Ahrtalbahn

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Remagen–Adenau
Strecke der Ahrtalbahn
Streckennummer (DB):3000
Kursbuchstrecke (DB):477
Streckenlänge:42,4 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Streckenklasse:D4 (Remagen–Ahrweiler)
CE (Ahrweiler–Walporzheim)
Zweigleisigkeit:Remagen–Walporzheim
Strecke – geradeaus
von Bonn
Bahnhof, Station
0,0 Remagen
   
nach Koblenz
   
vom Abzw Viktoriaberg (– Ludendorff-Brücke)
   
Abzw Reisberg
   
Remagener Kurve nach Abzw Ahrbrücke
   
Abzw Hellenberg
   
Strategischer Bahndamm von Ringen (ehem. Planung)
Haltepunkt, Haltestelle
4,7 Bad Bodendorf
Haltepunkt, Haltestelle
8,0 Heimersheim
Straßenbrücke
A 61
Bahnhof, Station
10,2 Bad Neuenahr
   
Bad Neuenahr Mitte (geplant)
Bahnhof, Station
12,9 Ahrweiler
Haltepunkt, Haltestelle
14,0 Ahrweiler Markt (ab 1963)
   
15,6 Walporzheim (Hp Üst)
   
Ahr (mehrfach)
   
17,5 Marienthal (1939–1950)
   
18,3 Dernau Ort (1955–1960)
   
18,9 Dernau
   
20,5 Rech
   
Strategischer Bahndamm von Ringen – Rheinbach – Liblar (unvollendet)
   
21,2 Abzw Rech (unvollendet)
   
Ahr
   
Saffenburger Tunnel (219 m, stillgelegte Röhre: 235 m)
   
21,8 Mayschoß
   
Laacher Tunnel (384 m)
   
Reimerzhover Tunnel (156 m)
   
Krähardt-Tunnel (89 m)
   
Ahr
   
Engelslay-Tunnel (66 m, stillgelegte Röhre: 75 m)
   
Ahr
   
25,2 Altenahr
   
Ahr
   
Ahr
   
Ahr
   
26,7 Kreuzberg (Ahr)
   
Ahr
   
29,0 Ahrbrück (bis 1996: Brück (Ahr))
   
Ahr
   
Ahr
   
31,4 Hönningen (Ahr)
   
Abzw Liers (nach 1945 ztw. Ladestelle (Lst))
   
Dümpelfelder Kurve, nach Abzw Insul
   
von Lissendorf
   
35,8 Dümpelfeld
   
40,2 Leimbach
   
42,4 Adenau
   
(nicht ausgeführt, genehmigt lt. Gesetz von 1914)
   
Eifelquerbahn von Gerolstein
   
Rengen
   
nach Andernach

Quellen: [1][2]

Die Ahrtalbahn ist eine teilweise zweigleisige nicht elektrifizierte Nebenbahn durch das Ahrtal, die ursprünglich von Remagen bis Adenau führte. Der Abschnitt Hönningen–Adenau wurde 1985 und der Abschnitt Ahrbrück–Hönningen 1999 stillgelegt. Beim Hochwasser der Ahr am 14. Juli 2021 wurden die Bahnanlagen weitgehend zerstört, es besteht auf dem Abschnitt bis Ahrbrück jedoch weiterhin Betriebspflicht. Am 8. November 2021 wurde der Zugbetrieb zwischen Remagen und Ahrweiler wieder aufgenommen, ab Dezember 2021 sollen die Züge auch wieder bis Walporzheim fahren. Zwischen Walporzheim und Ahrbrück muss die Strecke nach Einschätzung ihres Betreibers DB Netz hingegen neu aufgebaut werden.[3] Vor einem Wiederaufbau sind „Bestandsaufnahmen und detaillierte Planungen“ notwendig.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Querung der Ahr bei Marienthal

Nachdem Remagen seinen Schienenanschluss bereits 1858 durch die linke Rheinstrecke der Rheinischen Eisenbahngesellschaft bekam, erhielt das gleiche Unternehmen am 23. September 1879 eine Ministerialverfügung zum Bau einer Stichstrecke durch das Ahrtal. Am 17. September 1880 eröffnete die Gesellschaft das erste Teilstück bis Ahrweiler, das am 1. Dezember 1886 bis Altenahr und am 15. Juli 1888 bis Adenau weitergeführt wurde.

