Akaflieg Berlin

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Akaflieg Berlin
Sub-Logo der Akademischen Fliegergruppe Berlin seit 2012.png
Name Akademische Fliegergruppe Berlin
Gegründet 1920
Gründungsort Berlin-Charlottenburg
Vereinssitz Straße des 17. Juni
10623 Berlin
Homepage akaflieg-berlin.de

Die Akaflieg Berlin e. V. ist eine Studentenvereinigung an der Technischen Universität Berlin, die sich mit der Entwicklung und dem Bau von Flugzeugen sowie flugwissenschaftlicher Forschung beschäftigt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altes Logo

Anfänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angeregt durch Vorlesungen der Flugtechnik an der Königlich Technischen Hochschule Charlottenburg insbesondere vom Luftschiffkonstrukteur August von Parseval gründete der Student Roland Eisenlohr im Frühjahr 1909 die Studentische Gruppe für Luftfahrt.[1] Die Gruppe baute nach Eisenlohrs Entwurf einen Hängegleiter, löste sich jedoch spätestens zu Kriegsbeginn 1914 auf.

Neben Eisenlohr als Flugzeugkonstrukteur, Autor von Luftfahrtpublikationen und Mitglied der Technischen Kommission (TeKo) der Rhönwettbewerbe wurden einige Mitglieder dieser Vereinigung bekannt: Wsewolod Abramowitsch als Chefpilot der Flugmaschine Wright GmbH, Albert Betz als Leiter der Aerodynamischen Versuchsanstalt (AVA) in Göttingen, Heinrich Schulte-Frohlinde als Direktor der Norddeutschen Dornier-Werke Wismar und Gerhard Sedlmayr als Gründer des Spezialhauses für Automobil und Flugwesen (Autoflug).[2]

Akaflieg 1920–1926[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1920 konstituierte sich an der TH Berlin-Charlottenburg die „akademische Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Flugwissenschaft durch praktische und theoretische Betätigung“.[3] Es entstanden die Experimentalflugzeuge „Charlotte“, „Teufelchen“, das Versuchsflugzeug Nr. 4 und zwei Schulgleiter. Geflogen wurde im Berliner Umland, u. a. am Gollenberg bei Rhinow.

Am 29. August 1924 – während des Rhönwettbewerbs auf der Wasserkuppe – wurde die Akaflieg Berlin-Charlottenburg neben den Fliegergruppen aus Aachen, Braunschweig, Danzig, Darmstadt, Dresden, Hannover, Köthen, München und Stuttgart Gründungsmitglied der Interessengemeinschaft der Akademischen Fliegergruppen (Idaflieg).[4] Zur Jahresmitte 1926 verebbte der Vereinsbetrieb nach Studienabschluss der Erstmitglieder.[5]

Akaflieg 1927–1933[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Initiative Wilhelm Hoffs lebte der Betrieb Anfang 1927 wieder auf; diesmal unter bewusster Ausrichtung auf den Motorflug. Vom Verkehrsministerium wurde eine Heinkel HD 32 zur Verfügung gestellt. Später kamen noch Albatros L 68a, Messerschmitt M23b, Junkers A 50, Arado L IIa, Udet U 12 und eine Klemm L 26 mit Argus-Motor hinzu. Geflogen wurde auf dem Flugplatz Johannisthal.[6]

1931 entstand das Leichtflugzeug A.B.4 als Akaflieg-Beitrag für einen Konstruktionswettbewerb des Deutschen Luftfahrtverbandes (DLV).

Flugtechnische Fachgruppe 1934–1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit des Nationalsozialismus bestand die Akaflieg als „Flugtechnische Fachgruppe (FFG) an der TH Berlin bei der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt e. V“ fort. Nachdem 1933 sämtliche Flugzeuge an den DLV abgegeben werden mussten, erhielt der Verein ein Rhönbussard-Segelflugzeug und eine Klemm L 25. Für den Flugbetrieb musste wegen der starken Auslastung von Johannisthal während der Woche bis zum Jahr 1937 auf den Flugplatz Bork ausgewichen werden.[7]

1939 folgte der Zwangsbeitritt in den NSDStB.

In dieser Periode entstanden mit der B5, B6 und B8 einige erfolgreiche Segelflugzeugkonstruktionen und die B9 als zweimotoriges Experimentalflugzeug im Auftrag des RLM.

Akaflieg ab 1950[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September wurde die Akaflieg an der Technischen Universität Berlin wiedergegründet, und mit dem Nachbau existierender Segelflugzeugmuster begonnen,[8] obwohl nach Wiederzulassung des Segelfluges und Aufhebung des Bauverbotes in Deutschland am 21. Juni 1951 in Berlin keine Segelflugzeuge gebaut werden durften.[9] In der ersten Dekade entstanden ein Bergfalke (D-2007 „Berliner Bär“), ein Grunau-Baby III (D-2006), ein L-Spatz 55 (D-2022 „Klaus Dreier“) und zum Schleppen dieser Segelflugzeuge eine Startwinde.

Da das Fliegen infolge des Vier-Mächte-Status in Berlin verboten war, wichen die Mitglieder der Akaflieg Berlin auf Flugplätze in Westdeutschland aus.[9] Geflogen wurde auf den Flugplätzen Waggum (1954–1961), Großes Moor bei Burgdorf (1962–1993) und seit April 1994 auf einem eigenen Segelfluggelände in Kammermark im Land Brandenburg.

Neben dem Projektbau B11 kam in den 1960er Jahren noch der Bau einer SB 5 (D-2012) mit modifiziertem Rumpfvorderteil hinzu.[10]

Anfang der 1970er Jahre folgte mit der B12 der Wechsel zur Faserverbundbauweise. Parallel zum Flugzeugprojekt B13 wurde ab 1984 eine Segelflugzeug-Startwinde entwickelt.

