Albert Schulze-Vellinghausen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das Grab Albert Schulze-Vellinghausens auf dem Ostenfriedhof Dortmund

Albert Schulze-Vellinghausen (* 30. Mai 1905 in Werne (jetzt Bochum); † 23. Mai 1967 in Bochum-Werne) war ein deutscher Kunstsammler, Kritiker (Kürzel: ASV), Buchhändler („Bücherstube am Dom“ in Köln) und Übersetzer.

Leben bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulze-Vellinghausen wurde als Sohn eines Bergwerksdirektors und einer Großgrundbesitzerin im damals selbständigen Werne bei Bochum geboren. Ab 1924 studierte er Jura, später dann Kunstgeschichte, Archäologie und Philosophie. Studienorte waren Genf, später dann Freiburg im Breisgau, München, Köln und Bonn.[1] Er war durch seine Studien fasziniert vom romanischen Sprachraum. Unter anderem studierte er bei Paul Clemen, Wilhelm Worringer, Julius von Schlosser und Ernst Robert Curtius.[1] Nach kurzer beruflicher Tätigkeit in Berlin wurde Schulze-Vellinghausen 1933 Buchhändler in Köln. Diese Tätigkeit ist auch in der NS-Zeit sein berufliches Refugium; trotzdem kommt er in Konflikt mit der Kulturpolitik des Dritten Reiches. Während des Krieges wird er aufgrund seiner angegriffenen Gesundheit nicht zum Frontdienst eingezogen, muss aber wegen seiner guten Französisch-Kenntnisse in einem Kriegsgefangenenlager im Münsterland in der Abwehrabteilung Dienst leisten. Hierbei leistet er den Gefangenen heimlich Hilfestellungen, um die Zeit für sie erträglich zu machen. Nach dem Krieg statten sie ihrem „Monsieur Albert“ durch persönliche Besuche ihren Dank ab.[1]

Tätigkeit als Kritiker und Autor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Krieg begann Schulze-Vellinghausen, Gedichte, Feuilletons und Essays zu schreiben. Er arbeitete dann für Zeitungen und Zeitschriften, namentlich für Die Tat (Zürich), Der Kurier (Berlin) und Der Mittag (Düsseldorf). Nebenbei war er als Übersetzer tätig und übersetzte Dramen und Lyrik von Jean Follain, Jean Cocteau, Jean Giraudoux und Pierre Carlet de Marivaux. Im Jahr 1953 wurde Schulze-Vellinghausen ständiger Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.[1] Vor allem berichtete er über das soziale und kulturelle Leben in Nordrhein-Westfalen und „zwingt das [...] Publikum [...], das Ruhrgebiet auch als Kulturlandschaft zur Kenntnis zu nehmen“[2] Dabei beschrieb er verschiedene Museen neu, die daraufhin bundesweit bekannt wurden, so das Karl Ernst Osthaus-Museum in Hagen, das Folkwang-Museum in Essen und das Museum am Ostwall in Dortmund. Des Weiteren war er einer der Paten der Ruhrfestspiele in Recklinghausen.[3]

Kunstsammler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Kunstfreund besaß er eine umfangreiche Sammlung moderner Kunst (u. a. von Josef Albers, Günter Fruhtrunk, H.A.P. Grieshaber, Joseph Beuys, Lucio Fontana, Otto Piene, Victor Vasarely, Cy Twombly), die er testamentarisch der Ruhr-Universität Bochum vermachte. Diese Stiftung knüpfte er an die Bedingung, dass die Sammlung durch das Land Nordrhein-Westfalen weiter ausgebaut würde.

Albert Schulze-Vellinghausen war als Kunstsammler eine Autorität; er gehörte etwa dem documenta Rat der 4. documenta von 1968 in Kassel an. Sein Einsatz galt vor allem der informellen Kunst, die er als Ausweg aus der totalitären Politisierung in Faschismus und Stalinismus sah:

„Wie in der Politik hat die Avantgarde sich von den Flügeln zurückziehen müssen auf die Mitte hin. Da eben ist der Sitz aufrichtiger Unbedingtheit, nachdem sich in diesen Zeitläufen der Technisierung erwiesen hat, daß die todbringenden Bakterien von Stalinismus und Faschismus am ersten in pseudoradikale Außenstellungen eindringen. Wer das nicht zu sehen vermag, hat den Feind schon in sich.“

Ilina Fach: Ausstellungspolitik und Didaktik der Ruhrfestspiele Recklinghausen (1950–1974). Inauguraldissertation der Kunstwissenschaft im Fachbereich Kultur- und Geowissenschaften an der Universität Osnabrück.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulze-Vellinghausen erhielt diverse Ehrungen. Er war Mitglied des PEN-Clubs sowie der Association International Crtiques d’Art. Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen verlieh ihm den Professorentitel. Weiterhin war er Vorsitzender des Ausschusses für Malerei der Kasseler Documenta.

Schulze-Vellinghausen lebte bis zu seinem Tod in Kley. Sein Grab liegt auf dem Dortmunder Ostfriedhof.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Albert Schulze-Vellinghausen: Junge Künstler 1958/59. Köln 1958, S. 30.
  • Theater heute 1, 1960, Nr. 2: Pole des modernen Welttheaters. Eine Kontroverse. Mit Beiträgen von Kenneth Tynan, Eugène Ionesco, A. Schulze-Vellinghausen, S. Melchinger und J. Kaiser.
  • Albert Schulze-Vellinghausen: Theaterkritik 1952–60. Ausgewählt und mit einem Nachwort versehen von Henning Rischbieter. Friedrich Verlag, Hannover 1961.
  • Albert Schulze Vellinghausen, Maria Wimmer: 1962, Text und Bildteil + Schallplatte (Reihe Theater heute, Band 3).
  • Albert Schulze Vellinghausen: Anspielungen – Ausgewählte Reden, Aufsätze, Kritiken zur bildenden Kunst, Literatur, Architektur etc. 1962.
  • Josef Reding: Chronisten des Ruhrgebiets. Albert Schulze Vellinghausen, Helmuth de Haas, Friedhelm Baukloh. In: ders.: Der Mensch im Revier. Essays. Köln 1988, S. 120–135.
  • Egoist 12. Hommage à Albert Schulze Vellinghausen. Mit einer Lithographie von Raimund Girke. F. September 1967. 3. Jg. Heft 2. 11 s/w Abb. 32 S.
  • Ilina Fach: Ausstellungspolitik und Didaktik der Ruhrfestspiele Recklinghausen (1950–1974). Inauguraldissertation der Kunstwissenschaft im Fachbereich Kultur- und Geowissenschaften an der Universität Osnabrück, eingereicht im Oktober 1998 (Dissertation als PDF).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d vgl. Josef Reding: Der Mensch im Revier, S. 122f.
  2. vgl. Josef Reding: Der Mensch im Revier, S. 123.
  3. vgl. Josef Reding: Der Mensch im Revier, S. 125.