Aileu (Distrikt)

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Distritu Aileu (tetum)
Distrito de Aileu (port.)
Indonesien Oecusse (Distrikt) Cova Lima Bobonaro (Distrikt) Ermera (Distrikt) Liquicá (Distrikt) Dili (Distrikt) Aileu (Distrikt) Ainaro (Distrikt) Manufahi Manatuto (Distrikt) Baucau (Distrikt) Lautém (Distrikt) Viqueque (Distrikt)Lage des Distrikts Aileu
Über dieses Bild
Bergdorf im Distrikt Aileu
Daten
Hauptstadt Aileu
Fläche 676,02 km² (11.)[1]
Einwohnerzahl (2011) 46.569(12.)[2]
Bevölkerungsdichte 68,9 Einw./km² (8.)[2]
Zahl der Haushalte (2010) 6.965 (13.)[1]
ISO 3166-2: TL-AL
Subdistrikte Einwohner[1] Fläche[1]
Aileu 20.830 251,48 km²
Laulara 7.173 60,87 km²
Lequidoe 6.267 151,58 km²
Remexio 10.055 212,09 km²
Karte
Übersichtskarte vom Distrikt Aileu

Aileu ist ein Distrikt von Osttimor. Hauptstadt des Distriktes ist das gleichnamige Aileu im als urban klassifizierten Suco Seloi Malere. Die administrative Verwaltungseinheit wurde erst in den letzten Jahren der portugiesischen Kolonialzeit geschaffen. Aileu bedeutet in der lokalen Sprache Mambai „gebogener Baum“.[3]

Geographie[Bearbeiten]

Aileu liegt im Hochland des Nordwesten von Osttimor und ist einer der beiden Distrikte ohne Zugang zum Meer. Der Distrikt hat eine Fläche von 676,02 km². Die bergige Landschaft liegt zwischen 350 und 1500 m über dem Meeresspiegel. Aileu grenzt im Norden an den Distrikt Dili, im Osten an Manatuto, im Südosten an Manufahi, im Süden an Ainaro, im Westen an Ermera und im Nordwesten an Liquiçá.

Der Distrikt teilt sich in die Subdistrikte Aileu, Laulara, Lequidoe und Remexio.

Traditionell werden in Aileu vier Jahreszeiten unterschieden. Von Mitte Oktober bis April ist Regenzeit, Mai und Juni herrscht die kalte Jahreszeit. Der Juli und der August sind sehr windig und die Trockenzeit findet zwischen Mitte August und Mitte Oktober statt. Die Durchschnittstemperaturen sind aufgrund der Höhe deutlich niedriger und die Luftfeuchtigkeit geringer als an den Küstenregionen Osttimors. Als Höchsttemperatur wird 29 °C erreicht, nachts kann die Temperatur auf bis zu 4 °C sinken.

Einwohner[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl in Aileu

In Aileu leben 46.569 Einwohner (2011).[2] Fast die Hälfte davon lebt im Subdistrikt Aileu, am dichtesten besiedelt ist Laulara mit 117,8 Einwohnern pro Quadratkilometer (2010,[1] 2004: 90[4]). Die Gesamtbevölkerungsdichte beträgt 68,9 Einwohner pro Quadratkilometer.[2] Der Altersdurchschnitt liegt bei 17,7 Jahren (2010). Die Bevölkerung im Distrikt Aileu ist damit noch jünger als im Landesdurschnitt (18,8).

In Aileu bekommen die Frauen durchschnittlich die meisten Kinder in Osttimor, wo ohnehin die Fruchtbarkeitsrate 2004 zu den höchsten weltweit gehörte. Der Subdistrikt Remexio hält mit 9,92 Kindern pro Frau landesweit die Spitze, Laulara ist mit 9,90 Kindern auf Platz zwei. Im Subdistrikt Aileu sind es noch 9,25 und in Liquidoe „nur“ 7,88 Kinder pro Frau (Landesdurchschnitt 6,99). Zwischen 1990 und 2004 wuchs die Zahl der Einwohner jährlich um 3,08 %. Die Kindersterblichkeit lag 2002 in Laulara bei 122 Todesfällen pro 1000 Lebendgeburten (1996: 134), in Aileu bei 105 (153), in Liquidoe bei 97 (148) und in Remexio bei 94 (138). Der Landesdurchschnitt betrug 98.[4]

Zwei Drittel der Bevölkerung im Distrikt spricht als Muttersprache die Nationalsprache Mambai. Der Rest hauptsächlich Tetum, vor allem den Dialekt Tetum Prasa. Im Nordosten, an der Grenze zu Manatuto wurde früher traditionell auch Galoli gesprochen. Die Volkszählung von 2004 fand aber nur noch sechs Muttersprachler im Distrikt. Berücksichtigt man auch die Zweitsprachen, so sprechen 41,2 % Tetum, 34,2 % Bahasa Indonesia und 9,5 % Portugiesisch.

