Aire-Turm

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AIRE ist ein Bauprojekt des Unternehmers, Erfinders und Oscar-Gewinners Horst Burbulla. Der 220 Meter hohe Turm aus Glas und Stahl soll neben einer Aussichtsplattform und einem ringförmigen Gastrobetrieb einen Konzertsaal in Form eines Amphitheaters für 1100 Besucher auf rund 166 Metern Höhe beherbergen. Als Standort ist ein brachliegendes Grundstück am Rand der Bonner Rheinaue vorgesehen, wo bis 1944 die Bonner Stadthalle stand. Finanzierung, Bau und Betrieb erfolgen durch eine eigens gegründete Stiftung.[1] Die Baukosten sollen nicht wiedererwirtschaftet werden. Mithilfe eines von Burbulla initiierten Bürgerbegehrens und eines darauf folgenden Bürgerentscheides soll beschlossen werden, ob der Turm gebaut wird.[2][3]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende 2017 erscheint ein rund fünfminütiges Präsentationsvideo, das den fertigen Turm als CGI zeigt und in die Skyline von Bonn einbettet. Erste Presseberichte folgen,[4] doch das Projekt verschwindet schnell wieder aus der öffentlichen Wahrnehmung. Bis Mitte 2019 bleibt es still um AIRE, bis Burbulla im Juni verkündet, die Realisierung seines Turms dem Willen der Bürger anvertrauen zu wollen. Am 27. Juni startet er dazu ein Bürgerbegehren mit einer Auftaktveranstaltung auf dem Bonner Münsterplatz. Beantragt wird die Einleitung eines Bauleitplanverfahrens und die Verpachtung des vorgesehenen Grundstücks an die Stiftung AIRE. Sollten die benötigten 10.000 Unterschriften von Bonnern über 16 Jahren zusammengetragen, das Projekt im Anschluss aber vom Rat der Stadt abgelehnt werden, käme es zum Bürgerentscheid.[5] Nach dreimonatiger Präsentation auf öffentlichen Plätzen eröffnet Burbulla mit Unterstützung lokaler Prominenz einen multimedialen Showroom in der Bonner Innenstadt, der Gelegenheit bieten soll, das Projekt ausführlich kennenzulernen.[6] Im Zuge der COVID-19-Pandemie entschied sich Burbulla frühzeitig, den Showroom pausieren zu lassen, kündigte aber zugleich alternative Maßnahmen an, um das Projekt weiter in der öffentlichen Wahrnehmung zu halten.[7]

Befürworter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rasch bekennen sich mit der IHK Bonn/Rhein-Sieg[8] und der Dehoga die beiden größten Wirtschaftsverbände der Region zu AIRE. Seitens der Dehoga vergleicht man die mögliche touristische Wirkung des Projekts mit der Hamburger Elbphilharmonie und sieht insbesondere mit einem Konzertsaal auf 166 Metern Höhe die Möglichkeit, "Künstler ganz anderer Liga nach Bonn zu ziehen".[9] Erste Unterstützung aus der Politik erhält das Projekt von der städtischen Ratsfraktion der CDU.[10]

Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühzeitig hat Burbullas Projekt mit Missverständnissen und Kontroversen zu kämpfen. Bereits Anfang 2018 spricht Monika Hörig als Leiterin des Presseamtes und Sprecherin der Stadt Bonn davon, dass „einige Hürden auf (Burbulla) zu(kämen), denn die Rheinaue steht unter Naturschutz.“[11] Doch das vorgesehene Grundstück Parkplatz Charles-de-Gaulle-Straße liegt faktisch außerhalb der Rheinaue, weshalb Bedenken zum Naturschutz nicht greifen. Umstritten ist auch die Aussage, dass die Stadt bei Schaffung von Baurecht an betreffender Stelle einen Betrag von 12 Millionen Euro an den Bund zählen müsse. Burbulla widerspricht: „Die Höhe ist aktuell eine Schätzung und ob überhaupt etwas vom Bund gefordert würde und in welchen Tranchen, ist derzeit offen. Die betreffende Vereinbarung läuft allerdings 2027 ohnehin aus.“[12] Und Stefan Schultz vom Express fragt: „Wie wäre es mal, mit dem Bund Gespräche zu führen und klar nachzuhaken?“[13] Ende 2019 sorgt eine Überschrift im General-Anzeiger Bonn für ein massives Missverständnis. Die Formulierung „Bonner Ratsfraktionen lehnen Aire-Turm in der Rheinaue ab“ impliziert das Ende von AIRE,[14] unterstrichen von der Aussage „Im Stadtrat hat Burbulla offensichtlich keine Chance mit seinem Projekt“.[15] Faktisch zitiert der Verfasser lediglich vier befragte Ratsmitglieder, von denen sich drei gegen das Projekt aussprechen. Entscheidungsbefugt ist der Stadtrat während eines laufenden Bürgerbegehrens grundsätzlich nicht. Am 3. April 2020 veröffentlichte der BDA (Bund Deutscher Architekten) Bonn-Rhein-Sieg ein Statement, in dem er "die für Planung verantwortlichen Vertreter aus Politik und Verwaltung auf[fordert], sich von diesem Vorhaben zu distanzieren".[16] Burbulla selber "kann die ablehnenden Stimmen zwar in gewisser Weise verstehen", findet aber, es "braucht auch mal den Mut, etwas Außergewöhnliches zu wagen".[17]

