Akademie für Deutsches Recht

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Gesetz über die Akademie für Deutsches Recht vom 11. Juli 1934

Die Akademie für Deutsches Recht war im sog. Dritten Reich eine wissenschaftliche Einrichtung unter der Aufsicht des Reichsjustiz- und des Reichsinnenministeriums.

Die Akademie wurde am 26. Juni 1933 in München gegründet und am 2. Oktober 1933 vom Reichskommissar für die Gleichschaltung der Justiz Hans Frank auf dem Deutschen Juristentag des Nationalsozialistischen Rechtswahrerbundes in Leipzig proklamiert. Durch Reichsgesetz vom 11. Juli 1934 wurde sie zu einer öffentlichen Körperschaft des Reichs mit Sitz in München und der gesetzlichen Aufgabe, "die Neugestaltung des deutschen Rechtslebens zu fördern und in Verbindung mit den für die Gesetzgebung zuständigen Stellen das nationalsozialistische Programm auf dem gesamten Gebiet des Rechts zu verwirklichen".[1]

Die Akademie nahm zwar einen wissenschaftlichen Betrieb auf, konnte ihren rechtspolitischen Auftrag jedoch nicht erfüllen.[2]

Organisation und Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Organe der Akademie waren der Präsident (bis 1942 Hans Frank, von 1942 bis 1944 Otto Thierack), der vom Reichskanzler ernannt wurde, und das Präsidium, das den Präsidenten bei seinen Aufgaben unterstützte und beriet. Die Akademie umfasste ordentliche, außerordentliche, fördernde und korrespondierende Mitglieder. Die Mitglieder wurden auf die Dauer von vier Jahren ernannt.

Die satzungsgemäßen Aufgaben der Akademie waren vor allem:[3]

  1. Die Ausarbeitung, Anregung, Begutachtung und Vorbereitung von Gesetzentwürfen,
  2. die Mitarbeit bei der Neugestaltung und Vereinheitlichung der rechts- und staatswissenschaftlichen Ausbildung,
  3. die Herausgabe und Unterstützung wissenschaftlicher Veröffentlichungen,
  4. die finanzielle Förderung von praktischen wissenschaftlichen Arbeiten, die der Erforschung von Sondergebieten des Rechts und der Volkswirtschaft dienten,
  5. die Veranstaltung von wissenschaftlichen Tagungen und die Einrichtung von Lehrkursen,
  6. die Pflege der Beziehungen zu gleichgerichteten Einrichtungen des Auslandes.

Die Akademie gab die „Zeitschrift der Akademie für Deutsches Recht“ heraus (ab 1934).

Ab 1939 befasste sich die Akademie für Deutsches Recht mit der Erarbeitung eines Volksgesetzbuchs.

Bekannte Mitglieder waren Friedrich Minoux, Hermann Göring, Hans Frank, Roland Freisler, Max Hildebert Boehm, Karl Christian von Loesch, Carl Schmitt, Martin Heidegger, Ernst Hugo Correll, Wolfgang Siebert, Karl Maria Hettlage, Friedrich Grimm, Horst Bartholomeyczik, Werner Sombart, Eberhard Schmidt, Hans Würdinger (1903–1989), Carl Duisberg und andere.

1941 war der spätere langjährige Innenminister und stellvertretende Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen sowie Präsident des Deutschen Sportbundes Willi Weyer las Assistent in der Akademie tätig.[4] Vorsitzender des "Ausschusses für Polizeirecht" war Werner Best. Den Vorsitz im „Ausschuss für Rechtsphilosophie“ hatte Carl August Emge inne, im „Ausschuss für Kolonialrecht“ Axel von Freytagh-Loringhoven.

Ihren Sitz hatte die Akademie in dem 1936 bis 1939 von Oswald Bieber erbauten Haus des Deutschen Rechts in München, Ludwigstraße 28.

Von der Akademie herausgegebene Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arbeitsberichte
  • Jahrbuch (1.1933/34–6/7.1939/40)
  • Schriften der Akademie für Deutsches Recht
    • Gruppe Rechtsgeschichte
      • Germanenrechte. Texte und Übersetzungen
    • Gruppe römisches Recht und fremde Rechte
    • Gruppe Rechtsgrundlagen und Rechtsphilosophie
    • Gruppe Schuldrecht
    • Gruppe Verfassungs- und Verwaltungsrecht
    • Gruppe Handels- und Wirtschaftsrecht
    • Gruppe Recht des Auslands
    • Gruppe Wirtschaftswissenschaft
      • Sonderreihe Haushaltswesen
  • Zeitschrift der Akademie für deutsches Recht, ZAkDR (1.1934–11.1944)
  • Zeitschrift für Wehrrecht

Archivalien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Akten der Akademie einschließlich der Personalakten der Mitglieder liegen frei verfügbar im Bundesarchiv in Berlin-Lichterfelde.

Materialien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Susanne Adlberger: Nützliche Kooperation – Die Juristische Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität und die Akademie für Deutsches Recht in: Elisabeth Kraus (Hrsg.): Die Universität München im Dritten Reich. Aufsätze. Teil I. Herbert Utz, München 2006, ISBN 3-8316-0639-0, S. 405–430.
  • Hans Hattenhauer: Die Akademie für Deutsches Recht. In: Juristische Schulung (JuS) 1986, S. 680–684.
  • Detlef Peitz, Parlamentssstenografen und NS-Diktatur. Teil 3: Protokollierung von Recht und Unrecht. In: Neue Stenografische Praxis, 63. Jahrgang (2015), 1. Heft, S. 10–14.
  • Hans-Rainer Pichinot: Die Akademie für Deutsches Recht. Aufbau und Entwicklung einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft des Dritten Reichs. Kiel, Univ.-Diss. 1981

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. § 2 des Gesetzes über die Akademie für deutsches Recht vom 11. Juli 1934, RGBl. S. 605. Österreichische Nationalbibliothek, Historische Rechts- und Gesetzestexte Online, abgerufen am 3. November 2017
  2. Martin Rath: Akademie für Deutsches Recht: Die juristische Travestie des Dr. Frank Legal Tribune Online, 7. Oktober 2012
  3. § 1 der Satzung der Akademie für deutsches Recht, RGBl. 1934 S. 605. Anlage zum Gesetz über die Akademie für deutsches Recht
  4. vgl. Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who 13. Ausgabe 1958, S. 1366