AktionsGemeinschaft

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AktionsGemeinschaft
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Bundesobmann: Dominik Ramusch
Klubobmann: Fabian Philipp Stütz
Geschäftsführer: Benjamin Bauer
Gründung: 1982/83
Sitz: Wien (Bundesgeschäftsstelle)
Webseite: aktionsgemeinschaft.at

Die AktionsGemeinschaft (AG) ist die derzeit auf Bundesebene stärkste[1] Fraktion innerhalb der Österreichischen Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft (ÖH). Sie bezeichnet sich selbst als parteiunabhängig, steht aber zumindest auf Bundesebene inhaltlich teilweise der ÖVP nahe und wurde von ihr in den 1990er Jahren zeitweilig auch finanziell unterstützt. [2] Derzeitiger Bundesobmann ist Dominik Ramusch.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die AktionsGemeinschaft ging Anfang der 1980er-Jahre aus der Fusion der ÖVP-nahen Österreichischen Studentenunion (ÖSU) mit dem von Mitgliedern des ÖCV gegründeten Studentenforum[4] hervor. Die ÖSU war ihrerseits aus dem „Wahlblock“, einem Wahlbündnis verschiedener christlich-konservativer Verbände (ÖCV, ÖKV) durch Fusion mit der Freien Österr. Studentenschaft (FÖSt) hervorgegangen. Der Wahlblock hatte die Gremien der ÖH schon seit ihrer Gründung im Jahre 1945 dominiert. In den 1970er-Jahren kam es infolge mehrerer Abspaltungen zu einem zeitweiligen Verlust der ÖSU-Vormacht. Diese Fusion 1982 geschah mutmaßlich unter dem Druck von ÖVP und Cartellverband.[5]

Die AktionsGemeinschaft konnte seit ihrem erstmaligen Wahlantritt 1983 durchgehend bis 1995 - sowie erneut zwischen 1997 und 2001 - den bundesweiten ÖH-Vorsitz stellen, musste sich jedoch seit ihrer schweren Wahlniederlage 2001 (von 40,6 % auf 29,2 %) - den ersten ÖH-Wahlen nach Einführung von allgemeinen Studiengebühren sowie Publikation des Rechnungshofberichts[6], der Finanzströme von der ÖVP zur AG offenlegte - zumeist mit der Oppositionsrolle abfinden.

2004 sprach sich die AktionsGemeinschaft als eine der wenigen Fraktionen nicht gegen die Abschaffung der Direktwahl zur ÖH-Bundesvertretung aus. Durch die neue Wahlarithmetik wurde bei den ÖH-Wahlen 2005 eine Verzerrung der Mandatszahlen zugunsten der AktionsGemeinschaft befürchtet. Das Gegenteil trat jedoch ein, der VSStÖ profitierte von dem neuen Wahlmodus, die AktionsGemeinschaft verlor an fast allen Universitäten Stimmen (mit einigen Ausnahmen, etwa Medizinische Universität Wien). Nach der ÖH-Wahl 2007 gab es eine einjährige Koalition aus Unabhängigen Fachschaftslisten (FLÖ), Grüne & Alternative StudentInnen(GRAS) und VSStÖ. Nach der Hälfte der Amtszeit wurde der Vorsitzende Hartwig Brandls (FLÖ) abgewählt und in einer turbulenten Sitzung Samir al-Mobayyed zum neuen Vorsitzenden und Norbert Köck zum 2. stellvertretenden Vorsitzenden gewählt, womit die AG ein Jahr lang ohne Koalitionsbündnis den Vorsitz der ÖH führte.[7][8] Bei der ÖH-Wahl 2009 konnte die AG ihr bestes Ergebnis seit 1999 verbuchen und ihre Position als mandatsstärkste Fraktion weiter ausbauen, war jedoch nicht in der Exekutive vertreten[9]. Bei den ÖH-Wahlen 2011, 2013 und 2015 hatte die AktionsGemeinschaft jeweils Stimmenverluste zu verzeichnen, konnte jedoch ihre Position als stimmen- und mandatsstärkste Fraktion in der ÖH-Bundesvertretung verteidigen.