2004 waren 88,4 % der Einwohner Katholiken, was deutlich unter dem Landesdurchschnitt liegt. 8,6 % sind Protestanten und 2,7 % sind noch Anhänger der traditionellen, animistischen Religion Timors.[5] Sie hat noch immer einen starken Einfluss. In einigen Dörfern, wie Hohulo und Erhetu, gibt es noch praktizierende, spirituelle Zentren. 0,2 % der Einwohner sind Muslime.[5]

Von den Einwohnern, die fünf Jahre oder älter sind, besuchten 2010 40,6 % (Frauen: 39,9 %; Männer: 41,2 %) eine Schule. 26,6 % (24,0 %; 29,0 %) haben die Schule verlassen. Nie eine Schule besucht haben 32,1 % (35,4 %; 29,1 %). Der Anteil letzterer ist in Aileu etwas höher als im Landesdurchschnitt. Dafür gibt es auch mehr Schüler.[6] 5,4 % der Einwohner haben allerdings nur die Vorschule besucht, immerhin fast zwei Drittel die Grundschule. Weiterführende Schulen haben etwa ein Drittel der Einwohner abgeschlossen. Ein Diplom oder abgeschlossenes Studium können nur 2,3 % vorweisen; das entspricht etwa einem Drittel des Landesdurchschnitts.[6] Die Analphabetenrate betrug 2004 60,9 % (Frauen: 64,4 %; Männer: 57,7 %).[4]

Schulbildung[6] Schulabschluss[6]
in der Schule Schule beendet nie in einer Schule Vorschule Grundschule Prä-
Sekundär
Sekundär Diplom/ Fach-
hochschule
Universität Kein Abschluss
Frauen 39,9 % 24,0 % 35,4 % 5,6 % 56,8 % 18,6 % 16,2 % 0,3 % 1,4 % 1,1 %
Männer 41,2 % 29,0 % 29,1 % 5,3 % 59,0 % 15,9 % 16,2 % 0,6 % 2,3 % 0,7 %
gesamt 40,6 % 26,6 % 32,1 % 5,4 % 58,0 % 17,2 % 16,2 % 0,4 % 1,9 % 0,8 %

Geschichte[Bearbeiten]

Ruine der Chinesischen Schule in Aileu (1970)

Südöstlich vom Ort Aileu lag das Reich von Dailor, eines der vielen traditionellen Reiche Timors, die von einem Liurai regiert wurden. Es erscheint, ebenso wie Caimau, auf einer Liste von Afonso de Castro, einem ehemaligen Gouverneur von Portugiesisch-Timor, der im Jahre 1868 47 Reiche aufführte.[7][8] Im Januar 1894 schloss Dailor mit Portugal einen schriftlichen Vertrag über seinen Vasallenstatus gegenüber der Kolonialmacht.[9]

1903 brach in Aileu eine Revolte gegen die Portugiesen aus, die aber schnell niedergeschlagen wurde. 1912 diente Aileu als portugiesische Basis während der Rebellion von Manufahi.[9] Erst in den letzten Jahren der portugiesischen Kolonialzeit wurde Aileu als eigenständiger administrativer Kreis (conselho) von Dili abgetrennt.[10]

Verlauf der indonesischen Invasion (1975-1979)

Aileu war 1975 eines der Zentren der Unabhängigkeitspartei FRETILIN. Hier versammelten sich die FRETILIN-Führer nach dem Putschversuch der UDT am 11. August, um zum Gegenschlag auszuholen. Nach der indonesischen Invasion, wenige Monate später, flohen viele Bewohner der Stadt Aileu, die am 29. Dezember von den Indonesier besetzt wurde, in die Berge. Die Ortschaften der Region blieben mehrere Jahre unbewohnt. Zunächst waren nur die Umgebung der Stadt Aileus und die Überlandstraßen nach Dili, Gleno/Ermera und Maubisse besetzt. In Remexio entstand eine base de apoio in der die geflohene Zivilbevölkerung von der Widerstandsbewegung FALINTIL angesiedelt wurde. Ab September 1977 drang die indonesische Armee in den Westen Aileus vor und besetzte ihn vollständig bis Februar 1978. Zwischen Mai und Juni 1978 fiel auch der Osten Aileus unter indonesischer Kontrolle. Die Basis in Remexio wurde zerstört, die Menschen auseinandergetrieben oder gefangengenommen.[11] Während der Besatzungszeit wurden Einwohner der Region um Maubisse in den Distrikt Aileu umgesiedelt. Es kam daher zu Spannungen zwischen Alteingesessenen und Neusiedlern. Die Situation war zudem explosiv, da die Bewohner Maubisse und Aileu bereits zuvor traditionell verfeindet waren.

