Albrecht von Preußen (1809–1872)

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Prinz Albrecht von Preußen als General der Kavallerie (um 1860)

Friedrich Heinrich Albrecht Prinz von Preußen (* 4. Oktober 1809 in Königsberg; † 14. Oktober 1872 in Berlin) stieg als preußischer Kavallerieoffizier bis zum Generaloberst auf. Er war der jüngste Bruder von König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, Kaiser Wilhelm I., der russischen Zarin Alexandra Fjodorowna und der Großherzogin Alexandrine zu Mecklenburg-Schwerin. Nach Scheidung von seiner ersten Ehefrau Marianne Prinzessin von Oranien-Nassau und morganatischer Heirat seiner zweiten Ehefrau Rosalie Gräfin von Hohenau, geborene von Rauch musste er seinen Wohnsitz von Berlin nach Dresden verlegen. Zu diesem Zweck ließ er dort Schloss Albrechtsberg errichten.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prinz Albrecht und seine Schwester Prinzessin Luise (Gemälde von Gerhard von Kügelgen)

Eltern und Geschwister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Albrecht wurde als fünfter Sohn und letztes von zehn Kindern von König Friedrich Wilhelm III. und der Königin Luise in Königsberg geboren, ihrer Residenz während der französischen Besetzung Berlins. Er war der Bruder der preußischen Könige Friedrich Wilhelm IV. und Wilhelm I., der ab 1871 auch Deutscher Kaiser war. Seine Mutter starb, als er noch nicht einmal ein Jahr alt war. Mit seinen Geschwistern kam Albrecht in die Obhut der Prinzessin Marianne von Preußen, der Ehefrau seines Onkels Prinz Wilhelm von Preußen.

Militärkarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prinz Albrecht trat mit zehn Jahren, wie alle preußischen Prinzen, 1819 als Sekondeleutnant in das 1. Garde-Regiment zu Fuß der Preußischen Armee ein.

1828 wurde er zum Major befördert. 1829 schied er aus dem 1. Garde-Regiment aus und wurde dem Regiment der Gardes du Corps in Potsdam bzw. Charlottenburg aggregiert; Chef dieses Regiments – wie auch des 1. Garde-Regiments – war der preußische König. 1831 erhielt Albrecht seine Beförderung zum Oberst. Generalmajor wurde er 1833 und im selben Jahr Kommandeur der preußischen 6. Kavallerie-Brigade mit Standort Torgau. 1836 übernahm Albrecht von Preußen die in Potsdam stationierte 2. Garde-Kavallerie-Brigade. Von 1840 bis 1844 kommandierte er auf der nächsthöheren Führungsebene die 5. Division in Berlin, ab 1842 im Rang eines Generalleutnants. 1852 stieg Prinz Albrecht zum General der Kavallerie auf. Vorübergehend übernahm er 1859 das Kommando über die preußische 6. Division. 1865 wurde er zum Inspekteur der dritten Armeeabteilung ernannt.[1] Im Krieg gegen Österreich 1866 befehligte er das Kavalleriekorps der 1. Armee und wohnte den Schlachten bei Münchengrätz, Gitschin und Königgrätz bei.

Bei Beginn des Kriegs gegen Frankreich 1870 erhielt er das Kommando über die der 3. Armee zugeteilte 4. Kavallerie-Division und nahm aktiv an der Spitze derselben Anteil am Zug der 3. Armee von Weißenburg über Wörth und Sedan nach Paris teil. Anfang Oktober wurde er beauftragt, zur Beobachtung der französischen Loirearmee im Rahmen der Armeeabteilung des Generals von der Tann vorzugehen, seine Kavallerie deckte die Bayern im Gefecht bei Artenay und beim Vorgehen in Richtung auf Orléans.

In der Schlacht bei Loigny und Poupry und bei Beaugency beteiligte sich seine Division Anfang Dezember erfolgreich an den Operationen des Großherzogs von Mecklenburg Friedrich Franz II. und des Prinzen Friedrich Karl Nikolaus von Preußen bis zur Beendigung des Loirefeldzugs. Albrecht wurde am 31. Dezember 1870 mit dem Orden Pour le Mérite ausgezeichnet.[2]

Nach Beendigung des Kriegs wurde Albrecht zum Generaloberst ernannt.