Die AktionsGemeinschaft soll sehr enge Beziehungen zum Cartellverband unterhalten[10][11] (so gehörten im Jahre 2005 rund ein Drittel der AG-Mandatare in den Universitätsvertretungen auch dem CV an[4]), dies wird vonseiten der AG aber zurückgewiesen.[12] Die AktionsGemeinschaft ist Gründungsmitglied der European Democrat Students (EDS) und begleitete im Sommer 2011 im Rahmen des 50. Jahrestages der EDS die XXXV. Summer University in Wien.[13]

Bei der ÖH-Wahl 2017 kandidierte die AktionsGemeinschaft mit Silvia Grohmann als bundesweite Spitzenkandidatin[14] und konnte trotz leichter Verluste ihre Position als stimmenstärkste Fraktion (26,4 %) weiterhin behaupten, verfehlte jedoch abermals den Einzug in die ÖH-Exekutive.[15]

Bundesobmänner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesobmänner der AktionsGemeinschaft seit 1994:[16]

Politische Position[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die AktionsGemeinschaft steht nach eigenen Angaben für eine ÖH-Politik, die sich nur um die Interessen der Studierenden drehen soll und nicht um Gesellschaftspolitik fernab der Hochschulen. Sie will dadurch die Interessen der Studierenden in den Vordergrund rücken und echte Verbesserungen im Studium erwirken.[17] Die AG setzt sich für einen Ausbau des Stipendien- und Beihilfensystems ein und für günstigere Tarife im öffentlichen Fernverkehr für Studierende. Dabei fordert der Verein ein österreichweites Studententicket um einen "fairen" Preis. Eine zentrale Forderung des Vereins ist die Ausfinanzierung der österreichischen Hochschulen und der Ausbau von Drittmittelfinanzierungen, um genügend Plätze in den Lehrveranstaltungen zu schaffen. Ein weiterer Kernpunkt ist die Forderung nach einer besseren Mobilität während des Studiums (Studienplatzwechsel, Auslandssemester). Gefordert wird außerdem mehr Einbindung der Studierenden in den Entscheidungsprozess der ÖH. Dies soll einerseits durch direkten Kontakt mit den Studierenden an den Hochschulen und andererseits durch regelmäßige Onlinebefragungen ermöglicht werden. [18]

Wahlergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahlergebnisse bei den ÖH-Wahlen seit 1989:[19]

1989 36,0 %
1991 40,1 %
1993 44,4 %
1995 38,3 %
1997 39,8 %
1999 40,6 %
2001 29,2 %
2003 28,8 %
2005 24,7 %
2007 31,3 %[20]
2009 33,3 %[21]
2011 30,8 %[22]
2013 27,2 %[23]
2015 26,7 %[24]
2017 26,4 %[1]

Der Verein an den österreichischen Hochschulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein ist an sechs Universitäten in Wien vertreten und an acht weiteren in den anderen Bundesländern[25][26]

Außerdem ist die AktionsGemeinschaft an den verschiedenen Fachhochschulen, pädagogischen Hochschulen und Privatuniversitäten vertreten:

