Ahmad Mohammad al-Tayyeb

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ahmad Mohammad al-Tayyeb im Jahr 2015

Ahmad Mohammad al-Tayyeb (arabisch أحمد محمد الطيب, DMG Aḥmad Muḥammad aṭ-Ṭaiyib; geboren 6. Januar 1946 in Luxor, Ägypten) ist ein ägyptischer Islamgelehrter. Er wurde am 19. März 2010 als Nachfolger des verstorbenen Muhammad Sayyid Tantawi zum Scheich al-Azhar ernannt. Als solcher ist er gleichzeitig Imam der al-Azhar-Moschee und gilt als eine wichtige religiöse Autorität des sunnitischen Islams. In der Regierung der Arabischen Republik Ägypten hat der Großscheich kraft seines Amtes automatisch den protokollarischen Rang eines Ministerpräsidenten und kann nur vom Präsidenten der Republik abberufen werden, als Rektor der al-Azhar Universität hatte al-Tayyeb zuvor schon den Rang eines Ministers inne. Der Großscheich von al-Azhar wird stets auf Lebenszeit berufen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Al-Tayyeb war zuvor Rektor (Präsident) der al-Azhar-Universität in Kairo, Ägypten von 2003 bis zum 10. April 2010. Als Großmufti der Arabischen Republik Ägypten amtierte er vom 10. März 2002 bis 27. September 2003, als Dekan der Theologischen Fakultät an der Internationalen Islamischen Universität Islamabad in Pakistan von 1999 bis 2000, als Dekan der Fakultät für Islamische Studien Assuan vom 15. November 1995 bis 3. Oktober 1999, als Dekan der Fakultät für Islamische Studien von Qina vom 27. Oktober 1990 bis 31. August 1991 sowie als Professor für Philosophie und Theologie an der al-Azhar-Universität vom 6. Januar 1988 bis heute.

Al-Tayyeb zeichnete sich durch einige wichtige wissenschaftliche Arbeiten im Islam aus, u. a. durch einen Kommentar über das Kapital der Theologie in „Verfeinern der Worte“ von al-Taftazani im Jahr 1997. Er war auch Gastprofessor an der Sorbonne, Paris, und der Universität Fribourg, Schweiz (1989) und hat einige wissenschaftliche Werke aus dem Französischen in das Arabische übertragen, u. a. die Einführung vom Al-Mu'jam AI-Mufahras li Alfaz AlL-Hadith Al-Nabawi („Katalogisiertes Lexikon der Begriffe vom Hadith des Propheten“), veröffentlicht in der Zeitschrift des Forschungszentrums der Sirra und Sunna, Universität Katar in Doha 1998, Le Sceau des Saints dans La Doctrine d'Ibn Arabi („Die Siegel der Heiligen“), das auf Arabisch den Titel Al- Wilaya wa Al-Nubua Inda Al Sheikh Mohy El-Din Ibn Arabi erhielt. Besonders bekannt ist auch die Geschichte und Klassifizierung der Werke von Ibn Arabi (2. Band) von Othmau Yahia aus dem Französischen in das Arabische unter dem Titel Malafat Ibn Arabi: Tarikuha wa Tasnifuha („Die Werke von Ibn Arabi: Geschichte und Klassifizierung“).

Ahmad Mohammad al-Tayyeb ist Mitglied in der ägyptischen Gesellschaft für Philosophie, im Obersten Rat für Islamische Angelegenheiten, in der Islamischen Forscherversammlung, im Vertrauensrat der ägyptischen Radio- und Fernsehunion sowie Präsident des religiösen Ausschusses der ägyptischen Radio- und Fernsehunion.

Stellung zum Terrorismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Al-Tayyeb hatte am 4. April 2002 Selbstmordattentate gegen Israel ausdrücklich gerechtfertigt und die Führer der arabischen Welt dazu aufgefordert, die Palästinenser in ihrem Kampf zu unterstützen. („The solution to the Israeli terror lies in a proliferation of Fidai (suicide) attacks that strike horror into the hearts of the enemies of Allah. The Islamic countries, peoples and rulers alike, must support these martyrdom attacks.“[1])

2011 hatte er bei einer Veranstaltung der Muslimbruderschaft Stellung gegen die Judaisierung Jerusalems (die jüdische Besiedlung arabischer Stadtviertel) bezogen. Die al-Aqsa-Moschee werde von den Juden attackiert. 2013 hatte er im ägyptischen Staatsfernsehen erneut Juden attackiert. („Since the inception of Islam 1,400 years ago, we have been suffering from Jewish and Zionist interference in Muslim affairs. […] they are allowed to practice usury with non-Jews […] They practice a terrible hierarchy, and they are not ashamed to admit it, because it is written in the Torah – with regard to killing, enslavement, and so on.“[2])

Al-Tayyeb lehnt den Islamischen Staat ab. In seinen Augen ist dieser das Produkt einer zionistischen Verschwörung, die dazu dient, neue imperialistische Militärinvasionen der USA im Nahen Osten zu rechtfertigen.[3][4]

Verschiedenes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er war einer der 138 Unterzeichner des offenen Briefes „Ein gemeinsames Wort zwischen Uns und Euch“ (englisch "A Common Word Between Us & You"), den Persönlichkeiten des Islam am 13. Oktober 2007 an „Führer christlicher Kirchen überall“ (englisch "Leaders of Christian Churches, everywhere …") sandten.[5]

Im Juni 2015 wurde berichtet, dass Ahmad Mohammad al-Tayyeb erstmals offiziell Europa besuchen werde, um an einer internationalen Tagung katholischer und sunnitischer Vertreter aus Religion und Politik zum Thema „Orient und Okzident. Dialoge der Kultur“ teilzunehmen. Bei dieser von der Gemeinschaft Sant’Egidio organisierten Zusammenkunft gehe es darum, „einen anderen Islam vorzustellen als jenen, den gegenwärtig die Terrorgruppe “Islamischer Staat” repräsentiere“[6].

