Alain de Cadenet

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Alain de Cadenet 1975
Alain de Cadenet in seinem Alfa Romeo P3 beim Oldtimer-Grand-Prix auf dem Nürburgring 1977
Der Duckhams LM für das 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1972
De-Cadenet-Lola T380 beim Le Mans Classic 2014

Alain de Cadenet (* 27. November 1945 in London) ist ein ehemaliger britischer Autorennfahrer, Rennstallbesitzer, Fotograf, Fernsehmoderator, Filmemacher und Unternehmer.

Vor dem Rennsport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alain de Cadenet wuchs im bürgerlichen Nachkriegs-London auf und studierte nach seiner Schulzeit Kunstgeschichte. Eine frühe Leidenschaft betraf die Philatelie. Er besitzt eine große Sammlung und gilt als Experte für Briefmarken der Zeit von König Georg V.[1] Nach dem Studium arbeitete er als Modefotograf und kam durch eine Freundin mit dem Rennsport in Berührung: „Es war 1965, und ich besuchte mit meiner damaligen Freundin, einem Model, ein Autorennen“, erzählt de Cadenet. „Plötzlich verschwand sie mit einem Rennfahrer – das war der Moment, als ich beschloss, ebenfalls Rennfahrer zu werden, denn anscheinend hatten die Jungs mehr Erfolg bei den Mädchen als die Fotografen.“[2]

Karriere als Rennfahrer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rennkarriere von Alain de Cadenet begann in den späten 1960er-Jahren im nationalen britischen Sportwagensport. 1967 fuhr er einen Porsche 904 GTS in der britischen Sportwagen-Meisterschaft[3]. Seine erste Platzierung in der Endwertung erreichte er bei der Martini Trophy in Silverstone, als er Gesamtfünfzehnter wurde. Das Rennen gewann Paul Hawkins vor Mike Salmon (beide fuhren einen Ford GT40) und Richard Attwood (Ferrari 250LM).[4]

De Cadenet meldete von Beginn seiner Karriere an seine Rennwagen fast ausschließlich selbst. Er suchte sich Sponsoren, um die Einsätze zu finanzieren, und begann früh mit dem Handel von Fahrzeugen. Er erwarb ausgemusterte Rennsportwagen, fuhr die Wagen einige Zeit und verkaufte sie meist mit Gewinn weiter. Er kaufte 1968 zwei Ferrari Dino 206S. Fahrgestell 024 war ein Ersatzwagen, der vorher bei keinem Rennen gemeldet war. Im Gegensatz dazu hatte Fahrgestell 004 eine erfolgreiche Renngeschichte hinter sich. Ludovico Scarfiotti und Lorenzo Bandini erreichten damit den zweiten Rang beim 1000-km-Rennen auf dem Nürburgring 1966. Ende 1967 hatte Tony Dean den Ferrari gekauft, der ihn nach einem Jahr an De Cadenet weiterverkaufte.[5] De Cadenet bestritt damit 1969 einige Rennen zur Sportwagen-Weltmeisterschaft.

1970 erreichte er mit dem fünften Rang beim 1000-km-Rennen von Buenos Aires seine bis dahin beste Platzierung bei einem internationalen Rennen. Sein Teampartner im Porsche 908/02 war der Argentinier Carlos Pairetti. Im Ziel hatte das Duo zehn Runden Rückstand auf die Sieger Jean-Pierre Beltoise und Henri Pescarolo im Matra-Simca MS630/650[6].

In seiner langen Karriere feierte De Cadenet vier Gesamt- und ebenso viele Klassensiege. Zwei der Gesamterfolge gelangen 1980 in der Sportwagen-Weltmeisterschaft. Besonders bemerkenswert war der Sieg beim 1000-km-Rennen von Monza. Zur Halbzeit des Rennens übergab er den De Cadenet LM an seine Teamkollegin Desiré Wilson, als bald heftiger Regen einsetzte. Während die gesamte Konkurrenz an die Box kam, um Regenreifen aufzuziehen, fuhr Wilson mit Slicks weiter. Über die fahrerische Leistung der Südafrikanerin sagte De Cadenet später: „Wie sie es geschafft hat, sich dieses Wolfsrudel auf Regenreifen vom Hals zu halten, werde ich nie wissen. Aber es war die unglaublichste Vorführung in Sachen Können und Rennfahrerkunst, die ich jemals gesehen habe.“ Er verschwieg allerdings, dass auch Wilson gerne die Reifen gewechselt hätte. Als sie jedoch an die Box kommen wollte, wurde ihr per Zeichen zu verstehen gegeben, sie solle weiterfahren; das Team hatte keine Regenreifen. Im Ziel hatten Wilson und De Cadenet einen Vorsprung von zehn Sekunden auf Jürgen Barth und Henri Pescarolo im Joest-Porsche 935/77A[7]. Zwei Wochen später siegten sie auch beim 1000-km-Rennen von Silverstone[8].

