Akademiezentrum Sankelmark

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Das Akademiezentrum Sankelmark ist eine Akademie für politische, historische und kulturelle Bildung mit Tagungszentrum in Oeversee-Sankelmark in Schleswig-Holstein. Das Akademiezentrum bilden die Akademie Sankelmark im Deutschen Grenzverein e.V., die Europäische Akademie Schleswig-Holstein e.V. und die Academia Baltica e.V.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pläne, am Sankelmarker See bei Oeversee eine Bildungsstätte zu bauen, existierten vermutlich bereits zur Zeit der Weimarer Republik. Es war aber die dänische Minderheit im Landesteil Schleswig, die unfreiwillig den Anstoß für die Gründung der Akademie Sankelmark gab. 1947 hatte der Dänische Schulverein ein zwei Hektar großes Grundstück am Sankelmarker See gepachtet, um an dieser Stelle eine Højskole zu erbauen. Der damalige Landrat und spätere Ministerpräsident Friedrich Wilhelm Lübke widersetzte sich diesem Vorhaben, das er als Teil einer dänischen „Kulturoffensive“ im Grenzland verstand. In einer Wahlkampfrede erklärte Lübke 1948: „Ich möchte mich offen dazu bekennen, daß wir keine dänische Volkshochschule am Sankelmarker See wollen […].“ Lübke bezweifelte die Gültigkeit des Pachtvertrags und verweigerte eine Baugenehmigung. Zudem wurde das Gelände am Sankelmarker See 1950 durch den Kreistag unter Naturschutz gestellt, so dass keine Bautätigkeit mehr möglich war. Der Dänische Schulverein hatte bereits zuvor von seinen Plänen Abstand genommen und sich für die Sankelmark benachbarte Gemeinde Jarplund als Standort der Højskole entschieden.

1952–1955[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ungeachtet des Naturschutzes entschied sich der Deutsche Grenzverein, am Sankelmarker See eine deutsche Bildungsstätte zu errichten. Am 17. Juni 1951 legte Landrat Lübke als Vorsitzender des Deutschen Grenzvereins den Grundstein für die Akademie. Lübkes Idee einer Heimvolkshochschule samt Turnhalle und Freilichtbühne wurde indes nicht realisiert. Stattdessen wurde das Konzept des Bibliothekars Franz Schriewer verwirklicht, der sich für eine Akademie „zur Aufklärung und Schulung für Grenzfragen und Grenzarbeit“ einsetzte. Nach dem Vorbild der Evangelischen Akademien sollten in Sankelmark Tagungen mit bis zu drei Veranstaltungstagen stattfinden. Am 29. Juni 1952 wurde die „Grenzakademie Sankelmark“ mit einem Festakt eröffnet. Finanziert wurde der 900.000 DM teure Bau durch den Bund, das Land Schleswig-Holstein, den Deutschen Grenzverein sowie durch Spenden von öffentlichen Einrichtungen und Privatpersonen. Das aus Kalksandstein und Findlingen errichtete Akademiegebäude besaß zum Zeitpunkt der Eröffnung einen Speisesaal, einen Konferenzraum, einen Hörsaal und eine Bibliothek mit 3.000 Bänden. Zehn Einzel- und zwölf Doppelzimmer standen für Tagungsgäste zur Verfügung. Zunächst vorgesehene Vitrinen mit Erinnerungsstücken an die Schlacht von Oeversee (1864) wurden jedoch nicht angeschafft. 50 Mitarbeiter waren 1952 in der Grenzakademie tätig.

Friedrich Wilhelm Lübke, mittlerweile Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein, betonte in seiner Ansprache zur Eröffnung der Akademie Sankelmark: „Die Arbeit der Akademie muss unter dem Dreiklang stehen: Aus der Geschichte schöpfen, in die Zukunft blicken und das Gegenwärtige fassen“. In der Gründungsurkunde hieß es: „Die Grenzakademie soll in freier geistiger, politischer und kultureller Auseinandersetzung dazu beitragen, die schleswigsche Grenzfrage einer friedlichen und gerechten Lösung zuzuführen und soll darüber hinaus die Brücke sein zu einer echten Verständigung der Völker“.[1]