Design[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beständiges Diskussionsthema ist das eigenwillige Design des Turms. Im Gegensatz zu den beiden benachbarten Hochbauten Posttower und Langer Eugen arbeitet AIRE mit ausgeprägter Dachornamentik, die sich explizit am böhmischen Kronleuchter orientiert.[18] Burbulla sieht den Bautypus der Bonner Südstadt als Inspiration. Sie habe „diesen wahnsinnigen Stuck und diese Verzierung und [...] diese Lebensfreude.“ Gerade die auffällige Ornamentik wertet er als wichtigen Faktor für den späteren Erfolg des Turms. Würde man sie entfernen, „mache man einen Schritt zurück.“[19]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christine Scharrenbroch: Ein Konzert-Turm für die Beethovenstadt. Abgerufen am 21. April 2020.
  2. Stefan Schultz: Oscar-Star plant das absolute Mega-Ding. Abgerufen am 9. Februar 2020.
  3. Alison Carter: People to decide if giant glass tower to be built. Abgerufen am 13. Februar 2020.
  4. Johanna Ristau: Erfinder will Bonn verschönern: Kommt der „Lange Oscar“ in die Rheinaue? Abgerufen am 9. Februar 2020.
  5. Philipp Königs: Bonner plant Bürgerbegehren für Turm in der Rheinaue. Abgerufen am 9. Februar 2020.
  6. Stefan Schultz: Mega Turm in Bonner Rheinaue: Auch Promis trommeln für den AIRE-Tower. Abgerufen am 9. Februar 2020.
  7. Stefan Schultz: Trotz Corona: Lebenstraum von Bonner Oscar-Preisträger geht weiter. Abgerufen am 26. Mai 2020.
  8. Rüdiger Franz: IHK unterstützt Burbulla bei seinen Turm-Plänen. Abgerufen am 12. März 2020.
  9. Philipp Königs: Aire-Projekt: 220 Meter hoher Turm in der Rheinaue findet weiteren Fürsprecher. Abgerufen am 9. Februar 2020.
  10. CDU-Ratsfraktion Bonn: CDU-Fraktion informierte sich über das Projekt „AIRE“. Abgerufen am 5. März 2020.
  11. Johanna Ristau: Erfinder will Bonn verschönern: Kommt der „Lange Oscar“ in die Rheinaue? Abgerufen am 9. Februar 2020.
  12. Stefan Schultz: IHK und DEHOGA für Bonner AIRE-Turm – Aber: Scheitert Projekt an 12 Mio. Euro? Abgerufen am 9. Februar 2020.
  13. Stefan Schultz: Kommentar zum Aire-Turm an der Bonner Rheinaue: Redet miteinander wie Erwachsene. Abgerufen am 9. Februar 2020.
  14. Martin Wein: Bonner Ratsfraktionen lehnen Aire-Turm in der Rheinaue ab. Abgerufen am 9. Februar 2020.
  15. Andreas Baumann: Kommentar zum geplanten Aire-Turm: In den Wolken. Abgerufen am 9. Februar 2020.
  16. BDA Bonn-Rhein-Sieg: Veranstaltungsturm „AIRE“ – Stellungnahme des BDA Bonn-Rhein-Sieg. Abgerufen am 21. April 2020.
  17. Christine Scharrenbroch: Ein Konzert-Turm für die Beethovenstadt. Abgerufen am 21. April 2020.
  18. Ulla Thiede: „Aire“-Turm in der Rheinaue soll die Bonner zum Träumen bringen. Abgerufen am 2. März 2020.
  19. Volker Groß: Schon 5.000 Unterschriften: Interview Horst Burbulla. Abgerufen am 20. Februar 2020.