Aigues-Mortes

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Aigues-Mortes
Wappen von Aigues-Mortes
Aigues-Mortes (Frankreich)
Aigues-Mortes
Region Languedoc-Roussillon
Département Gard
Arrondissement Nîmes
Kanton Aigues-Mortes
Gemeindeverband Communauté de communes Terre de Camargue
Koordinaten 43° 34′ N, 4° 12′ OKoordinaten: 43° 34′ N, 4° 12′ O
Höhe 0–3 m
Fläche 57,78 km²
Einwohner 8.450 (1. Jan. 2013)
Bevölkerungsdichte 146 Einw./km²
Postleitzahl 30220
INSEE-Code
Website www.ville-aigues-mortes.fr/

Südwestliche Stadtmauer

Aigues-Mortes [ɛgˈmɔʀt] ist eine Stadt im französischen Département Gard mit 8450 Einwohnern (Stand 1. Januar 2013). Der Name bedeutet tote Wasser. Die Einwohner werden gemeinhin Aiguemortais bzw. Aiguemortaises genannt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mittelalter als Hafenstadt konzipiert, liegt Aigues-Mortes nach der Verlandung der Flachwasserzone heute rund sechs Kilometer vom Mittelmeer entfernt, ist aber von dort aus noch über einen Kanal erreichbar. Die Stadt liegt außerdem am Canal du Rhône à Sète, der eine schiffbare Verbindung zwischen der Rhone und der Stadt Sète ermöglicht. Von dort kann man auch zum Canal du Midi weiterfahren.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Statue von Ludwig dem Heiligen in Aigues-Mortes
Tour de Constance

Gaius Marius erwähnt eine Siedlung an diesem Ort um 102 v. Chr. Der Name Ayga Mortas („Totes Wasser“) wird erstmals im 10. Jahrhundert verwendet. Die Stadt war bis zum 16. Jahrhundert einer der bedeutendsten Verkehrsknotenpunkte der französischen Mittelmeerküste. Von hier segelte Ludwig der Heilige, dem auf dem Hauptplatz eine Statue errichtet ist, zum Sechsten und Siebten Kreuzzug ab. Karl V. und Franz I. trafen sich 1538 in Aigues-Mortes, um Verhandlungen zu führen, die zum Friedensvertrag von Nizza führten.

1240 hat Ludwig der Heilige das Gebiet erworben und 1248 angefangen, die Stadt als Bastide zu errichten. Er brauchte unbedingt einen Mittelmeerhafen, der auf königlichem Gebiet lag. Bis in das 13. Jahrhundert hinein besaß der französische König kein Land in Süd-Frankreich. Das Gebiet der Provence gehörte zum Römischen Reich, während das Languedoc-Roussillon den Königen von Aragón gehörte. Aigues-Mortes befand sich damals an den Ufern einer großflächigen Lagune und war durch Kanäle mit dem Meer verbunden. Zu den westlichsten Deltagebieten der Rhône führten Wege durch weitläufige Moore. Ludwig ließ eine Fernstraße auf einem Damm bauen, die die einzige Verbindung zum Festland bildete und später vom Tour Carbonnière verteidigt wurde.

Ludwig ließ zwischen 1241 und 1250 die Tour de Constance errichten und brach 1248 zum 7. Kreuzzug auf. Die Planung der Stadt und ihre Erbauung waren zu dieser Zeit fast fertiggestellt. Im Jahre 1268 wurde zur Finanzierung des Baues der Stadtmauer eine Steuer erhoben von 1 Dinar pro Pfund einer Ware. 1270 starb Ludwig während seines achten Kreuzzuges an Typhus. Seine Nachfolger, insbesondere sein Sohn Philipp der Kühne, ließen später ein Festungsviereck anlegen mit einem umlaufenden Wehrgang mit 10 Stadttoren. Während des Krieges mit Aragón stockte der Aufbau, wurde aber auf Betreiben von Philipp IV. dem Schönen wieder aufgenommen. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war die Stadtmauer vollendet. Diese Grundform ist heute noch erhalten. Das gesamte Fundament der vom Architekten Eudes de Montreuil entworfenen Stadtmauer ruht auf einer hölzernen Plattform, die bis auf den Grund von in den Boden gerammten Eichenpfählen gestützt wird. Sie ist 1634 m lang.[1]

