Albert Oesch (Künstler)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bildhauer Albert Oesch in 1935
Glasfenster Albert Oeschs, in der Katholischen Kirche Flawil

Albert Oesch (* 20. Oktober 1907 in St. Gallen; † 26. August 1936 in St. Gallen) war ein Schweizer Bildhauer und Glasmaler.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Albert Justus Oesch wuchs als jüngstes von vier Geschwistern nahe der Stadt St. Gallen auf. Nach der Primarschule in St. Gallen wechselte er 1920 ans Kollegium Appenzell, ein katholisches Internat mit gymnasialer Ausbildung. Schon früh zeigte sich seine Begabung für das Zeichnen und Malen. 1925 trat er aus dem Gymnasium aus, weil sich sein Berufsziel geändert hatte. Er begann 1926 eine Lehre als Bildhauer bei Wilhelm Meier, einem damals bekannten Bildhauer in St. Gallen. Mit sehr gutem Zeugnis schloss er diese Ausbildung nach vier Jahren ab. Es folgte eine Weiterbildung an den Kölner Werkschulen in Bildhauerei und Glasmalerei.

Wirken als Bildhauer und Glasmaler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Albert Oesch: Melser Muttergottes, Zementguss mit rotem Melser Kies, etwa 170 cm hoch, Standort Friedhof in Mels, Kanton St. Gallen

Schon in Köln konnte er erste Arbeiten ausführen. Nach schwierigem Start als freischaffender Künstler in der Schweiz gewann er den ersten Preis für die Gestaltung eines Brunnens im Ostfriedhof von St. Gallen. Die Darstellung von Jesus mit den Jüngern von Emmaus als Steinfiguren machte Linus Birchler[1] auf den jungen Künstler aufmerksam. Er schrieb eine positive Würdigung,[2] verglich seinen Stil mit jenem des deutschen Bildhauer Otto Barlach und war zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung bereits ein wichtiger Förderer von Oesch.

Oesch schuf hauptsächlich Werke der christlichen Kunst als Skulpturen oder Plastiken in Stein, Terrakotta, Holz oder Gips umgegossen in Bronze, sowie zahlreiche Glasfenster in Kirchen.[3]

Gründung einer Jugendorganisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während seines Aufenthaltes in Köln lernte Albert Oesch eine deutsche Jugendbewegung kennen. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz machte er dem Pfarrer der katholischen Kirchgemeinde Heiligkreuz in St. Gallen den Vorschlag, eine Jugendgruppe für Knaben zu gründen. So entstand 1931 der Tarzisiusbund Heiligkreuz (TBH), eine der ersten katholisch geprägten Jugendscharen in der Schweiz. Sein Aufbau des Tarzisiusbundes fand eine Fortsetzung durch den Beitritt des TBH zum Schweizer Jungwachtbund im Jahre 1942, wobei die Jungwacht Heiligkreuz (JUWAHEI)[4] lange Zeit eine der grössten Scharen war. Noch heute ist deren Verein Ehemaliger Jungwächter (VEJ) aktiv und hält auch die Erinnerung an Albert Oesch aufrecht.

Oesch setzte einen beträchtlichen Teil seiner Zeit und Energie für den Aufbau dieser Jugendorganisation ein. An den schulfreien Tagen organisierte er Ausflüge und Spiele in freier Natur. Dabei halfen deutsche Spielhandbücher. Oesch erzählte den Jugendlichen auch von seinen Auslandsreisen nach Deutschland, Italien und Österreich und las aus geeigneten Büchern vor. Unter seiner Anleitung bastelten die Teilnehmer Kasperfiguren für das Theaterspiel oder bauten Krippen vor Weihnachten. Bald wurde er unterstützt von weiteren freiwilligen Leitern, weil die nun etwa 70 Knaben eine Gruppenbildung nötig machten. Zusammen mit dem Pfarrer wurden die katholischen Feiertage mitgestaltet. Oeschs Bruder, ein Mediziner, gab einen Samariterkurs. Ab 1933 wurde eine eigene TBH-Zeitung gestaltet und herausgegeben.

Oesch erkrankte 1936 an Tuberkulose. Ein Aufenthalt in einer Höhenklinik in Davos half nicht. Dazu kam später eine Hirnhautentzündung. Er starb im Alter von nur 29 Jahren und wurde auf dem Ostfriedhof in St. Gallen beigesetzt.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Albert Oesch: Jesus mit Jüngern von Emmaus, Friedhofbrunnen Friedhof Ost, St. Gallen (1933)
  • Springbrunnenfigur (Seelöwe) und Kriegsgedenktafel in Köln, 1931.
  • Friedhofbrunnen in St. Gallen, 1933.
  • Glasmalerei in der St. Justus-Kirche in Flums, 1933/1934.[5][6]
  • Glasmalerei in der Pfarrkirche Sargans, 1934.[7]
  • Melser Muttergottes, Plastik als Zementguss ausgeführt, Friedhof Mels, SG[8]
  • Grosser Fensterzyklus (22 Fenster im Schiff), Chorkreuz, Holzfiguren auf den Seitenaltären und eine Monumentalskulptur vor dem Eingang der St. Laurenziuskirche, Flawil, 1935.[9]
  • Grabmäler für zwei Bischöfe und weitere Persönlichkeiten, 1932–1935.
  • Wappen und Schrift, Bodenseeschiffe Thurgau und Zürich
  • Zahlreiche kleinere Skulpturen oder Plastiken wie Reliefs aus unterschiedlichem Material, sowie Kabinettscheiben.
Christophorus, Terracotta

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Iso Baumer: Albert Oesch 1907–1936. Biographie. erste Fassung 1948 (unveröffentlicht), überarbeitet 1. Dez. 2009, Niedermann Druck, St. Gallen.
  • Wenig bekannte Seiten in der neueren St. Galler Kunstgeschichte. In: Die Ostschweiz vom 12. Dezember 1964, S. 13
  • Paul Pfiffner: Am Grabe eines jungen Künstlers. Dem Andenken an den Bildhauer Albert Oesch. In: Die Ostschweiz, 29. August 1936. (Nachruf)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Albert Oesch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Professor für Baugeschichte und Allgemeine Kunstgeschichte an der ETH Zürich von 1934 bis 1961
  2. Linus Birchler: Albert Oesch. In: Antonius, Zeitschrift des Kollegiums St. Anton, Appenzell 2/4 1936, S. 10.
  3. Fürstäbtliches und die zwölf Apostel. In: Sarganserländer, 12. September 2003, S. 15
  4. Jungwacht Heiligkreuz, St. Gallen
  5. Eduard Koller: Die Glasgemälde in der Sankt-Justus-Kirche, Flums. In: Terra Plana. Sarganserländer Druck AG, Mels 4/2006, S. 11–18.
  6. St. Justus. In: Kunstführer Nr. 680, Schnell & Steiner, Regensburg, 4. Aufl. 2007. ISBN 978-3-7954-4431-0
  7. Eduard Koller: Glasgemälde in der Sarganser Sankt-Oswald-Pfarrkirche. In: Terra Plana. Sarganserländer Druck AG, Mels 1/ 2011, S. 2–10.
  8. Karin Heiz: Die Marienverehrung war einmalig. In: Sarganserländer, 17. April 2003
  9. Kurt Hungerbühler: Der prägende Künstler Albert Oesch. In: Die St. Laurenziuskirche in Flawil 1935/1995. Sabon-Verlag, St. Gallen 1995, ISBN 3-907928-01-6. S. 41–46.