Albert Leitzmann

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Carl Theodor Albert Leitzmann[1] (geboren am 3. August 1867 in Magdeburg; gestorben am 16. April 1950 in Jena) war ein deutscher Germanist und Literaturhistoriker. Leitzmann wurde insbesondere bekannt für seine überaus umfangreiche Editionsarbeit, darunter die erste textkritische Edition der Sudelbücher des Experimentalphysikers und Philosophen Georg Christoph Lichtenberg.

Jugend bis zum Abschluss des Studiums[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Albert Leitzmann wurde als zweiter Sohn von Karl Hermann und Elisabeth Leitzmann (geborene Naumann) geboren, sein Vater war Gymnasialprofessor für Mathematik und Physik.[2] Aufgrund gesundheitlicher Probleme erhielt er zunächst Privatunterricht und wurde erst im Alter von zehn Jahren am traditionsreichen neuhumanistischen Pädagogium in Magdeburg eingeschult. Tagebucheinträge aus dieser Zeit zeigen, dass Leitzmann sich sehr früh für die ältere deutsche Literatur interessierte; im Oktober 1881, als 15-jähriger, notierte er dann schon den Entschluss, Germanist werden zu wollen.[3]

Den als Gymnasiast gefassten Entschluss setzte Leitzmann ab 1886 um mit Aufnahme des Germanistikstudiums an der Universität Freiburg. Leitzmanns wichtigster Lehrer und Impulsgeber dort wurde Hermann Paul, der zu den sogenannten Junggrammatikern zählte; aus einer Hausarbeit bei Paul in Leitzmanns zweitem Semester entstanden 1888 seine ersten wissenschaftlichen Veröffentlichungen: ein Aufsatz zur mittelhochdeutschen Lehrdichtung Der Winsbeke[4] sowie als erste eigenständige Veröffentlichung – richtungweisend für Leitzmanns weitere wissenschaftliche Arbeit – eine textkritische Edition desselben Werks.[5][6]

Nach zwei Semestern an der Berliner Universität wurde Leitzmann im Frühjahr 1889 in Freiburg promoviert, Titel seiner Dissertation war Untersuchung über die Sprache in mittelhochdeutschen Prosapredigten, anschließend studierte er ein Jahr in Halle bei Eduard Sievers.[7] Im Frühjahr 1891 – keine 25 Jahre alt – erfolgte die Habilitation in Jena mit Untersuchungen über Berthold von Holle.[8]

Unmittelbar nach der Habilitation verlobte Leitzmann sich mit Else Altwasser, der Tochter von Hugo Amandus und Elise Altwasser (geborene Gerlach), die Hochzeit folgte 1892.[9]

Von der Habilitation bis zur Emeritierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Habilitierung lehrte Leitzmann zunächst als Privatdozent an der Universität Jena, ab Herbst 1894 arbeitete er zwei Jahre am Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar, 1896 schlossen sich nochmals zwei Jahre Privatdozentur in Jena an, bis der Gelehrte 1898 ebenda zum außerordentlichen Professor ernannt wurde. Eine Verbeamtung in dieser Position erfolgte erst 1918, ordentlicher Professor wurde Leitzmann 1923, Lehrstuhlinhaber für Germanistik in Jena 1930 als Nachfolger von Victor Michels. Diese Stelle behielt er bis zu seiner Emeritierung 1935.[10]

In den auf die Habilitierung 1891 folgenden Jahren begann Leitzmanns – selbst für die zeitgenössische positivistische Geisteswissenschaft außerordentliche – umfangreiche Editionstätigkeit, „rastlos nach ungedruckten Quellen der deutschen Geistesgeschichte spürend“.[11] Hervorzuheben sind dabei zunächst weniger die Studienausgaben der Werke Wolframs, Walthers und Hartmanns in der Altdeutschen Textbibliothek, welche jahrzehntelang Standard-Studienlektüre der Mediävistik-Studenten blieben.[12] Leitzmann hatte das Auge und die Energie, Schätze der deutschen Geistes- und Literaturgeschichte zu heben und erstmals der Öffentlichkeit zugänglich zu machen; eine Ausnahmestellung nehmen dabei bis heute (Stand 2016) seine Editionen von bis dahin unbekannten Werken Georg Christoph Lichtenbergs ein.[13][14]

Nach der Emeritierung 1935 konzentrierte sich Leitzmann auf die Betreuung der Neuausgaben der genannten Studienausgaben zu Wolfram, Walther und Hartmann. Auch versuchte er nach 1945, zur Verbesserung seiner Lebenssituation sich als Universitätslehrer reaktivieren zu lassen, dies gelang aber offenbar nicht. Gegen Ende seines Lebens war die persönliche Situation so prekär geworden, dass Leitzmann seine eigene Studien-Bibliothek der Universität Jena gegen eine Rente vermachen musste.[15]

Leitzmann starb 1950 kurze Zeit nach seiner Frau im Alter von 83 Jahren in Jena.[16]

