Ahrhütte

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Ahrhütte
Gemeinde Blankenheim
Koordinaten: 50° 23′ 18″ N, 6° 44′ 19″ O
Höhe: 356 m ü. NHN
Fläche: 18,13 km² (mit Dollendorf)
Einwohner: 256[1]
Bevölkerungsdichte: 14 Einwohner/km²
Postleitzahl: 53945
Vorwahl: 02697
Ahrhütte (Nordrhein-Westfalen)
Ahrhütte

Lage von Ahrhütte in Nordrhein-Westfalen

Ahrhütte ist ein Ortsteil der Gemeinde Blankenheim im Kreis Euskirchen in Nordrhein-Westfalen.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Ahrhütte besteht aus zwei Teilen: Der erste Teil ist „Ah“ und deutet auf „Wasser“ hin, der Buchstabe „r“ gehört zu den Wurzeln rhe und rho; sie bedeuten „fließen“ (vgl. altgriechisch ʻρέω [rheo] = „ich fließe“). Das altgermanisch Wort „ara“ bezeichnet „Flusswasser“ das sich in unvermeidlicher Bewegung befindet. Das Wort „Ahr“ bedeutet also „fließendes Wasser“. „Hütte“ ist mit dem althochdeutschen Wort „hutta“, oder mit dem altgriechischen Wort κεὑδείν [keuthein], also „verbergen“ und „geborgen sein“ verwandt. Ahrhütte kann also als „Wohnung am fließenden Wasser übersetzt werden“. Der Name des Ortes deutet ebenfalls auf das einst bestehende Hüttenwerk an der Ahr hin.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Keine zehn Kilometer südöstlich von Blankenheim und etwa 325–420 m ü. NHN liegt an der B 258 der kleine Ort Ahrhütte. Das Dorf erstreckt sich geologisch in der „Dollendorfer Kalkmulde“, einem Korallenriff aus der Devonzeit (390–360 Millionen Jahre). Die damaligen Lebensbedingungen dürften für zahlreiche marine Lebensformen optimal gewesen sein, da die Kalkmulde bekannt ist für ihren Fossilienreichtum. Das Landschaftsbild um Ahrhütte bestimmen wacholderreiche Kalkmagerrasen, ausgedehnte Weidelandschaften, artenreiche Gebüschformationen und Laubmischwälder. Durchschnitten wird das Gebiet durch die Ahr, in die hier der Mühlenbach mündet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahr 1511. Der Herzog von Arenberg hatte ein Einnahmeregister anfertigen lassen, in dem niedergeschrieben wurde: „der hoff up der hütten (hutten) gylt dit jair 30 mal halff eyn halff ander“ (Der Hof von/auf der Hütten gibt dieses Jahr 30 Malter, halb das eine, halb das andere).

Das Dorf verdankt Entstehung und Namen einer längst vergangenen Industrie, der Eisenindustrie. Als „Pachthütte“ ließen die Herzöge von Arenberg, deren Stammsitz auf dem unweit gelegenen Aremberg stand, vermutlich im frühen 16. Jahrhundert die eisenverarbeitende Anlage errichten. Das Werk war bis zum Einmarsch französischer Truppen, 1794, in ihrem Besitz. 1861 erlosch der letzte Hochofen, die Geschichte der eisenverarbeitenden Industrie im Ort war beendet. Einen geringen Ersatz stellte die mit dem Darniedergehen der Eisenindustrie erblühende Kalkindustrie mit mehreren Kalköfen und Steinbrüchen dar. Von der Errichtung des ersten Kalkofens 1859 bis zur Stilllegung des letzten Kalkwerkes 1969 stellte diese Branche die einzigen industriellen Arbeitsplätze des Ortes. Das zuletzt in Betrieb gewesene, auf Freilinger Seite gelegene Werk produzierte bis zur Schließung täglich etwa 50 Tonnen Kalk. Nach dem Abbruch 1975 wurde das Gelände 1982 durch die NRW Stiftung erworben. Im Rahmen des Projektes „Ahr 2000“ wurde dieser Talabschnitt in ein Förderprogramm des Bundes aufgenommen, das schutzwürdige Teile von Natur und Landschaft sichert.

Bereits 1849 entstehen Pläne zur Errichtung einer Ziegelei, die aber erst 1854 realisiert werden. Um 1866 kommt es zu einer Erweiterung der Anlage. Die Tonerde wurde bei Neuhof gehoben und mit Karren ins Dorf gefahren. Der Absatz dieser sogenannten „Schottelspannen“ erstreckte sich bis Schleiden. Die Ziegelbäckerei bestand bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts, 1911 wurde das Gelände veräußert und neubebaut.