Abgeordneter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1867 bis 1871 war er als Abgeordneter des Reichstagswahlkreises Regierungsbezirk Gumbinnen 3 Mitglied des Reichstags des Norddeutschen Bundes. Im Parlament schloss er sich keiner Fraktion an und war ein unabhängiger Konservativer.[3]

Reisen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Albrecht von Preußen unternahm – teilweise in Abstimmung mit seinem Bruder König Friedrich Wilhelm IV. – mehrmonatige Reisen. So besuchte 1843 den Orient und das Heilige Land; dabei schloss er sich in Ägypten zeitweise der Forschungsexpedition von Richard Lepsius an. 1858 bereiste Albrecht die Krim, 1862 den Kaukasus.[4]

Ehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prinzessin Marianne von Oranien-Nassau, erste Ehefrau Prinz Albrechts (Pastell von Philip Koelman, 1846)

Vom 14. September 1830 bis 28. März 1849 war Albrecht von Preußen mit Marianne Prinzessin von Oranien-Nassau (1810–1883) verheiratet, der jüngsten Tochter von König Wilhelm I. der Niederlande und dessen Ehefrau Wilhelmine Prinzessin von Preußen. Die Ehe ging auseinander, als er 1845 eine außereheliche, nicht standesgemäße Liebesbeziehung mit Rosalie von Rauch (1820–1879) einging, der Tochter des preußischen Kriegsministers Gustav von Rauch und Hofdame seiner Ehefrau.

Prinz Albrecht heiratete Rosalie von Rauch 1853 morganatisch. Der niederländische und der preußische Hof hatten zuvor der Scheidung Albrechts und Mariannes erst zugestimmt, als Marianne von Oranien-Nassau von ihrem Kutscher und späteren Kabinettssekretär Johannes van Rossum, mit dem sie 1848 eine Liebesbeziehung eingegangen war, ein Kind erwartete.[5] Albrecht war schon wegen seiner Scheidung von Prinzessin Marianne mit König Friedrich Wilhelm IV., seinem ältesten Bruder, in heftigen Widerspruch geraten. Ebenfalls vehement lehnte der preußische König die nicht-standesgemäße Verbindung zwischen Prinz Albrecht und Rosalie von Rauch ab. Auch dessen Ehefrau, Königin Elisabeth von Preußen, Albrechts Schwägerin, und Großherzogin Alexandrine von Mecklenburg-Schwerin, Schwester des Königs und des Prinzen, teilten diese Haltung.[6]

Die nicht-standesgemäße Hochzeit von Albrecht und Rosalie musste deshalb außerhalb Preußens stattfinden. Gewählt wurde das Herzogtum Sachsen-Meiningen, denn Albrechts älteste Tochter Charlotte aus der Ehe mit Marianne von Oranien-Nassau war mit dem Erbprinzen Georg von Sachsen-Meiningen verheiratet. Die Trauung erfolgte nach strengen Vorgaben aus Berlin ohne jedes Aufsehen im kleinsten Kreis am 13. Juni 1853, einem werktäglichen Montag, in der Dorfkirche von Schweina, wo die sachsen-meiningischen Herzöge mit Burg Altenstein ihre Sommerresidenz unterhielten. Zeitungen war jegliche Berichterstattung untersagt.

Rosalie von Rauch war kurz vor der Eheschließung durch den Herzog von Sachsen-Meiningen zur Gräfin von Hohenau erhoben worden. Ihr neu geschaffener Familienname wirkte wie eine Anspielung auf den Namen Hohenzollern. Die beiden Söhne von Prinz Albrecht und der Gräfin Hohenau waren von der Zugehörigkeit zum preußischen Königshaus ausgeschlossen und hatten den Familiennamen ihrer Mutter zu tragen.

