Albaner in der Türkei

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Die Albaner in der Türkei (albanisch Shqiptarët në Turqi, türkisch Türkiye Arnavutları) stellen mit etwa einer Million Personen[1] eine große ethnische Minderheit in der Türkei dar, die offiziell jedoch nicht anerkannt ist. Etwa die Hälfte der Albaner wanderte nach dem Zweiten Weltkrieg in die Türkei ein. Auch eine Çamen-Minderheit aus dem griechischen Epirus ist Teil der albanischen Minderheit. Die Albaner in der Türkei sind überwiegend sunnitische Muslime hanafitischer Richtung oder Anhänger des Bektaschi-Ordens.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mehrheit der Albaner trat zum Islam über, nachdem ihre Siedlungsgebiete Teil des Osmanischen Reiches geworden waren. Als Angehörige der herrschenden Religion boten sich manchen von ihnen innerhalb des Reiches Beschäftigungs- und Karrieremöglichkeiten, zum Beispiel im Heer, in der Verwaltung und in den religiösen Institutionen. Im Rahmen dieser Tätigkeiten zogen sie in verschiedene Provinzen und in größerer Zahl auch in die Hauptstadt Konstantinopel. Sie assimilierten sich schnell an die türkischsprachige Umgebung. Viele von denen, die erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus Albanien gekommen waren, bewahrten sich im Zeitalter des Nationalismus ihr ethnisch-albanisches Bewusstsein. Ein Teil wurde in der albanischen Nationalbewegung aktiv. Anfang des 20. Jahrhunderts lebten Tausende Albaner in Konstantinopel; eine bedeutende albanische Gemeinde gab es auch in Smyrna.

Nachdem große Teile des albanischen Siedlungsgebiets 1912 infolge des Ersten Balkankriegs an Serbien und Griechenland gefallen waren, übten die neuen Machthaber Druck auf die albanische Bevölkerung aus, das Land zu verlassen. Viele von ihnen emigrierten zwischen den Weltkriegen in die Türkei. Die erste Welle der Çamen-Albaner verließ Griechenland im Rahmen des Griechisch-Türkischen Bevölkerungsaustauschs von 1922.

Nach der Machtübernahme der Kommunisten 1944 unter Führung von Enver Hoxha in Albanien begannen diese, vor allem die Angehörigen der alten intellektuellen und religiösen Eliten zu verfolgen. In den ersten Jahren nach dem Krieg konnten noch einige Tausend Gegner der Kommunisten das Land verlassen und flüchteten unter anderem in die Türkei. Im Kosovo wurden die Albaner weiterhin von den jugoslawischen Behörden unterdrückt. Zehntausende muslimische Albaner wanderten deshalb bis Mitte der 1960er Jahre in die Türkei aus, die in jener Zeit als einziges Land Emigranten aus dem Kosovo aufnahm. Zwischen den Jahren 1944 und 1966 kamen insgesamt 450.681 Albaner in die Türkei.[2]

Seit 1990 ist die Türkei auch Ziel von Arbeitsmigranten aus Albanien.

Siedlungsgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Albaner leben hauptsächlich in Istanbul sowie in weiteren Großstädten wie Ankara, Bursa, Izmir und Samsun. Des Weiteren gibt es von Albanern besiedelte Dörfer in den Provinzen Bursa, Düzce, Edirne, Eskişehir, Kırklareli, Sakarya und Samsun (Bafra).

Çamen-Albaner aus Griechenland besiedelten ab 1923 die Gebiete von Erenköy und Kartal in Istanbul sowie eine gewisse Anzahl von Städten in der Umgebung von Bursa, vor allem Mudanya.[3][4] Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelten sie sich vor allem in Izmir, Gemlik und Aydın an.[5]

Bekannte Albaner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(* = väterlicherseits albanischer Abstammung)
(** = mütterlicherseits albanischer Abstammung)

Im Osmanischen Reich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Republik Türkei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Albaner in der Türkei – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ali Tayyar Önder: Türkiye'nin etnik yapısı: Halkımızın kökenleri ve gerçekler. Kripto Kitaplar, Istanbul 2008, ISBN 978-6-05412503-6, S. 103.
  2. Türkiye Ekonomik ve Sosyal Etüdler Vakfı (Hrsg.): Türkiye'de azınlık hakları sorunu – vatandaşlık ve demokrasi eksenli bir yaklaşım. TESEV Yayınları, Istanbul 2006, ISBN 975-8112-72-4, S. 35–40.
  3. Kristin Fabbe: Defining Minorities and Identities – Religious Categorization and State-Making Strategies in Greece and Turkey. (PDF) Presentation at: The Graduate Student Pre-Conference in Turkish and Turkic Studies University of Washington, 18. Oktober 2007, S. 49, abgerufen am 19. Dezember 2012.
  4. Onur Yildirim: Diplomacy and Displacement: Reconsidering the Turco-Greek Exchange of Populations, 1922–1934. Hrsg.: CRC Press. Istanbul 2006, ISBN 978-0-415-97982-5, S. 121 (Online-Version [abgerufen am 31. März 2009]).
  5. Mal Berisha: Diaspora Shqiptare në Turqi. Hrsg.: ACCL Publishing. New York November 2000, S. 13 (albanisch).