Der erste Direktor der Grenzakademie, Studienrat Johann Heinrich Martens, amtierte nur wenige Monate. Bereits im Oktober 1952 verließ er Sankelmark. Sein Nachfolger Franz Schriewer leitete die Akademie nebenamtlich von 1952 bis 1954. In dieser Zeit standen die Probleme des Grenzlandes im Mittelpunkt der Akademiearbeit. Zentrale Begriffe der Tagungen waren Heimat, Vaterland, Volk und Geschichte. Dem anspruchsvollen Ziel, das Deutschtum im Grenzland zu fördern und zugleich den Dialog mit den dänischen Nachbarn zu ermöglichen, versuchte die Grenzakademie u. a. dadurch gerecht zu werden, dass sie schon früh deutsch-skandinavische Tagungen und Fortbildungen für Lehrer aus Skandinavien durchführte. Dennoch urteilte 1954 ein Redakteur des NWDR mit Blick auf Sankelmark: „Es hat dort noch niemals eine echte Begegnung zwischen Angehörigen beider Volksgruppen stattgefunden“.[2]

1955–1968[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit den Bonn-Kopenhagener Erklärungen wurde 1955 die traditionelle deutsche Grenzlandarbeit obsolet. Neue Themen brachte Heinz Dähnhardt nach Sankelmark. Er war zuvor Feuilletonchef der Tageszeitung „Die Welt“ und leitete die Grenzakademie von 1954 bis 1968. Die politische und gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland und Europa bestimmte zunehmend das Programm der Akademie. Dazu zählt auch die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit. Pioniercharakter in dieser Hinsicht hatte im Oktober 1955 die Tagung „Unbewältigte Vergangenheit“. Zwischen 1952 und 1956 fanden in Sankelmark jährlich 55–75 Veranstaltungen statt. 20–25 Tagungen pro Jahr wurden von den Mitarbeitern der Akademie konzipiert und durchgeführt, weitere Veranstaltungen mit Kooperationspartnern wie der Evangelischen Akademie Schleswig-Holstein. Teilnehmer waren vor allem Beamte, Lehrer sowie „städtische Haus- und Landfrauen“.

1968–1988[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Politische Themen bestimmten ab 1968 das Programm der Akademie. Joachim Oertel, der die Akademie Sankelmark von 1968 bis 1991 leitete, setzte sich schon früh für die Verständigung der Deutschen mit ihren osteuropäischen Nachbarn ein. Auf die Tagung „Das deutsch-polnische Verhältnis in Gegenwart und Zukunft“ im März 1971 folgten zahlreiche Veranstaltungen zur Geschichte und Gegenwart Mittel- und Osteuropas, ab Ende der 1980er Jahre zunehmend auch mit Gästen aus Polen und den baltischen Staaten. Weitere Schwerpunkte bildeten Seminare zur deutschen Frage sowie die ab 1984 in Sankelmark stattfindenden Minderheitenkongresse. Nach dem Beitritt Dänemarks zur Europäischen Gemeinschaft 1973 änderte Oertel eigenmächtig den Namen der Akademie in „Akademie Sankelmark“. Dieser Schritt wurde erst nachträglich durch den Vorstand des Deutschen Grenzvereins gebilligt. In den 1970er und 1980er Jahren arbeiteten als Dozenten an der Akademie u. a. der Politologe und Sinologe Dietmar Albrecht, später Gründungsdirektor der Academia Baltica, der SPD-Landtagsabgeordnete Gert Roßberg sowie Klaus Matthiesen, von 1973 bis 1983 Fraktionsvorsitzender der SPD im Landtag von Schleswig-Holstein. 1982, 30 Jahre nach Eröffnung der Akademie, zählte Sankelmark pro Jahr 6.000 Akademiegäste, davon 10–15 % aus dem Ausland.

1988–2012[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1988 reduzierte das Land Schleswig-Holstein seine Förderung für den Deutschen Grenzverein. Die daraus resultierenden Probleme prägten die Amtszeit des Theologen Gerhard Jastram, der von 1991 bis 1998 Direktor der Akademie war. Eine Stabilisierung der finanziellen Verhältnisse gelang erst Ende der 1990er Jahre in der Amtszeit des Akademiedirektors Rainer Pelka. Zur Stärkung des Standorts Sankelmark trug auch die 1999 erfolgte Übersiedlung der Europäischen Akademie Schleswig-Holstein von Leck nach Sankelmark bei. 2011 verlegte außerdem die Academia Baltica ihre Geschäftsstelle von Lübeck nach Sankelmark. Seitdem bilden die Akademie Sankelmark, die Europäische Akademie Schleswig-Holstein und die Academia Baltica unter der Leitung des Historikers Christian Pletzing das Akademiezentrum Sankelmark.