„Am 1. December l. J. wurde die neu erbaute 11,5 km lange (die Fortsetzung der Linie Remagen-Ahrweiler bildende) Eisenbahnsstrecke Ahrweiler-Altenahr mit den Stationen Valporzheim, Dernau, Mayschoß und Altenahr für den Personen-, Gepäck-, Eilgut- und Güterverkehr unter Zugrundelegung der Bahnordnung für Eisenbahnen untergeordneter Bedeutung dem Betriebe übergeben. Die neueröffnete Strecke wurde den Vereinsbahnstrecken zugezählt. (Z. 26.735/IV.)“[5]

Aus strategischen Gründen begann 1910 der Bau eines zweiten Gleises von Remagen bis zum Abzweig Liers. Gleichzeitig wurde die ursprüngliche Strecke teilweise verlegt.

Das Hochwasser der Ahr am 13. Juni 1910 riss die Baugerüste mit und zerstörte mit ihnen und anderem Treibgut Kantinen und alle Straßenbrücken außer der von Rech.[6] Die Schäden im Ahrtal wurden auf deutlich über drei Millionen Mark (entspricht heute etwa 17,8 Millionen Euro[7]) geschätzt. Unter den 53 Menschen, die den Tod fanden, waren italienische Arbeiter und andere, jedoch keiner aus dem Ahrkreis. Ab 18. Juni konnte die Eisenbahn wieder bis Altenahr verkehren.[8]

1912 wurde Bahnstrecke Dümpelfeld–Hillesheim (Eifel)–Lissendorf eröffnet. Sie folgt der Ahr flussaufwärts und biegt bei Ahrdorf (Ahr) in das Tal des Ahbachs ein. Mit der Dümpelfelder Kurve (Abzw Liers–Abzw Insul) wurden die Strecken nach Adenau und Hillesheim verbunden.

Die Bahnstrecke Ahrdorf (Ahr)–Blankenheim (Wald) wurde 1913 eröffnet. Sie stellte die Verbindung vom Ahrtal über Blankenheim an die Eifelstrecke her. Parallel dazu entstand in Kreuzberg (Ahr) ein Bahnbetriebswerk (Bw).

Eine Strecke von Adenau nach Daun (Luftlinie 22 Kilometer, siehe auch Bundesstraße 257), noch 1917 in Planung, wurde nie gebaut. Auch hier wären die Gründe für den Bau überwiegend militärischer Natur gewesen.[9] Aus strategischen Gründen wurde die Ahrtalbahn auch an die Strecke zur Ludendorff-Brücke (1918 fertiggestellt; bekannt als Brücke von Remagen) und damit an die Rechte Rheinstrecke angeschlossen.[10] Nach dem Einsturz der Brücke am 17. März 1945 wurden sie und die Zufahrten abgebaut.

Am 16. August 1918 stießen bei Dümpelfeld ein Personenzug und ein Militärzug zusammen. 31 Menschen starben, 73 wurden verletzt.[11]

Der Bau des Westwalls ab 1938 brachte der Ahrtalbahn erneut strategische Bedeutung. Im Laufe des Zweiten Weltkriegs wurde sie durch alliierte Luftangriffe und deutsche Sprengungen stark beschädigt und wurde bis 1951 wieder durchgehend befahrbar.

Der Güterverkehr Hönningen (Ahr) – Adenau wurde am 31. Mai 1985 eingestellt. Mit einer Sondergenehmigung durfte nach einem Sturm bis März 1986 noch Holz von Adenau auf der schon stillgelegten Strecke transportiert werden. Bis zum 31. Dezember 1996 gab es noch Güterverkehr im Abschnitt Ahrbrück – Hönningen (Ahr), am 23. Dezember 1999 wurde der Abschnitt stillgelegt. Im Bereich Hönningen (Ahr) wurde die Bahntrasse 2001 zugunsten einer Umgehungsstraße im Rahmen der Bundesstraße 257 zurückgebaut.

Ab dem 2. Juni 1985 wurde der Personenverkehr auf den Abschnitt Remagen – Kreuzberg (Ahr) beschränkt und ein Stundentakt eingeführt. 1990 wurde das Angebot zwischen Remagen und Ahrweiler im Berufsverkehr auf einen Halbstundentakt verdichtet. Im Juni 1996 wurde der Personenverkehr auf dem Abschnitt Kreuzberg–Ahrbrück (vormals Brück (Ahr)) wieder aufgenommen. Im November 2000 lösten Dieseltriebwagen die lokbespannten Wendezüge ab. Seit 2001 gibt es umsteigefreie Verbindungen von der Ahrtalbahn nach Bonn.

