Aktivsenioren Bayern

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Aktivsenioren Bayern e. V.
Vereinslogo
Rechtsform eingetragener Verein
Gründung 1984
Gründer Gründungsvater und erster Vorsitzender: Heinz Herrmann
Sitz München
Aktionsraum alle 10 Regierungsbezirke Bayerns
Website aktivsenioren.de

Die Aktivsenioren Bayern sind ein gemeinnütziger Verein in München, der Existenzgründer und kleine und mittlere Unternehmen in allen betriebswirtschaftlichen Fragen ehrenamtlich berät.

Über den Verein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mitglieder sind ehemalige Führungskräfte oder Fachkräfte oder Unternehmer oder Freiberufler, die ihr Wissen und ihre Erfahrung weiter geben und damit der Gesellschaft dienen wollen. Sie halten dieses Wissen durch Schulungen auf dem neuesten Stand. Alle Berater legen große Wert auf ihre Neutralität und Unabhängigkeit. In schwierigen Fällen werden Berater-Teams zusammen gestellt.

Die Schwerpunktthemen der Beratungstätigkeit sind Existenzgründung und -sicherung, Unternehmensführung und Unternehmensnachfolge. Ein weiteres Betätigungsfeld ist die Schuldnerberatung kleiner Gewerbebetriebe mit dem Ziel der Insolvenzvermeidung. Im Auftrag des bayerischen Umweltministeriums prüften die Aktivsenioren Hotels und Gaststätten sowie 2015 die Festzelte auf dem Oktoberfest,[1] die sich um das Umweltsiegel in Gold oder Silber des bayerischen Staates bewerben. Alle Beratungen sind – da ehrenamtlich – honorarfrei. Der Verein erhebt jedoch einen geringfügigen Kostenbeitrag zur Finanzierung der Geschäftsstelle in München.

Weitere Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildungsinitiativen des Vereins[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In verschiedenen Regionen engagieren sich einige Mitglieder auch in Schulen, Hochschulen sowie Fachschulen für die Meisterausbildung.

In der Region München wurden erste Ausbildungsinitiativen schon im Jahr 2006 umgesetzt. Kurz danach engagierte sich auch die Region Mittelfranken auf schulischem Gebiet.

Eher neueren Datums ist die Begleitung der Meisterausbildung in verschiedenen Berufsschulen in Unterfranken; Ziel dieser Initiative ist es, angehende Meister für die mögliche berufliche Selbständigkeit mit dem notwendigen Fachwissen zur Erstellung eines Businessplans auszustatten. Andere Regionen denken darüber nach, dieses Beispiel aufzugreifen und mit entsprechenden Fachschulen in ihren Regionen in Verbindung zu treten.

Derzeit begleiten 10 Teams von je zwei „Aktivsenioren“ in drei Münchner Mittelschulen die Abschlussklassen beim Übergang von der Schule in den Beruf. In wöchentlichen Gesprächen wird über die richtigen Praktika diskutiert, werden Bewerbungsgespräche geübt, Bewerbungsunterlagen zusammengestellt und nach Ausbildungsplätzen gesucht. In Mittelfranken bieten die Aktivsenioren in enger Zusammenarbeit mit der Nürnbergern Bildungseinrichtung „Schlau“[2] ein bis zweimal im Jahr mehrtägige Veranstaltungen an, in denen Schüler auf Bewerbungs- und Vorstellungsgespräche vorbereitet werden. Gemeinsam mit „Schlau“ veranstalten die Mittelfranken auch Nachhilfetage in Mathematik, um Mittelschüler auf die Qualifikationsprüfungen vorzubereiten bzw. Realschülern zu besseren Abschlussprüfungen zu verhelfen.

In der Hochschule München können Studenten im Rahmen des Wahlpflichtfaches „Unternehmensgründung“ jeweils im Wintersemester erfahren, wie ein Businessplan aufgestellt wird. Einige Mitglieder begleiten diese Veranstaltung als erfahrene Praktiker, die die unternehmerischen Ideen der Studenten auf ihren Realitätsgehalt hin überprüfen. An der Ludwig-Maximilians-Universität München gibt es eine entsprechende Lehrveranstaltung für angehende Mediziner; dieses Projekt wurde im Wintersemester 2016 auch erstmals an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen mit Unterstützung des Vereins realisiert. Es soll dort ebenfalls zur dauerhaften Einrichtung werden. Ziel des universitären Engagements ist es, den Studenten unternehmerisches Denken zu vermitteln und so Neugier für den Sprung in die Selbständigkeit zu wecken.

