Ahmet Altan

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Ahmet Altan (* 1950 in Ankara) ist ein türkischer Journalist und Schriftsteller. Er schrieb lange Jahre als Kolumnist für die Zeitungen Hürriyet, Güneş, Milliyet und Yeni Yüzyıl. 2007 gründete er seine eigene Zeitung Taraf, die er zusammen mit Alev Er herausgab und für die er zwei Kolumnen schrieb. Taraf wollte erklärtermaßen die größten Tabus der Türkei wie den Völkermord an den Armeniern und die Diskriminierung der Kurden thematisieren. Nach dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 wurde seine Zeitung per Regierungsdekret geschlossen (→ Pressefreiheit in der Türkei, Menschenrechte in der Türkei#Meinungsfreiheit, Maßnahmen nach dem Putschversuch in der Türkei 2016#Medien).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Vater Çetin Altan (1927-2015) war Schriftsteller und Publizist und von 1965 bis 1969 als Vertreter der Arbeiterpartei der Türkei im türkischen Parlament. Altans Bruder Mehmet Altan ist Professor für Volkswirtschaft an der Universität Istanbul und Autor mehrerer politischer Bücher.

Atakürt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 1995 entwarf er während seiner Zeit bei der Milliyet in einem Gedankenspiel ein Land, in dem Türken von den Kurden unterdrückt und assimiliert werden. So wurde Mustafa Kemal nicht als Türke in Saloniki, sondern als Kurde in Mossul geboren und erhielt nach dem Unabhängigkeitskrieg den Ehrennamen Atakürt (Vater der Kurden, anstatt Atatürk, Vater der Türken), das Land wurde Kürdiye (anstatt Türkiye) genannt. Die Türken wurden in diesem Land negiert und assimiliert. Mit diesem Gedankenspiel wollte er auf die Kurdenproblematik in der Türkei aufmerksam machen. Ahmet Altan wurde wegen dieses Artikels entlassen und durch das Staatssicherheitsgericht zu 18 Monaten Haft verurteilt. Nach einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wurde die Haftstrafe in eine Geldstrafe umgewandelt.[1]

Inhaftierung 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ahmet Altan und sein Bruder Mehmet Altan wurden unter dem Vorwurf festgenommen, in einer Live-Fernsehsendung in einem der Gülen-Bewegung nahestehenden Sender am 14. Juli, am Vorabend des Putsches, "unterschwellige Botschaften" über den bevorstehenden Putsch verbreitet zu haben.[2] Die Ermittlungen gegen sie standen im Zusammenhang mit dem Putschversuch vom 15. Juli, für den die Regierung den islamistischen Prediger Fethullah Gülen verantwortlich machte. Ahmet Altan wurde zunächst aus dem Polizeigewahrsam entlassen, die Staatsanwaltschaft legte dagegen aber erfolgreich Widerspruch ein.

Autoren, Musiker, Künstler und Akademiker - darunter drei Nobelpreisträger - riefen nach der Festnahme der Altan-Brüder in einem Offenen Brief auf, „gegen die Hetzkampagne der Regierung“ zu protestieren. Zu den fast 300 Unterzeichnern gehören Orhan Pamuk, Elena Ferrante, Roberto Saviano, J.M. Coetzee, Nick Hornby, Herta Müller und Günter Wallraff.[3] Sie sich wandten an die Regierung der Türkei und die Öffentlichkeit, um das zu beenden, was sie als „Vendetta gegen die klügsten Denker und Autoren des Landes“ bezeichneten.[2]

Der türkische Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk schrieb am 10. September 2016 in der italienischen Zeitung La Repubblica, unter Hinweis auf die erneute Festnahme Altans[4]:

„Ich bin voller Wut und äußere meine schärfste Kritik an der Festnahme des Schriftstellers Ahmet Altan, einer der wichtigsten Federn des türkischen Journalismus, und seines Bruders Mehmet Altan, einem renommierten Akademiker und Ökonomen. In der Türkei werden nach und nach alle, die das Handeln der Regierung kritisierten, eingesperrt... Die Gedankenfreiheit existiert nicht mehr. Wir bewegen uns (in der Türkei) mit großer Geschwindigkeit von einem Rechtsstaat zu einem Terrorregime.“

Orhan Pamuk: Die Zeit, 11. September 2016

Altans Zeitung Taraf spielte 2010 eine unrühmliche Rolle bei der Veröffentlichung gefälschter Dokumente in der Balyoz-Affäre, mit der Gülenisten in der Justiz die Militärführung angriffen. Kritiker warfen Altan auch vor, dass er mit seiner Zeitung Taraf gegen linke Gülen-Kritiker wie Ahmet Sik zu Felde zog. In seiner Zeitung verteidigte er die kurzzeitige Verhaftung der todkranken Medizinerin Türkan Saylan († 2009);[2] Saylan war eine säkular eingestellte Persönlichkeit der türkischen Zivilgesellschaft, die eine Stipendien-Stiftung zur Förderung junger Mädchen gegründet hatte.[5]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dört Mevsim Sonbahar (1982) (Vier Jahreszeiten Herbst)
  • Sudaki İz (1985) (Die Spur im Wasser)
  • Yanlızlığın Özel Tarihi (1991) (Die spezielle Geschichte der Einsamkeit)
  • Tehlikeli Masallar (1996) (Gefährliche Märchen)
  • Kılıç Yarası Gibi (1998) (Wie eine Schwertwunde)
  • İsyan Günlerinde Aşk (2001) (Liebe während der Aufstandstage)
  • Aldatmak (2002) (Betrügen)
  • En Uzun Gece (2005) (Die längste Nacht)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ahmet Altan tazminat kazandı, Artikel aus der Milliyet vom 24. Juli 2001
  2. a b c Frank Nordhausen: Türkei: „Hexenjagd nach McCarthy-Art“, Frankfurter Rundschau online, 14. September 2016
  3. Deutsche Welle, 23. September 2016: Türkischer Journalist Ahmet Altan wieder in Haft,
  4. Orhan Pamuk warnt vor Terrorregime, Die Zeit, 11. September 2016
  5. Dani Rodrik: Erdoğan und die Gülen-Bewegung - Schatten der Macht, 30. September 2013
  6. Leipziger Medienpreis 2009 an Roberto Saviano, Dušan Miljuš und Ahmet Altan