Die Ahrtalbahn ist heute nur noch bis Walporzheim zweigleisig. Auf der Trasse des zweiten Streckengleises wurde zwischen Rech und Altenahr der Ahr-Radweg als Bahntrassenradweg angelegt.

Im Jahr 2016 hatte der Verein „Freunde der Ahrtalbahn“ eine geplante Umstellung des Betriebsverfahrens auf einen technisch unterstützten Zugleitbetrieb zwischen Ahrweiler und Ahrbrück zur Personaleinsparung kritisiert.[12] Laut Infrastrukturregister der DB Netz ist die Umstellung nicht im Dezember 2016 erfolgt.

Zerstörte Strecke in Altenahr-Altenburg am 15. Juli 2021. An der Brücke der typische Stau von Treibgut.

Im Juli 2019 wurde der Auftrag erteilt, die Strecke mit einem ESTW-R auszurüsten.[13]

Durch die Auswirkungen des Sturmtiefs „Bernd“ wurden am 14. Juli 2021 sieben Brücken und 20 Kilometer Strecke der Ahrtalbahn zerstört.[3] Der für den 17. Juli geplante Baubeginn für das ESTW-R entfiel.[14]

Erst am 8. November 2021 konnte der Betrieb zwischen Remagen und Ahrweiler eingleisig wieder aufgenommen werden. Dafür wurden beim Haltepunkt Heimersheim circa 1,2 Kilometer Gleise und 1,5 Kilometer Bahndamm instandgesetzt.[15] Die Instandsetzung des zweiten Gleises ist aufwändiger und benötigt mehr Zeit. Für den Wiederaufbau zwischen Walporzheim und Ahrbrück sind laut Deutscher Bahn hingegen „Bestandsaufnahmen und detaillierte Planungen“ notwendig.[4]

Bedienungsangebot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Strecke verkehren die Linien RB 30 Bonn Hbf–Remagen–Ahrbrück und RB 39 Remagen–Dernau jeweils im Stundentakt. Beide Linien werden von der DB Regio NRW als Teil des Vareo-Netzes betrieben. Zum Einsatz kommen Dieseltriebwagen vom Typ Alstom Coradia LINT.

Nach der Unterbrechung des Bahnbetriebs zwischen Remagen und Ahrbrück in Folge der Unwetterschäden fielen die Züge der Linien RB 30 und RB 39 aus, seit dem 20. Juli 2021 existiert ein halbstündlicher Schienenersatzverkehr mit Bussen zwischen Remagen und Ahrweiler.[16]

Güterverkehr findet auf der Ahrtalbahn heute nicht mehr statt. Mit Inkrafttreten des MORA-C-Programmes der Deutschen Bahn endete im September 2001 die Bedienung durch DB Cargo. Für ein hohes Verkehrsaufkommen bis dahin sorgte unter anderem der Mineralwasser-Abfüller Apollinaris mit eigenem Gleisanschluss in Bad Neuenahr.

Tarif[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Ahrtalbahn gelten sowohl der Tarif des Verkehrsverbunds Rhein-Mosel (VRM) als auch der Übergangstarif des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg (VRS). Tarifraumüberschreitend findet der NRW-Tarif Anwendung.

Planungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Bad Neuenahr soll der zusätzliche Haltepunkt Bad Neuenahr Mitte entstehen.[17]

Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2021 sollte auf der Linie RB 39 montags bis freitags ab 8:00 Uhr zwischen Remagen und Dernau eine zusätzliche stündliche Leistung bestellt und hierdurch das Angebot bis Dernau auf einen 20-Minuten-Takt verdichtet werden. Während der Landesgartenschau 2023 in Bad Neuenahr-Ahrweiler sollten die zusätzlichen Leistungen auch am Wochenende verkehren.[18]