Während sich heute vereinzelt noch Reste der Kalkindustrie finden lassen, sind die letzten Zeugnisse der Eisenindustrie lange beseitigt. Um 1950 wurde ein Teil des Hochofens abgeräumt, die verbleibenden Reste wurden 1965 abgebrochen, da man das Grundstück neu bebauen wollte. Der Kohleschuppen, der zum Eisenwerk gehörte, stand noch eine Zeitlang in landwirtschaftlicher Nutzung, wurde aber 1983 abgerissen. An seiner Stelle steht das heutige Gemeindehaus. Die Straßenbezeichnungen des Ortes „Am Hammerwerk“, „Hüttenstraße“, „Hüttenhof“ und „Hüttenberg“ halten die Erinnerung an eine Zeit wach, in denen der Wohlstand der Bewohner auf der Arbeit der Berg- und Hüttenarbeiter beruhte. Erhalten ist jedoch – neben dem herzoglichen Reitmeisterhaus von 1677 – der Stollen- oder Goddarzhof, eine Hofanlage des 16. Jahrhunderts (Gravur in Türsturz: 1549), die spätere Um- und Erweiterungsbauten erfuhr. Wie die Hütte liegt er auf der linken, der Arenbergischen Ahrseite, während der eigentliche Ort überwiegend auf der rechten Ahrseite entstand. Diese natürliche Grenze hat heute keine Bedeutung mehr für den Ort. In der Feudalzeit stellte sie jedoch die Landesgrenze zwischen dem Herzogtum Arenberg (linke Ahrseite mit der Pfarrei Lommersdorf bzw. den Gemeinden Freilingen und Lommersdorf) und der Grafschaft Manderscheid-Blankenheim (hier die Herrschaft Dollendorf mit der Pfarrei und der gleichnamigen Gemeinde Dollendorf) dar. Während der Fluss als Gemeindegrenze bis 1969 formal erhalten blieb, wurde Ahrhütte seit Anfang des 19. Jahrhunderts kirchlich ausschließlich von Dollendorf aus betreut.

Ahrhütte besaß Bahnanschluss über den im Ort gelegenen Bahnhof Dollendorf, der Oberen Ahrtalbahn. Gut 40 Jahre nach deren Stilllegung und dem Abbau der Gleisanlagen wurde auf der Eisenbahntrasse ein Radwanderweg ausgebaut, der im Jahr 2005 eröffnet wurde. Im Ort befinden sich mehrere Gaststätten zur Einkehr.

Sehenswürdigkeiten und Touristik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An Kunstdenkmälern finden sich vor Ort nur wenige. Neben den Erwähnten (Stollenhof und Reitmeisterhaus) sind zu nennen die 1932 geweihte und aus Mitteln der Bevölkerung errichtete Antoniuskapelle, die ehemalige Sons’sche oder auch Dollendorfer Mühle ahraufwärts und die Lommersdorfer Mühle (auch Dreimühle) ahrabwärts, sowie einzelne Wohnhäuser.

Durch den Ort führt der Radwanderweg Eifel-Höhen-Route, der als Rundkurs um den Nationalpark Eifel führt. Ebenso der Ahr-Radweg, welcher die Ahr-Quelle in Blankenheim mit der Ahr-Mündung in den Rhein bei Sinzig verbindet.

Im Jahr 2016 öffnete mit dem Schmetterlingsgarten Eifalia eine neue touristische Attraktion ihre Tore. Zu sehen sind 400 tropische Schmetterlinge im Tropenhaus und im Außengelände einheimische Arten und ihre Futterpflanzen. Im Jahr 2017 konnte Eifalia bereits 15.000 Besucher verzeichnen.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johannes Becker: Geschichte der Pfarreien des Dekanats Blankenheim. Köln 1993, S. 461 ff.
  • Christoph Bungartz, Ralf Gier, Peter Scheulen: Von der Eifel nach Amerika. Auswanderung nach Nordamerika 1840–1914. Euskirchen 2005.
  • Hermann Bungartz: Dollendorf/Eifel. Landschaft und Geschichte. 2. verb. Aufl. Hillesheim 1989.
  • Thomas Eßer: Der Hüttenmeister Stejnmans. Euskirchen 1987.
  • Ralf Gier: Neuhof 1725 bis heute. In: Um Burg und Quelle. Nr. 94, April 2001, S. 15–23.
  • Jochen Kirwel: Ahrhütte – Geschichte eines Eifelortes. Ahrhütte 2011.
  • Peter Neu: Die Arenberger und das Arenberger Land. Band 1–6; Koblenz 1995 ff.
  • Paul Spülbeck: Lommersdorfer Chronik. 2. verbesserte Auflage. Lommersdorf 1950 (überarbeitete und erg. Neuauflage durch Albert Luppertz 1999).
  • Ernst Wackenroder: Die Kunstdenkmäler des Kreises Schleiden. Düsseldorf 1932, S. 106–108, 473.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ahrhütte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ahrhütte. (Nicht mehr online verfügbar.) Gemeinde Blankenheim, archiviert vom Original am 2. August 2016; abgerufen am 6. Oktober 2016.
  2. Michael Greuel: Der Eifalia-Garten in Ahrhütte zeigt die bunte Welt der Schmetterlinge. In: General-Anzeiger (Bonn). 21. August 2018, abgerufen am 5. Mai 2019.