Die Akaflieg Berlin heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein setzt sich aus Studenten unterschiedlicher Studienrichtungen zusammen; die Mehrheit studiert Luft- und Raumfahrttechnik an der TU Berlin. Die jährlichen 200 Arbeitsstunden der „aktiven“ Mitglieder werden zur Konstruktion und dem Bau und der Wartung von Flugzeugen, der Planung und Auswertung von Flugerprobungen, der Instandhaltung der Flugplatzanlagen in Kammermark verwendet. Die meisten Mitglieder bleiben nach Studienabschluss im Verein, wechseln allerdings den Status auf den der Unterstützer.[11] Etwa 30 von diesen fliegen organisiert in der Akademischen Fliegervereinigung Berlin organisiert auf dem gemeinsamen Segelfluggelände Kammermark.

Die Berliner Akaflieg hat auf dem Gelände der TU Berlin in Charlottenburg Büroräume und eine Werkstatt.

Nachdem Reparaturen und Modifikationen an B12 und B13 viel Raum einnahmen, wird ein neuer Antrieb für die B13 und ein Klapptriebwerk[12] für ein Segelflugzeug entwickelt. Weiterhin laufen Untersuchungen zur automatischen Auswertung von Flugleistungsvermessungen nach dem Fotoverfahren.[13]

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben ordentlichen Mitgliedern führt die Akaflieg einige Personen, die für außergewöhnlichen Einsatz zu Ehrenmitgliedern ernannt worden sind:[14]

Eigenkonstruktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flugzeug-Eigenentwicklungen der Akaflieg Berlin werden seit Mitte der 1930er Jahre mit dem Präfix B für Berlin und fortlaufender Nummer bezeichnet. Bei dem 1931 entstandenen Motorflugzeug A.B.4 stand das A für Akaflieg.

Gleit- und Segelflugzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Motorsegler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • B13 – 1991, zweisitziger Doppelsitzer, Piloten nebeneinandersitzend

Motorflugzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • A.B.4 „FF“ – 1921, einsitziges Leichtflugzeug mit anklappbaren Tragflächen, Konstruktion: Martin Schrenk, Walter Stender, Gerald Klein
  • B9 – 1943, einsitziges zweimotoriges Versuchsflugzeug für liegende Pilotenanordnung
  • B10 – 1944, zweisitziges zweimotoriges Amphibienflugzeug, Projektabbruch

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Akaflieg Berlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Akademische Fliegergruppe Berlin (Hrsg.): 100 Jahre Akaflieg Berlin. Lukas Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-86732-095-5.
  • Frank-Dieter Lemke, Rolf Jacob: Die Akademischen Fliegergruppen in Deutschland bis 1945. Teil 1. In: Flieger Revue extra. Nr. 29, März 2010, ISSN 0941-889X, S. 52 f.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Supf: Das Buch der deutschen Fluggeschichte. Vorkriegszeit, Kriegszeit, Nachkriegszeit. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Band 2. Drei Brunnen, Stuttgart 1958.
  2. 100 Jahre Akaflieg Berlin, S. 11
  3. Hermann Winter Segelflug und Langsamflug. Verlag Gustav Wenzel & Sohn, Braunschweig 1949, OCLC 249965646.
  4. Carsten Karge: Bericht Historisches Archiv. In: Akademische Fliegergruppe (Hrsg.): Jahresbericht 2013/2014. Berlin 2015, DNB 013347667, S. 52–54.
  5. 100 Jahre Akaflieg Berlin, S. 23
  6. Quirlzeit. In: Altherrenschaft der Akademischen Fliegergruppe Berlin (Hrsg.): Chronik Akaflieg Berlin. Berlin 1977, DNB 800792807, S. 27.
  7. Altherrenschaft der Akademischen Fliegergruppe Berlin (Hrsg.): Chronik Akaflieg Berlin. Berlin 1977, DNB 800792807, S. 33.
  8. Altherrenschaft der Akademischen Fliegergruppe Berlin (Hrsg.): Chronik Akaflieg Berlin. Berlin 1977, DNB 800792807, S. 59 f.
  9. a b Ullrich Kopp: Berliner Luftfahrt in Braunschweig 1952 bis 1999. In: Arbeitskreis Braunschweiger Luftfahrtgeschichte e. V. (Hrsg.): Braunschweigische Luftfahrtgeschichte. Appelhans Verlag, Braunschweig 2010, ISBN 978-3-941737-18-1, S. 338.
  10. Altherrenschaft der Akademischen Fliegergruppe Berlin (Hrsg.): Chronik Akaflieg Berlin. Berlin 1977, DNB 800792807, S. 65.
  11. Über uns. In: akaflieg-berlin.de. Archiviert vom Original am 26. Oktober 2017; abgerufen am 25. Oktober 2017. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/akaflieg-berlin.de
  12. B14-Klapptriebwerk. In: akaflieg-berlin.de. Archiviert vom Original am 31. August 2015; abgerufen am 16. September 2015. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/akaflieg-berlin.de
  13. Flugleistungsvermessung. In: akaflieg-berlin.de. Abgerufen am 16. September 2015.
  14. Carsten Karge: Ehrenmitglieder der Akademischen Fliegergruppe Berlin. In: Akaflieg Berlin (Hrsg.): Jahresbericht 2015/2016. Juni 2017, S. 86 f.
  15. Carsten Karge: Weil es der Ausbildung bedarf. In: Akaflieg Berlin (Hrsg.): Jahresbericht 2015/2016. Juni 2017, S. 88–90.

Koordinaten: 52° 31′ 9″ N, 13° 19′ 19,5″ O