Ajaccio

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Ajaccio
Wappen von Ajaccio
Ajaccio (Frankreich)
Ajaccio
Region Korsika (Präfektur)
Département Corse-du-Sud
Arrondissement Ajaccio
Kanton Ajaccio-1 (Hauptort)
Ajaccio-2 (Hauptort)
Ajaccio-3 (Hauptort)
Ajaccio-4 (Hauptort)
Ajaccio-5 (Hauptort)
Gemeindeverband Communauté d’agglomération du Pays Ajaccien
Koordinaten 41° 56′ N, 8° 44′ OKoordinaten: 41° 56′ N, 8° 44′ O
Höhe 0–787 m
Fläche 82,03 km2
Einwohner 68.462 (1. Januar 2015)
Bevölkerungsdichte 835 Einw./km2
Postleitzahl 20000
INSEE-Code
Website www.ajaccio.fr

Blick durch die Innenstadt zum Hafen

Ajaccio (französisch [aʒakˈsjo], italienisch [aˈjattʃo], korsisch Aiacciu [aˈjaʧːu]) ist eine französische Gemeinde mit 68.462 Einwohnern (Stand 1. Januar 2015) und die Hauptstadt der Mittelmeerinsel Korsika. Innerhalb der Gliederung Frankreichs ist Ajaccio Hauptstadt der Region Corse (Korsika) sowie Sitz der Präfektur des Départements Corse-du-Sud (Südkorsika).

Napoleon Bonaparte wurde 1769 in Ajaccio geboren. Ajaccio ist Gründungsmitglied des Bundes der europäischen Napoleonstädte.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ajaccio liegt am Nordufer des gleichnamigen Golfes an der südlicheren Westküste Korsikas. Rund zehn Kilometer westlich, am Golf von Ajaccio, liegt die Inselgruppe Îles Sanguinaires.

Verkehrsverbindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ajaccio verfügt über den größten Flughafen der Insel, den internationalen Flughafen Ajaccio Napoléon Bonaparte, auch Campo dell'Oro genannt.

Der Handelshafen ist nach dem von Bastia der zweitgrößte der Insel. Fähren verbinden Ajaccio ganzjährig mit Marseille, Toulon und Nizza. Zur Saison gibt es außerdem innerkorsische Fährverbindungen nach Calvi und Propriano.

Schiffe namhafter Kreuzfahrt-Reedereien laufen Ajaccio an.

Am Hafen befindet sich der Bahnhof der korsischen Eisenbahn (Chemins de fer de la Corse). Das Schienennetz Korsikas ist 230,6 km lang und verbindet die Hafenstädte Bastia und Ajaccio. Von Ponte-Leccia aus führt eine Strecke bis nach Calvi.

Der öffentliche Busverkehr in der Stadt wird betrieben von der Gesellschaft Muvistrada. Das Einheitsticket kostet pro Fahrt und Person 1 € (Stand Mai 2018). Beispielsweise fährt der Bus der Linie 5 von der zentral gelegenen Place Charles de Gaulle die Küste entlang 10 km in westlicher Richtung zum Ausflugsziel Pointe de la Parata am Ende der Route des Sanguinaires.[1]

Klimatabelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ajaccio
Klimadiagramm
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Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: [2]
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Ajaccio
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 13,3 13,7 15,0 17,4 20,9 24,5 27,6 27,7 25,4 22,0 17,5 14,4 Ø 20
Min. Temperatur (°C) 3,9 4,3 5,3 7,3 10,6 13,8 16,2 16,5 14,4 11,4 7,7 4,8 Ø 9,7
Niederschlag (mm) 74 70 58 52 40 19 11 20 44 87 96 76 Σ 647
Sonnenstunden (h/d) 4,3 5,0 6,1 7,5 9,1 10,7 11,8 10,7 8,8 6,8 5,0 4,1 Ø 7,5
Regentage (d) 9 9 8 7 6 3 1 2 4 7 9 9 Σ 74
Wassertemperatur (°C) 14 13 14 14 16 20 23 24 22 20 18 15 Ø 17,8
Luftfeuchtigkeit (%) 81 81 81 80 81 78 76 76 77 81 82 81 Ø 79,6
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Quelle: [2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Genuesische Altstadt von Ajaccio
Der genuesische Turm Tour de la Parata überwachte die Einfahrt zum Golf von Ajaccio

Zur Zeit der Ptolemäer war die Küstenregion bereits besiedelt, zur römischen Zeit gab es den Hafenort Adiacium. Das heutige Ajaccio wurde 1492 von den Genuesen gegründet.