Nach dem Referendum von 1999, bei dem sich die Bevölkerung für die Unabhängigkeit von Indonesien aussprach, kam es landesweit zu Gewaltausbrüchen durch pro-indonesischen Milizen. In Aileu waren die Zerstörungen besonders schlimm in den Subdistrikten Liquidoe und Laulara. Auch die Hauptstadt Aileu wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen. Nur wenige Gebäude blieben unzerstört. Wasser- und Stromversorgung war im gesamten Distrikt zerstört und etwa 5000 Menschen waren nach Westtimor geflohen. Schließlich wurde die internationale Eingreiftruppe INTERFET entsandt und Osttimor unter UN-Verwaltung gestellt. Kämpfer der osttimoresischen Widerstandsbewegung FALINTIL wurden in der Stadt Aileu bis Februar 2001 kaserniert. Danach begannen 600 der Kämpfer mit einer Ausbildung zu Soldaten der neuen Verteidigungskräfte Osttimors.

Zwischen 2006 und 2008 war Aileu eine der Regionen, wo Rebellenführer Alfredo Alves Reinado sich mit seinen Männern verbarg, bis er bei einem Attentat auf die Staatsführung am 11. Februar 2008 getötet wurde. Die Rebellenbewegung löste sich daraufhin auf.

Politik[Bearbeiten]

Stärkste Partei in den einzelnen Distrikten bei den Parlamentswahlen 2012

Der Distriktsadministrator wird von der Landesregierung in Dili ernannt. 2001 war dies Maria Paixão.[12] Das Amt wird derzeit von Martinho A. S. Matos bekleidet (Stand Februar 2014).[13]

Bei den Wahlen zur verfassunggebenden Versammlung, aus der später das Nationalparlament hervorging, gewann die FRETILIN in Aileu die meisten Stimmen, so dass sie das damalige Direktmandat erhielt. Bei den Parlamentswahlen 2007 gelang es der Coligação ASDT/PSD mit 46,4 % der Stimmen in Aileu stärkste Kraft zu werden.[14] Bei den Parlamentswahlen 2012 erhielt der Congresso Nacional da Reconstrução Timorense (CNRT) 52,5 %. Nur in Aileu gelang es dem CNRT bei dieser Wahl die absolute Mehrheit in einem Distrikt zu holen.

Bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen 2007 konnte Francisco Xavier do Amaral von der ASDT in Aileu 64,9 % der Stimmen auf sich vereinen, schied aber als landesweit Viertplatzierter aus. In der zweiten Runde gewann der parteilose José Ramos-Horta 93,9 %. 2012 gewann Ramos-Horta in Aileu den ersten Wahlgang, schied aber als landesweit Drittplatzierter aus. Die zweite Runde ging in Aileu an den Wahlsieger Taur Matan Ruak mit 70,8 %.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Reisanbaugebiete in Aileu
Reisfelder im Tal von Aileu

Laut der Volkszählung von 2010 arbeiten 51 % aller Einwohner, die zehn Jahre oder älter sind (Landesdurchschnitt: 42 %). 1 % sind arbeitslos (5 %).[6] Da es keine Industrie gibt, betreiben 83,7 % der Haushalte Ackerbau, 95,3 % Viehzucht.[1] Hauptsächlich wird für den Eigenbedarf angebaut. Als Handelsgut werden Kaffee, Orangen, Mangos und andere Früchte kultiviert. 69 % der Familien im Distrikt bauen Kaffee an, womit Aileu eines der Zentren des timoresischen Kaffeeanbaus ist. An der Spitze finden sich hier die Subdistrikte Laulara und Ailleu. Verkauft wird die Kaffeeernte an die Cooperativa Café Timor (CCT). Wichtigste Nahrungspflanze ist Maniok, der von 79 % der Haushalte angebaut wird (Produktion 2008: 2.940 t). Maniok wird kurz vor Beginn der Regenzeit auf Brandrodungsflächen angepflanzt und braucht je nach Region Aileus ein bis drei Jahre, bis er zu Beginn der Trockenzeit geerntet wird.[15]

Ebenso bauen 79 % der Haushalte Mais (753 t) an. Hier wird zu Beginn der Regenzeit gesät. Die schnellwachsende Art wird dann bereits in der Mitte der Regenzeit geerntet, die langwachsende Art erst gegen Ende.[16]