Zunächst entwickelte Aigues-Mortes sich gut als Hafenstadt, doch begann das Meer sich durch Verlandung der Lagune zurückzuziehen (heute liegt die Stadt 6 km vom Meer entfernt). Zudem fiel 1481 die Provence an Frankreich und Marseille verdrängte die Stadt als französischer Mittelmeerhafen. Von da an konzentrierten sich die Bewohner statt auf den Handel auf den Weinbau und die Salinen. Salz war im Mittelalter überaus wichtig. Venedig hat stets viel Wert auf seine Monopolstellung im Salzhandel gelegt. Salz galt damals weniger als Gewürz, sondern als Konservierungsmittel von Nahrung. Noch heute wird außerhalb der Stadtmauern intensiv Salz, insbesondere Fleur de Sel, gewonnen.

Die hugenottische Stadt wurde am 22. August 1622 von ihrem Kommandanten, Gaspard III. de Coligny, duc de Châtillon, kampflos an Louis XIII. übergeben, der mit einer Armee vor Aigues Mortes erschienen war, um die Hugenottenrebellion im Languedoc zu unterdrücken. Das brachte de Coligny eine Belohnung von 5.000 Livres und den Marschallstab ein.

Angriff auf die italienischen Salinenarbeiter 1893

1893 kam es in den Salinen zu schnell eskalierenden Auseinandersetzungen zwischen Ortsansässigen und italienischen Wanderarbeitern, die zu einem Massaker an den Italienern führten. Nach einer offiziellen Bilanz gab es 8 Tote und 50 Verletzte, während italienische Berichte von 50 Toten und 150 Schwerverletzten sprechen.[2]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen der Stadt stellt St. Martin dar, der seinen Mantel mit einem Bettler teilt. St. Martin ist der Schutzpatron der Stadt und der französischen Könige. Geistiger Vater des Wappens soll ein Waffenrichter namens d'Hozier gewesen sein, das Wappen stammt vom 26. April 1697.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Notre-Dame-des-Sablons

Hauptsehenswürdigkeiten sind die vollständig erhaltene Stadtmauer, die Altstadt und die Tour de Constance. Dieser und andere Türme der Stadtmauer dienten zur Zeit der Hugenottenkriege als Gefängnis für Protestanten. Abraham Mazel, dem Chef der protestantischen Widerstandsbewegung (Kamisarden), gelang im Jahre 1705 die Flucht aus der Tour de Constance. Die durch ihre lange Gefängnisstrafe bekannt gewordene Marie Durand war hier 38 Jahre, von 1730 bis 1768, lang eingekerkert, da sie ihrem protestantischen Glauben nicht abschwor.

Auch die Kapelle der Grauen Büßer und die Kapelle der Weißen Büßer (Chapelle des Pénitents gris und Chapelle des Pénitents blancs) sowie die Kirche Notre-Dame-des-Sablons sind sehenswert. Letztere, im Jahre 1183 der "Beata Maria de Sabulo" geweihte Kirche, bestand ursprünglich aus Holz und Schilf, wurde aber 1246 aus Stein im frühgotischen Stil neu errichtet. Zwei Jahre später begannen die Gottesdienste, auch Ludwig der Heilige soll hier gebetet haben, bevor er zum 7. Kreuzzug aufbrach. Der Maler Claude Viallat gestaltete die zeitgenössischen Fenster und baute sie 1991 ein.

Der im Jahr 1346 erstmals urkundlich erwähnte Wehrturm war der letzte militärische Vorposten vor Aigues-Mortes, der zur Verteidigung der Stadt errichtet worden war. Im Mittelalter lag Aigues-Mortes inmitten von Sumpfgebiet, und der einzige Zugang zur Stadt, von der Landseite her, führte durch den Turm.

Umgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etwa zwei Kilometer nordöstlich der Stadt, auf dem Gebiet der Gemeinde Saint-Laurent-d’Aigouze, befindet sich die Tour Carbonnière (Kohleturm).

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

The Garden of Eden (dt. Der Garten Eden), Ernest Hemingway, postum 1986 – Roman über eine Ménage à trois spielt hier und im unweiten Le Grau du Roi.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Aigues-Mortes – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Aigues-Mortes – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Informationsbroschüre der Touristinformation
  2. Frank Caestecker: Der Migrant. In: Ute Frevert, Heinz-Gerhart Haupt (Hg.): Der Mensch des 19. Jahrhunderts. Campus, Frankfurt a. M. & New York 1999, S. 256.