  • 1553: Die Franzosen bemächtigen sich der Stadt und errichten die Zitadelle.
  • 1559: Der König von Frankreich übergibt Korsika den Genuesen, aufgrund der Vollstreckung und Einhaltung des Vertrages von Cateau-Cambresis.
  • 1575: Die Ligurische Republik bewilligt Ajaccio einen Stadtwappen: Azurblau, mit einer silbernen Säule in der Mitte, überragt vom Wappenschild der Republik Genua, umrahmt von einem silbernen Hund auf jeder Seile mit der Inschrift in lateinischer Sprache: Dies sind die Bürger Ajaccios und ihre Beziehung zur Republik Genua.
  • 1656: Die Stadtherren von Ajaccio stellen die Stadt unter den Schutz der Heiligen Jungfrau von Savona, die die Stadt vor der Pest bewahren soll. Sie ist seit damals die Schutzpatronin und wird jährlich am 18. März gefeiert.
  • 1729: Während des 40-jährigen Krieges errichtet Pascal Paoli im Königtum Korsikas demokratische Institutionen.
  • 1739: Lucas von Ornano versucht sich der Stadt zu bemächtigen, jedoch ohne Erfolg.
  • 1763: Paoli versucht auf eigene Verantwortung an die Macht zu gelangen, aber sein heldenhafter Versuch wurde durch die Unverschämtheit von Masseria verhindert.
  • 1768: Die Franzosen bemächtigen sich Korsikas. Die Insel wird unter die Krone Frankreichs gestellt und seither ist ihre Geschichte eng mit der Frankreichs verknüpft.
  • 1769: Geburt von Napoleon Bonaparte in Ajaccio
  • 1793: Ajaccio wird Sitz des Départements Liamone 1811 Sitz des Départements Corse (Korsika).
  • 1801: Die Stadtmauern von Ajaccio werden niedergerissen und neue Viertel bilden sich um den verbesserten Hafen. 5000 Einwohner zählte die Stadt damals, die innerhalb von zwei Jahrhunderten auf über 60.000 heranwuchs.
  • 1811: Sitz des Départements Corse (Korsika)

Das korsische Regionalparlament (Assemblée de Corse) ist hier seit seiner Gründung im Jahre 1982 beheimatet. Die Gründung dieses Parlamentes erfolgte im Zuge der Regionalisierung Frankreichs unter Staatspräsident François Mitterrand.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: In Blau eine auf grünem Schildfuß stehende silberne Säule mit darüber schwebender dreispitziger silberner Krone, beiderseits gehalten von zwei aufrechten zugewandten goldenen Löwen, den jeweils hinteren Fuß auf der Säulenbasis ruhend.

Bis zum Jahre 1768 gehörte Korsika zur Republik Genua im heutigen Italien. Deshalb weist auch das Wappen von Ajaccio Bezüge zu Italien auf: Die Säule mit der Krone stammt aus dem Wappen des römischen Geschlechts Colonna, die ursprünglichen Wappentiere – Hunde – wurden durch Löwen ersetzt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Innenstadt im engeren Sinn ist von schmalen, schattigen Gassen mit mehrstöckigen alten Häusern geprägt. In den umliegenden Vierteln finden sich größzügige Boulevards mit prachtvollen Villen. Die Fassaden der Häuser sind meist in warmen Rot-, Orange- und Gelbtönen gehalten.[3]

Die Westseite der Stadt ist von Häfen geprägt: Zwischen zwei Yachthäfen liegt die Gare Maritime mit ihren Anlegern für große Fähren und Kreuzfahrtschiffen. Die Zitadelle an der Südwestspitze trennt als markante Landmarke das westliche vom südlichen Meeresufer der Stadt. Diese südliche Ufer ist geprägt von einem Boulevard, der sich 10 km bis über die Stadt hinaus zur Landspitze Pointe de la Parata zieht. Das ganze südliche Ufer bis zur Landspitze hinaus ist gesäumt von sandigen Badestränden.

Innenstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hafen

Die genuesische Altstadt mit ihren engen Gassen ist stark touristisch geprägt. Sie erstreckt in mit einem Durchmesser von rund 250 m nordwestlich der Zitadelle. Vor der Zitadelle liegt der vornehmste Yachthafen, der Port de Plaisance Tino Rossi. Innerhalb dieses Yachthafens liegt der Fischereihafen Port Abri im Schatten der Zitadelle. Die Spitze der Jetée de la Citadelle auf der Außenmole des Yachthafens bietet einen Ausblick auf Hafen, Stadt und die Bucht von Ajaccio. Die Zitadelle selbst kann nur im Rahmen einer organisierter Führungen des Tourismusbüros besichtigt werden.[4]

Nördlich an die Altstadt schließt sich die Place Maréchal Foch, auch Place des Palmiers genannt. mit dem von vier Löwen geschmückten Denkmal für Napoléon Bonaparte an. An der Avenue Serafini, die die Nordseite des Platzes begrenzt, liegt das Rathaus der Stadt. Auf dem Platz findet mehrmals wöchentlich ein Markt statt, auf dem korsische Produkte, insbesondere korsische Wurst und korsischer Käse, angeboten werden.[5] Jeden Donnerstag im Juli und August veranstaltet dort die association du 2e Régiment des chasseurs à pied de la garde eine Parade in den Original-Uniformen der napoleonischen Zeit.[6]

Nördlich an den Platz schließt sich das lebhafte Einkaufsviertel um die Fußgängerzone Rue du Cardinal Fesch an.

Historische Bauten und Denkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmal für Pascal Paoli vor der Zitadelle

Für eine Liste der historischen Bauwerke und Denkmäler siehe Liste der Monuments historiques in Ajaccio.

Napoleon Bonaparte ist in seiner Heimatstadt Ajaccio allgegewenwärtig. Neben dem erwähnte Denkmal auf der Place Maréchal Foch steht oberhalb der Stadt, an der Place d`Austerlitz, eine monumentale Statue. Auf der Schräge unterhalb sind Eckdaten seines Lebenslaufs eingraviert. Von der Statue aus hat man durch den Cours Général Leclerc und den Cours Grandval eine Sichtachse durch den neueren Teil der Innenstadt bis zum Hafen.

Eine Statue von Napoleon in Gestalt eines römischen Konsuls steht auf der großen freien Place Charles de Gaulle unmittelbar westlich der Altstadt. Um die Statue Napoleons gruppieren sich Statuen seiner Brüder Joseph, Lucien, Louis und Jérôme.

Eine Büste des Freiheitskämpfers, demokratischen Verfassungsgebers und Bonaparte-Gegners Pacal Paoli ist am Boulevard Danielle Casanova zwischen Altstadt und Zitadelle aufgestellt.

Friedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am südlichen Uferboulevard liegt m Rande des Innenstadtbereichs die Cimetière d`Ajaccio. Ihre vielen. teils monumental gestalteten Familien-Grabkapellen bilden selbst eine kleine Stadt. Auf dem Friedhof befindet sich auch die kleine Grabkapelle für den Schlagersänger Tino Rossi, die in dieser Umgebung sogar vergleichsweise bescheiden wirkt. Wenig weiter stadteinwärts liegt außerhalb des Friedhofs eine Reihe besonders großer Familien-Grabkapellen, die Sept Chapelles.