De Cadenet und Le Mans[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1971 begann die lange Verbundenheit von Alain de Cadenet mit dem 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Er nahm ein Engagement bei der Ecurie Francorchamps an und fuhr gemeinsam mit Hughes de Fierlant einen Ferrari 512M. Ein Defekt an der Antriebswelle beendete den Einsatz vorzeitig.

Als Ende des Jahres 1971 die 5-Liter-Formel bei den Sportwagen endete, galt der Ferrari 312PB als bester Wagen für die kommende Saison 1972. De Cadenet fuhr nach Maranello, um bei der Scuderia ein 312PB-Fahrgestell zu erwerben. Ferrari verkaufte jedoch keine aktuellen Rennsportwagen mehr an Privatteams und das Ansinnen wurde abgewiesen. Besonders verärgert war De Cadenet, weil man ihm bei Ferrari nicht zutraute, den mit Formel-1-Technik ausgestatteten Wagen zu fahren. Nächste Anlaufstelle war Brabham, wo der junge Konstrukteur Gordon Murray arbeitete. Murray übernahm die Aufgabe, einen Wagen zu konstruieren, der optisch dem 312PB entsprach und Bauteile von Brabhams Monopostos aufnehmen konnte. Finanziert wurde das Projekt von Duckkams Oil. Der Sponsor war auch Namensgeber des Rennwagens, der von einen 3-Liter-Cosworth-DFV-Motor angetrieben wurde: Duckkams LM. Das Rennen in Le Mans 1972 war der erste Einsatz des neuen Wagens. Als zweiter Fahrer wurde Chris Craft verpflichtet, der in den 1970er-Jahren zum regelmäßigen Partner von de Cadenet bei den Rennstarts in Le Mans wurde. 1972 kam das Duo mit dem Duckhams als Gesamtzwölfter ins Ziel.

Das beste Ergebnis in Le Mans gelang 1976. Ein Lola-T380-Fahrgestell wurde mit einer neuen Karosserie versehen und zum De Cadenet-Lola T380. Gegen starke Konkurrenz, unter anderen die Werksmannschaften von Porsche und BMW, erreichten De Cadenet und Craft den dritten Gesamtrang. Am Podium der ersten drei tauchten sie jedoch nicht auf, weil sie in der Hektik und dem Gedränge nach dem Rennen das Siegerpodest nicht fanden.[9]

Zwischen 1971 und 1985 war er 15-mal in Le Mans am Start. Außer dem dritten Rang 1976 gab es mit dem fünften 1977 und dem siebten 1980 zwei weitere Platzierungen unter den ersten zehn der Schlusswertung.

Der Unfall bei der Targa Florio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz der vielen Starts in Le Mans war das Lieblingsrennen De Cadenets die Targa Florio, das er in seiner Karriere nur zweimal bestritt. 1970 fuhr er einen Porsche 911T an die 15. Stelle der Gesamtwertung. Teamkollege war Mike Ogier.[10] 1971 meldete er mit David Weir einen Lola T210. Im Rennen hatte er einen Unfall und wurde von einem wegbrechenden Wrackteil am Kopf getroffen. Der Lola kam an einer Barriere zu stehen, auslaufendes Benzin entzündete sich am heißen Motor und der Lola begann zu brennen. Ein am Streckenrand stehender Soldat rettete De Cadenet das Leben, indem er den Bewusstlosen aus dem Wrack befreite. Viele Jahre später trafen sich Retter und Fahrer bei den Dreharbeiten zu De Cadenets Targa-Florio-Film wieder.[11][12]