Al-Tayyeb hielt am 15. März 2016 im Großen Protokollsaal des Reichstagsgebäudes in Berlin eine Rede vor Bundestagsabgeordneten. Er rief die europäischen Gesellschaften zu einer gemeinsamen Anstrengung für den Frieden auf. An die Muslime gewandt sagte er: „Wer die Lehre des Propheten nicht im Rahmen der Barmherzigkeit und des Weltfriedens versteht, der verinnerlicht nicht nur falsches Wissen über den Islam, sondern verunglimpft darüber hinaus wissentlich dessen Lehren.“ An die Muslime in Deutschland richtete er die Bitte, „dass sie den hohen ethischen Werten ihres Gastlandes Rechnung tragen und sie bewahren. Sie sollen in ihrem Handeln die wahren toleranten Werte des Islam, die eigentlich nicht viel anders sind als die, die hier gelten, vertreten.“ Nach seiner Rede antwortete al-Tayyeb auf Fragen der Abgeordneten nach der Notwendigkeit einer Modernisierung des Islam, diese sei nicht nötig, denn er sei wandelbar genug, sonst würde er nicht seit über 1000 Jahren bestehen. Nach der Unterdrückung der Frau in islamischen Gesellschaften befragt, sagte er, der Islam stehe für gleiche Rechte für Frauen und Männer. Nach islamischem Verständnis diene die Frau dem Mann nicht aus Pflicht, sondern aus Liebe. Dafür sei der Mann verpflichtet, für den Lebensunterhalt der Frau zu sorgen.[7] Am 17. März 2016 nahm der Großimam auf Einladung der Universität Münster an einer wissenschaftlichen „Konferenz der Weltreligionen“ mit dem Titel „Friede sei mit Euch“ in der Aula des münsterschen Schlosses teil.[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Arab Leaders Glorify Suicide Terrorism. In: archive.adl.org. Anti-Defamation League, 17. April 2002, archiviert vom Original am 17. April 2016, abgerufen am 27. April 2016 (englisch)., deutsch: „Die Lösung für den israelischen Terror liegt in einer Ausweitung von Fidai-(Selbstmord-)attacken, die Horror in die Herzen der Feinde Allahs schlagen. Die islamischen Länder, Völker, Führer usw. müssen diese Märtyrerattacken unterstützen.“
  2. Sheik of Al-Azhar Ahmad Al-Tayeb Justifies Antisemitism on the Basis of the Koran. Clip No. 4048. In: www.memritv.org. The Middle East Media Research Institute (MEMRI), 25. Oktober 2013, archiviert vom Original am 17. Dezember 2013, abgerufen am 27. April 2016 (englisch)., deutsch: „Seit der Offenbarung des Islam vor 1400 Jahren haben wir unter jüdischen und zionistischen Einmischungen in die Angelegenheiten der Muslime gelitten. […] Es ist ihnen erlaubt, Wucherei gegenüber Nicht-Juden zu betreiben. […] Sie [die Juden] haben eine furchtbare Hierarchie [gegenüber Nicht-Juden] in Bezug auf Mord, Sklaverei usw. und sie schämen sich nicht dafür, weil es in der Torah festgeschrieben ist.“
  3. Richard Spencer: Moderate Sunni Islam leader blames Zionism and 'new colonialism' for Middle East collapse. Sheikh Ahmed al-Tayeb, the Grand Imam of Al-Azhar University, appears to blame Israel and by implication the US for chaos in Arab world. In: Telegraph.co.uk. 23. Februar 2015, archiviert vom Original am 27. April 2016, abgerufen am 27. April 2016 (englisch).
  4.  Markus Bickel: Azhar-Universität in Kairo: Islam? Welcher Islam?. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 11. Juni 2015, ISSN 0174-4909 (http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/azhar-universitaet-in-kairo-is-sind-gar-keine-muslime-13631203.html, abgerufen am 27. April 2016).
  5. Ein Gemeinsames Wort zwischen Uns und Euch. (Zusammengefasste Kurzform). 13. Oktober 2007, archiviert vom Original am 20. August 2008, abgerufen am 29. April 2016 (PDF, 182 kB).
  6. Al-Azhar-Universität: Großimam erstmals offiziell in Europa. Ahmed al-Tayyeb, Großimam der Al-Azhar-Universität in Kairo reist für eine internationale Tagung erstmals offiziell nach Europa. Katholischer und sunnitische Spitzenvertreter aus Religion und Politik treffen sich in Florenz. IslamiQ, 6. Juni 2015, archiviert vom Original am 6. Juni 2015, abgerufen am 29. April 2016.
  7. Deutscher Bundestag - Vortragsveranstaltung: Großscheich spricht über Islam-Friedenspotenzial. In: bundestag.de. 15. März 2016, archiviert vom Original am 17. März 2016, abgerufen am 29. April 2016.
  8. Kairoer Großimam nimmt an Religionskonferenz in Münster teil. In: uni-muenster.de. 23. Februar 2016, archiviert vom Original am 17. März 2016, abgerufen am 29. April 2016.