Alegría (Flamenco)

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Die Alegría ist ein Palo des Flamenco, das heißt eine seiner musikalischen und tänzerischen Ausprägungen. Alegría bedeutet auf Spanisch Freude. Entsprechend ihrem Namen gehört die Alegría zu den Cantes chicos, den leichten, heiteren Gesängen des Flamenco. Juan Vergillos nennt sie heiter, optimistisch, graziös, humorvoll, dynamisch und verschmitzt.[1]

Musikalische Charakteristik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinsam mit dem Mirabrás, dem Caracol und der Romera gehört die Alegria zur Gruppe der Cantiñas.[2][3]

Wie die Cantiña folgt sie dem gebrochenen Rhythmus der Soleá, der zwischen Dreier- und Zweier-Schlägen wechselt. Dem heiteren Charakter entsprechend, wird der Rhythmus allerdings leichter und anmutiger angeschlagen als bei der schwermütigen Soleá.[4] Gemäß dem Rhythmus kann man zwei Typen von Alegrías unterschieden: Die klassische Form, wie von den Sängern Aurelio Sellés und Enrique el Mellizo überliefert, ist ruhiger, mit abgesetzten Noten.[1] Ein Protagonist der neueren, lebhafteren Form, mit raschen gebundenen Phrasen, war beispielsweise Manolo Vargas.[1]

Die Tonalität ist Dur und entspricht somit ebenfalls der Cantiña.[4]

Tanz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Alegría ist die älteste Tanzform des Flamenco, wie er sich im 19. Jahrhundert ausprägte.[4] Ende des 19. Jahrhunderts war sie der festliche Tanz schlechthin,[5] bis sie im 20. Jahrhundert vom Tango flamenco und der Bulería etwas in den Hintergrund gedrängt wurde.[4][6] Vermutlich diente sie zunächst stets als Begleitung zum Tanz. Enrique el Mellizo wird zugeschrieben, sie als Erster als Cante por escuchar, als Gesang zum Zuhören interpretiert zu haben.[7]

Die Alegría wird von beiden Geschlechtern getanzt, gilt jedoch eher als weiblicher Tanz.[8][6] Sie gilt als anspruchsvoll, erfordert harmonische Führung der Arme, fließende Bewegungen, weiche Fußtechniken, vor allem durch Einsatz der Fußspitzen und vielfältige Tanzfiguren.[8]

Text[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Alegría wird meist mit den gesungenen Silben „tirititrán, trán, trán“ eingeleitet.[3]

Die Gesangsstrophen bestehen überwiegend aus Vierzeilern, angereichert durch Variationen und kurze Refrains.[4] Die Themen sind meist heiter.[1]

Eine populäre Alegría ist das folgende Loblied auf die Stadt Cádiz:[9]

A Cai no le llaman Cai,
que le llaman relicario,
porque por patrona tiene
a la Virgen del Rosario.

Y a la mar que te vayas
querido Pepe
por muy lejos que vayas
me voy por verte.

Como reluce mi Cai
mira qué bonito está
sobre un cachito de tierra
que le ha robaíto al mar.

Cuando se entra en Cai
por la bahía
se entra en el paraíso
de la alegría.

In Cádiz nennt man sie nicht Cádiz,
man nennt sie einen Reliquienschrein,
denn als Patronin hat sie
die Jungfrau vom Rosenkranz.

Und wenn du zum Meer gehst
lieber Pepe
egal wie weit du gehst,
werde ich dich sehen.

Wie mein Cádiz glänzt.
Schau, wie schön sie ist,
auf einem Fleckchen Erde,
das sie dem Meer stahl.

Kommt man nach Cádiz
an die Bucht,
so betritt man das Paradies
der Freude.

Juan Vergillos gibt folgendes Beispiel:[10]

Compañerita de mis entrañas
El sentió me da vueltas
Que me arrimo a las paredes
Y hasta llegar a tu puerta.

Cuando te vengas conmigo
A donde te voy a llevar
A darte una vueltecita
Por la muralla real.

