Alan Rickman

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Alan Rickman (2011)

Alan Sidney Patrick Rickman (* 21. Februar 1946 in London; † 14. Januar 2016 ebenda)[1] war ein britischer Theater- und Filmschauspieler sowie Regisseur, insbesondere für das Theater.

Leben

Kindheit, Jugend und Ausbildung

Alan Rickman wurde als zweites von vier Kindern seines katholischen Vaters Bernard Rickman und seiner methodistischen Mutter Margaret Doreen Rose (geb. Bartlett) geboren. Die irisch-walisische Familie lebte im Londoner Stadtteil Hammersmith. Als Alan acht Jahre alt war, starb sein Vater, ein Fabrikarbeiter, an Lungenkrebs. Von da an wuchsen er und seine Geschwister nur mit seiner Mutter (gest. 1997) auf.[2]

Als Kind entdeckte Rickman sein Talent für Kalligrafie und Aquarellmalerei und erhielt ein Stipendium an der Privatschule Latymer Upper. Nach Schulabschluss absolvierte er eine Ausbildung als Grafikdesigner am Chelsea College of Art and Design. Anschließend gründete er mit Freunden seine eigene Firma Graphiti in Soho und arbeitete dort einige Jahre, bevor er mit 26 Jahren ein Stipendium für die Royal Academy of Dramatic Art (RADA) bekam. Während er von 1972 - 1974 die renommierte Schauspielschule besuchte, befasste er sich vorwiegend mit Shakespeares Dramen, gewann den Emile-Litter-Preis, den Forbes-Robertson-Preis und die Bancroft-Gold-Medaille. Nebenbei arbeitete er als Kostümbildner für Nigel Hawthorne und Ralph Richardson.

Privatleben

Rickman war seit 1965 mit der Politikerin und Professorin Rima Horton liiert, welche er 2012 heiratete.[3]

Am 14. Januar 2016 starb er aufgrund eines Pankreastumors[4] im Alter von 69 Jahren.[1][5]

Karriere

Anfänge als Theaterschauspieler

Alan Rickman arbeitete mit sehr vielen verschiedenen experimentellen britischen Theatergruppen zusammen, wie zum Beispiel bei Tschechovs Die Möwe und bei Snoo Wilsons The Grass Widow am Royal Court Theatre in London. Des Weiteren trat er dreimal beim Edinburgh International Festival auf. Zwischenzeitlich hatte er gelegentliche Fernsehauftritte. 1980 spielte er die Rolle des Mr. Slope in der mehrteiligen BBC-Verfilmung von Anthony Trollopes Barchester Towers: The Barchester Chronicles. Auch bei der Royal Shakespeare Company wirkte Rickman in einigen Stücken mit, unter anderem in Wie es euch gefällt und Gefährliche Liebschaften. Die Inszenierung von Gefährliche Liebschaften wurde 1987 auch am Broadway aufgeführt, und Rickman wurde für seine Rolle als Vicomte de Valmont für den Tony Award nominiert. Während dieser Zeit in New York bot ihm Joel Silver die Rolle des Hans Gruber in Stirb langsam an, die 1988 seine internationale Filmkarriere begründete. Von da an war Rickman sowohl auf der Bühne (dort auch als Regisseur) wie auch für Fernsehen und Kino aktiv.

2005 übernahm er die Regie am Royal Court Theatre bei dem Stück My Name Is Rachel Corrie, für das er den Theatregoers' Choice Award als bester Regisseur gewann. Er selbst hatte das Stück gemeinsam mit Katharine Viner geschrieben. Seit September 2008 lief im Londoner Theater Donmar Warehouse unter seiner Regie das Theaterstück Creditors von August Strindberg.[6]

Filmlaufbahn

Alan Rickman (2007)

Während er in britischen Filmen wie Sinn und Sinnlichkeit oder Wie verrückt und aus tiefstem Herzen insgesamt eher sanfte Charaktere verkörperte, stellte er in Hollywood-Produktionen häufig die Rolle des Bösewichts dar, wie beispielsweise Hans Gruber in Stirb langsam oder den Sheriff von Nottingham in Robin Hood – König der Diebe. Dass er auch komödiantisches Talent besaß, konnte er in Filmen wie Galaxy Quest – Planlos durchs Weltall, Dogma und Tatsächlich … Liebe unter Beweis stellen. Bei der Robin-Hood-Verfilmung fielen jedoch die entsprechenden Szenen mit ihm größtenteils dem Filmschnitt zum Opfer. 1995 betätigte sich Alan Rickman als Regisseur bei dem Theaterstück The Winter Guest, das am Londoner Almeida Theatre aufgeführt wurde. Bei der Verfilmung des Stückes 1996 mit Emma Thompson und deren Mutter Phyllida Law in den Hauptrollen führte er ebenfalls Regie. 1996 gewann er den Golden Globe als Darsteller in der HBO-Verfilmung Rasputin.