Im Laufe seines Lebens hatte er fast 800 Werke veröffentlicht, davon fast 500 Monografien, die meisten davon sorgfältige Editionen von Briefwechseln und Werken von Literaten und Musikern, aber wenig „Selbstgeschriebenes“;[17] Leitzmann hat dabei praktisch nie interpretiert oder zur ästhetischen Qualität der von ihm herausgegebenen Werke Stellung genommen.[18] Leitzmanns Biograf Ulrich Joost vermutet, dass der Unwille, selbst geisteswissenschaftlich kreativ tätig zu werden, und die auffällige Bereitschaft, vollständig im wenig fachwissenschaftlichen Ruhm bringenden Geschäft der Herausgeberschaften aufzugehen, mit Leitzmanns prekärer wirtschaftlicher Situation zusammengehangen haben könnte.[19]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ulrich Joost: Albert Leitzmann der Editor. In: Roland Kamzelak, Rüdiger Nutt-Kofoth, Bodo Plachta (Hrsg.): Neugermanistische Editoren im Wissenschaftskontext. Biographische, institutionelle, intellektuelle Rahmen in der Geschichte wissenschaftlicher Ausgaben neuerer deutschsprachiger Autoren. De Gruyter, Berlin, Boston 2011, S. 129-152, ISBN 978-3-11-025136-4.
  • Ulrich Joost: Rastlos nach ungedruckten Quellen der deutschen Geistesgeschichte spürend. Albert Leitzmann, Philologe und Literaturhistoriker. In: Berthold Friemel (Hrsg.): Brüder Grimm Gedenken, Bd. 14, Hirzel Verlag, Stuttgart 2001, S. 46-79, ISBN 978-3-7776-1104-4 (Online (PDF), Lichtenberg-Gesellschaft).
  • Fritz Braun, Kurt Stegmann von Pritzwald (Hrsg.): Dankesgabe für Albert Leitzmann. Jena 1927 (=Sonderband der Jenaer Germanistischen Forschungen).
  • Ernst Vincent, Karl Wesle (Hrsg.): Festschrift für Albert Leitzmann. Jena 1937.
  • Herbert Kolb: Leitzmann, Albert. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 14, Duncker & Humblot, Berlin 1985, ISBN 3-428-00195-8, S. 176 f. (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schreibung der Vornamen nach Joost 2011, Albert Leitzmann der Editor, S. 129. Varianten: Theodor Karl Albert (Joost 2001, Rastlos nach ungedruckten Quellen ..., S. 6); nur Albert (Kolb 1985, NDB-Eintrag); Karl Theodor Albert (Markner 2005, MBL-Eintrag).
  2. Joost: Rastlos nach ungedruckten Quellen ..., S. 6; abgerufen 26. März 2016.
  3. Joost: Rastlos nach ungedruckten Quellen ..., S. 7; abgerufen 26. März 2016.
  4. Zur Kritik und Erklärung des Winsbeke und der Winsbekin. In: PBB 13 (1888), S. 248–277, Digitalisat beim Internet Archive, abgerufen 26. März 2016.
  5. als Band 9 der Altdeutschen Textbibliothek: König Tirol, Winsbeke und Winsbekin, Halle 1888.
  6. die Ausführungen in diesem Abschnitt folgen Joost: Rastlos nach ungedruckten Quellen ..., S. 8f; abgerufen 26. März 2016.
  7. Joost: Rastlos nach ungedruckten Quellen ..., S. 9; abgerufen 26. März 2016.
  8. publiziert 1892 in: PBB 16 (1892), S. 1–48 und S. 346–360, Digitalisat beim Internet Archive, abgerufen 26. März 2016; Joost: Rastlos nach ungedruckten Quellen ..., S. 15; abgerufen 26. März 2016.
  9. Joost: Rastlos nach ungedruckten Quellen ..., S. 9 u. S. 11; abgerufen 26. März 2016.
  10. Joost: Rastlos nach ungedruckten Quellen ..., S. 17ff u. S. 30; abgerufen 26. März 2016.
  11. so Ulrich Joost im Titel seiner grundlegenden biografischen Abhandlung zu Leitzmann; Joost greift damit seinerseits auf ein Bonmot des Germanisten Bernhard Seuffert aus einer Besprechung zum ersten Band einer Ausgabe der Briefe Lichtenbergs zurück, s. Joost: Rastlos nach ungedruckten Quellen ..., S. 1, FN zum Titel; abgerufen 26. März 2016.
  12. Joost: Rastlos nach ungedruckten Quellen ..., S. 24; abgerufen 26. März 2016.
  13. Joost: Rastlos nach ungedruckten Quellen ..., S. 18; abgerufen 26. März 2016.
  14. Joost, Leitzmann der Editor, Berlin 2011, S. 144ff.
  15. Joost: Rastlos nach ungedruckten Quellen ..., S. 25f; abgerufen 26. März 2016.
  16. Joost: Rastlos nach ungedruckten Quellen ..., S. 26; abgerufen 26. März 2016.
  17. Joost: Rastlos nach ungedruckten Quellen ..., S. 5; abgerufen 26. März 2016.
  18. Joost, Leitzmann der Editor, Berlin 2011, S. 131.
  19. Joost, Leitzmann der Editor, Berlin 2011, S. 142.