In Mittelfranken unterhalten einige Mitglieder eine enge Zusammenarbeit mit dem Projekt „Der Lesekoch“[3]. Ziel dieser von einem Aktivsenior entwickelten Initiative ist es, leseschwachen Schülern mit Hilfe eines Computer gestützten Leseprogramms zum richtigen und flüssigen Lesen zu verhelfen und ihnen damit die Freude am Lesen zu vermitteln. Dieses Leseprogramm wird inzwischen in mehr als 15 mittelfränkischen Schulen mit Erfolg genutzt.

Selbstverständnis des Vereins[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Motto „Unsere Erfahrung für Ihre Zukunft“ leistet der Verein Hilfe zur Selbsthilfe und zwar als Helfer des Mittelstandes, aber auch als Trainer für die Jugend. Der Verein sieht seine Stärke in dem vielfältigen Fachwissen, der breiten beruflichen Erfahrung und der unbedingten Unabhängigkeit der Berater, die sich Zeit nehmen, genau zu hören und – wenn nötig – sich auch Rat von anderen Mitgliedern holen. In den Schul- und Hochschulprojekten versuchen die Aktivsenioren vor allem Vertrauen aufzubauen und dank ihrer Lebens- und Berufserfahrung die Schüler zu motivieren und in die richtigen Ausbildungsberufe zu bringen.

Berichterstattung in den Medien über den Verein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Aktivsenioren wird regelmäßig in der Presse berichtet. Hier einige Beispiele:

  • Bewerbungstipps von den Fürther Aktivsenioren [4]
  • Modellhaftes Projekt – Schuldnerberatung in der Oberpfalz[5]
  • Aktivsenioren retten vor Insolvenz[6]
  • Ist die Idee praxistauglich[7]

Durch Mundpropaganda oder über diese Artikel stoßen immer wieder neue Mitglieder zu dem Verein.

Arbeitsweise des Vereins[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Kontakte knüpfen potentielle Klienten bei den Info- und Sprechtagen[8][9], die in allen 10 Regionen regelmäßig abgehalten werden. In den Regionen finden diese Sprechtage in der Regel in den Landratsämtern statt. Existenzgründer, die aus der Arbeitslosigkeit heraus gründen, werden zumeist von den Arbeitsagenturen an den Verein verwiesen. Die Regionen des Vereins sind weitgehend selbständig in ihren Aktivitäten, die zentrale Verantwortung für die Finanzen und Buchhaltung liegt allerdings bei der Geschäftsstelle in München.

Historie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 1984 gründeten sieben engagierte Senioren in München den Verein "Aktion Senioren helfen jungen Existenzen Bayern e. V.". Was die Gründer bewegte und welche Ziele sie verfolgten, fasste einer der Gründungsväter, Heinz Herrmann, damals wie folgt zusammen: „Wir wollen Jungunternehmern helfen, indem wir sie beraten und unser Wissen kostenlos zur Verfügung stellen. Wir können dazu beitragen, dass sie nicht scheitern!“ . Die ersten Gespräche mit zufällig gefundenen Existenzgründern fanden reihum in den Wohnungen und Häusern der Mitglieder statt. Dort wurde auch die unerlässliche Verwaltungsarbeit erledigt. Obschon sich die Werbung nur auf Mundpropaganda beschränkte, entwickelte sich die Geschäftstätigkeit so rasch, dass schon 1986 eine kleine Geschäftsstelle in der Münchner Thierschstraße eröffnet werden konnte. Bald danach wurde der sperrige Gründungsname zum heutigen Namen umgewandelt. Da sich die Tätigkeit weit über München hinaus ausdehnte und die Mitgliederzahl aus anderen Regionen des Freistaates ständig wuchs, beschloss der Vorstand im September 1990, an anderen Orten Bayerns „Außenstellen“ einzurichten. Schon 1995 gab es in allen bayerischen Regierungsbezirken Außenstellen, die heute als Regionalbüros Ausdruck der Dezentralisierung des Vereins sind.

Mitte der achtziger Jahre wurde mit Unterstützung der AKTIVSENIOREN BAYERN e. V. und anderer Senioren-Vereine die Bundesarbeitsgemeinschaft "Alt hilft Jung" durch Ministerialdirektor Prof. Oltmanns in Bonn gegründet. Über diese Verbindung erhielten die Aktivsenioren nach der Wende 1989 die Chance, in den neuen Bundesländern beratend aktiv zu werden.

