Albrecht Glaser

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Albrecht Glaser (2015)

Albrecht Glaser (* 8. Januar 1942 in Worms)[1] ist ein deutscher Politiker. Er wurde bekannt als CDU-Kommunalpolitiker und Stadtkämmerer in Frankfurt am Main durch den Kauf der umstrittenen „Glaser-Fonds“. Nach seinem Austritt aus der CDU war er Gründungsmitglied der Alternative für Deutschland (AfD) und ist dort seit 2015 einer der drei stellvertretenden Parteisprecher. Für diese trat er als Kandidat für die Wahl des Bundespräsidenten 2017 an.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Glaser ist evangelischer Konfession.[2] Er besuchte von 1952 bis 1963 das Altsprachliche Gymnasium Worms, studierte dann Rechts-, Staats- und Verwaltungswissenschaften an der Universität Heidelberg, der Universität Tübingen und der Verwaltungshochschule Speyer und schloss als Assessor juris (Volljurist) ab. In Heidelberg wurde er Mitglied der Burschenschaft Allemannia Heidelberg.[3]

Glaser war persönlicher Referent des Rektors der Universität Heidelberg und hauptamtlicher Dozent an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg.[4] Er war zeitweilig Sprecher der Deutschen Burschenschaft.[5]

Mit dem Ausscheiden aus dem Amt als Frankfurter Stadtkämmerer schied Glaser unter anderem aus dem Aufsichtsrat der FRAPORT[6] und der Mainova AG aus.[7] Ab 2001 war er Geschäftsführer der ABG Frankfurt Holding.[4][8] Zum 31. Dezember 2006 ging er in den Ruhestand.

Glaser ist in zweiter Ehe verheiratet[9] und hat vier Kinder.[10]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Glaser trat 1970 der CDU bei.[11] Als Kommunalpolitiker war er zunächst Erster Beigeordneter (Bürgermeister) in Bretten und danach von 1980 bis 1987 Bürgermeister von Waldbronn.[12] 1991 wurde er zum Ersten Beigeordneten des Landeswohlfahrtsverbands Hessen für eine Amtszeit von sechs Jahren gewählt und war an der Seite der hauptamtlichen Beigeordneten Barbara Stolterfoht für die Finanzen verantwortlich.[13]

Kommunalpolitik in Frankfurt und die „Glaser-Fonds“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1995 war er im Stadtrat von Frankfurt am Main zuständig für Wirtschaft und Gesundheit.[14] 1997 übernahm er von Tom Koenigs (Bündnis 90/Die Grünen) das Amt des Stadtkämmerers[15] und wurde als solcher bekannt.

In dieser Funktion legte er im Jahr 2000 an Magistrat und Stadtparlament vorbei 100 Millionen DM in einem Fonds an und machte sich zunächst als „Haushaltssanierer“ einen Namen, wofür er später kritisiert wurde, nachdem der Fonds in der Finanzkrise ab 2007 deutlich ins Minus rutschte.[16] Die Hessische Gemeindeordnung sah für Fälle einer kommunalen Geldanlage allerdings keine Zustimmung der beiden Gremien vor.[17] Für die städtische Zusatzversorgung der Bediensteten legte Glaser weitere 100 Millionen DM mit ähnlicher Entwicklung an.[18] Der An- und Verkauf der sogenannten „Glaser-Fonds“ wird medial und politisch immer noch mit seiner Person verbunden.[19][20] 2012 wurde die Summe, die Glaser insgesamt in Spekulationsanlageformen gesteckt hatte, mit 279 Millionen Euro beziffert. Unter CDU-Kämmerer Uwe Becker konnte ein größerer Anteil der Papiere nach und nach mit einem Gewinn von 24,8 Millionen Euro verkauft werden.[21] Der Verkauf des zuerst erworbenen „Glaser-Fonds“ mit Verlust wurde dann im Herbst 2013 beschlossen. Der Bund der Steuerzahler gab den Verlust des ersten Fonds mit 9 Millionen Euro an.[22] Letztendlich brachte der Verkauf des ersten Fonds der Stadt 43,2 Millionen Euro (84,5 Millionen DM) ein. Hinzu kam der Verzicht auf Zinsen und Einbußen durch wiedereinzuzahlende Ausschüttungen in Höhe von 3,8 Millionen Euro im Anlagezeitraum.[23] Der zweite Fonds für die städtische Zusatzversorgung der Bediensteten wurde offensichtlich noch nicht abgestoßen. Den Schaden, der der Stadt durch das Halten beider „Glaser-Fonds“ entstand, schätzte Lothar Reininger (Die Linke) mit 80 Millionen Euro ein.[24]

