Alban Haas

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Alban Haas 1927

Alban Haas (* 29. Januar 1877 in Diemantstein (Schwaben), heute Markt Bissingen; † 15. Mai 1968 in Neustadt an der Weinstraße) war ein deutscher katholischer Priester und Prälat, der als Heimatforscher und Kirchenhistoriker sowie Buchautor bekannt wurde.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alban Haas wurde als Sohn des gleichnamigen Lehrers in Diemantstein geboren, das heute zur Marktgemeinde Bissingen in Bayerisch Schwaben gehört.

Sein jüngerer Halbbruder aus der zweiten Ehe des Vaters war der Komponist Joseph Haas, ein Schüler von Max Reger. Er komponierte u. a. 1930 zum Jubiläum des Doms im Bistum seines Bruders die Speyerer Domfestmesse.

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haas besuchte das Gymnasium bei St. Stephan in Augsburg und legte 1896 das Abitur ab. Ein Jahr lang studierte er Philosophie und Pädagogik in Dillingen (Donau), anschließend Theologie in München. Als Alumne des erzbischöflichen Priesterseminars Georgianum empfing er dort am 11. Juli 1900 die Priesterweihe.

Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lehrerkollegium des Humanistischen Gymnasiums Neustadt, 1930, mit Alban Haas (sitzend, 2. von rechts) und Karl Strauß (hinten rechts)

Zunächst wirkte Haas drei Jahre lang als Kaplan, dann bis 1913 als Stadtprediger in Günzburg. Außerdem unterrichtete er an der klösterlichen Lehrerbildungsanstalt der Englischen Fräulein. Hierfür legte er 1911 das staatliche Examen als Lehrerausbilder ab, auf das er sich im Selbststudium vorbereitet hatte.

Im Sommer 1913 versetzte die Bayerische Staatsregierung Haas an die Katholische Lehrerbildungsanstalt in Speyer. Hier unterrichtete er bis 1923 die angehenden Pädagogen hauptsächlich in den Fächern Deutsch, Geschichte und Französisch; am 1. September 1918 wurde er Präfekt des Instituts, 1920 avancierte er zum Studienprofessor. Ab 8. Dezember 1923 wirkte Haas, der 1925 zum Doktor der Theologie promoviert und 1928 zum Oberstudienrat befördert wurde, 15 Jahre lang als Religionslehrer am Humanistischen Gymnasium in Neustadt an der Weinstraße, das seit 1964 Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium heißt. Er war Kollege des jüdischen Mathematik- und Physiklehrers Karl Strauß, bis dieser 1935 durch die nationalsozialistischen Machthaber aus dem Dienst entfernt wurde.

Mit 61 Jahren trat Haas im Dezember 1938 vorzeitig in den Ruhestand, in dem er sich als Heimatforscher für seinen Wohnort Neustadt und dessen Umgebung sowie als Kirchenhistoriker für das Bistum Speyer betätigte. Beispielsweise beschäftigte er sich mit der Auswertung des lokalgeschichtlich bedeutsamen Seelbuches des Liebfrauenstifts Neustadt. Das Stift war von den Wittelsbachern gegründet worden, die Stiftskirche diente ihnen als Grablege. Die Ergebnisse seiner Forschungen legte Haas in mehreren Büchern nieder.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Auswahl)

  • Das Interdikt nach geltendem Recht mit einem geschichtlichen Überblick. Schippers, Amsterdam 1963 (Reprint der Ausgabe Würzburg, Univ. Diss. 1925).
  • Aus der Nüwenstat. Vom Werden und Leben des mittelalterlichen Neustadt an der Haardt. 1. Auflage. Selbstverlag, Neustadt/Weinstr. 1951 (Untertitel ab der 2. Auflage – 1964 – abgeändert in „Vom Werden und Leben des mittelalterlichen Neustadt an der Weinstraße“).
  • Alban Haas und Annemarie Hogg (deutsche Übersetzung und Herausgabe): Das Leben des hl. Franz von Assisi. Pilger-Verlag, Speyer 1952 (franz. Originalausgabe von Omer Englebert: La Vie de St. François d’Assisi. Paris 1947).
  • Die Lazaristen in der Kurpfalz. Beiträge zu ihrer Geschichte. Pfälzische Verlagsanstalt, Neustadt/Weinstr. 1960.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchlicherseits trug Haas seit 1940 den Ehrentitel Päpstlicher Hausprälat mit der offiziellen Anrede Monsignore. Wegen seiner Verdienste um die Heimatforschung wurde er zum Ehrenbürger von Neustadt ernannt und dort, wie auch in seinem Geburtsort, mit einer Straßenwidmung geehrt.

1953 erhielt er das Verdienstkreuz (Steckkreuz) der Bundesrepublik Deutschland, 1967 das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.[1]

Eine späte Anerkennung wurde Haas fast 50 Jahre nach seinem Tod zuteil: Ein Themenheft zum Ende des Zweiten Weltkriegs machte publik, dass er 1945 mit Erfolg zwei katholische Bischöfe eingeschaltet hatte, um die Freilassung zweier Brüder aus französischer Internierung zu erreichen. Die beiden jungen Männer, die Söhne eines Katholiken und einer Jüdin waren und die er am Gymnasium als Religionslehrer unterrichtet hatte, waren im April 1944 als sogenannte „Halbjuden“ nach Frankreich in ein KZ deportiert worden und mussten in den Kalksteinbrüchen von Cravant-sur-Yonne unter Tage Zwangsarbeit verrichten. Nach ihrer Flucht im August 1944 wurden sie von den Franzosen als vermeintliche deutsche Spione ein Jahr lang eingesperrt, bis sie im Spätsommer 1945 auf Haas’ Betreiben freikamen.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Goldenes Priesterjubiläum von Prälat Haas. In: Der christliche Pilger. Nr. 31. Speyer 30. Juli 1950.
  • Fritz Steegmüller: Geschichte der Lehrerbildungsanstalt Speyer, 1839–1937. Pilger-Verlag, Speyer 1978.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bundeskanzler der Republik Österreich: Anfragebeantwortung „Orden und Ehrenzeichen an ehemalige in- und ausländische Regierungsmitglieder und sonstige Persönlichkeiten“. 23. April 2012; abgerufen am 25. Mai 2015 (PDF; 6,59 MB).
  2. Albert H. Keil: „Zu Hilfe kam [uns] niemand.“ Mußbach und die „braune Pest“. In: Marita Hoffmann und Bernhard Kukatzki (Hrsg.): „Im Morgengrauen des 18. März 1945 herrschte noch Totenstille.“ Zum Ende des Zweiten Weltkriegs in der Pfalz. Themenheft (= Pfälzisch-Rheinische Familienkunde). Band XVIII, Nr. 8/9. Verlag Llux, Ludwigshafen 2016, ISBN 978-3-938031-72-8, S. 99, 100 (online).