Im Subdistrikt Aileu wird Reis (931 t) durch Bewässerung in den Flusstälern angebaut (20 % aller Haushalte im Distrikt). Zentren sind hier der Fluss Daisoli und das Aileuflusssystem im Suco Seloi Craic. Während man in Seloi Craic nur eine Ernte, je nach Sorte, im Juni und Juli einfährt, kann man in Sarin im Januar auch Reis ernten, der über die Trockenzeit herangereift ist.[17]

Über die Regenzeit wachsen zudem Straucherbsen,[18] Süßkartoffeln[19] und Erdnüsse.[20] Daneben erntet man noch Kokosnüsse, Bohnen und andere Gemüse und Obstsorten (insgesamt 2.342 t).[6][21] Als Haustiere halten die Menschen hauptsächlich Hühner (2010: 23.687 in 76 % der Haushalte) und Schweine (12.638, 82 %). Daneben auch Ziegen (5.928,40 %), Rinder (4.697, 31 %), Pferde (2.462, 24 %), Wasserbüffel (1.782, 12 %) und Schafe (830, 3 %).[6]

Aufgrund von Dürre, Ungeziefer und Pflanzenkrankheiten kam es 2007 in Osttimor zu akuten Nahrungsmangel, der vor allem im Distrikt Aileu lange anhielt. 2008 verursachten starke Regenfälle, wie bereits 2001, weitere Einbußen bei der Ernte.

Wirtschaftlich nutzbare Waldgebiete gibt es im Distrikt nicht. Letzte Bestände gibt es noch in Tälern und an Hängen der Subdistrikte Laulara und Remexio. In Remexio gibt es letzte Reste von Sandelholz. Ansonsten finden sich Bäume nur noch als Schattenspender von Kaffeepflanzungen. Die Einwohner benutzen das Holz als Baumaterial und Brennmaterial, was die Entwaldung weiter vorantreibt. Wiederaufforstungsprogramme sind begonnen. Bodenschätze werden in Aileu nicht gefördert, abgesehen von Ton für Keramik und Ziegel. In Liquidoe gibt es ein nicht erschlossenes Marmorvorkommen.

Der lokale Radiosender ist Radio Communidade Rai Husar (Radio Aileu) auf FM 97,1 MHz.[22]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Aileu (Distrikt) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f Direcção Nacional de Estatística: 2010 Census Wall Chart (English) (PDF; 2,7 MB)
  2. a b c d Direcção Nacional de Estatística: Timor-Leste in figures 2011 (PDF; 3,8 MB), abgerufen am 5. Mai 2013
  3. Geoffrey Hull: The placenames of East Timor, in: Placenames Australia (ANPS): Newsletter of the Australian National Placenames Survey, Juni 2006, S. 6 & 7, abgerufen am 28. September 2014.
  4. a b c Census of Population and Housing Atlas 2004 (PDF; 14,0 MB)
  5. a b District Pritory Tables: Aileu 2004 (PDF; 13,0 MB)
  6. a b c d e f g Direcção Nacional de Estatística: Suco Report Volume 4 (englisch; PDF-Datei; 9,35 MB)
  7. TIMOR LORO SAE, Um pouco de história
  8. East Timor - PORTUGUESE DEPENDENCY OF EAST TIMOR (Memento vom 21. Februar 2004 im Internet Archive) im Internet Archive
  9. a b History of Timor – Technische Universität Lissabon (PDF; 824 kB)
  10. Gouvernment of Timor-Leste: Administrative Division (englisch)
  11. „Chapter 7.3 Forced Displacement and Famine“ (PDF; 1,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  12. National Directory of Studies and Research
  13. Descentralização Administrativa na República Democrática de Timor-Leste: Aileu, abgerufen am 7. Februar 2014
  14. CNE - official results on 9th July 2007 (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive) (PDF-Datei; 118 kB)
  15. Seeds of Life: Cassava: Aileu District (Englisch)
  16. Seeds of Life: Maize: Aileu District (Englisch)
  17. Seeds of Life: Irrigated Rice: Aileu District (Englisch)
  18. Seeds of Life: Pigeon Pea: Aileu District (Englisch)
  19. Seeds of Life: Sweet Potato: Aileu District (Englisch)
  20. Seeds of Life: Peanuts: Aileu District (Englisch)
  21. Direcção Nacional de Estatística: Timor-Leste in Figures 2008 (PDF; 3,7 MB)
  22. ARKTL – Asosiasaun Radio Komunidade Timor-Leste (englisch)

-8.7166666666667125.56666666667Koordinaten: 9° S, 126° O