Prinz-Albrecht-Palais in Berlin (um 1837)

Prinz-Albrecht-Palais in Berlin und Schloss Albrechtsberg in Dresden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seiner Eheschließung mit Prinzessin Marianne von Oranien-Nassau 1830 hatte Prinz Albrecht in der Berliner Wilhelmstraße das dann nach ihm benannte Prinz-Albrecht-Palais erworben und von Karl Friedrich Schinkel umgestalten lassen, um es dann mit seiner ersten Ehefrau zu beziehen. Ab 1860 ließ es Albrecht von Schinkels Schüler Adolf Lohse nochmals umbauen.

Aufgrund seiner Scheidung von Marianne von Oranien-Nassau und seiner nicht standesgemäßen zweiten Ehe mit Rosalie Gräfin von Hohenau war Albrecht am preußischen Hof unerwünscht. Daher ließ er sich von 1850 bis 1854 am Loschwitzhang bei Dresden durch den Schinkelschüler Adolf Lohse das prachtvolle Schloss Albrechtsberg als für das Mitglied einer königlichen Familie standesgemäße Residenz erbauen. Er lebte dort mit Rosalie. Die beiden gemeinsame Söhne wurden in Schloss Albrechtsberg geboren und wuchsen dort auf.

Schloss Albrechtsberg bei Dresden

Im Innern von Albrechtsberg ließ Albrecht durch Landschaftsmalereien auf den Emporen seine Lieblingsreiseziele festhalten: Kairo, Konstantinopel, Meran und Neapel. Das Maurische bzw. Türkische Bad erinnert an seine Orientreise von 1843.[7]

Grab im Charlottenburger Mausoleum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prinz Albrecht starb am 14. Oktober 1872. Seine Beisetzung erfolgte im königlichen Mausoleum in einem Zinnsarg in der Gruft unter dem Vorraum im Park von Schloss Charlottenburg.

Seine erste Ehefrau, Prinzessin Marianne, wurde 1883 neben ihrem späteren Lebensgefährten Johannes van Rossum auf dem Friedhof von Erbach (Rheingau) bestattet, seine zweite Frau, Rosalie Gräfin von Hohenau, 1879 im Mausoleum des Parks von Schloss Albrechtsberg in Dresden. Mit Öffnung des Parks für die Öffentlichkeit wurden 1950 die sterblichen Überreste der Gräfin Hohenau und ihrer Nachkommen in eine Gruft auf dem Dresdner Waldfriedhof Weißer Hirsch umgebettet. Das Hohenausche Familiengrab wurde 1968 aufgelöst.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prinz-Albrecht-Denkmal von Eugen Boermel und Conrad Freyberg in der Charlottenburger Schloßstraße (1901)

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kinder aus erster Ehe (1830–1849) mit Marianne Prinzessin von Oranien-Nassau (1810–1883):

⚭ 1850 Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen (1826–1914)
  • Namenloser Prinz (*/† 4. Dezember 1832)[10]
Rosalie Gräfin von Hohenau, geborene von Rauch – zweite, morganatische Ehefrau Albrechts
⚭ 1873 Prinzessin Marie von Sachsen-Altenburg (1854–1898), Tochter des Herzogs Ernst I. von Sachsen-Altenburg und dessen Ehefrau Prinzessin Agnes von Anhalt-Dessau
⚭ 1865 Herzog Wilhelm zu Mecklenburg (1827–1879), preußischer General der Kavallerie

Söhne aus zweiter, morganatischer Ehe mit Rosalie von Rauch (1820–1879), Gräfin von Hohenau[11]:

Abstammung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Wilhelm I.
(König in Preußen)
Sophie Dorothea
 
Ferdinand Albrecht II.
(Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel)
Antoinette Amalie
 
Ludwig VIII.
(Landgraf von Hessen-Darmstadt)
Charlotte
 
Christian III.
(Herzog von Pfalz-Zweibrücken)
Karoline
 
Adolf Friedrich II.
(Herzog von Mecklenburg-Strelitz)
⚭ Christiane Emilie Antonie
 