Bekannte ehemalige Wahlblock-, ÖSU- und AG-Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b ÖH-Wahlen 2017: Die Ergebnisse. In: FM4.orf.at. Abgerufen am 4. Juli 2017.
  2. Bericht des Rechnungshofs von 2000 (PDF; 135 kB)
  3. OTS Aussendung Abgerufen am 21. August 2017
  4. a b Der ÖCV auf den Hochschulen nach 1945. In: oecv.at. Abgerufen am 2. Mai 2015.
  5. Bernhard Weidinger: 1968 und die Reaktion(en): Neuer akademischer Kulturkampf und rechter Richtungsstreit an österreichischen Universitäten um 1970. In: Massimiliano Livi, Daniel Schmidt, Michael Sturm (Hrsg.): Die 1970er Jahre als schwarzes Jahrzehnt. Politisierung und Mobilisierung zwischen christlicher Demokratie und extremer Rechter. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-593-41011-1, S. 147–170, hier: S. 155.
  6. Bericht des Rechnungshofs von 2000 (PDF; 135 kB)
  7. Vorsitzteam der Bundes-ÖH (Memento vom 9. Februar 2009 im Internet Archive)
  8. derStandard.at: AG stellt vorläufigen ÖH-Vorsitz
  9. Ergebnis der ÖH-Wahl 09 - Bundesvertretung (Memento vom 1. Juni 2009 im Internet Archive)
  10. Leonhard Dobusch: Cartellverband: 11.072 Männer im konservativen Beziehungsnetwork – Der Cartellverband (CV) spielt nicht nur auf der Johannes Kepler Universität eine Rolle, Artikel für das Magazin „JKUrsiv“ der HochschülerInnenschaft an der Johannes Kepler Universität Linz, Ausgabe 1, Mai 2003, PDF 155 KB
  11. Chilli.cc: "Eine sehr traurige Wahlbeteiligung". Abgerufen am 5. Mai 2009.
  12. Wiener Zeitung: High Noon vor der Studenten-Wahl. 18. Mai 2007, abgerufen am 26. November 2013.
  13. EDS: Plakat zur 50. Summer University in Wien. Abgerufen am 27. November 2012.
  14. AktionsGemeinschaft Kandidaten ÖH-Wahl 2017. In: Standard. 22. März 2017, abgerufen am 23. März 2017.
  15. Johanna Zechmeister neue ÖH-Vorsitzende. In: Standard. 23. Juni 2017, abgerufen am 4. Juli 2017.
  16. [1]
  17. AktionsGemeinschaft. In: ÖH-Wahl Wien Blog. 27. April 2015, abgerufen am 5. Januar 2015.
  18. AG: Politische Position der Aktionsgemeinschaft. Abgerufen am 1. Mai 2015.
  19. Wahlergebnisse der aktionsgemeinschaft seit 1989
  20. ÖH-Wahlen 2007: Die Ergebnisse. In: FM4.orf.at. Abgerufen am 2. Mai 2015.
  21. ÖH-Wahlen 2009: Die Ergebnisse. In: FM4.orf.at. Abgerufen am 2. Mai 2015.
  22. ÖH-Wahlen 2011: Die Ergebnisse. In: FM4.orf.at. Abgerufen am 2. Mai 2015.
  23. ÖH-Wahlen 2013: Die Ergebnisse. In: FM4.orf.at. Abgerufen am 2. Mai 2015.
  24. ÖH-Wahlen 2015: Die Ergebnisse. In: FM4.orf.at. Abgerufen am 14. Juni 2015.
  25. Unigruppen der AG
  26. Ergebnisse der ÖH-Wahl im Detail In:derStandard.at, 16. Mai 2013
  27. Porträt: Gerfrid Gaigg Österreichisches Parlament, 24. Jänner 1996
  28. a b Kaderschmiede ÖH: Was aus den ehemaligen Vorsitzenden wurde, Oberösterreichische Nachrichten, 24. Mai 2011.
  29. "Ich bin ein Produkt des Proporzes", Der Standard, 17. Februar 2011.
  30. "Ein Aubesetzer besetzt das Umweltressort", Der Standard, 15. Dezember 2013.
  31. Studium, Gaudium, Medium (Memento vom 21. April 2005 im Internet Archive)
  32. Bürgerlicher Rebell mit großem Ego, Die Presse, 15. März 2013.
  33. Neos-Bundesgeschäftsführer Feri Thierry, Wiener Zeitung, 3. Oktober 2013. Abgerufen am 27. Januar 2014.
  34. Biographie: Leo Wallner, orf.at, 11. April 2012.
  35. Lebenslauf des Landeshauptmannes, Land Vorarlberg, abgerufen am 29. März 2013