Beratertätigkeit in den neuen Bundesländern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den neuen fünf Länder wurde Hilfe in Sachen Marktwirtschaft benötigt. Die vorhandenen Beratungsinstanzen – Industrie- u. Handels- sowie Handwerkskammern, Banken und Sparkassen, Unternehmensberater sowie die neu gebildeten Wirtschaftsfördereinrichtungen – reichten nicht aus, den gesellschaftlichen Umbruch von der zentralen Planwirtschaft in föderale, marktwirtschaftliche Strukturen zu gestalten. Die in „Alt hilft Jung“ gebündelten Seniorenvereine, deren Erfahrungsschatz und Beratungspotential in dieser Situation nützliche Dienste leisten konnten, kamen dank der Weitsicht Prof. Oltmanns zum Einsatz. Er überzeugte den damaligen Wirtschaftsminister Günter Rexrodt, dass die Senioren Beratungslücken schließen konnten. Als die ersten Anfragen aus Bonn beim Verein eintrafen, war der Verein sofort bereit, die Aufgabe Ost – in den Ländern Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt anzupacken. Unter der Leitung von Max Mühlbauer (später Karl Wydra) wurde die Arbeitsgruppe "Neue Bundesländer" gegründet. Von den rund 100 Vereinsmitgliedern waren etwa 40 im aktiven Einsatz im Osten, der erst im Sommer 1995 endete.

Jüngste Vergangenheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein betreibt weiterhin intensive Kontaktaufnahme und Networking mit den verschiedensten Verbänden, öffentlichen und privaten Institutionen. Außerdem ist er bemüht, seinen Bekanntheitsgrad zu erhöhen und die Aktionsfelder zu verbreitern. Intensiviert wurde vor allem die Zusammenarbeit mit dem Bund der Selbständigen und den Arbeitsagenturen. In der Oberpfalz ist mit der Schuldnerberatung für gewerbliche Kleinbetriebe in Zusammenarbeit mit der Caritas mit dem Ziel begonnen worden, Insolvenzen zu vermeiden. Bei der Vorstandswahl 2013 ist mit Helga Retsch-Preuss erstmals eine Frau in den Vorstand der Aktivsenioren gewählt worden. Sie verantwortet u. a. das IT Dossier des Vereins.[10]

30-jähriges Jubiläum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 2015 hatte der Verein das 30-jähriges Jubiläum im Rahmen eines kleinen Festakts im Beisein von Emilia Müller, Bayerische Staatsministerin für Soziales, Arbeit, Familie und Integration, gefeiert. Zahlreiche Gäste und viele Freunde und Förderer der Aktivsenioren waren der Einladung gefolgt. Staatsministerin Müller würdigte das ehrenamtliche Engagement der Senioren und ihren wertvollen gesellschaftspolitischen Beitrag.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.aktivsenioren.de/index.php/8-aktuell/98-umweltsiegelpruefung-der-wiesn-festzelte
  2. SCHLAU Übergangsmanagement Nürnberg. In: www.schlau.nuernberg.de. Abgerufen am 5. April 2016.
  3. Siegbert Rudolph – Das Kochrezept zum Lesenlernen. In: der-lesekoch.de. Abgerufen am 5. April 2016.
  4. Bewerbungstipps von den Fürther Aktivsenioren – Fürth – nordbayern.de. In: www.nordbayern.de. Abgerufen am 5. April 2016.
  5. prmeier: neumarktonline.de – Internet-Zeitung für Neumarkt. In: www.neumarktonline.de. Abgerufen am 5. April 2016 (deutsch).
  6. Aktivsenioren retten vor Insolvenz. In: Mittelbayerische Zeitung. Abgerufen am 5. April 2016.
  7. Ist die Idee praxistauglich ? In: www.kreisbote.de. Abgerufen am 5. April 2016.
  8. Landratsamt Erlangen-Höchstadt: Aktivsenioren. In: www.wirtschaft-erh.de. 7. März 2016, abgerufen am 5. April 2016 (deutsch).
  9. Aktivsenioren bieten am Infotag ihre Hilfe an. In: mainpost.de. Abgerufen am 5. April 2016.
  10. Muenchen Presse. In: Muenchen Presse. Abgerufen am 26. April 2016.