Nach dem Rennsport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ende seiner Motorsportkarriere, seinen letzten Renneinsatz hatte er 1988, intensivierte er den Handel mit historischen Rennfahrzeugen, wurde Moderator für Motorsport-Fernsehsendungen und drehte mit The Sicilian Dream einen Film über die Targa Florio. Dem Rennsport blieb er als regelmäßiger Starter bei Autorennen mit historischen Rennfahrzeugen verbunden.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ehe mit Anna de Cadenet, einem ehemaligen Model, entstammen zwei Kinder. Die 1972 geborene Tochter Amanda ist Schauspielerin und Fotografin. Sie war in erster Ehe mit dem Duran-Duran-Bassisten Nigel John Taylor verheiratet. Die gemeinsame Tochte Atlanta de Cadenet-Taylor arbeitet wie die Großmutter als Model.[13] 2006 heiratete sie Nick Valensi, den Gitarristen der US-amerikanischen Rockband The Strokes. Das Paar hat zwei Kinder, die Tochter Ella und den Sohn Silvain.

1974 wurde Alexander de Cadenet geboren, der Maler, Bildhauer und Performance-Künstler ist.[14][15]

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Le-Mans-Ergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Team Fahrzeug Teamkollege Teamkollege Platzierung Ausfallgrund
1971 BelgienBelgien Ecurie Francorchamps Ferrari 512M BelgienBelgien Hughes de Fierlant Ausfall Antriebswelle
1972 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Duckham’s Oil Motor Racing Duckhams LM Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Chris Craft Rang 12
1973 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Duckham’s Oil Duckhams LM Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Chris Craft Ausfall Kupplungsschaden
1975 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Alain de Cadenet De Cadenet-Lola T380 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Chris Craft Rang 14
1976 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Alain de Cadenet De Cadenet-Lola T380 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Chris Craft Rang 3
1977 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Alain de Cadenet De Cadenet LM Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Chris Craft Rang 5
1978 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Alain de Cadenet De Cadenet LM Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Chris Craft Rang 15
1979 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Alain de Cadenet De Cadenet LM FrankreichFrankreich François Migault Ausfall Getriebeschaden
1980 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Alain de Cadenet De Cadenet LM FrankreichFrankreich François Migault Rang 7
1981 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Alain de Cadenet De Cadenet-Lola LM BelgienBelgien Jean-Michel Martin BelgienBelgien Philippe Martin Ausfall Motorschaden
1982 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Grid Racing Grid Plaza S1 Sudafrika 1961Südafrika Desiré Wilson SpanienSpanien Emilio de Villota Ausfall Motorschaden
1983 FrankreichFrankreich Primagaz Cougar C01B FrankreichFrankreich Yves Courage FrankreichFrankreich Michel Dubois Ausfall Motorschaden
1984 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Charles Ivy Racing Porsche 956 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Chris Craft AustralienAustralien Allan Grice Ausfall Motorschaden
1985 FrankreichFrankreich Primagaz Cougar C12 FrankreichFrankreich Yves Courage FrankreichFrankreich Jean-François Yvon Rang 20
1986 FrankreichFrankreich Primagaz Team Cougar Cougar C12 FrankreichFrankreich Yves Courage FrankreichFrankreich Pierre-Henri Raphanel Rang 18

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Alain de Cadenet – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alain de Cadenet der Philatelist
  2. Alain de Cadenet über seine Anfänge als Rennfahrer
  3. Britische Sportwagen-Meisterschaft 1967
  4. Martini Trophy Silverstone 1967
  5. Fahrgestellgeschichte des Ferrari Dino 206, Chassis 004
  6. 1000-km-Rennen von Buenos Aires 1970
  7. 1000-km-Rennen von Monza 1980
  8. 1000-km-Rennen von Silverstone 1980
  9. Siegerpodest ohne De Cadenet
  10. Targa Florio 1970
  11. Targa Florio 1971
  12. Alain de Cadenet bei der Targa Florio (italienisch)
  13. Atlanta de Cadenet Taylor
  14. Die De-Cadenet-Familie
  15. Weitere Informationen über die De-Cadenet-Familie