Im August 2021 rechnete die Bahn damit, den durch das Hochwasser betroffenen Abschnitt zwischen Remagen und Walporzheim bis Ende des Jahres wieder in Betrieb nehmen zu können. Der Verkehr konnte am 8. November 2021 bis Ahrweiler aufgenommen werden. Der Wiederaufbau der restlichen Strecke inklusive teilweiser Neutrassierung soll Jahre in Anspruch nehmen.[19]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kurt Hoppstädter: Die Entstehung des Eisenbahnnetzes im Moseltal und in der Eifel. Nach den Akten des Staatsarchivs Koblenz bearbeitet. Manuskript Universitäts- und Stadtbibliothek Köln, 1963.
  • Klaus Kemp: Die Ahrtalbahnen. Eisenbahn-Kurier, Freiburg 1983, ISBN 3-88255-542-4.
  • Klaus Kemp: Die Ahrtalbahnen. Eisenbahnen zwischen Rhein und Eifel. Eisenbahn-Kurier, Freiburg 2013, ISBN 978-3-88255-592-9.
  • Heinz Schönewald: Die Geschichte der Ahrtalbahn. Eifel-Verlag, Jünkerath 2016, ISBN 978-3-943123-17-3., Neuauflage: Die Geschichte der Ahrtalbahn. Gaasterland, Jünkerath 2020, ISBN 978-3-943123-40-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ahrtalbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. DB Netze – Infrastrukturregister
  2. Eisenbahnatlas Deutschland. 9. Auflage. Schweers+Wall, Aachen 2014, ISBN 978-3-89494-145-1.
  3. a b Pressemitteilung der Deutschen Bahn zu den Flutschäden vom 5. August 2021. Abgerufen am 6. August 2021.
  4. a b Ahrtalbahn: Neuaufbau kann Jahre dauern. Rhein-Zeitung, 24. Juli 2021, abgerufen am 6. August 2021.
  5. Bahnnachrichten. Kgl. Eisenbahn-Direction (linksrhein.) zu Cöln. In: Verordnungs- und Anzeige-Blatt der kaiserl(ich) königl(ichen) General-Direction der österreichischen Staatsbahnen / Verordnungsblatt/Amtsblatt des k(aiserlich) k(öniglichen) Eisenbahnministeriums für den Dienstbereich der Staatseisenbahnverwaltung, 24. Dezember 1886, S. 7 (Online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/bah
  6. Als die Ahr Tod und Verwüstung brachte (Memento vom 1. April 2016 im Internet Archive)
  7. Diese Zahl wurde mit der Vorlage:Inflation ermittelt, ist auf volle 100.000 EUR gerundet und bezieht sich auf Januar 2021.
  8. Das Wetter. In: Neues Wiener Journal, 18. Juni 1910, S. 6 (Online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nwj
  9. https://www.eisenbahn-tunnelportale.de/lb/inhalt/tunnelportale/3000.html#geschichte Denkschrift von 1926
  10. Übersichtskarte des Eisenbahn-Direktions-Bezirks Cöln, Zustand 1. Juni 1917, D.I.1.Nr.134., Nachdruck der Karten- und Luftbildstelle der DB, Mainz
  11. Hans Joachim Ritzau: Eisenbahn-Katastrophen in Deutschland. Splitter deutscher Geschichte. Bd. 1: Landsberg-Pürgen 1979, S. 79.
  12. Ahrtalbahn auf dem Abstellgleis? Statt Modernisierung veraltete Betriebssysteme?
  13. DTVP. Abgerufen am 20. Juli 2020.
  14. Extremwetterereignis führt im Norden von Rheinland-Pfalz zu massiven Beeinträchtigungen im Schienenverkehr. Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV Nord), 16. Juli 2021, abgerufen am 16. Juli 2021.
  15. Fahrpläne. In: vareo.de. Db REgio AG, abgerufen am 28. Oktober 2021: „Ab Montag, 8. November 2021 (Betriebsbeginn ab 4:30 Uhr) wird der Zugbetrieb zwischen Remagen und Ahrweiler wieder aufgenommen.“
  16. Fahrplan Schienenersatzverkehr Remagen - Ahrweiler, SPNV-Nord, Aufruf: 24. Juli 2021
  17. Verbandsversammlung, 55. Sitzung. (PDF; 8,5 MB) (Nicht mehr online verfügbar.) In: TOP 3. SPNV Nord, S. 6, ehemals im Original; abgerufen am 26. September 2016.@1@2Vorlage:Toter Link/www.spnv-nord.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)
  18. SPNV Nord, Verbandsversammlung, TOP 5: Fahrplanverdichtung VAREO, 29. April 2021
  19. https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/koblenz/ahrtalbahn-soll-bis-ende-2021-wieder-fahren-100.html