In seiner Amtszeit war Glaser auch an der Ausschreibung für den Bau der Commerzbank-Arena beteiligt.[25] Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) beabsichtigte bereits 2000 wegen vorhandener schwarzer Kassen und Zerwürfnissen mit der SPD, Glaser mit dem Sozialdezernat zu beauftragen.[26] 2001 setzte sie ihn als Finanzdezernenten letztendlich ab.[27][28] Im Amt als Kämmerer folgte ihm im Januar 2002 Horst Hemzal, ebenfalls CDU.[29] Bis Anfang 2004 blieb Glaser Vorsitzender des CDU-Stadtbezirksverbands Frankfurt-Innenstadt.[30] Über seine Zeit und Erfahrungen im Römer, dem Frankfurter Rathaus, wollte er später in Buchform berichten.[31]

Parteiübertritt und Wirken in der AfD[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Albrecht Glaser (li.) auf der AfD-Wahlversammlung im Januar 2014 in Aschaffenburg

Im Herbst 2012 trat Glaser nach 42 Jahren aus der CDU aus[32] und im März 2013 in die neugegründete AfD ein.[1] Mit der Mitgliedsnummer 30 zählt er zu den Gründern der Partei[32] und ist Vorsitzender der Satzungskommission.[33] Glaser ist Mitglied im AfD-Kreisverband Schwalm-Eder-Kreis.[34]

Bei der Bundestagswahl 2013 war Glaser Kandidat der AfD auf Platz 3 der Landesliste Hessen. Vom 4. Mai 2013 bis zum 23. November 2013 war er zusammen mit Eberhard von dem Bussche Vorstandssprecher der AfD Hessen.[35][36] Am 30. Mai 2015 wurde er erneut in den Vorstand der AfD Hessen gewählt und ist seitdem einer der drei Sprecher des Landesverbandes Hessen.[37]