Dos cositas tiene Cádiz
Que llaman la atención
Las mocitas de mi barrio
Y la calle del Mirador

(etc., 11 coplas en total)

Kleine Gefährtin meines Herzens
Mir wird schwindlig
so lehne ich mich an die Mauern
den ganzen Weg bis zu deiner Tür.

Wenn du mit mir kommst,
wohin ich dich führen werde,
um mit dir eine kleine Runde zu drehen,
auf der königlichen Mauer.

Zwei kleine Dinge hat Cadiz
Die beachtlich sind:
Die Mädchen in meinem Viertel.
Und die Straße zum Aussichtspunkt.

(usw.; insgesamt 11 Strophen)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Alegría stammt vermutlich aus Cádiz. Der Sänger Aurelio Sellés sieht ihre Vorgänger in Volkstänzen, Jotillas gaditanas, die im frühen 19. Jahrhundert in Cádiz populär waren. Diese wiederum hätten ihren Vorgänger in der asturischen Jota, die im Laufe des spanischen Unabhängigkeitskrieges nach Cádiz gelangt sei. Einige traditionelle Liedtexte von Alegrías beziehen sich auf diesen Krieg.[1]

In der Zeit der Cafés cantantes im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wurden diese Jotillas mit der Soleá zu einer neuen Form verbunden: der Alegría.[1] Der älteste Nachweis für den Begriff Alegrías ist für das Jahr 1866 bekannt. Er bezieht sich auf einen Sänger namens Francisco Hidalgo, auch Paco el Gandul oder Paco Botas genannt. Ebenfalls in den 1860er Jahren begannen andere Flamenco-Sänger wie El Quiqui, Cantes alegres oder Cantes por alegre zu singen.[6] Die Adaption an der alten Volkstänze an den Flamenco wird jedoch traditionell dem Sänger Enrique Butrón aus Cádiz zugeschrieben.[1]

Demófilo schrieb in seiner Monografie Colección de Cantes Flamencos über

«(...) ese infinito número de composiciones, puramente andaluzas, conocidas con el nombre de juguetillos o alegrías.»

„(...) diese unendliche Zahl von Kompositionen, rein andalusisch, unter den Namen Juguetillos oder Alegrías bekannt.“

Demófilo[6]

Ende des 19. Jahrhunderts brachte Enrique el Mellizo dann die Alegrías in die klassische Form, die wir heute kennen.[6] Zu jener Zeit wurde von den Tänzerinnen oft erwartet, dass sie zum Tanz sangen, was die anspruchsvolle Darbietung noch schwieriger machte.[5]

Weitere bekannte Interpretinnen und Interpreten, die die Alegría aufgriffen und weiterentwickelten, waren unter anderen:[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Juan Vergillos: Conocer el Flamenco – sus estilos, su historia. Signatura Ediciones de Andalucía, Sevilla 2009, ISBN 978-84-95122-84-1, S. 40 (spanisch).
  2. Juan Vergillos: Conocer el Flamenco. S. 39.
  3. a b Miguel Ortiz: Cantiña. In: Flamencoviejo.com. 16. März 2010, abgerufen am 2. Mai 2010 (spanisch).
  4. a b c d e f Alegrías. In: Flamencopolis.com. Faustino Núnez, abgerufen am 2. Mai 2019 (spanisch).
  5. a b José Luis Navarro García: Historia del Baile Flamenco. Volumen I. Signatura Ediciones de Andalucía, Sevilla 2010, ISBN 978-84-96210-70-7, S. 308.
  6. a b c d e Miguel Ortiz: Alegría. In: Flamenco Viejo. 16. März 2010, abgerufen am 4. Mai 2019 (spanisch).
  7. Ángel Álvarez Caballero: El cante flamenco. Alianza Editorial, Madrid 2004, ISBN 978-84-206-4325-0, S. 120.
  8. a b Juan Vergillos: Conocer el Flamenco. S. 41.
  9. Didáctica del Flamenco. UNIDAD DE TRABAJO 14: Cantes de Cádiz. In: Junta de Andalucía. Abgerufen am 4. Mai 2019 (spanisch).
  10. Juan Vergillos: Conocer el Flamenco. S. 128.