Ahegao

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Eine mögliche Darstellung des Ahegao-Ausdrucks.
Ein Besucher der Comic Con International in „Ahegao“-Kleidung, 2018.

Ahegao (japanisch アヘ顔), Englisch auch O-Face[1][2], ist ein Begriff aus der japanischen Pornografie, der in vielen pornografischen Videospielen (Erogē), Mangas und Animes (Hentai) – auch in Hentai-Adaptionen bekannter Manga- und Animeserien, also Dōjinshi – verwendet wird. Dabei bezeichnet „Ahegao“ einen bestimmten Gesichtsausdruck der Charaktere während des in den Medien gezeigten Geschlechtsverkehrs.

Das Ahegao-Gesicht hat sich in Japan inzwischen als neuer Modetrend für Erotikliebhaber etabliert. Auf Kleidung werden Manga- und Anime-Charaktere mit dem Ahegao-Gesichtsausdruck verkauft.[3] Es ist möglich, den Ausdruck zu imitieren.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut eines Postings in einem Forum der Nico Nico Pedia geht der Begriff Ahegao auf die frühen 1990er-Jahre zurück. Laut einem Artikel des Mel Magazine fand Ahegao bereits in den 1960er-Jahren in pornografischen Kunstforen und Gemeinschaften Verwendung. Diese wurden dann Ende des 20. Jahrhunderts im Westen durch die steigende Popularität in Erotik-Foren von Internetseiten wie 4Chan oder Fakku bekannt.[5] Pornografische Zeitschriften nutzten Ahegao als Beschreibung für den Gesichtsausdruck weiblicher Pornodarsteller und ihrer sexuellen Befriedigung. Im gleichen Kontext fand Ahegao in mehreren Posts auf 2channel und der Schwestercommunity für nicht-jugendfreien Inhalten BBSPINK sowie als Beschreibung für pornografische Videos auf erwachsenengerichtete E-commerce-Plattformen in der ersten Hälfte der 2000er Verwendung.[6]

Zwischen 2003 und 2005 begannen erste Zeichner von Hentai-Mangas und Produzenten von Hentai-Animes übertriebene Darstellungen von unnatürlich wirkenden, weiblichen Orgasmen bei ungewollten oder gezwungenen Geschlechtsakten bzw. in Hardcore-BDSM-Werken zu verwenden. In einem anderen Posting heißt es, dass der Ero-guro-Mangaka Suehiro Maruo derartige Abbildungen in seinen Werken der frühen 1980er-Jahre nutzte.[6]

Mitte der 2000er-Jahre fand der Begriff weitere Verbreitung unter anderem durch die Otaku-Szene. Seit 2008 ist die Verbreitung von Ahegao derart weitreichend, dass es zu einer der bekanntesten Zeichentechniken wurde, um Orgasmen darzustellen. Ungefähr zur selben Zeit erschien die erste Dōjin-Serie A-H-E, in der Ahegao als Hauptmotiv fungiert. Ab ungefähr 2010 verwendeten auch große Publisher Ahegao-bezogene Anthologien, etwa zeitgleich mit der steigenden Popularität von Hentai-Fetischen in der allgemeinen Pornoindustrie.[6]

Ahegao und dessen Abwandlungen finden auch in nicht-sexualisierten Manga- und Animeserien Verwendung.[6]

Wortherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der zweite Wortteil kao bzw. in Zusammensetzungen -gao () übersetzt „Gesicht“ heißt, kann der erste Wortteil ahe (アヘ) nicht mit dem Kanji-Alphabet gebildet werden. Im Katakana indes stellt dieser Teil des Wortes eine Abkürzung für aheahe (アヘアヘ) dar, welches ein Stöhngeräusch beschreibt.[4] Wörtlich bedeutet Ahegao dementsprechend etwa „Stöhngesicht“ oder „komisches Gesicht“.[7]

Dabei darf Ahegao nicht mit Ahoge (アホ毛) verwechselt werden. Ahoge ist die Beschreibung für die „Haar-Antenne“, d. h. eine oder zwei stark hervorstehende Haarsträhnen, die durch Love Hina populär wurde.[2] Eine weitere Abgrenzung ist zwischen Ahegao und Ikigao (イキ顔, von iki „kommen“) zu treffen, welches wesentlich realistischer gehalten ist und vielen Werken vorkommen die eher im Mainstream zu finden sind.[8]

Darstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Typische Merkmale sind unter anderem nach hinten gerollte Augen, eine hängende Zunge und errötete Wangen. Die Gesichter der Charaktere werden bei Ahegao-Szenen deformiert dargestellt.[9] Darstellungen von Ahegao werden zumeist absichtlich in einer übertriebenen Form gezeichnet, um einen surrealen Effekt zu erzeugen.[8] In einer Beschreibung im Urban Dictionary wird Ahegao als eine „Anime/Manga-Version eines Gesichtsausdrucks während eines Orgasmus“ beschrieben, die „generell sehr sexuell und anrüchig“ gehalten sind.[10] Das Ahegao-Gesicht wird verwendet, um verschiedene Grade an sexueller Befriedigung darzustellen.[7] Die Darstellung der nach hinten gerollten Augen wurden anfänglich mit Vergewaltigungsszenen in Verbindung gebracht, weswegen diese auch als Rape Eyes bezeichnet wird.[5]

Obwohl Ahegao hauptsächlich in pornografischen Mangas, Animes und Videospielen Verwendung findet, ist Ahegao auch in Nicht-Erwachsenen-Werken zu finden, wo dieser Gesichtsausdruck zumeist parodiert wird.[4]

Internetphänomen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut einem Artikel der Adult-Gaming-Plattform Nutaku entstand aus dem Ahegao-Gesicht in Verbindung mit dem zweihändigen Peace-Zeichen ein Meme, das in Japan unter der Bezeichnung アヘ顔ダブルピース ahegao daburu pīsu Bekanntheit erreichte.[4][11] Ein weiblicher Charakter aus der Manga- und Animeserie My Sister, My Writer trägt den Namen Ahegao Double Peace.

In den Sozialen Medien existierte die so genannte Ahegao-Challenge bei der meist weibliche Personen diesen Gesichtsausdruck imitieren und Videos oder Bilder davon hochladen. Auch Memes, die Ahegao aufgreifen werden vermehrt im Internet geteilt.[5]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während Ahegao ursprünglich als witziges Element verwendet wurde gibt es inzwischen immer mehr Menschen, welche die Darstellung von Ahegao als sexistisch oder frauenfeindlich beschreiben, da der Frau durch die Verwendung dieser bildlichen Darstellung den Verlust der Kontrolle während dem Geschlechtsverkehr unterstellt wird. Khursten Santos hingegen beschreibt die Darstellung nicht unbedingt als sexistisch, da diese ursprünglich als komischer Gesichtsausdruck der weiblichen Sexualität gilt aber auch als getarnte Krise der Männlichkeit verstanden werden kann.[5] Stephen Reysen, Psychologie-Professor an der Texas A&M University, pflichtet dem bei. Er beschreibt Ahegao nicht mehr sexistisch als andere pornografische Medien. Die Darstellung glorifiziere zwar eine extrem unrealistische Abbildung der weiblichen Lust, das mache aber jegliche Art von Werbung, Pornhub-Videos oder einfache Fernsehsendungen auch. Ob die Darstellung sexistisch ist hängt seiner Meinung nach vom Zuschauer und der in dem Medium dargestellten Situation ab.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kimi Rito: The Expression History of Ero-Manga. Hrsg.: Tōkyō Ōta Shuppan. 2017, ISBN 978-4-7783-1592-4, S. 392 (japanisch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ahegao. Wordsense Dictionary, abgerufen am 28. Juli 2018.
  2. a b Mike Toole: The Anime Alphabet. Anime News Network, 22. Februar 2015, abgerufen am 28. Juli 2018.
  3. Iliana: Japan: Neuer Modetrend auf T-Shirts sorgt für Wirbel. Sumikai, 1. Oktober 2017, abgerufen am 28. Juli 2018.
  4. a b c d Ahegao アヘ顔. Japanese with Anime, 5. August 2017, abgerufen am 28. Juli 2018.
  5. a b c d e Isabell Kohn: WHAT’S WITH THIS SEXY DERP FACE THAT’S SUDDENLY EVERYWHERE? Mel Magazine, April 2019, abgerufen am 9. Juli 2019.
  6. a b c d mona_jpn: Ahegao. Know Your Meme, 24. Juni 2017, abgerufen am 31. Juli 2018.
  7. a b The ABC's of Hentai, Part I. Black Girl Nerds, 14. Oktober 2016, abgerufen am 30. Juli 2018.
  8. a b Artefact: The Evolution of the Ahegao. Sankaku Complex, 2. Juli 2010, abgerufen am 30. Juli 2018.
  9. Olivier Benoit: Chroniques Hentai: au-delà des interdits. Journal du Japon, 26. September 2016, abgerufen am 28. Juli 2018 (französisch).
  10. Ahegao. Urban Dictionary, abgerufen am 28. Juli 2018.
  11. AgentShawnee’s Hentai Vocabulary 101. Nutaku.net, 2. März 2018, abgerufen am 30. Juli 2018.