahr 1635 erbaute und ehemals mit vollständig mit farbigen Steininkrustationen überzogene Chini ka Rauza, das Grabmal des aus Persien stammenden Ersten Ministers von Shah Jahan – Allāma Afzal Khāl Mullā Shukrullāh.
  • Ein Kuriosum ist das um 1805 für den in Diensten der aufständischen Marathen stehenden englischen Offizier John Hessing auf dem christlichen Padresanto-Friedhof von Agra erbaute Mausoleum (Red Taj).
  • In Agra befinden sich drei bedeutende katholische Kirchen - die bereits im Jahr 1598 erbaute, aber nach völliger Zerstörung durch Shah Jahan unter Verwendung der alten Steine im Jahr 1636 wiederaufgebaute Church of Akbar, die in direkter Nachbarschaft stehende, im Jahr 1848 eingeweihte spätere Kathedrale (Cathedral of the Immaculate Conception) und die im Jahr 1923 fertiggestellte St. Mary’s Church (mittlerweile umbenannt in Church of Our Lady of Good Health).

außerhalb

  • Etwa 10 km nordwestlich, beim Ort Sikandra, liegt – umgeben von einem großen Garten, in welchem auch Rehe, Affen und Pfauen leben – das kuppellose Akbar-Mausoleum. Nicht weit entfernt steht das Grabmal der Hinduprinzessin Mariam uz-Zamani, einer seiner Gemahlinnen (Mariam’s Tomb).
  • Nur 40 km westlich von Agra befindet sich die alte Hauptstadt Akbars des Großen, Fatehpur Sikri, die nach wenigen Jahren vermutlich wegen Wassermangels aufgegeben wurde. Heute ist die zum Weltkulturerbe zählende Stadt mit großer Moschee und Palästen ein beliebtes Ausflugsziel von Agra.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Agra – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. www.census2011.co.in
  2. Latif, Syad Muhammad: Agra. Historical and Descriptive. Calcutta 1896
  3. http://agra.nic.in/aboutdistrict.html#history