Auf dem Bundesparteitag in Essen am 4. Juli 2015 wurde er zu einem von drei stellvertretenden Bundesvorsitzenden gewählt.[38] Auf dem Bundesparteiprogrammtag der AfD am 30. April 2016 in Stuttgart wurde Glaser als Kandidat für die Wahl des Bundespräsidenten 2017 benannt.[39] Bei der Wahl durch die Bundesversammlung erhielt Glaser mit 42 von 1253 der abgegebenen Stimmen die drittmeisten. Es gab mindestens sieben Abweichler aus anderen Parteien, die zusätzlich zu den 35 AfD-Delegierten für Glaser stimmten.[40]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Albrecht Glaser – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Jutta Rippegather: FDP-Abgeordneter tritt zur AfD über, Frankfurter Rundschau, 6. Mai 2013.
  2. horizonte, 3. Juli 2016
  3. Markus Gail: Studentenverbindungen in Frankfurt am Main: Berühmte (und berüchtigte) Korporierte; dort als Quelle angegeben: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 26. März 2000, S. 3.
  4. a b Albrecht Glaser geht in den Ruhestand, Schelleklobbe – Ihre Mieterzeitung Nr. 41, Dezember 2006. S. 26.
  5. Der Mann, der für die AfD Bundespräsident werden will. In: WELT.de. 5. Juli 2016, abgerufen am 17. Februar 2017.
  6. Fraport AG bekommt vier neue Aufsichtsräte, APA-OTS, 29. Januar 2002.
  7. Geschäftsbericht 2002, Mainova AG, 2003. S. 25.
  8. Albrecht Glaser, Hellerhof GmbH, moneyhouse.de
  9. Glasers Welt. In: FAZ.NET. 13. August 2016, abgerufen am 17. Februar 2017.
  10. AfD Elbe-Elster: Vita Albrecht Glaser
  11. 1970 40 Jahre CDU-Stadtverband Niedenstein 2010, CDU-Stadtverband Niedenstein, 2010.
  12. Die Bürgermeister, Waldbronn.
  13. Chronik: 1991, Landeswohlfahrtsverband Hessen.
  14. Peter Scherer: Petra Roth entmachtet grünen Kämmerer, Die Welt, 7. März 1997.
  15. Von Weber: Tom Koenigs, Der Spiegel 16/1997, 14. April 1997.
  16. Tobias Rösmann: Glaser verteidigt Fondskauf, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. Dezember 2008.
  17. Thomas Remlein: Stadt trennt sich von Verlustfonds, Höchster Kreisblatt, 12. Februar 2013.
  18. Thomas Remlein: Ex-Kämmerer muss keinen Regress fürchten, Usinger Neue Presse, 3. Juli 2013.
  19. Thomas Remlein: Glaser-Fonds wird mit Verlust verkauft, Frankfurter Neue Presse, 13. September 2013.
  20. Die Woche im Römer: Glaser, Glaser gib uns unsere Millionen wieder!, Frankfurter Neue Presse, 14. September 2013.
  21. Ulf Homeyer: Stadt verkauft Zockerpapiere, 14. November 2012.
  22. Bund der Steuerzahler klagt an: So verschwendet Hessen Geld, Journal Frankfurt, 17. Oktober 2013.
  23. Pitt von Bebenburg: Pitt von Bebenburg, Frankfurter Rundschau, 7. April 2015.
  24. Thomas Remlein: Glaser-Fonds wird mit Verlust verkauft, Frankfurter Neue Presse, 13. September 2013.
  25. Frankfurter WM-Stadion kostet 188 Millionen Euro., stadionwelt.de, 22. April 2004.
  26. Hauskrach im Römer, Focus Nr. 9 (2000), 28. Februar 2000.
  27. Ulrich Adolphs: Stühlerücken hinter den Römer-Kulissen: Bei der CDU wankt Glasers Position, aber die Alternative fehlt, Rhein-Main-Zeitung, 11. August 2001. S. 70.
  28. Das neue Schuldenbuch, Frankfurter Neue Presse, 24. September 2011.
  29. Prüfbericht mit herber Kritik an Finanzpolitik und Etatreform, Frankfurter Allgemeine, 21. Oktober 2004.
  30. Neuwahlen bei der CDU Innenstadt; in: Frankfurt Magazin Nr. 1, CDU Frankfurt am Main (Hrsg.), Februar 2004. S. 14.
  31. Frankfurt und Frankfurter, Frankfurter Allgemeine, 18. Januar 2004.
  32. a b Tobias Rösmann: Das CDU-Gerippe stützt sich nur noch auf Merkel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. April 2013.
  33. Tim Rahmann: Tumulte in der AfD, Wirtschaftswoche, 21. November 2014.
  34. Website des AfD-Kreisverbands Schwalm-Eder-Kreis Beitrag von Albrecht Glaser vom 19. Mai 2015.
  35. Thomas Remlein: Früherer Kämmerer führt die Euro-Kritiker an, Frankfurter Neue Presse, 7. Mai 2013.
  36. Hessens AfD ohne Vorstand, Handelsblatt, 24. November 2013.
  37. Bianca von der Au: Lucke-Gegner führen hessische AfD, Hr-online.de, 2. Juni 2015.
  38. Keine massiven Parteiaustritte nach Wechsel an AfD-Spitze, Focus Online, 6. Juli 2015.
  39. Hannelore Crolly: Dieser Mann will für die AfD Bundespräsident werden. In: Welt Online. 29. April 2016 (welt.de [abgerufen am 1. Mai 2016]).
  40. Bundespräsidentenwahl 2017 – Die Ergebnisse im Detail. In: spiegel.de. 12. Februar 2017, abgerufen am 26. April 2017.