Ahekapelle

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Ahekapelle
Ahekapelle

Ahekapelle

Daten
Ort Engelgau, Nordrhein-Westfalen
Baujahr um 1330
Koordinaten 50° 29′ 7,7″ N, 6° 39′ 36,6″ OKoordinaten: 50° 29′ 7,7″ N, 6° 39′ 36,6″ O

Die Kapelle zum heiligen Bischof Servatius, im Volksmund Ahekapelle genannt, ist dem heiligen Servatius geweiht, Bischof von Maastricht im 4. Jahrhundert. Sie hat eine lange Tradition als Wallfahrtskapelle und liegt im Genfbachtal in der Nähe von Engelgau in der Eifel. Der Name der Kapelle stammt von dem Bach Ahe.[1] Heute heißt dieser Genfbach (Eifeler Dialekt: „Die Jinft“).[2] Pfarrlich gehört die Ahekapelle zur Pfarrgemeinde St. Peter Zingsheim-Engelgau und wird von der Kapellengemeinde Engelgau verwaltet.
Der Jakobsweg nach Santiago de Compostela in Spanien führt von Bad Münstereifel kommend an der Ahekapelle vorbei.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kapelle ist das einzige heute noch existierende Gebäude des untergegangenen Ortes Ahe.

Geschichte der Kapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über den Zeitpunkt der Errichtung der Kapelle gibt es keine urkundlichen Nachweise.[1] Die nicht streng nach Osten ausgerichtete Kapelle besteht aus einem schlicht wirkenden Schiff und einem daran anschließenden spätgotischen Chor.
Der Chor aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts hat einen dreiseitigen Abschluss, spätgotische Spitzbogenfenster und außen sechs Strebepfeiler.[3] Das niedrigere und im Grundriss leicht verschobene Langhaus hat eine lichte Breite von 4 m, eine lichte Länge von 9,25 m und weist vier Rundbogenfenster auf.[4]
1988 veranlasste das Bistum Aachen mit Mitteln der Denkmalförderung die Instandsetzung der Ahekapelle.[5] Im Jahre 2011 erfolgte eine Innenrenovierung vornehmlich in Eigenleistung in Verantwortung des Kirchenvorstandes der Kapellengemeinde.

Geschichte des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die einsam gelegene Ahekapelle steht wahrscheinlich auf den Überresten einer römischen Villa rustica.[6] Schon der Mechernicher Bergbeamte C. A. Eick berichtete Mitte des 19. Jahrhunderts in seinem Werk über die Eifelwasserleitung von einer römischen Niederlassung an der Stelle, an der sich heute die Ahekapelle befindet, von römischen „Trümmern“ auf den angrenzenden Feldern und von römischen Grabinschriften.[7] 1866 wurde hier ein römischer Grabstein gefunden.[8] Diesen setzte vermutlich Anfang des 3. Jahrhunderts n. Chr. ein Ratsherr aus dem römischen Köln seiner verstorbenen Gattin.[9] Ihr Name war Capitonia Vera.[10] Ein eingemauerter Sandstein mit einer Grabinschrift, die C. A. Eick 1857 veröffentlichte, befand sich auch an der Südseite der Kapelle neben ihrem Eingang.[11]
Aus der Zeit um 1500 ist ein Weiler mit drei der Abtei Steinfeld zinspflichtigen Höfen und einem dem Grafen von Blankenheim abgabepflichtigen Hof sowie mit Fischteichen, einer Bannmühle und zwei weiteren Wohnstätten belegt.[1] Eine um 1510 vorhandene Mühle wurde um 1790 abgebrochen.[8] Ein jährlicher Viehmarkt wurde im 17. Jahrhundert an der Ahekapelle abgehalten, wahrscheinlich als Kirmes um den 13. Mai (Festtag des hl. Servatius).
Schon zur Zeit des Zingsheimer Pfarrers Matthias Pfleumer (1700–1710) gehörte der Ort Ahe mit der Ahekapelle zur Pfarre Zingsheim.[12] In den Taufbüchern der Pfarre Zingsheim werden noch nach 1700 Familien mit dem Wohnort Ahe erwähnt.[1] Die Häuser müssen aber im 18. Jahrhundert aufgegeben worden sein, nur die Ahekapelle mit ihrer Wallfahrtstradition blieb bis heute erhalten. In der Tranchotkarte aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts ist neben der Kapelle St. Servatius nur noch eine „abgebrannte Mühle“ („Mulin Brulé“) eingezeichnet.[13][14]
Im Rahmen des Weltjugendtages 2005 vom 11. bis 15. August in Köln entstand hinter der Ahekapelle im Wald eine Freiluftkirche, genannt „la chapelle“. Dies geschah in Zusammenarbeit mit 23 französischen und 11 Jugendlichen aus Zingsheim, Engelgau, Buir, und Frohngau.

Wallfahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der alten Wallfahrtstradition folgend wird noch heute in jedem Jahr das Servatiusfest begangen. Am Sonntag vor dem 13. Mai, dem Fest des Eisheiligen Servatius, zieht um 10:00 Uhr eine Prozession mit der Servatiusreliquie von der Engelgauer Kirche St. Luzia zur Ahekapelle. Anschließend wird ein Festgottesdienst zu Ehren des Heiligen zelebriert.[15]

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenraum

Zur Ausstattung der Kapelle gehören folgende Gegenstände:

  • Glocke von 1410, gegossen von Johann von Karsogino[15]
  • 2 Glocken im Chordach, gegossen in der Abtei Maria Laach (2012)
  • Hochaltar aus Holz mit einem aus dem 17. Jahrhundert stammenden und das Martyrium eines römischen Soldaten darstellenden Gemälde und einer auf dem Altar befindlichen Figur wahrscheinlich des hl. Florians in römischer Feldherrnkleidung[16] (gestohlen 1966 und 1974)
  • Darstellung des hl. Servatius auf dem Antependium, umgeben von einem Kranz von Rosen (18. Jahrhundert)[16]
  • Holzstatue des hl. Servatius (15. Jahrhundert)
  • Kreuzweg aus Bronze (aus der alten Kirche Engelgau)