Ernst Friedrich I.
(Herzog von Sachsen-Hildburghausen)
Sophia Albertine
 
Ludwig VIII.
(Landgraf von Hessen-Darmstadt)
Charlotte
 
Christian Karl Reinhard
⚭ Katharina Polyxena
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
August Wilhelm
(Prinz von Preußen)
 
Luise Amalie
(Prinzessin von Preußen)
 
Ludwig IX.
(Landgraf von Hessen-Darmstadt)
 
Karoline
 
Karl
(Prinz von Mecklenburg-Strelitz)
 
Elisabeth Albertine
 
Georg Wilhelm
(Prinz von Hessen-Darmstadt)
 
Maria Luise
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Friedrich Wilhelm II.
(König von Preußen)
 
Friederike Luise
(Königin von Preußen)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Karl II.
(Herzog zu Mecklenburg-Strelitz)
 
Friederike Caroline
(Herzogin zu Mecklenburg-Strelitz)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Auguste
(Kurfürstin von Hessen-Kassel)
 
Wilhelmine
(Königin der Niederlande)
 
Friedrich Wilhelm III.
(König von Preußen)
 
Luise
(Königin von Preußen)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Friedrich Wilhelm IV.
(König von Preußen)
 
Wilhelm I.
(Deutscher Kaiser)
 
Charlotte
(Kaiserin von Russland)
 
Carl
(preußischer General)
 
Alexandrine
(Erbgroßherzogin von Mecklenburg-Schwerin)
 
Luise
(Prinzessin der Niederlande)
 
Albrecht
(preußischer General)
 
 
 
 

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Archivalien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Prinz Albrecht von Preußen (1809–1872) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gustav von Glasenapp: Militärische Biographien des Offizier-Corps der Preussischen Armee. 1868, S. 18 f.
  2. Karl-Friedrich Hildebrand, Christian Zweng: Die Ritter des Ordens Pour le Mérite 1740–1918. Biblio Verlag, Bissendorf 1998, ISBN 3-7648-2473-5, S. 406.
  3. Fritz Specht, Paul Schwabe: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Auflage, Verlag Carl Heymann, Berlin 1904, S. 9.
  4. Digitale Bibliothek - Münchener Digitalisierungszentrum. Abgerufen am 24. August 2022.
  5. Hartmut Heinemann: Prinzessin Marianne der Niederlande (1810-1883) und der Rheingau. Eine Frau zwischen Tradition und Emanzipation. In: Rheingau-Forum. 2/2002, S. 4.
  6. Schwestern im Geiste. Briefwechsel zwischen Großherzogin Alexandrine von Mecklenburg-Schwerin und Königin Elisabeth von Preußen. In: René Wiese/Kathleen Jandausch (Hrsg.): Quellen und Studien aus den Landesarchiven Mecklenburg-Vorpommerns. Band, Nr. 23. Böhlau Verlag, Wien Köln Weimar 2022, ISBN 978-3-412-52224-7, S. 221 f., 228, 254, 408–410.
  7. Samuel Wittwer: Glastulpen, persische Vasen und maurischer Brokat in Berlin: Die Orientreise des Prinzen Albrecht 1843 und ihre Folgen. Hrsg.: Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten e.V. Berlin 2019, S. 68.
  8. Henryk Grzybowski, Grafschafter Obst oder Früchte, die den Namen von Grafschafter Adligen tragen. In: Altheider Weihnachtsbrief. 2014, S. 127–128.
  9. Gustav von Glasenapp: Militärische Biographien des Offizier-Corps der Preussischen Armee. 1868, S. 18 f.
  10. Start - Archion. Abgerufen am 25. November 2021.
  11. Hans Friedrich von Ehrenkrook: Genealogisches Handbuch des Adels. Gräfliche Häuser, B Band 1. C. A. Starke, Glücksburg/Ostsee 1953, S. 169 f.
  12. Exilant, Gourmet und Reisender unter den Hohenzollern Prinz Albrecht der Ältere (1809-1872). Abgerufen am 22. August 2022 (deutsch).