Städtische Bibliothek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lesesaal der städtischen Bibliothek

Die bibliothèque municipale wurde 1801 von Lucien Bonaparte gegründet. Er stattete sie mit 12.300 Werken aus, die das revolutionäre Frankreich aus Beständen des Königshauses, des Adels und der Kirche konfisziert hatte. 1868 nahm bezog sie ihren jetzigen Platz im Nordflügel des Palais Fesch. Im Eingangsbereich beeindrucken ein großzügiges Treppenhaus und zwei steinerne Löwen, von Antonio Canova gemeißelte Kopien der Löwen am Grabmal von Papst Clemens XIII. im Petersdom. Der Lesesall ist 30 Meter lang. In ihm befinden sich 40.000 Werke aus dem 15. bis zum 19. Jahrhundert. 29 Inkunabeln und 220 Handschriften stammen aus einer Spende von Kardinal Fesch.[7]

Besonders bemerkenswert sind:[7]

Pointe de la Parata[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wanderung an der Steilküste nördlich der Pointe de la Parata

Die westliche Landspitze Pointe de la Parata wird von einem genuesischen Wachturm überragt. Der Turm selbst kann nicht betreten werden. Dessen Anhöhe und die Landspitze unterhalb bieten einen Rundblick in die erweiterte Bucht von Ajaccio, in die Berg- und Küstenlandschaft südlich davon, hinüber zu der Inselkette der Îles Sanguinaires, hinaus aufs offene Meer und hinüber zu den nördlichen Küstenabschnitten. Mit Booten kann man sich zu den Îles Sanguinaires übersetzen lassen. Eine Wanderpfad führt über die Klippen und durch die Macchia Richtung Norden bis hin zu abgelegenen Badestränden und zum Capo di Feno mit seinem Leuchtturm.[8]

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Journées Napoléoniennes d’Ajaccio“ vom 12. bis 15. August. Umzüge, Konzerte, Schauspiel und Ausstellungen.
  • „Les Régates Imperiales“ - Ende Mai/Anfang Juni versammeln sich Segeloldtimer im Golf von Ajaccio
  • „Frühling in der Region Ajaccio“ - Mitte April bis Anfang Mai. Das reichhaltige Programm reicht von Sportereignissen, Kultur und Freizeitaktivitäten bis zu festlichen und kulinarischen Rendezvous in den Dörfern der Umgebung von Ajaccio.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Gemeinde sind die Fußballvereine AC Ajaccio und Gazélec FCO Ajaccio beheimatet.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inschrift am Eingang zu Napoleons Geburtshaus
Place Foch, Napoleon Bonaparte auf dem Brunnen der vier Löwen
Place d’Austerlitz, Denkmal für Napoleon und dessen Erfolge

Familie Bonaparte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Stammliste der Bonaparte

Eltern

Kinder

Weitere Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Chronologisch)

Bischöfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ajaccio – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Muvistrada, les transports en commun du Pays Ajaccien. In: Website der Verkehrsgesellschaft. Abgerufen am 12. Mai 2018 (fr-FR).
  2. wetterkontor.de
  3. Hans-Jürgen Siemsen: Korsika. In: DuMont Reise-Taschenbuch. 5. Auflage. DuMont Reiseverlag, Ostfildern 2017, ISBN 978-3-7701-7498-0, S. 169.
  4. Hans-Jürgen Siemsen: Korsika. In: DuMont Reise-Taschenbuch. 5. Auflage. DuMont Reiseverlag, Ostfildern 2017, ISBN 978-3-7701-7498-0, S. 170.
  5. Ajaccio - Place du Maréchal-Foch (ou des Palmiers). In: Le Guide Vert Michelin. Abgerufen am 11. Mai 2018 (fr-FR).
  6. Place Foch à Ajaccio. In: Corse Matin. 6. Juli 2012 (französisch, corsematin.com [abgerufen am 11. Mai 2018]).
  7. a b Bibliothèque Municipale. In: Ajacciotourisme.com. Abgerufen am 24. Mai 2018 (französisch).
  8. Hans-Jürgen Siemsen: Korsika. In: DuMont Reise-Taschenbuch. 5. Auflage. DuMont Reiseverlag, Ostfildern 2017, ISBN 978-3-7701-7498-0, S. 176.