Sagen um die Ahekapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regionale Sagen berichten von einem Schatz, der in den „Gemäuern“ um die Ahekapelle verborgen sein soll, von drei Juffern, von einem Geistergesang und von Tempelherren.[17] So sollen die Glocken der Kapelle einmal begonnen haben, selbst zu läuten, als die Juffern in deren Sichtweite kamen.[18] Hin und wieder erklang aus der Kapelle Chorgesang, obwohl sich niemand darin befand, und bis zur Zerschlagung des Templerordens im 14. Jahrhundert soll die Kapelle eines ihrer Gotteshäuser gewesen sein.[18]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • C. A. Eick: Die römische Wasserleitung aus der Eifel nach Köln. Mit Rücksicht auf die zunächst gelegenen römischen Niederlassungen, Befestigungswerke und Heerstraßen. Max Cohen & Sohn, Bonn 1867, S. 20–23.
  • Joseph Hagen: Römerstraßen der Rheinprovinz (= Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz. Band 8). 2. Auflage. Kurt Schroeder Verlag, Bonn 1931, S. 166 f.
  • Heinz Günter Horn: Agrippastraße Köln-Trier. Teilstrecke Nettersheim. Von Serpentinen, Tempeln und Wachstationen. 1. Auflage. J.P. Bachem Verlag, Köln 2011, ISBN 978-3-7616-2365-7, S. 42 f.
  • Walter Janssen: Studien zur Wüstungsfrage im fränkischen Altsiedelland zwischen Rhein, Mosel und Eifelnordrand. Teil II: Katalog. Hrsg.: Landschaftsverband Rheinland, Rheinisches Landesmuseum Bonn und Verein von Altertumsfreunden im Rheinlande (= Beihefte der Bonner Jahrbücher. Band 35, Teil II). Rheinland-Verlag, Köln 1975, ISBN 3-7927-0207-X, S. 60.
  • Sophie Lange (Hrsg.): Hier spukt’s. Sagen und alte Dorfgeschichten aus den elf Orten der Gemeinde Nettersheim. 1. Auflage. Eigenverlag, Nettersheim 2000, S. 48 f.
  • Hans Peter Schiffer: Das Urfttal in der Eifel. Landschaft, Natur, Geschichte. 2. Auflage. LandpresseRegio, Weilerswist 2006, ISBN 3-935221-61-4, S. 23 f.
  • Hans Peter Schiffer: Kirchen und Kapellen in der Gemeinde Nettersheim. Geschichte – Bauart – Ausstattung. Kall 2004, S. 173 ff.
  • Ernst Wackenroder: Die Kunstdenkmäler des Kreises Schleiden (= Paul Clemen [Hrsg.]: Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. 11. Band, II. Abteilung). L. Schwann, Düsseldorf 1932, S. 470 f.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Hans Peter Schiffer: Kirchen und Kapellen in der Gemeinde Nettersheim. 2004, S. 173.
  2. Josef Hagen: Römerstraßen der Rheinprovinz. Achter Band der Erläuterung zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz. 1931, S. 167.
  3. Hans Peter Schiffer: Kirchen und Kapellen in der Gemeinde Nettersheim. 2004, S. 174 f.
  4. Hans Peter Schiffer: Kirchen und Kapellen in der Gemeinde Nettersheim. 2004, S. 175.
  5. Hans Peter Schiffer: Das Urfttal in der Eifel. Landschaft, Natur, Geschichte. 2006, S. 24.
  6. Heinz Günter Horn: Agrippastraße Köln-Trier. Teilstrecke Nettersheim. Von Serpentinen, Tempeln und Wachstationen. 2011, S. 42.
  7. C. A. Eick: Die römische Wasserleitung aus der Eifel nach Köln. Mit Rücksicht auf die zunächst gelegenen römischen Niederlassungen, Befestigungswerke und Heerstraßen. 1867, S. 20 ff.
  8. a b Hans Peter Schiffer: Das Urfttal in der Eifel. Landschaft, Natur, Geschichte. 2006, S. 23.
  9. Heinz Günter Horn: Agrippastraße Köln-Trier. Teilstrecke Nettersheim. Von Serpentinen, Tempeln und Wachstationen. 2011, S. 42 f.
  10. G. U. Knackstedt: Neandertaler, Römer, Franken. Siedlungsgeschichte des Landkreises Euskirchen anhand archäologischer Funde. 1991, S. 67.
  11. A. Eick: Neue Inschriften aus Floisdorf und Zingsheim. In: Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande. Heft XXV. Bonn 1857, S. 34 f.
  12. Nikolaus Reinartz: Matthias Pfleumer in Zingsheim, in reformeifriger Eifelpfarrer (1700–1712). 1952, S. 9.
  13. Topographisches Informationsmanagement, Bezirksregierung Köln, Abteilung GEObasis NRW (Hinweise) (Zugriff am 18. Februar 2012)
  14. Walter Janssen: Studien zur Wüstungsfrage im fränkischen Altsiedelland zwischen Rhein, Mosel und Eifelnordrand. Teil II: Katalog. 1975, S. 60.
  15. a b Hans Peter Schiffer: Kirchen und Kapellen in der Gemeinde Nettersheim. 2004, S. 177.
  16. a b Hans Peter Schiffer: Kirchen und Kapellen in der Gemeinde Nettersheim. 2004, S. 175.
  17. Sophie Lange (Hrsg.): Hier spukt’s. Sagen und alte Dorfgeschichten aus den elf Orten der Gemeinde Nettersheim. 2000, S. 48 f.
  18. a b Sophie Lange (Hrsg.): Hier spukt’s. Sagen und alte Dorfgeschichten aus den elf Orten der Gemeinde Nettersheim. 2000, S. 48.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ahekapelle – Sammlung von Bildern