Profil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Akademie Sankelmark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Akademie Sankelmark ist eine Erwachsenenbildungseinrichtung, die Seminare und Tagungen zu politischen und kulturellen Themen der Region Sønderjylland/Schleswig, des Landes Schleswig-Holstein und der Bundesrepublik Deutschland anbietet. Dabei geht es vornehmlich um politische Bildung, die Ausgestaltung demokratischen Zusammenlebens, Geschichte, Kultur und Religion, Literatur und bildende Kunst und damit um die ethischen Grundlagen unserer Gesellschaft. Die Akademie Sankelmark wurde im Jahr 1952 eröffnet, um als Ort „freier geistiger, politischer und kultureller Auseinandersetzung […] Brücke [zu] sein zu einer echten Verständigung der Völker“ – so der Wortlaut in der Gründungsurkunde. Träger der Akademie ist der gemeinnützige Deutsche Grenzverein e. V., dessen Mitglieder u. a. Kreise und Gemeinden des Landesteils Schleswig sind.

Europäische Akademie Schleswig-Holstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Europäische Akademie Schleswig-Holstein bietet Seminare und Tagungen zu politischen und kulturellen Themen Europas an. Die Arbeit ruht auf zwei Säulen: Die Europa-Akademie konzentriert sich vornehmlich die Europäischen Institutionen und Politik, Kultur und Alltagsleben unserer europäischen Nachbarstaaten. Die Europäische Akademie für Angelegenheiten der Minderheiten informiert über Minderheitenprobleme und Lösungsansätze für diese Probleme. Die Europäische Akademie Schleswig-Holstein wurde 1978 gegründet. Sie wechselte ihren Standort im Jahr 1999 aus der damaligen Heimvolkshochschule in Leck nach Sankelmark. Träger der Akademie ist der gemeinnützige Verein Europäische Akademie Schleswig-Holstein e. V.

Academia Baltica[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgaben und Ziele der 2001 in Lübeck gegründeten Academia Baltica sind die Verständigung mit den östlichen Nachbarn Deutschlands, die Förderung partnerschaftlicher Zusammenarbeit im Ostseeraum und in Ostmitteleuropa sowie die Vermittlung europäischer Geschichte und Kultur. Die Themen der Akademiearbeit reichen von Politik und Wirtschaft, Literatur und Kunst über bi- und multinationale Colloquia zur jüngeren und jüngsten Geschichte bis hin zur internationalen Medienkooperation im Ostseeraum. Tagungsberichte und Monographien werden in der Schriftenreihe „Colloquia Baltica“ publiziert. Träger der Akademie ist der gemeinnützige Verein Academia Baltica e.V. mit Sitz in Lübeck. 2011 hat die Academia Baltica ihre Geschäftsstelle nach Sankelmark verlegt.

Die Veranstaltungen der drei Akademien sind für alle Interessierten offen und finden im Akademiezentrum Sankelmark statt. Seit 1952 haben rund 500.000 Gäste an Veranstaltungen der beiden Akademien in Sankelmark teilgenommen.[3]

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 1952 errichtete Hauptgebäude der Akademie wurde Ende der fünfziger Jahre um einen Nordflügel erweitert. 1966 entstand neben dem Hauptgebäude das Gästehaus 1. Darunter befand sich der Bunker „Simon“ der Schleswig-Holsteinischen Landesregierung[4]. Ein zweiter Regierungs-Bunker befand sich im Ort Lindewitt, ebenfalls bei Flensburg gelegen. 1972 wurde an das Hauptgebäude ein Seminartrakt mit drei Seminar- und Konferenzräumen sowie einer Galerie angebaut. Das Gästehaus 2 ist 1986 erbaut worden, dadurch wurde auch der Bunker der Landesregierung erheblich vergrößert. Auf eine Gesamtrenovierung des Gebäudes 1999 folgte 2004 der Anbau eines Restaurant- und Küchentrakts.

Direktoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Heinrich Martens (1952)
  • Franz Schriewer (1952–1954)
  • Heinz Dähnhardt (1954–1968)
  • Joachim Oertel (1968–1991)
  • Gerhard Jastram (1991–1998)
  • Rainer Pelka (1998–2010)
  • Stefan Vöhringer (kommissarisch, 2010)
  • Christian Pletzing (seit 2011)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zit. nach Michael Freund: Rückschauend voranschreiten. Die Gründung der Akademie Sankelmark in Zeiten grenzpolitischer Auseinandersetzungen. Akademie Sankelmark 2002, S. 38.
  2. Zit. nach Michael Freund: Rückschauend voranschreiten. Die Gründung der Akademie Sankelmark in Zeiten grenzpolitischer Auseinandersetzungen. Akademie Sankelmark 2002, S. 41
  3. "Das Flaggschiff der Grenzregion. 60 Jahre Akademie Sankelmark". In: Flensburger Tageblatt, 21. Juni 2012.
  4. Regierungsbunker in Oeversee : Der Keller dieses Hauses war jahrelang ein Staatsgeheimnis

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 54° 43′ 1,1″ N, 9° 26′ 20,1″ O