In der Verfilmung des Romans Per Anhalter durch die Galaxis lieh er in der Originalfassung dem Roboter Marvin seine Stimme. 2005 gehörte er zum Schauspieler-Ensemble bei Tom Tykwers Großproduktion Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders, der Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Patrick Süskind. Mit Sigourney Weaver drehte er zusammen den Film Snow Cake. Die Hauptrolle dafür wurde ihm von der Autorin Angela Pell auf den Leib geschrieben. 2007 verkörperte er den Richter Turpin in der Verfilmung des Musicals Sweeney Todd – Der teuflische Barbier aus der Fleet Street mit Johnny Depp und Helena Bonham Carter, mit denen er mehrere Filme drehte. Außerdem spielte er den Nobelpreisträger Eli Michaelson im Drama Nobel Son. 2008 übernahm er in Bottle Shock die Rolle des Steven Spurrier bei der Verfilmung der Ereignisse um die Weinjury von Paris.

2014 inszenierte er mit Die Gärtnerin von Versailles (A Little Chaos) seinen zweiten Spielfilm. In den Hauptrollen sind u. a. er selbst und Kate Winslet zu sehen.

Alan Rickman (2011)

Darstellung des Severus Snape in den Harry-Potter-Filmen

Seit 2001 wurde er insbesondere durch die Darstellung des Severus Snape in den Verfilmungen der Harry-Potter-Romane international bekannt. Er war die Wunschbesetzung der Autorin Joanne K. Rowling, mit der sich Rickman ausführlich über seine Figur unterhielt. Ihm war es wichtig, einen Hintergrund über die Entwicklung seiner Rolle zu erhalten, sonst hätte er die Figur nicht glaubhaft spielen können.

Sonstige Projekte

Alan Rickman wurde auch in einem Lied verewigt, das der englische Musiker Adam Leonard komponierte. Des Weiteren ist seine Stimme auf Mike Oldfields Musikalbum Tubular Bells II zu hören, das 1992 veröffentlicht wurde. In dem Musikstück „The Bell“ zählt hier Rickman die einzelnen Instrumente auf. Im Jahr 2000 war Alan Rickman in dem Musikvideo In Demand der Gruppe Texas zu sehen. Darin fährt er mit der Frontfrau Sharleen Spiteri in einem Bentley Azure Cabrio durch die Nacht und tanzt mit ihr dann an einer Tankstelle einen Tango.

Deutsche Synchronsprecher

Der Schauspieler mit der markanten Stimme wurde im deutschsprachigen Raum von vielen verschiedenen Sprechern synchronisiert. So wurde Rickman unter anderem von Michael Telloke (als Lukas Hart III. in Bob Roberts, als Metatron in Dogma und als Alex Hughes in Snow Cake), von Peter Fricke (als Sheriff von Nottingham in Robin Hood – König der Diebe und als Grigori Rasputin in Rasputin) und von Lutz Mackensy (als Jack/Hans Gruber in Stirb langsam und als P.L. O’Hara in Eine sachliche Romanze) gesprochen. In den ersten beiden der Harry-Potter-Verfilmungen erhielt Rickman (als Severus Snape) die deutsche Stimme von Erich Hallhuber. Nach dessen Tod 2003 sprach Bernd Rumpf die Rolle, nachdem dieser schon 1995 Rickman in Sinn und Sinnlichkeit synchronisiert hatte. Rumpf wurde danach häufiger für die Synchronisation Rickmans verpflichtet, so auch in Sweeney Todd – Der teuflische Barbier aus der Fleet Street und in Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders.

Filmografie

als Schauspieler

als Synchronsprecher

Auszeichnungen

Alan Rickman erhielt für seine Bühnen- und Filmdarstellungen zahlreiche Preise und Nominierungen, unter anderem 1991 den BAFTA Award für Robin Hood, 1994 beim Montreal Film Festival eine Auszeichnung als bester Schauspieler für Mesmer sowie 1996 den Emmy, einen Golden Globe und den SAG-Award für Rasputin.

Außerdem bekam Rickman im Januar 2006 den Theatregoers' Choice Award als Best Director für das Theaterstück My Name Is Rachel Corrie. Das gleiche Theaterstück wurde zudem für Best New Play ausgezeichnet.[7]

Weblinks

 Commons: Alan Rickman – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Catherine Shoard: Alan Rickman, giant of British film and theatre, dies at 69. In: The Guardian. 14. Januar 2016, abgerufen am 14. Januar 2016.
  2. movies.yahoo.com, Alan Rickman Biography.
  3. Melody Chiu: Alan Rickman and Longtime Love Rima Horton Secretly Wed 3 Years Ago. In: People.com. 23. April 2015, abgerufen am 14. Januar 2016.
  4. Caroline Frost: Alan Rickman 'Battled Pancreatic Cancer In Private'. In: huffingtonpost.co.uk. 15. Januar 2016, abgerufen am 15. Januar 2016 (englisch).
  5. Professor-Snape-Darsteller Alan Rickman ist tot. In: Süddeutsche.de. 14. Januar 2016, abgerufen am 14. Januar 2016.
  6. guardian.co.uk, Alan Rickman to direct in West End (30. April 2008)
  7. Theatre Record, The Theatregoers' Choice Awards 2005 (abgerufen am 8. August 2012)